Gitterkästen

Hallo,
während eines Einkaufsbummels durch die Stadt Münster/ Westfalen sahen wir einmal so eine Art alten Gitterkasten an einem alten Gebäude hängen. Der Kasten hing vielleicht 3 - 4 Meter in der Höhe und sitzend passte da sicherlich ein Mensch hinein. Gehe mal davon aus, das diese Art Käfig für Bestrafungen im Mittelalter gedacht war.
Tippe ich da richtig. ? Wenn ja, wie heißen diese Käfige und welche Dummheiten muß man vollbracht haben, um da hinein zu kommen. ?
Gibt es online Seiten, wo diese Dinger auch abgebildet sind. ?

Vielen lieben Dank
Moni

Hallo monika,

während eines Einkaufsbummels durch die Stadt Münster/
Westfalen sahen wir einmal so eine Art alten Gitterkasten an
einem alten Gebäude hängen. Der Kasten hing vielleicht 3 - 4
Meter in der Höhe und sitzend passte da sicherlich ein Mensch
hinein. Gehe mal davon aus, das diese Art Käfig für
Bestrafungen im Mittelalter gedacht war.
Tippe ich da richtig. ? Wenn ja, wie heißen diese Käfige und
welche Dummheiten muß man vollbracht haben, um da hinein zu
kommen. ?
Gibt es online Seiten, wo diese Dinger auch abgebildet sind. ?

sehr viel weiß ich nicht, darum sieh bitte auch mal (vielleicht bei Wikipedia? und/oder google) unter „Wiedertäufer“ nach.
Diese Käfige waren ein Mittel der Todesstrafe.
Die „Dummheit“ war speziell in Münster: Abfall vom rechten Glauben.
Vollzug: Delinquenten in den Käfig sperren, hochziehen, fertig.

also Tod durch Verdursten, innerhalb von sagen wir 3-4 Tagen. Folter vorher möglich, aber nicht zwingend notwendig.

viele grüße
Geli

Wiedertäufer ist richtig.
Ja, die Annahme, sie hätten etwas mit den Wiedertäufern ist richtig.

In Münster war die Besonderheit, dass es den Wiedertäufern gelang, die Stadtherrschaft zu übernehmen. Der Bischof, dem schließlich die Wiedereroberung gelang, statuierte ein besonders grausames Exempel an den Rebellionsführern, um die Lust auf Nachahmung zu unterbinden. Dazu gehörte auch, die Leichen in den Käfigen über etliche Jahrzehnte (Jahrhunderte?) auszustellen.

Es ist aber eine Münsteraner Besonderheit. Aus anderen Städten ist es mir nicht bekannt.

sehr viel weiß ich nicht, darum sieh bitte auch mal
(vielleicht bei Wikipedia? und/oder google) unter
„Wiedertäufer“ nach.

Das sind aber mehrere Käfige, die an einer Kirche aufgehängt sind und sicher nicht nur 3-4 Meter hoch. In dem Fall ist sicher ein anderes Gebäude gemeint.

In Stuttgart wurde 1738 Joseph Süß Oppenheimer am Galgen im Käfig erhängt. Oppenheimers Leichnam blieb sechs Jahre lang in dem eisernen Käfig, erst 1744 ließ ihn Herzog Karl Eugen abhängen und verscharren.

Soweit ich mich erinnere wurde diese Todesart auch in Augsburg vollzogen, wenn ich jetzt richtig liege im Mittelalter (14. Jhd.?) und ich glaube sogar mehrmals. Die Skelette vlieben in den Käfigen liegen. Muß ich aber nachsehen, das ist jetzt nur so aus dem unreinen…

Heinrich

Da habe ich mich mit

Es ist aber eine Münsteraner Besonderheit.

wohl etwas missverständlich ausgedrückt.

Die Zurschaustellung von Hingerichteten im Mittelalter war wohl eher das Normale. Das begann damit die Gehenkten am Galgen zu belassen (darum auch die Galgenvögel = Raben), ging über das Aufspießen und Ausstellen von Körperteilen von Geköpften und Gevierteilten bis hin zum Zurschaustellen in besagten Käfigen. Letzteres war wohl auch in etlichen Hafenstädten Usus um potentielle Piraten abzuschrecken.

Die Münsteraner Besonderheit ist, dass die Käfige auch nach dem Zerfall der Leichen bis heute an der Lamberti hängen.
http://www.efb.ch/Texte/lamberti-muenster.jpg

Hallo,
danke für die vielen Antworten. Mir kam schon das Grausen, als wir diese Käfige sahen, ohne den Hintergrund zu wissen. Da wird einem so schlecht, das man diese nicht noch mal im Original betrachten möchte.

Gruss
Moni

Hallo,
danke für die vielen Antworten. Mir kam schon das Grausen, als
wir diese Käfige sahen, ohne den Hintergrund zu wissen. Da
wird einem so schlecht, das man diese nicht noch mal im
Original betrachten möchte.

Sind denn die Fotos der Iraker, die von US-Amerikanern gequält werden, schöner anzusehen?

mfgConrad

Grausamkeit im Mittelalter
Hallo Moni,

Der mittelalterliche Mensch war diesbezüglich nicht heikel. Schau Dir einmal ein paar Altarbilder von Märtyrer an. Da wird geköpft, verbrannt, geröstet, erschlagen, gemartert, geblendet, verstümmelt und was einem sonst noch so alles einfällt.

Hier ein nettes Bild, auf dem der heilige Bartholomäus gehäutet wird.
http://www.brauchtumsseiten.de/a-z/b/bartholomaeus/B…

Der mittelalterliche Mensch war in viel höherem Maß an Grausamkeit gewöhnt, als wir es heute sind. Unsere heutigen Maßstäbe dürfen wir an die damaligen Menschen nicht anlegen.

(Wobei Conrad nicht unberechtigt darauf hinweißt, dass die Maßstäbe wohl gar nicht so weit auseinander liegen.)

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Der mittelalterliche Mensch war, wenn man so will, „unschuldig“.

Wer heute so etwas macht, wie z.B. die nazis oder die US-Amerikaner, der weiß ganz genau, was er macht.

Obwohl man da nun wieder bei den Amerikanern sagen muß, sie wissen auch nicht was sie tun, da sie alles für ihre merkwürdigen Pseudoreligionen tun. Sie glauben an ihre Religionen, wie der mittelalterliche Mensch es auch tat.

Wer Darwin an den Schulen verbietet, muß krank sein. Nicht, weil er Darwin nicht glaubt, sondern weil er es verbietet.

mfgConrad

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Sind denn die Fotos der Iraker, die von US-Amerikanern gequält
werden, schöner anzusehen?

Hallo Conrad,
aber das kann man doch nicht vergleichen - heute sind die Käfige viel größer und obendrein komfortabel eingerichtet.

„Die Käfige sind kaum größer als ein gewöhnliches Doppelbett, haben eine Pritsche mit einer dünnen Matratze, ein im Boden eingelassenes Hockklo „asian style“ sowie ein Waschbecken in Kniehöhe. […] Auch nachts ist das Licht in den Zellenblöcken an. Wer auf seiner Toilette sitzt, darf sich umständlich ein dünnes Tuch vor den Schambereich halten. Die im Mittelgang patrouillierenden Wachen lassen keinen der Insassen länger als 30 Sekunden aus den Augen. Es gibt nicht die geringste Intimität. Nur Anonymität. Die Häftlinge haben keine Namen mehr. Jeder ist nur eine „Individual Serial Number“. […] Die Verhöre finden zu jeder Tages- und Nachtzeit in 17 Sprachen und 19 Dialekten statt. Der „global war on terror“ kennt in Guantanamo keine Pause. 29 kleine Hafterleichterungen – von der eigenen Plastikflasche Wasser bis zu Extra-Rationen Essen und Extra-Sport mit anderen – werden für jene bereitgehalten, die ihr Wissen preisgeben, egal welches.“
(Auszug aus einer Reportage von Volker Skiera, vgl. http://www.skierka.de/index.php?mainpage=show_rblock…)

Laut AFP-Meldung von 22.03.2006 werden in Guantanamo rund 490 Terror verdächtige festgehalten - Untersuchungshäftlinge also. Die meisten von ihnen bereits seit 2001. Bislang wurde lediglich gegen zehn von ihnen Anklage erhoben.

Das ist ein weiterer deutlicher Unterschied zum Mittelalter - dort waren die Käfige Mittel der Straf justiz, d.h. ihrer ‚Anwendung‘ ging idR ein rechtsgültiges Urteil voraus.

Freundliche Grüße,
Ralf

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Dazu gabs auch mal einen Zweiteiler im Fernsehen zu sehen mit Christoph Waltz und Mario Adorf. Hieß „König der letzten Tage“

"Das Münsterland des Jahres 1534: Sebastian Kien, ein Vagant und Possenreißer, rettet mit List und Tücke die junge Engele Kerkerinck vor der Hinrichtung. Da Engele ihre gesamte Familie verloren hat, nimmt sie Sebastian in seine Obhut, macht ihr Mut zum Weiterleben, will ihr das Tanzen und das Singen beibringen. Engele jedoch will nach Münster, dorthin, wo der sagenhafte Jan van Leyden predigt, ein Wiedertäufer, zu dem Katholiken wie Protestanten in Scharen überlaufen - vor allem Frauen. So geraten die beiden in den blutigen Machtkampf zwischen Wiedertäufern und katholischem Klerus… "