habe ich gerade erhalten. Vielleicht inter4essiert es einige (bin mir da sicher). Schade, dass beim Kopieren die Tabelle nicht richtig rüberkommt. Aber sie ist auch so lesbar.
Grüße
Raimund
Streichkonzert in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)
- doch noch vor der Wahl ?
Übereinstimmend greifen zwei bekannte Nachrichtenmagazine aus Hamburg und München in ihrer
jeweiligen Ausgabe Nr. 30/2001 nochmals eine „Streichliste“ zum GKV-Leistungskatalog auf, die
im Februar vom Kieler „Institut für Gesundheitssystem-Forschung“ zusammengestellt wurde.
Adressat ist auch das Gesundheitsministerium. Eine auch nur teilweise Akzeptanz dieser Liste
wirft jedoch sofort wahl- und parteitaktische Probleme auf. Eines ist aber nicht zu übersehen:
Gerade die im Wettbewerb mit der privaten Krankenversicherung um freiwillig Versicherte am häufigsten bemühten GKV-Argumente stehen auf der (Abschuss-)Liste. Das zeigt eine aus beiden
Presse-Beiträgen stammende Übersicht der Vorschläge:
⊠=Streichung; GLà =Kürzung von Geldleistungen, SBÞ =höhere Selbstbeteiligung, Zuzahlung usw.
Kassenleistung Änderungsvorschlag Einsparung
Arznei – und Verbandsmittel SBÞ , max. 39 DM/Mittel 6.200 Mio. DM
Empfängnisverh.,Schwangerschaftsabbruch, Sterilisation ⊠(⇨Steuerfinanzierung)* 290 Mio. DM
Fahrkosten SBÞ 25 DM +10% Restk. 463 Mio. DM
Forderung von Verbraucher- und Patientenberatung ⊠ (ersatzlos) 10 Mio. DM
Gesundheitsförderung ⊠ (ersatzlos) 365 Mio. DM
Gruppenprophylaxe für Zahnerkrankungen ⊠ (ersatzlos) 62 Mio. DM
Häusliche Krankenpflege ⊠ (ersatzlos) 14 Mio. DM
Haushaltshilfe ⊠ (ersatzlos) 535 Mio. DM
Hauswirtschaftliche Versorgung ⊠ (ersatzlos) 14 Mio. DM
Heilmittel (z.B. Massagen, Bäder, Krankengynastik) SBÞ 15 % Þ 20 % Kosten 350 Mio. DM
Hilfsmittel (z.B. Hörgerät, Rollstuhl, Krücken) SBÞ keine Angaben
Krankengeld bei eigener Arbeitsunfähigkeit GLà 70 % à 60 % Brutto 1.900 Mio. DM
Krankengeld bei Erkrankung eines Kindes ⊠ (ersatzlos) 183 Mio. DM
Krankenhausbehandlung SBÞ 17 / 14 DM Þ 25 DM 1.500 Mio. DM
Künstliche Befruchtung ⊠ (ersatzlos) keine Angaben
Medizinische Vorsorge und Rehabilitation für Mütter ⊠ (ersatzlos) 827 Mio. DM
Mutterschafts- und Entbindungsgeld ⊠(⇨Steuerfinanzierung)* 1.330 Mio. DM
Psychotherapeutische Behandlung SBÞ (20 DM / Stunde) 240 Mio. DM
Rehabilitationsmaßnahmen SBÞ 17 / 14 DM Þ 25 DM 128 Mio. DM
Selbsthilfegruppen ⊠(⇨Steuerfinanzierung) 71 Mio. DM
Soziotherapie ⊠ (ersatzlos) 125 Mio. DM
Sterbegeld ⊠ (ersatzlos) 1.600 Mio. DM
Unterstützung der Versicherten bei Behandlungsfehlern ⊠ (ersatzlos) 0,2 Mio. DM
Vorsorgekuren ⊠ (ersatzlos) 1.800 Mio. DM
Vorsorgeuntersuchungen ⊠ (ersatzlos) 783 Mio. DM
Zahnersatz ⊠ (ersatzlos) keine Angaben
Quelle: IGF, Kiel, F. Beske
* Der entscheidende Unterschied: Steuerfinanzierte Leistungen sind unabhängig von der Zugehörigkeit zur gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung !
Nicht einmal die komplette Übernahme dieser Streichliste wird nach dem Urteil von Fachleuten die Finanzprobleme der GKV langfristig lösen können. Demnach wäre die Tabelle oben nur der Einstieg.
Was kommt noch alles ?
Fakten, Fakten, Fakten. Die GKV im Focus der Presse.
„Das ist mit mir nicht zu machen“ – bei einem Hintergrundgespräch mit Journalisten am vergangenen
Dienstag wurde die Ministerin deutlich. Den Leistungskatalog der Krankenkassen zusammenstreichen kommt für Ulla Schmidt nicht infrage. Ihr rigoroses Nein galt vor allem den Grünen, die just zu Beginn der Sommerpause einen Koalitionskrach riskieren und eine Trennung der Gesetzlichen Krankenversicherung in
Grund- und Wahlleistungen durchsetzen wollen - eine alte Arbeitgeberforderung. (…)
Sogar im Kanzleramt liefen in den vergangenen Wochen geheime Planspiele zu dem umstrittenen Thema.
Dazu war ein Papier mit einer radikaleren Variante durchgesickert: So ließe sich der Kassenbeitrag um zwei
Prozentpunkte senken, wenn alle Heil- und Hilfsmittel zu Wahlleistungen würden, also etwa Massagen, Krankengymnastik, Rollstühle und Krücken. (…)
Auch wenn Ulla Schmid von derart weitgehenden Vorschlägen nichts hält, gibt es Überlegungen in Ihrem Ministerium, etwa Sterbegeld, Entbindungs- oder Kinderkrankengeld statt von den Kassen vom Steuerzahler finanzieren zu lassen. (…)
Wirtschaftswoche 31/2001, 26.07.2001
Berlin – Der Druck auf Bundeskanzler Gerhard Schröder und Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (beide
SPD) wächst, noch vor der Bundestagswahl eine Gesundheitsreform in Angriff zu nehmen. Vom grünen
Koalitionspartner wie aus den Reihen der Sozialdemokraten kamen am Wochenende deutliche Forderungen
in dieser Richtung. Auch führende Vertreter der Wirtschaftsverbände, der Wirtschaftsweise Bert Rürup und
CDU-Chefin Angela Merkel riefen die Regierung auf, möglichst bald konkrete Pläne für eine Neuordnung
vorzulegen. (…)
Süddeutsche Zeitung, 23.07.2001
Nach den Grünen hat nun auch Arbeitsminister Walter Riester seine Kabinettskollegin Ulla Schmidt aufge-
fordert, noch vor der Wahl die Umrisse einer großen Gesundheitsreform abzustecken. Doch Schmidt wartet
auf Lösungsvorschläge ihres neuen runden Tisches und schließt vorweg wesentliche Reformoptionen aus.
(…) Die Grünen pochen aber weiter auf klare Worte noch vor der nächsten Wahl. Grünen-Fraktionschef Rez-
zo Schlauch bezeichnete eine durchgreifende Reform der Krankenversicherung als „eines der ersten und
wichtigsten Projekte“ in der kommenden Legislaturperiode. Unterstützung erhielt der kleinere Koalitionspart-
ner überraschend von SPD-Arbeitsminister Walter Riester. Er erwarte, dass die SPD „mit einer klaren Wahl-
aussage in die Wahl geht“, erklärte Riester gegenüber der „Frankfurter Rundschau“
Handelsblatt, 25.07.2001
Von Andrea Schneider – Psychotherapiepatienten werden in der Bundesrepublik nach einem Drei-Klassen-
Modell behandelt. Wegen unterschiedlicher Honorare werden Privatpatienten denen der Ersatzkassen und
die wiederum den Mitgliedern der Primärkassen vorgezogen.
Die gestern vorgelegte Studie des Saarbrücker Wissenschaftlers Siegfried Zepf „Zur ambulanten psychthe-
rapeutischen Versorgungslage in der Bundesrepublik Deutschland“ weist gravierende Mängel in der psy-
chotherapeutischen Versorgung nach. Siegfried Zepf, Leiter des Instituts für Psychoanalyse, Psychotherapie
und Psychosomatische Medizin, fasst als Ergebnis seiner Studie zusammen:
Was schon jetzt bei Wartezeiten, Behandlungsdauer und Therapieverfahren in der Psychotherapie gang und
gäbe sei, werde zu einem generellen Drei-Klassen-System im deutschen Gesundheitswesen führen. (…)
Saarbrücker Zeitung, 21.07.2001