Hi!
Albigenserkriege:
Etwa um 1000 n.Chr. stieg im südlichen Frankreich, dem heutigen Languedoc, ein Gebiet zu einer eigenen kulturelle Blüte auf. Dieses Gebiet der Albingenser oder Katharer gehörte nicht zu Frankreich, sondern war sprachlich, kulturell und politisch vom spanischen Aragon und Kastilien beeinflußt. Kennzeichnend war eine große religiöse Toleranz, die islamische und jüdische Ideen ins Land ließ. AUßerdem legte man großen Wert auf Bildung: man studierte Philosophie, Griechisch, Arabisch, Hebräisch; außerdem stand die Dichtkunst in hohem Ansehen. Im Gegensatz zum Rest Europas konnten viele Adlige lesen und schreiben. Das Leben soll dem der späteren Renaissance nicht unähnlich gewesen sein.
Die Katharer (Albigenser) waren Christen, die sich den strikten Regeln des Katholizismus nicht länger unterwerfen wollten. Pflichten wie den Zehnten an die Kirche zu entrichten, Bußübungen, Gebühren für Totenmessen, usw. lehnten sie ab. Insgesamt standen die Katharer damit in Opposition zu einer damals sehr korrupten katholischen Kirche. Die Katharer lebten einfach und in Demut, feierten die Messe unter freiem Himmel, aßen vegetarisch (Fisch war erlaubt) und kannten meditative Übungen.
Diese Lebensform übte eine starke Anziehungskraft auf Adlige in Frankreich aus, was dem damaligen König nicht sonderlich gefiel. Im Jahre 1022 zog König Robert II. gegen die Albingenser in Orleans. Es kam zu ersten Ketzerverbrennungen.
Um 1200 waren Lebensweise und Ideen der Katharer zur Bedrohung für die katholische Kirche in Frankreich, Flandern und Deutschland geworden. Da immer mehr arme Adlige aus Nordfrankreich neidisch auf das wohlhabende Gebiet im Süden blickten, machte der Papst sich diesen Umstand zu Nutze und erklärte die Katharer zu Ketzern.
Als am 14.Januar 1208 ein päpstlicher Legat im Languedoc ermordet wurde - womit die Katharer allerdings nichts zu tun hatten -, rief Papst Innozenz III. zum Kreuzzug gegen die Katharer auf. Unter der Führung des Abtes von Clairvaux und des Adligen Simon de Montfort sammelten sich die Kräfte gegen die Katharer. Das Heer wurde vom Papst mit allen Attributen der Kreuzfahrer ausgestattet: Banner mit dem roten Kreuz, Vergebung aller Sünden bei Teilnahme am Kreuzzug, ein sicherer Platz im Himmel - und freies Plündern.
Im Jahre 1209 fielen 30.000 Mann in das Albingenserland ein. In den nächsten 35 Jahren fand im Languedoc ein Genozid statt. Jeder Hof, jedes Dorf, jede Stadt wurde niedergemacht. Auf den Feldern wurde die Ernte vernichtet, der größte Teil der Bevölkerung systematisch abgeschlachtet. Allein in der Stadt Bezieres wurden 15.000 Männer, Frauen und Kinder umgebracht.
1218 fiel Simon de Montfort bei der Belagerung von Toulouse. Danach wütete der Mob um so schlimmer. Erst 1243 war der letzte Widerstand gebrochen; als letztes kapitulierte die Festung Notsegur nach zehnmonatiger Belagerung.
Nur in einigen Höhlen hatte ein Handvoll Katharer überlebt. Obwohl das Languedoc völlig verwüstet war und die tolerante Gesellschaft der Albigenser ausgelöscht wurde, konnten sich einige ihrer Ideen dennoch halten. Bei den Waldensern, den Hussiten, den Adamisten und den Anabaptisten findet sich einiges, was seinen Urpsrung bei den Katharern hatte.
Dies dazu.
Grüße
Heinrich