"Glaubst du an Gott?" "Nee, bin Atheist."

Das macht jetzt ein wenig nachdenklich. Dieses „vermutlich“.

Franz

OK.

Wenn ich mir viele sogenannten Christen in meiner Umgebung so anschaue, dann komme ich als Ungläubige moralisch sehr oft besser weg.

Bei wem?
Und wessen Moral?

Franz

Du wirst grantig. Oder bist es heute zumindest, wenn ich deine diversen Antworten lese.

Ich bin anderer Ansicht, Meinung, Auffassung?!

Tztztz…

Im UP der Link, und mein PS im UP?!

Wenn man nicht kritisch denkt, dann verändert man weder sich noch nichts.

Franz

Ja, vielleicht nervt mich das, wenn jemand einfach nicht liest oder versteht, was andere ihm schreiben.
Du antwortest auch hier nicht inhaltlich, sondern persönlich.

Noch einmal: die Tatsache, dass jemand nicht an Gott glaubt trifft keine Aussage darüber, welche anderen Eigenschaften dieser Mensch hat.

Habe das vermutlich ja erklärt. Aber das mit dem verstehen ist offensichtlich echt schwer.

Niemand weiß das sicher, was passiert, wenn wir gestorben sind. Und ich will da auch keine Vermutungen anstellen, ich erwarte nichts.

Deshalb meine Verwunderung über die Logik und die Sicherheit mit dem Jenseits für alle.

Ich blicke hier nicht mehr durch. Habe außerdem meinem Standpunkt so klar gemacht, wie es mit möglich ist. Und bin deshalb raus.

Bufi

Atheismus
Der Schweizer Dichter und Pfarrer Kurt Marti sagte einmal im Gespräch, er diskutiere nicht gern mit Atheisten, weil die immer über Gott redeten.
Der liebe, vor einem halben Jahr verstorbene Kerl hat’s voll verstanden.
Systemtheoretisch kann man nicht an etwas nicht glauben, das mit einem Begriff umrissen wird - so unscharf der Begriff auch sein mag -, den man als solchen akzeptiert. Die Aussage “ich glaube nicht an Gott” ist daher systemisch falsch, es sei denn, man negierte die Existenz des Begriffes.
Ich bezeichne mich zum Beispiel als Agnostiker. Da ist der Fall klar - es ist nicht so, daß ich statt an Gott an Nicht-Gott glaube, ich mißtraue dem Glauben an sich. Jedem Glauben, auch dem an die ewige Liebe oder dem daran, reisen bilde. Zum Beispiel.
Man muß nicht an Gott glauben.
Hier wurde die Theodizeefrage angeschnitten (“warum läßt Gott zu, daß seine Kreatur mordet, brandschatzt, vergewaltigt etc.). Diese Frage ist sehr einfach zu klären, die Bibel tut das gleich zu Beginn: Die ersten Menschen durften nicht vom “Baum der Erkenntnis” essen, denn sie sollten Gottes Privileg, gut und böse zu unterscheiden, nicht teilen. Die wollten diese Erkenntnis aber, interessanterweise zuerst die Frau, und sie aßen die Feige vom Baum (nicht den “Apfel”; Äpfel gab’s bei der Entstehung dieser hübschen Legende noch gar nicht, jedenfalls keine eßbaren).
Damit entließen sie sich selbst aus der Verantwortung Gottes für sie.
Okay, hat Gott da gesagt, ihr wollt sein wie ich, prima. Dann schaut aber auch selbst zu euch. Verantwortet euer Tun und Unterlassen. Ich hab damit nichts mehr zu tun, fuck you. Also sprach Jahwe, Steht alles in der Bibel, lest doch mal nach.
Nun also die Frage zu stellen, warum Gott dies oder das zulasse, heißt, sein Programm nicht zu kennen: “Wenn dieser Auswurf meiner Schöpfung meine unbedingte Autorität und meine Allwissenheit nicht akzeptieren will - nun gut, mag er gedeihen oder verderben. Seine Sache, er hat die Feige gefressen, jetzt kann er unterscheiden, und diese verdammte Begabung wird ihm zur verdammten Pflicht werden” (symbolisch gesprochen: Im Schweiße des Angesichts soll er sein Brot essen, aus dem Paradies, dem herrlichen Zustand der Unbewußtheit, sei er verstoßen).
Gott schert sich einen feuchten Kehricht darum, ob wir ihn glauben oder nicht - er hat uns entlassen. Das hat er deutlich gesagt.
Soviel zur Theodizee.
Den Dekalog finde ich natürlich in seiner Differenzierungskunst sehr interessant; allerdings enthält er entstellende Übersetzungsfehler. Allen, die die Bibel lesen, empfehle ich, sich die Buber-Rosenzweig-Übersetzung zu kaufen. Martin Buber und Stefan Roswenzweig übersetzten - anders als Luther - nicht aus der lateinischen Übersetzung der griechischen Übersetzung (ihr kennt das “Telefonspiel”), sondern aus dem hebräischen Urtext. Da heißt es im Dekalog zum Beispiel nicht “Du sollst nicht töten”, sondern “Morden sollst du nicht”. Ein sehr feiner kleiner Unterschied, nicht wahr?
Atheismus ist langweilig. An Nicht-Gott glauben ist immer noch glauben. Ich will nicht glauben, ich will forschen, denken, entdecken. Das macht viel mehr Spaß.

Du irrst. Nach deinem Tod werden die Vögel weiter singen, Menschen werden einenader beischlafen und Kinder zeugen, Filmstars werden Affären haben, Bäume und Blumen werden blühen, und herrliches Bier wird gebraut werden.
„vermutlich nix“? Hältst du dich denn für das Alles?
Du bist ein Windhauch, Lieber, der zur offenen Tür hereinkommt und zum offenen Fenster wieder hinausweht, das war’s dann. (Und wer jetzt weiß, wer diese Metapher erfunden hat, mag’s mir sagen; ich weiß es einfach nicht mehr - Jean Paul? Beaudelaire?)