Gleich zwei Fragen

Hallo Germanisten,

ich brauche mal wieder Eure Hilfe.

  1. Stimmt die Regel, dass vor allen Doppelkonsonanten mit Vokal davor, dieser immer kurz gesprochen wird?

  2. Folgender Satz ohne Kontext davor oder dahinter:
    „Ich kann noch nicht so gut reiten wie die A(a?)nderen.“
    Anderen groß oder klein? Es bezieht nicht attributiv auf irgendwelche schon genannten Personen.
    Mein Duden sagt beispielsweise, es geht sowohl als auch:
    „Die einen/Einen sahen zu, die anderen/Anderen halfen mit.“

Danke.

Gruß
R.

Hallo, Rainer,

  1. Stimmt die Regel, dass vor allen Doppelkonsonanten mit
    Vokal davor, dieser immer kurz gesprochen wird?

Ja! Außer in der Schweiz!

  1. Folgender Satz ohne Kontext davor oder dahinter:
    „Ich kann noch nicht so gut reiten wie die A(a?)nderen.“
    Anderen groß oder klein? Es bezieht nicht attributiv auf
    irgendwelche schon genannten Personen.
    Mein Duden sagt beispielsweise, es geht sowohl als auch:
    „Die einen/Einen sahen zu, die anderen/Anderen halfen mit.“

Dazu die Gegenüberstellung der alten und neuen Schreibung

_ Neu:
an|de|re, and|re; (nach ­)R 48 im Allgemeinen kleingeschrieben:smile: der, die, das and[e]re,
aber die Suche nach dem Anderen (nach einer neuen Welt); der Dialog mit dem Anderen (dem Gegenüber; Philos.);
eine, keine, jeder, alles and[e]re; die, keine, alle and[e]ren, andern; ein, kein and[e]rer; ein, kein, etwas, allerlei, nichts and[e]res; der eine, der and[e]re; und and[e]re, und and[e]res (Abk. u. a.); und and[e]re mehr, und and[e]res mehr (Abk. u. a. m.); von etwas and[e]rem, anderm sprechen; unter and[e]rem, anderm (Abk. u. a.); zum einen …, zum anderen …; eines and[e]ren, andern belehren; sich eines and[e]ren, andern besinnen; ich bin and[e]ren, andern Sinnes; and[e]res gedrucktes Material; and[e]re ähnliche Fälle; andere Gute; ein andermal, aber ein and[e]res Mal; das and[e]re Mal; ein um das and[e]re Mal; ein und das and[e]re Mal; vgl. anders;

Alt:
an|de|re, and|re; (nach ­)R 66 immer klein geschrieben:smile: der, die, das, eine, keine, alles and[e]re; die, keine, alle and[e]ren, andern; ein, kein and[e]rer; ein, kein, etwas, allerlei, nichts and[e]res; der eine, der and[e]re; und and[e]re, und and[e]res (Abk. u. a.); und and[e]re mehr, und and[e]res mehr (Abk. u. a. m.); von etwas and[e]rem, anderm sprechen; unter and[e]rem, anderm (Abk. u. a.); zum einen …, zum anderen …; eines and[e]ren, andern belehren; sich eines and[e]ren, andern besinnen; ich bin and[e]ren, andern Sinnes; and[e]res gedrucktes Material; and[e]re ähnliche Fälle; andere Gute; ein andermal, aber: ein and[e]res Mal; das and[e]re Mal; ein um das and[e]re Mal; ein und das and[e]re Mal; vgl. anders;

© Dudenverlag._

Gruß Fritz

@Fritz - Nachfrage

„Ich kann noch nicht so gut reiten wie die A(a?)nderen.“

Hallo Fritz,
danke für die schnelle Antwort.
Nur um das richtig zu verstehen.

In o. a. Satz wird „anderen“ klein geschrieben?

_Adjektive und Partizipien mit Artikel werden kleingeschrieben, wenn sie Beifügung (Attribut) zu einem vorangehenden oder folgenden Substantiv sind .
Mir gefallen alle Krawatten sehr gut. Besonders mag ich die gestreiften und die gepunkteten (= die gestreiften und gepunkteten Krawatten).

© Duden - Die deutsche Rechtschreibung, 23. Aufl. Mannheim 2004 [CD-ROM]_

Hier ist mir das klar. Aber das trifft doch auf o.a. Satz nicht zu, oder?

Darf ich denn „anderen“ auch als Substantiv nicht mehr groß schreiben?
Laut Deinem Duden-Auszug habe ich das so verstanden.
Wo ist dann aber der Unterschied zu:
_Die einen/Einen sahen zu, die anderen/Anderen halfen mit.

© Duden - Die deutsche Rechtschreibung, 23. Aufl. Mannheim 2004 [CD-ROM]_

Bitte nochmals um deine Hilfe.
Danke

Gruß
R.

Nur um das richtig zu verstehen.

In o. a. Satz wird „anderen“ klein geschrieben?

Ja! Da du mit dabei bist, sind die „anderen“ deine Begleiter, Freunde, Kollegen, Konkurrenten, oder sonst welche, die das Nomen zu den „anderen“ darstellen.

Gruß Fritz

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Nu hab ich’s - danke !!! *owT*
Gruß
R.

Hallo Fritz,

Neu:
an|de|re, and|re; (nach ­)R 48 im Allgemeinen
kleingeschrieben:smile: der, die, das and[e]re,
aber die Suche nach dem Anderen (nach einer neuen Welt);
der Dialog mit dem Anderen (dem Gegenüber; Philos.);

Heißt das jetzt, daß die Großschreibung dieses Wortes bei substantivischer Verwendung bisher verboten war und durch den Neuschrieb erstmals erlaubt wurde?

Mit herzlichem Gruß,

Wolfgang Berger

Ein heikler Bereich in der NDR!

Hallo Germanisten,

ich brauche mal wieder Eure Hilfe.

  1. Stimmt die Regel, dass vor allen Doppelkonsonanten mit
    Vokal davor, dieser immer kurz gesprochen wird?

Hallo.
Man sagt das sei die neue Regel: Vokal > Doppelkonsonant = kurzer Vokal
Vokal > einfacher Konsonant = langer Vokal.
Wenn das konsequent gelten würde, was eine Regel eigentlich ausmacht, müßten eine Unmenge von Worten anders geschrieben werden.
Ganz wenige Beispiele:
bisher: den/denn, wen/wenn, Eigentum, Zentrum, von, zum, Ruhm/Rum und sehr viele mehr.
neu: den/denn, wen/wenn, Eigentum, Zentrumm, vonn, zumm, hinn, Ruhm/Rumm usw.
Da eine solche umfangreiche Andersschreibung oder Ausspracheänderung nicht akzeptiert würde, ist das meiner Meinung nach gerade ein Beweis dafür, dass sich dieser Bereich einer Regelung entzieht. Das bedeutet, dass die Schreibung wieder auswendig gelernt werden muss.
Dagegen ist die ‚s‘-Regelung nach meiner Ansicht einer der wenigen Bereiche wo sich eine Regelung ziemlich gut definieren und konsequent anwenden lässt.
Mit freundlichen Grüßen
Alexander Berresheim

Hallo Alexander,

neu: den/denn, wen/wenn, Eigentum, Zentrumm, vonn, zumm, hinn,
Ruhm/Rumm usw.
Dagegen ist die ‚s‘-Regelung nach meiner Ansicht einer der
wenigen Bereiche wo sich eine Regelung ziemlich gut definieren
und konsequent anwenden lässt.

Konsequent anwenden „lässt“ sich die Regel schon, aber „ziemlich gut definieren“ doch eher nur fasst, denn nach kurzem Vokal steht in der NDR das doppelte S lisstigerweise nur da, wo eigentlich ein ß richtig wäre. Meiner Ansicht nach isst das ein ziemlicher Misst.

Mit herzlichem Gruß,

Wolfgang Berger

Ganz Recht!

denn nach kurzem Vokal steht in der NDR das doppelte S lisstigerweise
nur da, wo eigentlich ein ß richtig wäre.

Wie etwa bei:

küßen, müßen, geschoßen (auch mit „i“), bepißen, wißen, laßen

undsofortundsofortundsofortundsofortundsofortundsofortundsofortundsofortundsofortundsofortundsofortundsofortundsofortundsofortundsofort.

Fritz, der sich angesichts der konzißen Argumentation geschlagen gibt!

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Danke für den Hinweis!
Richtig muß es heißen:

…definieren" doch eher nur fasst, denn nach kurzem Vokal steht in der NDR das doppelte S lisstigerweise nur da neu, wo eigentlich ein ß richtig wäre. Meiner Ansicht nach isst das …

Also nochmal:
Der Neuschrieb verlangt Doppel-S da, wo klassisch bereits Doppel-s steht plus da, wo nach einem kurzen Vokal klassisch scharfes ß steht.
Stimmt das, oder habe ich recht?

küßen, müßen, geschoßen (auch mit „i“), begißen, wißen, laßen

Ich habe Dich in Begiß, daß Du „begißen“ fälschlich wähltest.

Mit herzlichem Gruß,

Wolfgang Berger