Hallo Janina!
Bis dahin ist das alles erst einmal ein innerer Schweinehund.
Ich habe ja gesagt, daß ich es sehr, sehr grob vereinfacht habe.
In Wirklichkeit ist es etwas komplexer und vielschichtiger.
Ängste? War davon bisher schon die Rede?
Ja.
Wie ich sagte, grob vereinfacht …
Wäre es nicht sinnvoller, wenn
das Umfeld ihn darin bestärkt, dass Fritz in Erinnerung an die
Therapie damals den Mut packt, es alleine zu versuchen?
Der Versuch, das alleine zu packen, zieht sich schon zu lange hin - und zwar etwa einhalb Jahre. Das ist eher ein „Wie lang willst Du dich eigentlich noch quälen?“ Und es ist nicht so, daß Fritz das nicht will.
Du kannst Dir sicher sein, daß ich dazu sein volles und ehrliches Einverständnis habe. Er weiß auch, das ich hier gefragt habe, es war sein eigener Wunsch.
Wenn das Ängste sind, werden die nie mit Stumpf und Stil
(sicher? oder nicht doch eher Stiel
*scnr*) ausgerissen,
sondern es bleibt immer was.
Ja. Ein Psychologie-Dozent von mir meinte: Wenn Du einen Arm verlierst, wird er Dir nie nachwachsen - du kannst aber lernen, fast alles genauso gut wie ein Zweiarmiger zu tun. Das fand ich immer ein schönes Bild.
Was sind konkrete, wirklich konkrete Anhaltspunkte dafür? Ihm
ging es doch deiner Beschreibung nach jahrelang ganz gut. Nur
die neuer Situation funkt jetzt da rein.
Ich sagte doch, daß ich grob vereinfacht habe.
Es ging ihm besser als früher, aber nicht wirklich gut. Letztendlich ist das noch nichtv ausgestanden. Und wenn man an manchen Tagen von morgens bis abends Bauchschmerzen hat und (fast) jeder Handgriff Überwindung und Kraft kostet, weil der Gedanke an die mögliche Absage einen völlig lähmt, ist das ein bißchen mehr wie nur innerer Schweinhund. Es ist ja nicht so, daß er sich fröhlich im Liegestuhl sonnt und ein Liedchen pfeift. Er quält sich durh manche Tage, anders kann man es nicht beschreiben.
Ich glaube, wenn er mehr inneren Schweinehund häte, würde er sogar mehr schaffen. Dann würde er sich vielleicht nicht so unter Druck setzen und nicht ständig ein schlechtes Gewissen haben, weil er schon wieder nix geschafft hat, was eigentlich nur dazu führt, daß er erst recht nichts schafft.
Wenn überhaupt Therapie, dann nach dem, was du beschrieben
hast, ganz eindeutig Verhaltenstherapie.
Ich finde das, was du da so an Bild vom
Fritz gemalt hast, ohnehin schon jetzt eher überanalysiert.
Fritz soll mal mit Leben anfangen.
Ein schöner Satz. Ein sehr guter Satz.
Er … denkt manchmal zuviel. Liegt vermutlich daran, weil er das besonders gut kann. 
sagt wer?
Fritz.
Und ja, es stimmt.
Das ist ein guter Anfang. Aber: Mögen ja, beglucken nein.
Ich mag ihn noch lange nicht so gerne, wie er es eigentlich verdient hat.
Und beglucken … nein, das werde ich mit Sicherheit nicht.
Fritz braucht mehr zutrauen, von außen wie von innen.
Ich denke, damit hast Du den Punkt getroffen. Der Psycholge, den ich erwähnt habe, hat das mal als „Urmisstrauen“ bezeichnet. Auch ein schönes Wort. Ich denke, Fritz muss lernen, mit dem eigenen Scheitern zurecht zu kommer, ohne sein Selbstbild in Grund und Boden zu zweifeln. Auch deswegen sehe ich das „Ich muss da alleine durch!“ kritisch. Es ist ja doch bloß wieder dieser Anspruch, immer alles selbst richtig machen zu müssen. Er sollte endlich mal damit anfangen, Dinge gründlich falsch zu machen. 
Ich muss jetzt wirklich ins Bett. Es ist nicht gut, daß ich immer solange aufbleibe und am Computer Zeit verdaddle.
Vielen Dank und liebe Grüße,
Max