Gleicher Therapeut?

Hallo,

Fritz hat in seinem Leben verschiedene therapeutische Erfahrungen gemacht. Etwa drei Jahre lang hat er an einer verhaltenstherapeutischen Selbsthilfegruppe fachkundiger Laien teilgenommen, anschließend dann 240 Stunden Psychonanalyse (zweimal wöchentlich) gemcht. Beides hat ihm sehr gut getan, es hat sich dadurch einiges in seinem Leben gheändert und er profitiert von diesen Erfahrungen noch heute.

Das Ganze liegt nun schon vier oder fünf Jahre zurück. Bei zwei persönlichkeitsbildenden Seminaren, die Fritz im vergangenen Jahr bei einem Psychologen und Coach besucht hat, wurde deutlich, daß es immer noch einige sehr tiefsitzende Probleme gibt, die Fritz in seiner Fähigkeit, zu lieben und zu arbeiten, spürbar behindern. Es sind keine neuen Probleme, sondern Variationen der alten, die in einer veränderten, schwierigen Lebenssituation erneut zu Tage treten.

Fritz überlegt sich, wieder eine Therapie zu machen. Die Frage ist: Gleicher Therpaeut? Gleiche Therapieform? Neuer Therapeut? Neue Therapieform?

Gleicher Therapeut:

  • es besteht bereits eine Vertrauensbasis
  • muss nicht bei Null anfangen

Neuer Therapeut:

  • bringt möglicherweise neue Impulse ein
  • hat einen unvoreingenommenen Blick

Gleiche Therapieform:

  • hat sich bewährt

Neue Therapieform

  • kommt vielleicht noch weiter

Was würdet ihr Fritz empfehlen?

Gruß,
Max

Guten Tag!

Was würdet ihr Fritz empfehlen?

Spielt Geld bei Fritzens Erwägung denn keine Rolle?

Ich denke, man kann auf deine Frage schlecht eine ALLGEMEINE Antwort geben - außer vielleicht: Fritz soll das machen, wonach ihm momentan am meisten ist.
(Wobei auch das schon eine nicht unproblematische Antwort ist. Man kann es sich ja auch in seinem Therapiewunsch und dem ewigen Rumtherapieren allzu gemütlich einrichten. Stichworte: Therapie als Form „sozialer Abwehr“, Kollusion)

Es hängt mE auch davon ab, weswegen Fritz KONKRET einer Therapie bedarf. Will er weiter „aufdecken“ oder benötigt er in erster Linie Halt und sichere Bindung.
Das Gleiche unter anderer Perspektive ausgedrückt: Leidet Fritz eher an so etwa wie der klassischen Neurose oder eher an sog. „frühen Störungen“ (z.B. Persönlichkeitsstörungen) inklusive der damit einhergehenden Ich- und Beziehungsschwächen.
Letzteres spricht wohl für eine Aufnahme der Therapie beim schon vertrauten Therapeuten.

E.T.

Hallo,

danke für die Antwort.

Spielt Geld bei Fritzens Erwägung denn keine Rolle?

Nein, bei diesen Vorüberlegungen nicht.

Letzteres spricht wohl für eine Aufnahme der Therapie beim
schon vertrauten Therapeuten.

Wie beurteilst Du die Gefahr, daß der Therapeut aufgrund der langen Beziehung von Fritz als eine Art Ersatzvatermutterguruüberich installiert wird, der ihm sagen soll, was richtig und was falsch ist? Bei einer Ichschwäche wäre es mE ja eher notwendig, Fritzens Unabhängigkeit zu stärken.

Gruß,
Max

Hallo,

zunächst denke ich, dass nicht jedes neue Auftauchen von alten Problemen einer Therapie bedarf.

Wenn bei den besagten Themen schon vor Jahren mit dem bewährten Therapeuten „Schluss“ war, wird es auch jetzt nichts grundlegend Neues geben. Oft kann der Therapeut mit dem Patienten nur bis zu einem gewissen Punkt gehen und ab dann dreht es sich nur noch im Kreis.

Ich denke, neue Impulse tun gut. Man sollte neuen Formen eine Chance geben und erst dann, wenn man spürt, dass es nichts bringt, kann man zum Altbewährten wechseln, sofern man wirklich der Auffassung sein sollte, dass es unbedingt therapiebedürftig ist.

Guten Abend!

Letzteres spricht wohl für eine Aufnahme der Therapie beim
schon vertrauten Therapeuten.

Wie beurteilst Du die Gefahr, daß der Therapeut aufgrund der
langen Beziehung von Fritz als eine Art
Ersatzvatermutterguruüberich installiert wird, der ihm sagen
soll, was richtig und was falsch ist?

Diese „Gefahr“ ist gegeben, wobei ich das nicht nur als Gefahr sehe, sondern auch als Chance, denn solche Übertragungen fruchtbar zu nutzen, das gehört zum absolut elementaren Handwerkszeug des Therapeuten. Definitiv besser eine solche ersatzmutterhafte therapeutische Beziehung als gar keine oder eine instabile.

Bei einer Ichschwäche
wäre es mE ja eher notwendig, Fritzens Unabhängigkeit zu
stärken.

„Ich-Schwäche“ war von mir kein sehr guter Terminus, weil ihn jeder anders versteht.
Ich meinte damit das geringe Strukturniveau der sog. „Frühstörungen“, das sich ausdrückt in Dingen wie Mängeln der Beziehungsregulation und schlechter Integration der Objektrepräsentanzen usw. Dies erfordert geradezu eine starke und verlässliche therapeutische Beziehung als Rahmen, um Entwicklung zu ermöglichen.

Es sei aber dahingestellt, ob dieser Hinweis von mir allzu schlau war, nachdem Fritz ja bereits jede Menge Therapie hinter sich hat.

E.T.

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Hallo Ernst!

„Ich-Schwäche“ war von mir kein sehr guter Terminus, weil ihn
jeder anders versteht.

Ich denke, ich habe ihn hier ganz richtig verstanden. :smile:

Dies erfordert geradezu eine starke
und verlässliche therapeutische Beziehung als Rahmen, um
Entwicklung zu ermöglichen.

Aus dieser therapeutischen Beziehung darf aber mE keine Dauerbeziehung werden; irgendwann muss der Klient ja dann flügge werden und auf eigenen Beinen stehen. Oder sehe ich das falsch?

Es sei aber dahingestellt, ob dieser Hinweis von mir allzu
schlau war, nachdem Fritz ja bereits jede Menge Therapie
hinter sich hat.

Deine fachkundigen Hinweise sind (wie so oft) höchst willkommen, weil sie Stoff zum Nachdenken geben. Um die Situation von Fritz präzise zu schildern, müsste man sehr weit ausholen.

Vielen Dank,
Max

Guten Abend nochmal!

Dies erfordert geradezu eine starke
und verlässliche therapeutische Beziehung als Rahmen, um
Entwicklung zu ermöglichen.

Aus dieser therapeutischen Beziehung darf aber mE keine
Dauerbeziehung werden; irgendwann muss der Klient ja dann
flügge werden und auf eigenen Beinen stehen. Oder sehe ich das
falsch?

Nö, du siehst das ganz richtig.
Wobei sich diese Frage bei dem Patientenkreise, den ich angesprochen habe, eigentlich gar nicht stellt. Irgendwann nach 100, 160, 240 Stunden ist halt erzwungenermaßen Schluss. Zum flügge werden reicht die Zeit sowieso nicht.

E.T.

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Mir ist noch nicht ganz klar, was Sinn der Übung ist, welche Rolle und welches Gewicht überhaupt Fritzchens Probleme haben.

Es ist jetzt nur ein Eindruck, der aufgrund der wenigen Zeilen natürlich völlig falsch sein kann. Aber auf mich wirkt das ein wenig so, als ob das Themenfeld „Therapie“ vordergründig zum Selbstzweck betrieben wird und möglicherweise liegt da sogar des Pudels Kern für das, was Fritz „behindert“.

Welche Dimension diese „Behinderung“ hat, ist ja als Frage schon angesprochen worden: Ist es überhaupt eine krankheitswerte „Störung“? Eine Neurose oder Psychose?

Analyse ist eine prima Sache, so lange man das Ziel im Auge hat. Man kann sich aber auch kaputt oder zumindest duselig analysieren - das gilt für jede Form der Analyse, auch für die Psychoanalyse. Mit duselig analysieren ist u.a. gemeint, dass man vor lauter Analyse den Blick dafür verliert, einfach mal zu tun, anders zu tun. Wenn der Kern in der Analyse herausgearbeitet wurde, dann müsste eigentlich auch gut sein können. Ist nicht gut, dann ist entweder der Kern nicht erwischt, oder, wenn es sich nur um „Varianten“ handelt, der Anspruch möglicherweise nicht optimal: Man kann nicht jede Variante berücksichtigen oder wenn man es tut, dann beschäftigt man sich eben mit nichts anderem mehr.

Ein weiterer Punkt, der mir durch den Kopf geht: Fritz investiert sehr viel Zeit darin. Beschrieben sind hier die „Reflexionen“ (i.w.S.), die mit anderen stattfinden. Reflektiert Fritz auch sich selbst? Wenn ja, in welchem Umfang? Mit welchem Erfolg?

Für mich stellen sich also die Fragen noch in einer ganz anderen Reihenfolge:

Liegt überhaupt ein wirkliches Problem vor?
Liegt ein therapiebedürftiger Zustand vor?

Und erst dann kommt es zur Frage, welche Therapie angebracht ist.

Hallo Janina!

Mir ist noch nicht ganz klar, was Sinn der Übung ist, welche
Rolle und welches Gewicht überhaupt Fritzchens Probleme haben.

Me Culpa. :smile: Ich dachte, wenn ich Fritzchens Probleme grob vereinfacht darstelle, dann führt das nur zu Fehlinterpretationen und Missverständnissen, deswegen lasse ich sie besser ganz weg; aber ich merke ein, das die Interpretationsunsicherheit dadurch um so größer ist.

Grob vereinfacht: Fritzchen bereitet die Vorstellung, eine Absage zu bekommen, soviel psychsches und physisches Unbehagen, daß er dringend notwendige Bewerbungen seit Wochen verschleppt. Diese Situation ist für ihn neu, weil er sich bisher noch nie bewerben musste, alle seine Jobs wurden ihm angetragen. Aber: Ein ganz ähnliches Verhalten hast er vor Jahren in Bezug auf Freundschaften und private Kontakte gezeigt - er hat es damals kaum geschafft, mal jemanden anzurufen und sich auf ein Bier zu verabreden, weil er Angst vor Ablehnung hatte. Dieses Problem wurde in der damaligen Therapie dauerhaft gelöst und ist auch nicht wiedergekommen. Aber nun taucht es im Berufsleben wieder auf.

Ich denke, der Therapiebedarf besteht, weil er aufgrund seiner Ängste zunehmend in Lethargie verfällt, die natürlich auch soziale und wirtschaftliche Folgen hat. Seine Hausärztin und ein befreundeter Psychologe teilen meine Meinung. Er neigt dazu, das ohne Hilfe angehen zu wollen, aber ich glaube, er sollte es sich nicht so schwer machen.

Wenn der Kern in der Analyse
herausgearbeitet wurde, dann müsste eigentlich auch gut sein
können.

Das ist die interessante Frage … Ich würde ihn als einen sehr reflektierten Menschen bezeichnen, der viel über sich nachdenkt und auch viel über sich weiß. Genaugenommen kennt er die Wurzel seiner Angst vor Ablehnung besser als es ihm lieb ist. Er dachte nur, er hätte sie damals mit Stumpf und Stil ausgerissen und merkt nun, das es da Seitentriebe gibt, die wieder nach oben kommen.

Reflektiert Fritz auch sich selbst? Wenn ja, in welchem
Umfang? Mit welchem Erfolg?

Wenn ich den Fritz von vor 15 Jahren mit dem Fritz von heute vergleiche, dann ist der Erfolg enorm. Fritz neigt allerdings auch dazu, aufgrund dieses Erfolges viel mit sich selbst ausmachen zu wollen und er stellt manchmal auch sehr hohe Ansprüche an sich selbst (das habe ich weiter oben ja schon geschrieben). Die Psychonalyse hat Fritz beendet, obwohl eine weitere Verlängerung von der Krankenkasse möglich gewqesen wäre; er hatte damals Angst, in seinem Selbstbild vom Therapeuten abhängig zu werden. Möglicherweise hat er sich da aber auch einfach zuviel zugemutet - die Gedanken von E. T. zu diesem Themas finde ich sehr interessant. Vielleicht hätte sich Fritz einfach zugestehen müssen, daß er diese Ersatzmuttergurukrücke halt momentan erst mal braucht. Das würde für eine Fortsetzung der Analyse beim alten Therapeuten sprechen.

Andererseits äußert Fritz momentan das Gefühl, er kenne zwar die Ursache seiner Ängste, aber es habe ihm eigentlich nichts gebracht. Über sich nachgedacht (und geredet) habe er eigentlich schon mehr, als es ihm lieb sei, er komme immer wieder zur gleichen Erkenntnis. Das würde eher dafür sprechen, mit einem verhaltenstherapeutischen Ansatz die ganz konkreten Alltagsprobleme anzugehen.

Die dritte, spannende Frage ist: Letztendlich sind das alles Stellvertreterkonflikte, hinter der die Angst vor Ablehnung durch eine ganz bestimmte Bezugsperson steht. Und vielleicht muss er auch da den Stier bei den Hörner packen und dieser Person all das erzählen, was er ihr jahrelang verborgen hat. Allein bei dem Gedanke daran, sagt Fritz, wird ihm speiübel - aber möglicherweise zeigt das ja gerade, daß er es tun sollte.

Man hat’s nicht leicht mit dem Kerl. Aber ich mag ihn. Sonst würde ich mich nicht schon so lange mit ihm rumärgern. :smile:

Liebe Grüße,
Max

Hallo Max,

ist es nicht eine Möglichkeit, dass Fritz ebendiese Frage mit dem früheren Therapeuten bespricht? Dann hätte er zum einen einen fachkundigen Rat von jemandem, der ihn gut kennt (und ich kenne Therapeuten, die je nachdem auch durchaus dazu raten, auf andere Weise oder bei jemand anderem weiter zu machen), zum anderen könnte er selbst antesten, wie es ist, sich wieder in die frühere Therapiesituation zu begeben - eher anregend, heimatlich, vertrauenweckend oder eher wie „Oh nein, ich komme keinen Schritt weiter!“.
Die probatorischen Termine ließen sich doch dazu nutzen.

Viele Grüße, ich drücke die Daumen für eine gute Entscheidung!

Jule

Me Culpa. :smile:

Och nö, Canossa muss nicht gleich sein :wink:

Grob vereinfacht: Fritzchen bereitet die Vorstellung, eine
Absage zu bekommen, soviel psychsches und physisches
Unbehagen, daß er dringend notwendige Bewerbungen seit Wochen
verschleppt. Diese Situation ist für ihn neu, weil er sich
bisher noch nie bewerben musste, alle seine Jobs wurden ihm
angetragen.

Das ist in meinen Augen kein Grund für eine Therapie.

Aber: Ein ganz ähnliches Verhalten hast er vor
Jahren in Bezug auf Freundschaften und private Kontakte
gezeigt - er hat es damals kaum geschafft, mal jemanden
anzurufen und sich auf ein Bier zu verabreden, weil er Angst
vor Ablehnung hatte. Dieses Problem wurde in der damaligen
Therapie dauerhaft gelöst und ist auch nicht wiedergekommen.
Aber nun taucht es im Berufsleben wieder auf.

Das erhöht jetzt den Grund m.E. immer noch nicht.

Bis dahin ist das alles erst einmal ein innerer Schweinehund. Wenn Fritz da Parallelen sieht, die ich von der Ferne noch nicht einmal sehe, dann ist es dennoch nicht mehr. Das mutet ein wenig an, wie der von weitem einkreisende Tanz um das goldene Kalb mit ein paar eingebauten Umwegschleifen.

Ich denke, der Therapiebedarf besteht, weil er aufgrund seiner
Ängste

Ängste? War davon bisher schon die Rede?

Seine Hausärztin und
ein befreundeter Psychologe teilen meine Meinung. Er neigt
dazu, das ohne Hilfe angehen zu wollen, aber ich glaube, er
sollte es sich nicht so schwer machen.

Mmh… warum will das Umfeld Fritz in Watte packen, wenn Fritz das selber nicht will? Wäre es nicht sinnvoller, wenn das Umfeld ihn darin bestärkt, dass Fritz in Erinnerung an die Therapie damals den Mut packt, es alleine zu versuchen? Vielleicht mit Frist?

Das ist die interessante Frage … Ich würde ihn als einen
sehr reflektierten Menschen bezeichnen, der viel über sich
nachdenkt und auch viel über sich weiß. Genaugenommen kennt er
die Wurzel seiner Angst vor Ablehnung besser als es ihm lieb
ist. Er dachte nur, er hätte sie damals mit Stumpf und Stil
ausgerissen und merkt nun, das es da Seitentriebe gibt, die
wieder nach oben kommen.

Wenn das Ängste sind, werden die nie mit Stumpf und Stil (sicher? oder nicht doch eher Stiel :wink: *scnr*) ausgerissen, sondern es bleibt immer was. Das ist aber auch gut so, weil das die Wachsamkeit erhöht.

Wenn ich den Fritz von vor 15 Jahren mit dem Fritz von heute
vergleiche, dann ist der Erfolg enorm. Fritz neigt allerdings
auch dazu, aufgrund dieses Erfolges viel mit sich selbst
ausmachen zu wollen und er stellt manchmal auch sehr hohe
Ansprüche an sich selbst (das habe ich weiter oben ja schon
geschrieben). Die Psychonalyse hat Fritz beendet, obwohl eine
weitere Verlängerung von der Krankenkasse möglich gewqesen
wäre; er hatte damals Angst, in seinem Selbstbild vom
Therapeuten abhängig zu werden. Möglicherweise hat er sich da
aber auch einfach zuviel zugemutet -

Was sind konkrete, wirklich konkrete Anhaltspunkte dafür? Ihm ging es doch deiner Beschreibung nach jahrelang ganz gut. Nur die neuer Situation funkt jetzt da rein.

Vielleicht hätte
sich Fritz einfach zugestehen müssen, daß er diese
Ersatzmuttergurukrücke halt momentan erst mal braucht.

Noch einmal: Woraus schließt du das?

Andererseits äußert Fritz momentan das Gefühl, er kenne zwar
die Ursache seiner Ängste, aber es habe ihm eigentlich nichts
gebracht. Über sich nachgedacht (und geredet) habe er
eigentlich schon mehr, als es ihm lieb sei, er komme immer
wieder zur gleichen Erkenntnis. Das würde eher dafür sprechen,
mit einem verhaltenstherapeutischen Ansatz die ganz konkreten
Alltagsprobleme anzugehen.

Wenn überhaupt Therapie, dann nach dem, was du beschrieben hast, ganz eindeutig Verhaltenstherapie. (Auf Basis der Infos, die hier vorliegen.) Ich finde das, was du da so an Bild vom Fritz gemalt hast, ohnehin schon jetzt eher überanalysiert. Fritz soll mal mit Leben anfangen.

Die dritte, spannende Frage ist: Letztendlich sind das alles
Stellvertreterkonflikte,

sagt wer?

Man hat’s nicht leicht mit dem Kerl. Aber ich mag ihn.

Das ist ein guter Anfang. Aber: mögen ja, beglucken nein. Fritz braucht mehr zutrauen, von außen wie von innen. Mach was draus :wink:

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Hallo Janina!

Bis dahin ist das alles erst einmal ein innerer Schweinehund.

Ich habe ja gesagt, daß ich es sehr, sehr grob vereinfacht habe. :smile: In Wirklichkeit ist es etwas komplexer und vielschichtiger.

Ängste? War davon bisher schon die Rede?

Ja. :smile: Wie ich sagte, grob vereinfacht …

Wäre es nicht sinnvoller, wenn
das Umfeld ihn darin bestärkt, dass Fritz in Erinnerung an die
Therapie damals den Mut packt, es alleine zu versuchen?

Der Versuch, das alleine zu packen, zieht sich schon zu lange hin - und zwar etwa einhalb Jahre. Das ist eher ein „Wie lang willst Du dich eigentlich noch quälen?“ Und es ist nicht so, daß Fritz das nicht will. :smile: Du kannst Dir sicher sein, daß ich dazu sein volles und ehrliches Einverständnis habe. Er weiß auch, das ich hier gefragt habe, es war sein eigener Wunsch.

Wenn das Ängste sind, werden die nie mit Stumpf und Stil
(sicher? oder nicht doch eher Stiel :wink: *scnr*) ausgerissen,
sondern es bleibt immer was.

Ja. Ein Psychologie-Dozent von mir meinte: Wenn Du einen Arm verlierst, wird er Dir nie nachwachsen - du kannst aber lernen, fast alles genauso gut wie ein Zweiarmiger zu tun. Das fand ich immer ein schönes Bild.

Was sind konkrete, wirklich konkrete Anhaltspunkte dafür? Ihm
ging es doch deiner Beschreibung nach jahrelang ganz gut. Nur
die neuer Situation funkt jetzt da rein.

Ich sagte doch, daß ich grob vereinfacht habe. :smile: Es ging ihm besser als früher, aber nicht wirklich gut. Letztendlich ist das noch nichtv ausgestanden. Und wenn man an manchen Tagen von morgens bis abends Bauchschmerzen hat und (fast) jeder Handgriff Überwindung und Kraft kostet, weil der Gedanke an die mögliche Absage einen völlig lähmt, ist das ein bißchen mehr wie nur innerer Schweinhund. Es ist ja nicht so, daß er sich fröhlich im Liegestuhl sonnt und ein Liedchen pfeift. Er quält sich durh manche Tage, anders kann man es nicht beschreiben.
Ich glaube, wenn er mehr inneren Schweinehund häte, würde er sogar mehr schaffen. Dann würde er sich vielleicht nicht so unter Druck setzen und nicht ständig ein schlechtes Gewissen haben, weil er schon wieder nix geschafft hat, was eigentlich nur dazu führt, daß er erst recht nichts schafft.

Wenn überhaupt Therapie, dann nach dem, was du beschrieben
hast, ganz eindeutig Verhaltenstherapie.
Ich finde das, was du da so an Bild vom
Fritz gemalt hast, ohnehin schon jetzt eher überanalysiert.
Fritz soll mal mit Leben anfangen.

Ein schöner Satz. Ein sehr guter Satz.
Er … denkt manchmal zuviel. Liegt vermutlich daran, weil er das besonders gut kann. :smile:

sagt wer?

Fritz. :smile: Und ja, es stimmt.

Das ist ein guter Anfang. Aber: Mögen ja, beglucken nein.

Ich mag ihn noch lange nicht so gerne, wie er es eigentlich verdient hat. :smile: Und beglucken … nein, das werde ich mit Sicherheit nicht.

Fritz braucht mehr zutrauen, von außen wie von innen.

Ich denke, damit hast Du den Punkt getroffen. Der Psycholge, den ich erwähnt habe, hat das mal als „Urmisstrauen“ bezeichnet. Auch ein schönes Wort. Ich denke, Fritz muss lernen, mit dem eigenen Scheitern zurecht zu kommer, ohne sein Selbstbild in Grund und Boden zu zweifeln. Auch deswegen sehe ich das „Ich muss da alleine durch!“ kritisch. Es ist ja doch bloß wieder dieser Anspruch, immer alles selbst richtig machen zu müssen. Er sollte endlich mal damit anfangen, Dinge gründlich falsch zu machen. :smile:

Ich muss jetzt wirklich ins Bett. Es ist nicht gut, daß ich immer solange aufbleibe und am Computer Zeit verdaddle.

Vielen Dank und liebe Grüße,
Max

Jetzt werden die Infos natürlich etwas konkreter. Das hat ja schon depressive Züge, was du beschreibst.

Wenn die Leidenszeit jetzt auch schon über 1 Jahr anhält, dann ist wohl externe Unterstützung der bessere Weg. Allerdings würde ich eher davon abraten, weiter zu analysieren.

Fritz scheint ja bereits viel analytisch gemacht zu haben. Und er ist ein Denker, um nicht inzwischen sogar zu sagen ein Grübler. Wirklich Vertrauen in sich selber und in andere bekommt man aber erst durch Tun. Theoretisch kann man eine Grundlage schaffen, aber der Wirkeffekt kommt erst durch Erfahrung.

Spätestens jetzt kommt man mal wieder an dem Punkt, warum ich die noch vorhandene Schulentrennung in der Psychotherapie so grauenhaft und es positiv finde, dass es eine zart keimende Pflanze derer gibt, die davon abkommen: Wenn der bisherige Therapeut nur Psychoanalyse macht, ist das vielleicht nicht das Mittel der Wahl. Wenn er übergreifend arbeiten kann, dann kann man es probieren. Wenn beim alten, dann würde ich als Vorarbeit eine Zielvorgabe festlegen, was man sich konkret davon erhofft, was erwartet wird, einschließlich der hier schon genannten Befürchtungen. Wobei es vielleicht nicht schadet, in jedem Fall die Probatorik auszunutzen und sich an den ein oder anderen guten Verhaltenstherapeuten zu wenden. Aber keinen Laberkopf, das ist nix für Fritz, sondern jemand Praktischen :wink:

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