Gleichnis des Buddha

Hallo Buddhismus-Kundige,

von Brecht gibt es ein Gedicht mit dem Titel „Das Gleichnis des Buddha vom brennenden Haus“ (ich zitiere das Gedicht im Anhang).

Gibt es eine Buddha-Legende oder Lehre, auf die sich dieses Gedicht bezieht?

Dankbar für Hinweise
grüßt
Diana

_Das Gleichnis des Buddha vom brennenden Haus

Gothama, der Buddha, lehrte
Die Lehre vom Rade der Gier, auf das wir geflochten sind und empfahl
Alle Begierde abzutun und so
Wunschlos einzugehen ins Nichts, das er Nirwana nannte.
Da fragten ihn eines Tags seine Schüler:
Wie ist dieses Nichts, Meister? Wir alle möchten
Abtun alle Begierde, wie Du empfiehlst, aber sage uns
Ob dies Nichts, in das wir dann eingehen
Etwa so ist wie dies Einssein mit allem Geschaffenen
Wenn man im Wasser liegt, leichten Körpers; im Mittag
Ohne Gedanken fast, faul im Wasser liegt oder in Schlaf fällt
Kaum noch wissend, daß man die Decke zurechtschiebt
Schnell versinkend, ob dies Nichts also
So ein fröhliches ist, ein gutes Nichts, oder ob dies dein
Nichts nur einfach ein Nichts ist, kalt, leer und bedeutungslos.
Lange schwieg der Buddha, dann sagte er lässig:
Keine Antwort ist auf eure Frage.
Aber am Abend, als sie gegangen waren
Saß der Buddha noch unter dem Brotbaum und sagte den andern
Denen, die nicht gefragt hatten,_
folgendes Gleichnis:
Neulich sah ich ein Haus. Es brannte. Am Dache
Leckte die Flamme. Ich ging hinzu und bemerkte
Da noch Menschen drin waren. Ich trat in die Tür und rief ihnen
Zu, daß Feuer im Dach sei, sie also auffordernd
Schnell hinauszugehen. Aber die Leute
Schienen nicht eilig. Einer fragte mich
Während ihm schon die Hitze die Braue versengte
Wie es draußen denn sei, ob es auch nicht regne
Ob nicht doch Wind ginge, ob da ein anderes Haus sei
Und so noch einiges. Ohne zu antworten
Ging ich wieder hinaus. Diese, dachte ich
Müssen verbrennen, bevor sie zu fragen aufhören. Wirklich, Freunde
Wem der Boden noch nicht so heiß ist, daß er ihn lieber
Mit jedem andern vertauschte, als daß er da bliebe, dem
Habe ich nichts zu sagen. So Gothama, der Buddha. […]

Hallo Buddhismus-Kundige,

von Brecht gibt es ein Gedicht mit dem Titel „Das Gleichnis
des Buddha vom brennenden Haus“ (ich zitiere das Gedicht im
Anhang).

Gibt es eine Buddha-Legende oder Lehre, auf die sich dieses
Gedicht bezieht?

Danke Diana,

das kannte ich (von Brecht) noch nicht, oder habe ich es vergessen?
Eine Anwort auf deine Frage habe ich leider nicht.

Gruß

avidhya and all that
Hi Diana

öber Buddhismus wird ja gerade a.a.O. in diesem Brett fleißig diskutiert. Eine bestimmte Legende oder Zitate, auf die sich der Bericht des Buddha in dem Gedicht beziehen könnte, kenne ich selbst nicht. Zu der Metapher des brennenden Hauses läßt sich aber Folgendes sagen:

Tatsächlich bezieht sich der ganze Text auf einen Kern der Lehre Gautamas: Diese geht ja von der Grundfrage nach dem Leiden (dukkha) der Menschen aus und sucht zunächst nach dessen Ursache und dann weiter nach Wegen, das Leiden aufzuheben.

Als Ursache von dukkha werden nun drei Dinge genannt: Eine gewisse Art von Unwissenheit, avidhya, bzw. Unfähigkeit zur Einsicht in die Natur der Welt und des Menschen, die diesen dann daran hindert, das Ich bzw. das Selbst als Illusion zu durchschauen und ihn daher in seiner auf sinnliche Dinge gerichteten Begierde festhält.

Die Überwindung dieser avidhya durch Einsicht in das Nicht-Ich, an-atman, ermöglicht den Austieg aus dem Kreis der Wiedergeburten und somit das nirvana, das später mit Nagarjuna verstärkt unter dem Begriff der Leere, shunyata gefaßt wird. Beides, nirvana und shunyata, ist aber keineswegs zu assoziieren an den Begriff des „Nichts“, wie er verschiedentlich in europäischen Philosophien vorkommt (hier irrt also Brecht!). Am nächsten kommt ihm noch Meister Eckart mit seinem puren niht und der abegescidenheit

Nun ist es durchaus üblich in der buddhistischen Literatur, für die Begierde und das Festklammern am Ego das Bild des Feuers im eigenen Haus zu verwenden, wobei die Uneinsichtigkeit in die Natur der Dinge und das daraus resultierende räsonnierende Zweifeln daran hindert, das Haus zu verlassen. Darin dann umzukommen, mit dem Haus im Feuer unterzugehen, weil man sich von den nörgelnden kognitiven Absicherungsversuchen der Wenns und Abers nicht loslösen kann, bedeutet, die Befreiung, Erlösung zu verpassen und im Kreislauf der Wiedergeburten verhaftet zu bleiben.

Liebe Grüße

Metapher

Rankende Legenden
Hallo Metapher,

vielen Dank, Deine Erläuterungen erhellen einiges.

Eine bestimmte Legende oder Zitate, auf die sich der Bericht des Buddha in dem Gedicht beziehen könnte, kenne ich selbst nicht.

Dazu noch eine Frage: Gibt es überhaupt Legendensammlungen o.ä. im Buddhismus? Und falls ja, kannst Du einer Wissensdurstigen Quellen benennen?

Liebe Grüße
The huntress in her fortress :wink:

…es geht ja noch weiter
Hi Polyester,

das kannte ich (von Brecht) noch nicht, oder habe ich es vergessen?

vielleicht hast Du es wegen des letzten, hier nicht zitierten Absatzes […] verdrängt?

Aber auch wir, nicht mehr beschäftigt mit der Kunst des Duldens
Eher beschäftigt mit der Kunst des Nichtduldens und vielerlei Vorschläge
Irdischer Art vorbringend und die Menschen lehrend
Ihre menschlichen Peiniger abzuschütteln, meinen, daß wir denen, die
Angesichts der heraufkommenden Bombenflugzeuggeschwader des Kapitals noch allzulang fragen
Wie wir uns dies dächten, wie wir uns das vorstellten
Und was aus ihren Sparbüchsen und Sonntagshosen
werden soll nach einer Umwälzung
Nicht viel zu sagen haben.

„Bombenflugzeuggeschwader des Kapitals“ *brrr*

Tja, da schlägt’s eben wieder in Agit-Prop um - leider… :wink:

Viele Grüße
Diana