Ich stelle wieder eine Frage zum Begriff „gleichschalten“ (in seiner technischen Bedeutung).
Erstmal vielen Dank an KRESZENZ, für dessen Antwort vom 30. Oktober ich mich noch nicht bedankt habe!
Kreszenz schrieb zwei Verknüpfungen zu den Definitionen. Das ist schon WAS, aber beide Definitionen sind leider sehr kurz. Die eine besagt, „gleichschalten“ heiße „etw nebeneinander, parallel schalten“, die zweite: „auf die gleiche Stromart, den gleichen Zeitmaß schalten“.
Nun, ich kann nirgends Beispiele finden, die die Verwendung dieses Wortes veranschaulichen würden. Also (die Frage richtet sich insbesondere an Kreszenz, wenn er sich wieder einsetzen möchte, aber auch an alle): Was kann man beispielsweise gleichschalten? Zwei Resistoren? Und die Bedeutungsvariante mit „dem gleichen Zeitmaß“: könnte es sich hier etwa um zwei Maschinen einer Fertigungsanlage handeln, die beide im gemeinsamen Takt arbeiten? Und außerdem: ist dieser technische Begriff überhaupt noch im Gebrauch?
Ich ahne nur, dass der betreffende Begriff etwa bis vor dem 2. Krieg im Gebrauch war und anschließend mit schlimmer Politik belastet wurde so daß sein technischer Sinn irgendwie in Vergessenheit geriet. Stimmt das?
Ich ahne nur, dass der betreffende Begriff etwa bis vor dem 2.
Krieg im Gebrauch war und anschließend mit schlimmer Politik
belastet wurde
die politische Belastung des Begriffes setzte sofort mit der „Machtergreifung“ durch die NSDAP 1933 ein, gleich im März und April 1933 wurde er in Gesetzen zur „Gleichschaltung der Länder“ verwendet - späterhin in den 1930er Jahren aber schnell abgenutzt und auch Gegenstand von volkstümlichem Spott (vgl. z.B. das Couplet „Gleichgeschaltet“ von Weiß Ferdl zu dem Thema, der sicherlich kein erbitterter Gegner des Regimes war, eher im Gegenteil).
Ich stelle wieder eine Frage zum Begriff „gleichschalten“ (in
seiner technischen Bedeutung).
Hallo,
ich mache seit Jahrzehnten Elektrik und Elektronik und kann dir versichern, dass dieses Wort nirgends verwendet wird. Auf jeden Fall ist es seit dem 3. Reich verbrannt. Es gibt aber auch so keinen Sinn - die erwähnten Widerstände kann man parallel schalten oder in Serie (tertium non datur), aber was soll „gleich“ bedeuten? Das hat technisch garkeinen Sinn, weil viel zu ungenau. Elektromotoren kann man synchron laufen lassen, aber da spricht auch niemand von gleichschalten.
Also (die Frage richtet
sich insbesondere an Kreszenz, wenn er sich wieder einsetzen
möchte, aber auch an alle): Was kann man beispielsweise
gleichschalten?
Dazu kann ich Dir leider auch nicht mehr sagen als meine Vorschreiber.
Der Begriff taucht zwar vereinzelt in verschiedenen Zusammenhängen auf, aber eine spezifische Bedeutung/Verwendung lässt sich daraus nicht ableiten.
Laut meinem norwegischen Lexikon aus den siebzigern ist Gleichschaltung (ja, im Lexikon auf Deutsch geschrieben) „eigentlich“ ein Fachausdruck aus der Elektrotechnik für die Umwandlung von Wechselstrom zu Gleichstrom, das heisst, was man heute Gleichrichten nennt.
Die eine besagt, „gleichschalten“ heiße „etw nebeneinander,
parallel schalten“, die zweite: „auf die gleiche Stromart, den
gleichen Zeitmaß schalten“.
Du kannst beide Definitionen in die Tonne treten, diese Bedeutung gibt es weder in der Elektrik noch in der Elektronik.
Vor dem Bezug auf Wörterbücher kann ich nur warnen - ich denke mit Grausen an den Übersetzerdienst der Bundeswehr in Mannheim, der es u.a. geschafft hat, aus einem Push-Pull-Amplifier, dem Gegentaktverstärker, einen Hauruckverstärker zu bauen.
Was kann man beispielsweise gleichschalten?
Nichts - man kann Bauteile parallel schalten oder in Reihe oder sogar antiparallel, aber gewiss nicht gleich.
Ich ahne nur, dass der betreffende Begriff etwa bis vor dem 2.
Krieg im Gebrauch war und anschließend mit schlimmer Politik
belastet wurde so daß sein technischer Sinn irgendwie in
Vergessenheit geriet. Stimmt das?
Eher nicht - das politische Gleichschalten ist wohl kaum in das Bewusstein von Fachbuchautoren gedrungen. Nach dem Krieg hatte man andere Sorgen als Fachbücher wegen eventueller politischer Anrüchigkeit wegzuschmeißen. Abgesehen davon war die Gleichschaltung von Zeitungen und Vereinen etwas, was (auf den ersten Blick) absolut nicht wehgetan hat. Oder schreit heute jemand auf, wenn ProSiebenSat1undwasnochalles den gleichen Müll verbreitet?
In dem Buch „Vokabular des Nationalsozialismus“ von Cornelia Schmitz-Berning, http://books.google.de/books?id=ZNVO4uOJCYQC&pg=RA1-… Seite 277 steht: „Der Ausdruck Gleichschaltung wurde nach Hans Frank 1933 von Reichsjustizminister Gürtner mit der Formulierung der Gesetze zur ‚Gleichschaltung der Länder mit dem Reich‘ aus dem Fachwortschatz der Elektrotechnik in die Politik übertragen.“ Zur Frank wird verwiesen auf sein Buch „Im Angesicht des Galgens,“ 1953, Seite 155.
Wenn drambeldier recht hat, was ich nicht bezweifle, das Gleichschaltung heute kein Fachwort ist, hat sich der elektrotechnische Wortschatz seit den Dreissigern geändert, oder der Reichsjustizminister beherrschte die Elektrotechnik nicht so gut, wie er selber glaubte.