Hallo alle miteinander,
ich lese mir gerade alte Klausuren in meinem Studium durch. In diesem Zusammenhang soll man zu folgender Aussage Stellung nehmen: „Dienstleistungsunternehmen fällt die Expansion ins Ausland grundsätzlich leichter als Industrieunternehmen, da weniger Kapital nötig ist! Deshalb haben Dienstleistungsbtriebe im Rahmen der Globalisierung eine Vorreiterrolle“.
Kann man dieser Aussage zustimmen oder ist sie eher zu widerlegen? Wenn mir jemand Gründe für seine Antwort geben würde, wäre ich sehr dankbar.
Vielen Dank
Daniel Brack
„Dienstleistungsunternehmen fällt die Expansion ins
Ausland grundsätzlich leichter als Industrieunternehmen, da
weniger Kapital nötig ist! Deshalb haben
Dienstleistungsbtriebe im Rahmen der Globalisierung eine
Vorreiterrolle“.
ANTWORT:
Ein Hauptgrund für die Globalisierung sind die signifikant niedrigeren Arbeitskosten außerhalb der EU. Deshalb ist die Auslagerung von Arbeitsplätze für Unternehmen, bei denen der Arbeitskostenanteil an den Gesamtkosten besonders groß ist, sinnvoll. Bei Dienstleistungsunternehmen (außer im IT-Bereich) ist die Erbringung der Dienstleistung an den Ort des europäischen Unternehmens gebunden. Zum Beispiel: Es macht keinen Sinn eine Putzkolonne von Indien nach Hamburg zu fliegen, um dort ein Büro zu reinigen.
Vorreiter der Globalisierung waren in der Tat IT-Diensleister in Indien. Elektronisch wurden die Roh-Daten nach Indien gesendet, dort von billigen IT-Experten aufbereitet und verarbeitet und dann wieder elektronisch nach Europa zurückgesendet.
Lieber Daniel,
die Kapitalressource ist sicherlich ein Argument. Aber im Allgemeinen ist bei Dienstleistungsunternehmen die Kapitaldecke (und entsprechend die Umsätze und Gewinne) viel geringer als in der produzierenden Industrie. Insofern könnte man sagen, dass die Finanzierung einer Auslandsexpansion für beide Sektoren gleich schwierig ist, weil die Relationen anders sind.
Zudem sind viele Dienstleister doch sehr auf ihre Heimatmärkte und deren Regularien eingestellt. Ich kenne am besten den Bereich Bauplanung. Da arbeiten die Planer, die ein Projekt im Ausland haben, mit einem Vor-Ort-Büro zusammen, das die Vorschriften, die Leute in den Behörden, die Gepflogenheiten kennt. Dieses Wissen bei den eigenen Leuten aufzubauen, wäre viel zu aufwendig. Die Expansion beschränkt sich dann auf den Export der Planungsidee, die vor Ort umgesetzt wird. Der Aufwand, ein Büro im Ausland qualitativ so gut zu betreiben, wie die Basis, ist aber enorm.
Die Vorreiterrolle der DL sehe ich nicht.
LG, Daniela