Hallo D.K.
Guter Beitrag.
Meiner Meinung nach haben alle Glückstheorien, -ideologien und
konfessionen einen großen Haken.
Sie mißachten die individuelle Komponente und geben vor, du
mußt
die und die Regel einhalten,
das und das ändern,
so und so denken damit du glücklich wirst.
Wenn du es nicht wirst hast du einfach nicht gut genug an dir
verändert, gearbeitet, gekämpft.
Stimmt im Prinzip. Das liegt meistens daran, dass der Autor eines
Buches meint, den Stein der Weisen gefunden zu haben. Ihm fehlt
meistens der Abstand zu seinen Theorien. Die eigenen Kinder sind eben
die besten.
Ebenso ist es mit Religionen oder Diaeten: Wenn es nicht klappt wie
es soll, dann hast du eben nicht genug geglaubt oder die Diaet nicht
streng genug eingehalten.
Es gibt aber auch Glueckslehren, die die Individualitaet sehr stark
betonen: Tue, was dir Spass macht! Nimm dir, was du kriegen
kannst! Diese gehoeren zur Richtung „positives Denken“ (z.B. im
Manager-Training angewendet, glaube ich). Auch in antiken
hedonistischen Lehren findet man diese Elemente.
Und wenn man mal seine eigenen Glücksmomente betrachtet, was
passiert da eigentlich? Was ist an allen Glücksmomenten
gleich?
Ich bestätige mir selbst oder bekomme von außen bestätigt, daß
ich toll bin, wertvoll, erfolgreich, gut, wichtig, mächtig.
Bestätige ich es mir selbst, dann habe ich entweder
Selbstbewußtsein oder wenn ich das nicht habe, erniedrige ich
Andere um mich dadurch selbst zu bestätigen
Es gibt Menschen, denen diese Bestaetigung egal ist, die so in sich
ruhen und sich selbst genug sind, dass sie auf den Applaus anderer
nicht angewiesen sind. Das ist eine Frage der Selbstsicherheit. Wer
nach Beifall lechzt, der zweifelt an sich und braucht die
Bestaetigung, dass er wertvoll oder gut ist.
Wer andere erniedrigen muss, um sich gut zu fuehlen, ist abhaengig
vom Gelingen dieser Erniedrigung und vor allem saet er Zwietracht in
seinem Umfeld, denn er schafft eine Atmosphaere aus Gegnerschaft und
Feindseligkeit.
Nach eingangs erwaehntem Buch befindet sich ein solcher Mensch im
Bewusstseinszentrum der Macht, d.h. alles, was mit Macht zu tun hat,
erfuellt sein Bewusstsein und er ist erstens sehr abhaengig davon,
dass er derjenige ist, der die Macht hat, was oft nicht gelingt, und
zweitens steht er dauernd in einem Spannungsfeld, muss auf der Hut
sein, kann keinem vertrauen etc., kann also nicht entspannt leben.
Na ja, welches Unheil machtbesessene Menschen anrichten, kennt man ja
aus der Geschichte.
Besser sein zu wollen als andere, nein, es zu muessen, die eigene
Grossartigkeit bestaetigt zu bekommen, ist ganz klar ein Machtspiel.
Zugegeben: Anerkennung und Bewunderung zu bekommen, hat schon seinen
Reiz, dem auch ich oft erliege, aber schlimm dran ist der, der das
wirklich braucht.
oder ich bete.
*grins*
Wird es von Außen bestätigt, ist es Liebe, Anerkennung, ein
Gewinn, ein Gespräch, ein Erfolg, Aufmerksamkeit, usw.
Das klingt schon besser.
Doch die Wichtigkeit dieser Dinge, ist von Mensch zu Mensch
völlig unterschiedlich.
Richtig. Und im Vorteil ist der, der dies nicht braucht zum Glueck.
Aber derer sind nur wenige.
Wenn also die üblichen Glücksformeln die Botschaft tragen,
„Ändere dich und du wirst das Glück finden“ kann das nur
funktionieren, wenn der individuelle Mensch genau weiß wo er
steht, was er braucht und welche Dosis von welchem Ändern für
ihn zum Ziel führt.
Davon auszugehen, dass dasselbe Rezept bei allen funktioniert, ist
eine der Vereinfachungen der Gluecksbuecher. Es ist wie mit Medizin:
Zunaechst bekommen alle dieselbe Dosis, wenn sie krank sind und bei
den meisten wirkt das auch.
Nun, das ist meine persönliche Glücksformel. 
Schau dich selbst an, sei ehrlich und akzeptiere dich, dich
als ganzen Mensch,
akzeptiere, daß manche deiner Eigenschaften katastrophale
Ergebnisse nach sich ziehen und bereite dich darauf vor,
akzeptiere, daß manche deiner Eigenschaften herrausragende
Ergebnisse nach sich ziehen und bereite dich darauf vor.
Sich darauf vorbereiten bedeutet, dich bereit zu machen sie zu
durchleben, immer wieder.
Ändere so wenig wie möglich an dir, liebe dich.
Ich denke auch, dass Zufriedenheit mit sich selbst eine wesentliche
Voraussetzung fuer ein glueckliches Leben ist. Andererseits kann es
nicht schaden, zu versuchen, Maengel, die deine Geschichte in dir
hinterlassen hat, ausbessern zu wollen. Man darf da nur nicht
verkrampft zu Werke gehen, sondern frohen Mutes sein, dass die Zeit
dich schon in die gewuenschte Richtung bringt, wenn dein Vorsatz fest
ist, diese oder jene schlechte Charaktereigenschaft abzulegen.
Ich gebe zu, auch bei meinem Weg muß man zumindest seine
Einstellung ändern und es klingt auch reichlich pathetisch und
manches nicht neu, trotzdem räumt es viele Ungereimtheiten die
durch andere Glückstheorien entstehen, aus. Ich darf also
Gefühle wie Wut, Ärger, Jähzorn, Machtgier, kurz gesagt alles
„Böse“ zulassen. Bei anderen Theorien muß ich diese zwanghaft
unterdrücken. Schon die erste Lüge…
Die, die von zwanghafter Unterdrueckung ausgehen, sind aber die ganz
grobschlaechtigen. Die meisten sind da wohl schon etwas subtiler und
gehen davon aus, dass mit Gewalt nicht viel zu erreichen ist.
Gruss, Tychi