Gluecksrezept

Was sind eure Gluecksrezepte? Was macht euch gluecklich oder
ungluecklich?

Hallo, Tychi,
wenn du schon nach persönlichen Glücksrezepten fragst -
Für mich sind es die kleinen Glücksmomente, die das „große Glück“ ausmachen: Das Lächeln eines Fremden, der mir auf dem Weg zur Arbeit begegnet, eine freundliche Bemerkung einer Kollegin, die Fertigstellung einer schwierigen Arbeit, der überraschende nachmittägliche Anruf meiner Frau im Büro - nur so!.. Ach es gibt viele solcher glücklichen Momente den Tag über! Man muss nur die Augen aufmache, sie wahrnehmen und sich darüber freuen.

Manche rennen dem Glück hinterher und merken nicht, dass sie es schon längst überholt haben.

Gruß
Eckard

Hallo Tichy,

ich glaube, allgemeine Rezepte im Sinne von: „Mach das und das
und das, dann …“ bringen nicht nur nichts, sondern sind
grundsätzlich falsch.

Warum? Vielen haben Buecher schon geholfen.

es geht ja nicht um „Bücher“, sondern um die genannten „allgemeinen Rezepte“.

Es mag sein, dass ein Buch „100 Schritte zum Glück“ oder so ähnlich, in der Tat bei einigen Lesern „geholfen“ hat;

würdest Du aber mir, der ich Dich fragen würde, was mir helfen könnte, ein solches Rezept-Buch empfehlen, oder nicht eher ein Buch, das auf einer Meta-Ebene über die Glücks-Schritte spricht: wo, wann, bei wem, unter welchen Umständen, etc. sie „hilfreich“ sein können?

Und auch in einer
Psychotherapie (gerade in der kognitiven VT) werden
Perspektivwechsel
und Denkmuster eingeuebt, die zu mehr Glueck und Zufriedenheit
fuehren.

ja, das stimmt;
das ist ja genau das, was ich gemeint habe: Psychotherapie funktioniert aber dialogisch, während ein Rezept-Buch stur monologisch, ein Meta-Ebenen-Buch immerhin teilweise dialogisch (der Leser „therapiert“ sich mit Hilfe des Autors selbst) operiert.

Proust zeigt auch, warum die Glücksrezepte nicht wirken: nach
dem zweiten Biss in die Madeleine ist das Glück aus ihr
entschwunden, ein dritter, ein vierter Biss, ist wirkungslos

Warum ist mit dieser Erfahrung gezeigt, warum Gluecksrezepte
nicht
wirken? Lautet die Doktrin z.B. „Lerne dich an den kleinen
Dingen zu
erfreuen, denn die grossen bringen nur Ernuechterung“, dann
ist das
doch ein guter Rat, der nicht dadurch widerlegt werden kann,
dass
Gewoehnung die Kraft der Dinge, Glueck zu spenden, mindert.

  1. ging es hier nicht um Widerlegung im starken Sinn des Wortes
  2. ging es bei der Madeleine nicht um den Gewöhnungseffekt, sondern darum, dass mit dem ersten Bissen per Assoziation eine verlorene Erinnerung, eine Bewusstwerdung seiner selbst, sich zeigte.
    Diese war der Anlass für das empfundene Glück und ist als solche unwiederholbar.
  3. zeigt das Madeleine-Beispiel, dass das Glück eben nicht eine innere Kraft von Dingen ist, auch nicht eine bestimmte Seins-Form des Selbst (z.B. die Askese) (das sind ja im Grunde Deine beiden Möglichkeiten, die Du im „Nachtrag“ nennst), sondern ein Mit-sich-selbst-identisch-Sein, in einem Moment zugleich der erwachsene Mann sein, der Tee trinkt und Kuchen ist, und der kleine Junge, der von seiner Tante verwöhnt wird, ein Wert, ein „Standard“, den der Mann in sich trägt, weil er einst der Junge war, und an dem der Mann die Dinge misst.

„Le succès vous occupe, le plaisir vous retient. Mais on ne trouve le
bonheur qu’à faire ce qu’on aime avec les tendances
profondes de son âme“

Uebersetzt du das bitte. Franzoesisch habe ich nicht im
Programm :smile:.

„Der Erfolg nimmt dich ein, das Vergnügen/Lust bindet dich. Doch das Glück findet man nur, wenn man das macht, was man mit den tiefen Strebungen seiner Seele liebt“

Mit dem Satz wollte ich Branden ja nur Recht geben, dass Vernügen Vergnügen ist, Glück aber Glück.

Ist es nicht auch ein „Niveau“ auf dem man sich befindet, auf
dem es Ausschläge nach oben und unten gibt, das aber dennoch
eine Art „Pegelstand“ ist?

Definitionsfrage. Ich sehe es auch eher so wie du. Die vorige
Definition war aus der „Gluecksformel“.

Ich glaube, es ist keine bloße Definitionsfrage; ich glaube, „Glück“ ist immer beides: das „Niveau“ und das „Gefühl in schönen Momenten“; das eine ist der Pegel, das andere die Ausschläge, welche aber beide zusammen gehören.

Viele Grüße
franz

Mein Gluecksrezept
Liebe Glücksritter!

Meiner Meinung nach haben alle Glückstheorien, -ideologien und konfessionen einen großen Haken.
Sie mißachten die individuelle Komponente und geben vor, du mußt
die und die Regel einhalten,
das und das ändern,
so und so denken damit du glücklich wirst.
Wenn du es nicht wirst hast du einfach nicht gut genug an dir verändert, gearbeitet, gekämpft.

Und wenn man mal seine eigenen Glücksmomente betrachtet, was passiert da eigentlich? Was ist an allen Glücksmomenten gleich?
Ich bestätige mir selbst oder bekomme von außen bestätigt, daß ich toll bin, wertvoll, erfolgreich, gut, wichtig, mächtig.
Bestätige ich es mir selbst, dann habe ich entweder Selbstbewußtsein oder wenn ich das nicht habe, erniedrige ich Andere um mich dadurch selbst zu bestätigen oder ich bete.
Wird es von Außen bestätigt, ist es Liebe, Anerkennung, ein Gewinn, ein Gespräch, ein Erfolg, Aufmerksamkeit, usw.
Doch die Wichtigkeit dieser Dinge, ist von Mensch zu Mensch völlig unterschiedlich.

Wenn also die üblichen Glücksformeln die Botschaft tragen, „Ändere dich und du wirst das Glück finden“ kann das nur funktionieren, wenn der individuelle Mensch genau weiß wo er steht, was er braucht und welche Dosis von welchem Ändern für ihn zum Ziel führt.
Doch wenn das ein Mensch weiß braucht er es eigentlich nicht mehr zu tun. Warum?

Nun, das ist meine persönliche Glücksformel. :wink:
Schau dich selbst an, sei ehrlich und akzeptiere dich, dich als ganzen Mensch,
akzeptiere, daß manche deiner Eigenschaften katastrophale Ergebnisse nach sich ziehen und bereite dich darauf vor,
akzeptiere, daß manche deiner Eigenschaften herrausragende Ergebnisse nach sich ziehen und bereite dich darauf vor.
Sich darauf vorbereiten bedeutet, dich bereit zu machen sie zu durchleben, immer wieder.
Ändere so wenig wie möglich an dir, liebe dich.

Ich gebe zu, auch bei meinem Weg muß man zumindest seine Einstellung ändern und es klingt auch reichlich pathetisch und manches nicht neu, trotzdem räumt es viele Ungereimtheiten die durch andere Glückstheorien entstehen, aus. Ich darf also Gefühle wie Wut, Ärger, Jähzorn, Machtgier, kurz gesagt alles „Böse“ zulassen. Bei anderen Theorien muß ich diese zwanghaft unterdrücken. Schon die erste Lüge…

Gruß D.K.

Wie soll das funktionieren?
Liebe Freunde,

… Ist es nicht dein Job, Menschen
gluecklicher zu machen? …

Welcher Job sollte das sein und vor allem: Wie soll das funktionieren? Glücklicher nach wessen Vorstellung? Gibts eine „allgmeine Glücksskala“.

Ich fürchte, dass in unserer Gesellschaft einige Mitmenschen hart lernen müssen, dass sie für ihr Glück/ihre Zufriedenheit SELBST verantwortlich sind.

Hallo D.K.
Guter Beitrag.

Meiner Meinung nach haben alle Glückstheorien, -ideologien und
konfessionen einen großen Haken.
Sie mißachten die individuelle Komponente und geben vor, du
mußt
die und die Regel einhalten,
das und das ändern,
so und so denken damit du glücklich wirst.
Wenn du es nicht wirst hast du einfach nicht gut genug an dir
verändert, gearbeitet, gekämpft.

Stimmt im Prinzip. Das liegt meistens daran, dass der Autor eines
Buches meint, den Stein der Weisen gefunden zu haben. Ihm fehlt
meistens der Abstand zu seinen Theorien. Die eigenen Kinder sind eben
die besten.
Ebenso ist es mit Religionen oder Diaeten: Wenn es nicht klappt wie
es soll, dann hast du eben nicht genug geglaubt oder die Diaet nicht
streng genug eingehalten.
Es gibt aber auch Glueckslehren, die die Individualitaet sehr stark
betonen: Tue, was dir Spass macht! Nimm dir, was du kriegen
kannst!
Diese gehoeren zur Richtung „positives Denken“ (z.B. im
Manager-Training angewendet, glaube ich). Auch in antiken
hedonistischen Lehren findet man diese Elemente.

Und wenn man mal seine eigenen Glücksmomente betrachtet, was
passiert da eigentlich? Was ist an allen Glücksmomenten
gleich?
Ich bestätige mir selbst oder bekomme von außen bestätigt, daß
ich toll bin, wertvoll, erfolgreich, gut, wichtig, mächtig.
Bestätige ich es mir selbst, dann habe ich entweder
Selbstbewußtsein oder wenn ich das nicht habe, erniedrige ich
Andere um mich dadurch selbst zu bestätigen

Es gibt Menschen, denen diese Bestaetigung egal ist, die so in sich
ruhen und sich selbst genug sind, dass sie auf den Applaus anderer
nicht angewiesen sind. Das ist eine Frage der Selbstsicherheit. Wer
nach Beifall lechzt, der zweifelt an sich und braucht die
Bestaetigung, dass er wertvoll oder gut ist.
Wer andere erniedrigen muss, um sich gut zu fuehlen, ist abhaengig
vom Gelingen dieser Erniedrigung und vor allem saet er Zwietracht in
seinem Umfeld, denn er schafft eine Atmosphaere aus Gegnerschaft und
Feindseligkeit.
Nach eingangs erwaehntem Buch befindet sich ein solcher Mensch im
Bewusstseinszentrum der Macht, d.h. alles, was mit Macht zu tun hat,
erfuellt sein Bewusstsein und er ist erstens sehr abhaengig davon,
dass er derjenige ist, der die Macht hat, was oft nicht gelingt, und
zweitens steht er dauernd in einem Spannungsfeld, muss auf der Hut
sein, kann keinem vertrauen etc., kann also nicht entspannt leben.
Na ja, welches Unheil machtbesessene Menschen anrichten, kennt man ja
aus der Geschichte.
Besser sein zu wollen als andere, nein, es zu muessen, die eigene
Grossartigkeit bestaetigt zu bekommen, ist ganz klar ein Machtspiel.
Zugegeben: Anerkennung und Bewunderung zu bekommen, hat schon seinen
Reiz, dem auch ich oft erliege, aber schlimm dran ist der, der das
wirklich braucht.

oder ich bete.

*grins*

Wird es von Außen bestätigt, ist es Liebe, Anerkennung, ein
Gewinn, ein Gespräch, ein Erfolg, Aufmerksamkeit, usw.

Das klingt schon besser.

Doch die Wichtigkeit dieser Dinge, ist von Mensch zu Mensch
völlig unterschiedlich.

Richtig. Und im Vorteil ist der, der dies nicht braucht zum Glueck.
Aber derer sind nur wenige.

Wenn also die üblichen Glücksformeln die Botschaft tragen,
„Ändere dich und du wirst das Glück finden“ kann das nur
funktionieren, wenn der individuelle Mensch genau weiß wo er
steht, was er braucht und welche Dosis von welchem Ändern für
ihn zum Ziel führt.

Davon auszugehen, dass dasselbe Rezept bei allen funktioniert, ist
eine der Vereinfachungen der Gluecksbuecher. Es ist wie mit Medizin:
Zunaechst bekommen alle dieselbe Dosis, wenn sie krank sind und bei
den meisten wirkt das auch.

Nun, das ist meine persönliche Glücksformel. :wink:
Schau dich selbst an, sei ehrlich und akzeptiere dich, dich
als ganzen Mensch,
akzeptiere, daß manche deiner Eigenschaften katastrophale
Ergebnisse nach sich ziehen und bereite dich darauf vor,
akzeptiere, daß manche deiner Eigenschaften herrausragende
Ergebnisse nach sich ziehen und bereite dich darauf vor.
Sich darauf vorbereiten bedeutet, dich bereit zu machen sie zu
durchleben, immer wieder.
Ändere so wenig wie möglich an dir, liebe dich.

Ich denke auch, dass Zufriedenheit mit sich selbst eine wesentliche
Voraussetzung fuer ein glueckliches Leben ist. Andererseits kann es
nicht schaden, zu versuchen, Maengel, die deine Geschichte in dir
hinterlassen hat, ausbessern zu wollen. Man darf da nur nicht
verkrampft zu Werke gehen, sondern frohen Mutes sein, dass die Zeit
dich schon in die gewuenschte Richtung bringt, wenn dein Vorsatz fest
ist, diese oder jene schlechte Charaktereigenschaft abzulegen.

Ich gebe zu, auch bei meinem Weg muß man zumindest seine
Einstellung ändern und es klingt auch reichlich pathetisch und
manches nicht neu, trotzdem räumt es viele Ungereimtheiten die
durch andere Glückstheorien entstehen, aus. Ich darf also
Gefühle wie Wut, Ärger, Jähzorn, Machtgier, kurz gesagt alles
„Böse“ zulassen. Bei anderen Theorien muß ich diese zwanghaft
unterdrücken. Schon die erste Lüge…

Die, die von zwanghafter Unterdrueckung ausgehen, sind aber die ganz
grobschlaechtigen. Die meisten sind da wohl schon etwas subtiler und
gehen davon aus, dass mit Gewalt nicht viel zu erreichen ist.

Gruss, Tychi

Hallo Gunter

… Ist es nicht dein Job, Menschen
gluecklicher zu machen? …

Welcher Job sollte das sein und vor allem: Wie soll das
funktionieren? Glücklicher nach wessen Vorstellung? Gibts eine
„allgmeine Glücksskala“.

Der Grund, aus dem jemand eine Psychotherapie beginnt, ist der, dass
er sich ungluecklich und/oder unzufrieden fuehlt. Nach erfolgreicher
Therapie fuehlt er sich gluecklicher und zufriedener. Dieses Ziel
verfolgt der Therapeut.

Glücklicher nach wessen Vorstellung?

Nach der des Patienten. Eventuell muss der Therapeut Irrtuemer des
Patienten beseitigen, was aber nicht heisst, dass der Therapeut dem
Patienten seine Vorstellungen aufzwingt. Er merkt aber, welche
Gedanken und Gefuehle des Patienten dessen Glueck im Wege stehen.

Gibts eine „allgmeine Glücksskala“.

Ja. Kreuze auf einer Skala von 1 bis 10 an, wie sehr du der Aussage
zustimmst: „Ich bin mit meinem Leben zufrieden.“
Und dann „Ich bin ein gluecklicher Mensch.“
So misst man das. Etwas anderes als subjektive Aussagen sind nicht
moeglich, aber das ist ja logisch, denn man will ja auch etwas
Subjektives messen. Es gibt Wissenschaftler, die reisen durch die
Welt und stellen den verschiedensten Menschen genau jene Fragen mit
jener Skala. Die Werte der Deutsche liegen bei durchschnittlich 7
glaube ich, die der Daenen nahe 8.
So versuchen die Forscher herauszufinden, welchen Einfluss die
Lebensumstaende, das Klima, die Gesellschaftsordnung u.s.w. auf das
Glueck haben.

Ich fürchte, dass in unserer Gesellschaft einige Mitmenschen
hart lernen müssen, dass sie für ihr Glück/ihre Zufriedenheit
SELBST verantwortlich sind.

Wie lernt man so etwas? Autodidaktisch? Mit einem Anleitungsbuch?
Damit waeren wir wieder beim Thema.

Gruss, Tychi

Hallo Tychi,
nun mische ich mich hier doch noch ein, denn das kann ich so nicht stehen lassen:

Der Grund, aus dem jemand eine Psychotherapie beginnt, ist
der, dass er sich ungluecklich und/oder unzufrieden fuehlt. Nach
erfolgreicher Therapie fuehlt er sich gluecklicher und zufriedener.

Ich habe z.B. eine Therapie angefangen, da ich kreisrunden Haarausfall hatte. Das war zwar ein Problem, aber nichts was mich generell unglücklich gemacht hat. Ich sehe die Stunden, die ich jetzt im Gespräch verbringe auch nicht als Wege zum Glück an. Ich versuche dort mich und meine Handlungen besser zu verstehen. Das ist alles. interessanterweise bin ich jetzt im nachhinein sehr glücklich über das Problem Haarausfall. Ich wäre nie im Leben „auf der Couch“ gelandet, wenn es nicht diese deutlichen Zeichen gegeben hätte.

Dies nurmal als Einschub. Ich würde mich nicht als immer glücklichen Menschen bezeichnen, aber ich bin mir der Annehmlichkeiten meines Lebens sehr wohl bewußt und dafür dankbar. Glücklich bin ich in solchen Momenten, man könnte fast platzen…z.B. nach langer Wanderung genießt man den Blick über die Berge oder ich fühle mich nach einem Gespräch verstanden und geborgen oder auf Reisen der erste Kaffee in einer fremden Stadt und der Tag liegt ganz unbekannt vor mir…

Zu meinem Glückskonzept, ich glaube an Wahlmöglichkeiten. Dh. es gibt jederzeit Entscheidungsmöglichkeiten und mein Maßstab ist
Zufriedenheit. In bestimmten Abständen komme ich immer mal dazu mich zu fragen, gefällt mir mein Leben und das was ich tue, wo ich wohne usw. Und dann wird entweder nachjustiert oder sollte das nicht möglich sein, muß ich mich einstellungsmäßig anpassen.

(das ist meine Formel, ob die für andere funktioniert, ist mir eigentlich egal.)

Und noch ein anderer kleiner Exkurs zu einem Erlebnis, welches mich nachhaltig in meinem gewählten Leben bestärkt hat:
Ich war im Sommer segeln und wir sind auf der Ostsee in ziemlich schlimmes wetter gekommen, Großbaumbruch, Gefahr das Gas auströmt und ein verletzter Skipper. Jedenfalls dachte ich über ca. 6 Std. das überleben wir nicht. Genug Zeit, um so einige Sachen zu hinterfragen. Getröstet hat mich die ganze Dauer eigentlich nur, dass mein Freund da war bzw. das ich dachte ok, wenigstens haste Du alles gemacht was Du machen wolltest.

Also kurzgesagt für mich ist Glück ne Einstellungsfrage
Pat

Gibts eine „allgmeine Glücksskala“.

Ja. Kreuze auf einer Skala von 1 bis 10 an, wie sehr du der
Aussage
zustimmst: „Ich bin mit meinem Leben zufrieden.“
Und dann „Ich bin ein gluecklicher Mensch.“
So misst man das. Etwas anderes als subjektive Aussagen sind
nicht
moeglich, aber das ist ja logisch, denn man will ja auch etwas
Subjektives messen. Es gibt Wissenschaftler, die reisen durch
die
Welt und stellen den verschiedensten Menschen genau jene
Fragen mit
jener Skala. Die Werte der Deutsche liegen bei
durchschnittlich 7
glaube ich, die der Daenen nahe 8.
So versuchen die Forscher herauszufinden, welchen Einfluss die
Lebensumstaende, das Klima, die Gesellschaftsordnung u.s.w.
auf das
Glueck haben.

Ich fürchte, dass in unserer Gesellschaft einige Mitmenschen
hart lernen müssen, dass sie für ihr Glück/ihre Zufriedenheit
SELBST verantwortlich sind.

Wie lernt man so etwas? Autodidaktisch? Mit einem
Anleitungsbuch?
Damit waeren wir wieder beim Thema.

Gruss, Tychi

Hallo Pat

nun mische ich mich hier doch noch ein, denn das kann ich so
nicht stehen lassen:

Der Grund, aus dem jemand eine Psychotherapie beginnt, ist
der, dass er sich ungluecklich und/oder unzufrieden fuehlt. Nach
erfolgreicher Therapie fuehlt er sich gluecklicher und zufriedener.

Ich habe z.B. eine Therapie angefangen, da ich kreisrunden
Haarausfall hatte. Das war zwar ein Problem, aber nichts was
mich generell unglücklich gemacht hat. Ich sehe die Stunden,
die ich jetzt im Gespräch verbringe auch nicht als Wege zum
Glück an.

Der Haarausfall hat dich gestoert, sonst haettest du ja nichts
unternommen, um ihn loszuwerden. Eine solche Stoerung beeintraechtigt
die Zufriedenheit und damit das Gluecklichsein. Auch wenn du nicht
voellig deprimiert seinetwegen warst, so warst doch etwas
ungluecklicher als du es mit voellig intakten Haaren gewesen waerest.

Dies nurmal als Einschub. Ich würde mich nicht als immer
glücklichen Menschen bezeichnen, aber ich bin mir der
Annehmlichkeiten meines Lebens sehr wohl bewußt und dafür
dankbar. Glücklich bin ich in solchen Momenten, man könnte
fast platzen…z.B. nach langer Wanderung genießt man den Blick
über die Berge oder ich fühle mich nach einem Gespräch
verstanden und geborgen oder auf Reisen der erste Kaffee in
einer fremden Stadt und der Tag liegt ganz unbekannt vor
mir…

Schoen. Diese Dinge, ausser Kaffee, mag ich auch.

Zu meinem Glückskonzept, ich glaube an Wahlmöglichkeiten. Dh.
es gibt jederzeit Entscheidungsmöglichkeiten und mein Maßstab
ist
Zufriedenheit. In bestimmten Abständen komme ich immer mal
dazu mich zu fragen, gefällt mir mein Leben und das was ich
tue, wo ich wohne usw. Und dann wird entweder nachjustiert
oder sollte das nicht möglich sein, muß ich mich
einstellungsmäßig anpassen.

Ich glaube, dass es besser ist, wenn man sich nicht veranlasst sieht,
das eigene Leben zu hinterfragen. Mit dem Hinterfragen beginnt das
Ungluecklichsein und es nimmt in letzterem auch seinen Anfang.
Unglueck und Hinterfragen gehen Hand in Hand. Als Kind kam ich nie
auf die Idee, mich zu fragen, ob alles so seine Richtigkeit habe oder
ob ich nicht lieber etwas anderes tun solle. Und damals war ich
gluecklich (wenn meine Erinnerung mich nicht taeuscht, was sie aber
wohl tut, denn das tut sie bei den meisten Menschen). Heute bin ich
zwar nicht ungluecklich, aber oft moechte ich mein Leben voellig
aendern, was ich unter anderen Aspekten aber auch wieder nicht
moechte. Mir waere es lieber, wenn ich einfach im Strom des Lebens
treiben koennte, ohne dieses Dasein in Frage zu stellen und ohne mich
zu fragen, ob ich so gluecklich sei oder nicht.

(das ist meine Formel, ob die für andere funktioniert, ist mir
eigentlich egal.)

Wie passt du dich „einstellungsmaessig“ an? Wenn irgendwas nicht
laeuft wie es soll, du es aber nicht aendern kannst, wie gelingt es
dir dann, den Wunsch zu beseitigen oder aber trotz seiner Gegenwart
so zufrieden zu sein, als waere er nicht mehr da?

Und noch ein anderer kleiner Exkurs zu einem Erlebnis, welches
mich nachhaltig in meinem gewählten Leben bestärkt hat:
Ich war im Sommer segeln und wir sind auf der Ostsee in
ziemlich schlimmes wetter gekommen, Großbaumbruch, Gefahr das
Gas auströmt und ein verletzter Skipper. Jedenfalls dachte ich
über ca. 6 Std. das überleben wir nicht. Genug Zeit, um so
einige Sachen zu hinterfragen. Getröstet hat mich die ganze
Dauer eigentlich nur, dass mein Freund da war bzw. das ich
dachte ok, wenigstens haste Du alles gemacht was Du machen
wolltest.

Das moechte ich auch sagen koennen. Aber mein Hunger nach Erlebnissen
und Erfahrungen ist riesig und verglichen damit ist mein Leben
eintoenig (objektiv betrachtet ist es das sicher nicht).

Also kurzgesagt für mich ist Glück ne Einstellungsfrage

Klar, das sagen auch alle Glueckslehrer. Die Frage ist aber, wie du
es schaffst, deine Einstellung so zu beeinflussen, dass du mit der
Wirklichkeit zufrieden bist. Und dieses Wie kommt in allen Buechern
zu kurz und in ihm besteht die eigentliche Schwierigkeit.

Gruss, Tychi

Kurz vor Feierabend Was fürn Glück :wink:)

Der Haarausfall hat dich gestoert, sonst haettest du ja nichts
unternommen, um ihn loszuwerden. Eine solche Stoerung
beeintraechtigt die Zufriedenheit und damit das Gluecklichsein. Auch wenn du nicht voellig deprimiert seinetwegen warst, so warst doch etwas
ungluecklicher als du es mit voellig intakten Haaren gewesen
waerest.

nun ich habe nach der Entdeckung nicht gebrüllt, was fürn Glück, aber ich habe mir gesagt, ich mache alles was geht und wenn das nichts hilft schneide ich mir ne Glatze. dann habe ich Perücken ausgesucht und meinen frieden damit gemacht. Das hört sich jetzt ziemlich einfach an, wars nicht. Aber den Prozeß habe ich dann als Glück empfunden. er hat mein Leben bereichert. Das ist was ich mit Wahl meine, entweder
ich versuche was gegen das „Schicksal zu machen“ oder ich lebe mit dem „Schicksal“.

Ich glaube, dass es besser ist, wenn man sich nicht veranlasst
sieht,das eigene Leben zu hinterfragen. Mit dem Hinterfragen beginnt
das :Ungluecklichsein und es nimmt in letzterem auch seinen Anfang.
Unglueck und Hinterfragen gehen Hand in Hand.

So ganz verstehe ich das nicht. Meinst Du mit Hinterfragen, Vergangenem hinterhertrauern? Getroffene Entscheidungen anzweifeln?
Das tue ich im allgm. nicht, Entscheidung ist Entscheidung und dann muß man damit leben. Für mich hat das Erwachsenenleben damit begonnen, dass ich gemerkt habe, dass manche entscheidungen langfristig binden (vor denen scheue ich lange) und dass die Zeit für optionen geringer wird.

Meine „Einstellungsanpassung“ ist irgendwie pragmatisch total banal. Ich versuche immer was positives an allem zu finden. Und eventuell ändere ich dann den Wunsch. Dh. nicht aufgeben, anpassen. Oder im Extremfall bewußt verzichten. Da ist doch auch schon wieder Genuß drin :wink:Wat kann Selbstmitleid schön sein…
Irgendwie sind doch die meisten Wünsche nicht wichtig zum Überleben. Ich guck mir den Wunsch dann an (wie Schiwa schon schrieb) rausfinden, was steckt dahinter und sehr oft ist er dann auch schon wieder weg.

Und ich bin manchmal fast schon exzentrisch, aber ich versuche so wenig wie möglich zu besitzen. Ist so ein Tick von mir, dass ich theorethisch in einer halben stunde aufbruchsfertig sein möchte. Aber dies alles gibt mir so ein Freiheitsgefühl und das wiederrum sichert meine Grundzufriedenheit. Wobei hier gar nicht der Verzicht auf Luxus gemeint ist.

Das moechte ich auch sagen koennen. Aber mein Hunger nach
Erlebnissen und Erfahrungen ist riesig und verglichen damit ist mein Leben
eintoenig (objektiv betrachtet ist es das sicher nicht).

Nun was soll ich sagen, ich bin ständig am „essen“. Ich will z.B. gern alles bereisen was es so gibt. Unendliche Möglichkeiten. Und wieder besuchen will ich auch. Geht nicht, fertig. Kann ich mich stundenlang drüber ärgern, mit dem Leben hadern oder ich lasse es einfach. Ich nehme was ich kriege und das reicht.

nun letztendlich kannst du wohl ziellos zu mir sagen. Ich habe nämlich keinerlei Lebensziel.Hatte ich irgendwie nie. Fand das als Kind/Jugendlicher immer blöd, mittlerweile halte ich das für einen Segen.
Glück auf!
P

2 „Gefällt mir“

Hallo Pat
Deine beiden Postings fand ich irgendwie erfrischend und inspirierend. Hab dann in Deine Vika geguckt und geehen, dass Du (auch) in Berlin wohnst und am liebsten aufm Wasser, so wie ich.
Ich hab jetzt drei Jahre lang kein Segelboot mehr gehabt und bin schon ganz dusrtig nach einem neuen. Wahrscheinlich werde ich mir mit Anderen zusammen im Frühjahr wieder eins am Wannsee oder so leisten.
Das ist auch Glück, ohne Frage!
Gruß,
Branden

Vielen Dank für die Wasserrosen!

witzigerweise bin ich eher der Bergtyp. Also Almhütte, tiefer schnee usw. Aber nun ist der Mann der Wahl ein närrischer Kapitän. Ich habe mich immer mobil im Zigeunerwagen gesehen, da war der Schritt zum Wohnboot nicht so schwer. Aber nichtdestotrotz ist Berlin vom wasser aus erst so richtig nett und von daher…ab nächsten Jahr liegen wir in Schöneweide, dann komm auf nen Kaffee rum.

Gruß
P

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Pat

nun ich habe nach der Entdeckung nicht gebrüllt, was fürn
Glück, aber ich habe mir gesagt, ich mache alles was geht und
wenn das nichts hilft schneide ich mir ne Glatze. dann habe
ich Perücken ausgesucht und meinen frieden damit gemacht. Das
hört sich jetzt ziemlich einfach an, wars nicht.

O.k., so klingt’s realistisch. Ich dachte schon, du koenntest einfach
mal so einen Wunsch beiseite schieben und dich so ohne weiteres mit
einer unerfreulichen Situation anfreunden. Aber, wenn du einraeumst,
dass es nicht einfach sei, dann bin ich beruhigt.

Aber den
Prozeß habe ich dann als Glück empfunden. er hat mein Leben
bereichert.

Das ist eine gute Perspektive.

Ich glaube, dass es besser ist, wenn man sich nicht veranlasst
sieht,das eigene Leben zu hinterfragen. Mit dem Hinterfragen
beginnt
das :Ungluecklichsein und es nimmt in letzterem auch seinen Anfang.
Unglueck und Hinterfragen gehen Hand in Hand.

So ganz verstehe ich das nicht. Meinst Du mit Hinterfragen,
Vergangenem hinterhertrauern? Getroffene Entscheidungen
anzweifeln?

Ja, im Wesentlichen schon.

Das tue ich im allgm. nicht, Entscheidung ist Entscheidung und
dann muß man damit leben. Für mich hat das Erwachsenenleben
damit begonnen, dass ich gemerkt habe, dass manche
entscheidungen langfristig binden (vor denen scheue ich lange)
und dass die Zeit für optionen geringer wird.

Genau das sind auch meine Probleme damit, erwachsen zu werden. Mit 20
Jahren konnte man noch alles tun und jetzt sind einige Fakten
geschaffen, die mein Leben fuer die Zukunft relativ festlegen.

Meine „Einstellungsanpassung“ ist irgendwie pragmatisch total
banal. Ich versuche immer was positives an allem zu finden.
Und eventuell ändere ich dann den Wunsch. Dh. nicht aufgeben,
anpassen. Oder im Extremfall bewußt verzichten. Da ist doch
auch schon wieder Genuß drin :wink:Wat kann Selbstmitleid schön
sein…
Irgendwie sind doch die meisten Wünsche nicht wichtig zum
Überleben. Ich guck mir den Wunsch dann an (wie Schiwa schon
schrieb) rausfinden, was steckt dahinter und sehr oft ist er
dann auch schon wieder weg.

Es gibt ja die fuenf grossen Persoenlichkeitsmerkmale. Neurotizismus
ist eines davon. Vielleicht habe ich davon einfach mehr als andere,
so dass mir normale Vorgaenge im Leben mehr zu schaffen machen als
anderen.

Und ich bin manchmal fast schon exzentrisch, aber ich versuche
so wenig wie möglich zu besitzen. Ist so ein Tick von mir,
dass ich theorethisch in einer halben stunde aufbruchsfertig
sein möchte. Aber dies alles gibt mir so ein Freiheitsgefühl
und das wiederrum sichert meine Grundzufriedenheit. Wobei hier
gar nicht der Verzicht auf Luxus gemeint ist.

Das ist bei mir auch so. Wenn ich sehe, was im Laufe meiner
Partnerschaft schon alles fuer die Wohnung angeschafft wurde, wird
mir Angst und Bange. Ich fuehle mich auch unwohl in diesem ganzen
Krempel. In den Zeiten, in denen ich im Studentenwohnheim gewohnt
habe und all meine Habseligkeiten in zwei Koffer und drei Kartons
passten, habe ich mich viel freier gefuehlt.

Das moechte ich auch sagen koennen. Aber mein Hunger nach
Erlebnissen und Erfahrungen ist riesig und verglichen damit ist
mein Leben
eintoenig (objektiv betrachtet ist es das sicher nicht).

Nun was soll ich sagen, ich bin ständig am „essen“. Ich will
z.B. gern alles bereisen was es so gibt. Unendliche
Möglichkeiten. Und wieder besuchen will ich auch. Geht nicht,
fertig. Kann ich mich stundenlang drüber ärgern, mit dem Leben
hadern oder ich lasse es einfach. Ich nehme was ich kriege und
das reicht.

Sehr vernuenftig.

nun letztendlich kannst du wohl ziellos zu mir sagen. Ich habe
nämlich keinerlei Lebensziel.Hatte ich irgendwie nie. Fand das
als Kind/Jugendlicher immer blöd, mittlerweile halte ich das
für einen Segen.

Das ist bei mir auch so.

Danke fuer deine Antworten, Tychi

A bissel off-topic darfs schon sein

Aber
nichtdestotrotz ist Berlin vom wasser aus erst so richtig nett
und von daher…

Das sehe ich ganz genauso!

ab nächsten Jahr liegen wir in Schöneweide,
dann komm auf nen Kaffee rum.

Hey - danke für die Einladung! Vielleicht komm ich dann mit dem Boot zu Euch :wink:
Gruß,
Branden