Gluecksrezept

Hallo

Ich habe da gerade so ein Buch am Wickel Ken Keyes Jr. „Handbook to
higher consciousness“
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/1870845242/qid…

Dieses Buch bekommt in den Rezensionen bei amazon ja unfassbar viel
Lob. Als ich es kaufte (nicht gezielt, sondern zufaellig), wusste ich
davon noch nichts und auch nicht, dass dieses Buch mittlerweile
Kultstatus hat.

Der Autor behauptet ganz unbescheiden, dass seine Theorie und die aus
ihr abgeleiteten praktischen Regeln das Gluecksrezept seien.
Die Theorie ist zwar im Grossen und Ganzen plausibel, wenn auch
voellig unwissenschaftlich, was aber nicht heissen muss, dass sie
falsch sei. Ihre Grundlagen liegen wohl im Buddhismus.
Ich will gar nicht auf den Inhalt eingehen, das tue ich vielleicht
spaeter einmal, wenn ich das Buch gruendlich durchgelesen und
verarbeitet habe, denn trotz meiner Einwaende glaube ich, dass die
Lektuere lohnt. Auch wenn man Unsinn liest, kann man etwas lernen,
naemlich dann, wenn man sich ueberlegt, warum es Unsinn ist.

Ich glaube, dass die menschliche Psyche zusammen mit ihrer Umwelt,
mit der sie ja wechselwirkt, ein so komplexes System darstellt, dass
es unmoeglich ist, einen so komplexen Aspekt wie „Glueck“, den man ja
schon kaum definieren kann (mit „Liebe“ ist es ebenso), korrekt zu
beschreiben und Regeln aufzustellen, die allgemeingueltig sind.
Fraglich ist, ob es ueberhaupt Gesetzmaessigkeiten gibt.
Trotzdem ist die Frage „Wie werde ich gluecklich?“ die vielleicht
wichtigste, die man sich denken kann und nichts ist von allgemeinerem
Interesse, denn all unser Tun hat das Glueck zum Ziel.
Kein Wunder also, dass Menschen sich redlich bemuehen, Methoden zu
finden, die zum Glueck fuehren. Dabei muessen sie zwangslaeufig das
Problem extrem vereinfachen und bis auf die erst in den letzten
Jahren unternommenen systematischen Forschungen auf diesem Gebiet
(z.B. Seligmann) ist wohl alles Spekulation und Faustregeln.
„Die Gluecksformel“ von Stefan Klein finde ich einen guten Beitrag
zur populaerwissenschaftlichen Literatur der wissenschaftlichen
Gluecksforschung. Dort findet man dann auch keine hochtrabenden
Theorien, sondern einige statistische Aussagen und Beobachtungen,
sowie einige neurologische und pharmakologische Erkenntnisse.
Mehr weiss man einfach noch nicht.
Wir wissen aber auch, dass bestimmte Geisteshaltungen und bestimmte
eingeuebte Gedanken und bestimmte Verhaltensweisen gluecklicher bzw.
ungluecklicher machen koennen.

Was sind eure Gluecksrezepte? Was macht euch gluecklich oder
ungluecklich? Macht Vergnuegen gluecklich? Gibt es Menschen, die
gluecklich aber unzufrieden sind?
Findet ihr diese Definitionen zutreffend:
Glueck ist das Gefuehl, das man in schoenen Momenten empfindet.
Zufriedenheit ist die allgemeine Bejahung des Lebens, das man fuehrt.
Gluecklich ist, wer genuegend viele Gluecksmomente hat und zufrieden
mit seinem Leben ist.
Welche Dinge habt ihr angstrebt, von denen ihr meintet, sie wuerden
euch gluecklich machen, die dann aber in dieser Hinsicht eine
Enttaeuschung waren? Wann habt ihr unerwartete Gluecksmomente
empfunden?
Wer ungluecklich ist, der kann zwei Dinge tun:

  1. Seine Umwelt aendern, d.h. neuen Job suchen, sich scheiden lassen
    oder heiraten, sich ein Auto kaufen etc.
  2. Sich selbst aendern, d.h. an seiner Einstellung zu den Dingen
    arbeiten, Begehren und Wuensche ueberwinden.
    Meiner Meinung nach sind beide Wegen schwierig und mal ist der eine
    leichter und mal der andere. Welcher Methode gebt ihr den Vorzug oder
    haltet ihr fuer mehrversprechend?

Das reicht wohl erstmal. Ich hoffe ihr seid nicht zu faul zum
antworten :smile:.

Danke schonmal, Tychi

Nachtrag

Wer ungluecklich ist, der kann zwei Dinge tun:

  1. Seine Umwelt aendern, d.h. neuen Job suchen, sich scheiden
    lassen

Dies ist die Methode, die moderne Menschen meistens anwenden. So auch
oft im L&L-Brett nachzulesen.

oder heiraten, sich ein Auto kaufen etc.
2. Sich selbst aendern, d.h. an seiner Einstellung zu den
Dingen
arbeiten, Begehren und Wuensche ueberwinden.

Dies ist die Methode der Stoiker, der Epikureer, der Buddhisten und
teilweise der Christen, wie mir scheint.

Hi Tychi

  1. Seine Umwelt aendern, d.h. neuen Job suchen, sich scheiden
    lassen

Siehe auch den klassischen SpruchL
Love it, change it or leave it.
Gruß,
Branden

Hallo Branden

Mehr faellt dir nicht ein? Ist es nicht dein Job, Menschen
gluecklicher zu machen? Ist es Faulheit oder repraesentiert deine
Antwort den durchschnittlichen Wissensstand eines Psychotherapeuten
zu diesem Thema?

Gruss, Tychi

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Tychi

Es gibt nichts auf das wirklich dauerhaft Verlass ist, weder materielle Güter, noch Ruhm oder Freunde. Alles ist von anderem abhängig, veränderlich und vergänglich.
Den Zustand von Glück abhängig von äußeren Begebenheiten zu machen endet im Leid.

Glück ist ein Geisteszustand. Darum liegt die wirkliche Quelle von Glück im Geist – nicht in äußeren Umständen.

Wenn ich den Unterschied zwischen „Haben“ und „Sein“ erkenne und das „Haben wollen“ loslasse, sowie alles was damit zusammenhängt, wird das Gefühl von Glück beständiger sein.

Glück bedeutet für mich Gelassenheit, Dinge anzunehmen und zu akzeptieren wie sie sind ohne sie über zu bewerten, denn jede Bewertung beinhaltet auch eine Wertung in Gut oder Schlecht, in Glück oder Leid.

Es ist wie es ist…

Schiwa

Hallo Tychi

Ich meine das Leben ist immer ein Gemisch von beiden Zuständen. Leid und Glück sind somit die Folge unserer Taten. Wobei sie sich allerdings nicht vorausberechnen lassen. Es wird im Geheimen von Jemand verteilt, den wir nicht kennen, - nenn es Schicksal, Zufall oder Gott.

Man sollte aus diesem Grund, das Glück nicht als vorrangiges Lebensziel wählen. Das versprechen uns erst die Religionen im Jenseits.

Trotzdem gibt das natürlich noch keine Antwort auf das richtige Handeln in der Welt.

gruß
rolf

Hallo Schiwa

Wenn ich den Unterschied zwischen „Haben“ und „Sein“ erkenne
und das „Haben wollen“ loslasse, sowie alles was damit
zusammenhängt, wird das Gefühl von Glück beständiger sein.

Glück bedeutet für mich Gelassenheit, Dinge anzunehmen und zu
akzeptieren wie sie sind ohne sie über zu bewerten, denn jede
Bewertung beinhaltet auch eine Wertung in Gut oder Schlecht,
in Glück oder Leid.

Das geht in die Richtung des Buches, das ich in meiner langen
Einleitung erwaehnt habe. Und ich halte diese Aussagen auch fuer
richtig. Klar ist der gluecklicher, dessen Stimmung immer positiv
ist, ganz gleich wie viel oder wenig er hat, der die Welt so nimmt
wie sie ist.
Aber wenn ich rational erkenne, dass ich auch gluecklich sein kann,
ohne dass ich dieses oder jenes habe und ohne dass die Dinge so sind,
wie ich sie mir wuensche, dann ist das meinen Gefuehlen relativ
egal. Mit solchen Einsichten verschwinden Wuensche doch nicht.
Die erste Grundregel in jenem Buch ist „Liebe alle Menschen
bedingungslos!“ Toll, aber wie stelle ich das an? Ich finde nach wie
vor, dass mein Nachbar ein Kotzbrocken ist, ueber dessen Tod ich mich
freuen wuerde. Ken Keyes wuerde dann sagen: „Hoere, Bruder, mein
weises Wort: Du leidest daran, dass dein Nachbar nicht so ist, wie du
ihn dir wuenschst. Dieses Leiden beweist, dass du von deinem Wunsch
abhaengig ist. Befreie dich von dieser Abhaengigkeit und du wirst
Frieden finden.“ Ja logisch, da hat er Recht. Aber wie befreie ich
mich?

Gruss, Tychi

Aber wenn ich rational erkenne, dass ich auch gluecklich sein
kann,
ohne dass ich dieses oder jenes habe und ohne dass die Dinge
so sind,
wie ich sie mir wuensche, dann ist das meinen Gefuehlen
relativ
egal. Mit solchen Einsichten verschwinden Wuensche doch nicht.

Die Einsicht ist aber der erste Weg Wünsche als solche zu erkennen und sich dann zu fragen, brauche ich diesen Wunsch um glücklich sein zu können?

Die erste Grundregel in jenem Buch ist „Liebe alle Menschen
bedingungslos!“ Toll, aber wie stelle ich das an? Ich finde
nach wie
vor, dass mein Nachbar ein Kotzbrocken ist, ueber dessen Tod
ich mich
freuen wuerde. Ken Keyes wuerde dann sagen: „Hoere, Bruder,
mein
weises Wort: Du leidest daran, dass dein Nachbar nicht so ist,
wie du
ihn dir wuenschst. Dieses Leiden beweist, dass du von deinem
Wunsch
abhaengig ist. Befreie dich von dieser Abhaengigkeit und du
wirst
Frieden finden.“ Ja logisch, da hat er Recht. Aber wie befreie
ich
mich?

Ich denke die Grundformel dazu heißt Empathie.
Das Wissen um die Umstände die Menschen so werden lassen wie sie sind läßt einen nachsichtiger werden im Urteil.
Dazu braucht man nicht unbedingt das Hintergrundwissen der einzelnen Personen, es reicht zu wissen das sich keiner selbst zu dem gemacht hat was er ist und das viele auch unter sich selber leiden :smile:

Ursache und Wirkung zu erkennen ist ein Weg seinen Mitmenschen gegenüber empathisch zu begegnen.

dazu wäre im Falle deines Nachbarn die Frage nötig, warum ist er so ein Kotzbrocken :smile:

Gruß
Schiwa

Hallo Tychi

Ich habe da gerade so ein Buch am Wickel Ken Keyes Jr.
„Handbook to
higher consciousness“

Ich hab mal n Weilchen in so nem emopfohlenen Buch geblättert, das hieß „die Glücksformel“ oder so ähnlich. Hat mir ein Patient empfohlen. Ich fands aber ziemlich platt. Zumindest nicht viel Neues. Vielleicht war das die deutsche ASusgabe davon.

„Die Gluecksformel“ von Stefan Klein finde ich einen guten
Beitrag
zur populaerwissenschaftlichen Literatur der
wissenschaftlichen
Gluecksforschung.

Ach , da ist es ja. Hab ich vorher nicht entdeckt beim ersten Lesen Deines Postings.

Was sind eure Gluecksrezepte?

Ich glaube, allgemeine Rezepte (in Büchern o.ä.)bringen da wenig.

Was macht euch gluecklich oder
ungluecklich?

Kleine, manchmal minutenlange Erlebnisse können mich glücklich machen. Eine Segelpartie, Erlebnisse mit meiner Frau, meinen Kindern, Freunden. Gelungene Gruppentheraie-Sitzungen mit schwierigen Patienten. Ein Biss in eine Tafel Schokolade, dazu ein Glas Madiran.
:Macht Vergnuegen gluecklich?
KANN glücklich machen. Vergnügen macht halt Vergnügen. Oder eben ncht. :wink:

Gibt es Menschen,
die
gluecklich aber unzufrieden sind?

Eigentlich nicht. Außer mich selber. :wink: Manchmal.

Findet ihr diese Definitionen zutreffend:
Glueck ist das Gefuehl, das man in schoenen Momenten
empfindet.

Jep.

Zufriedenheit ist die allgemeine Bejahung des Lebens, das man
fuehrt.

Jau.

Gluecklich ist, wer genuegend viele Gluecksmomente hat und
zufrieden
mit seinem Leben ist.

Ja, kann man so sehen.
Ich möchte hinzufügen: Ein selbstbestimmtes, sebtverwirklichtes Leben.

Welche Dinge habt ihr angstrebt, von denen ihr meintet, sie
wuerden
euch gluecklich machen, die dann aber in dieser Hinsicht eine
Enttaeuschung waren?

Die 8 Semester Psychologie, die ich Anfang der 70er Jahre studiert habe, waren einigermaßen unbefriedigend.

Wann habt ihr unerwartete Gluecksmomente
empfunden?

Beim Kennenlernen schöner Frauen z.B.

Welcher Methode gebt ihr den
Vorzug oder
haltet ihr fuer mehrversprechend?

Die zweite, quasi buddhistische, erscheint zwar die „höherwertige“, die andere wird aber häufiger und mit mehr Erfolg praktiziert. Wahrscheinlich auch von mir, wenn ich mir die letzten 55 Jahre anschaue. :wink:

Das reicht wohl erstmal. Ich hoffe ihr seid nicht zu faul zum
antworten :smile:.

Wie Du siehst, keineswegs!
Es grüßt Dich
Branden

Hallo Tychi

Mehr faellt dir nicht ein? Ist es nicht dein Job, Menschen
gluecklicher zu machen? Ist es Faulheit oder repraesentiert
deine
Antwort den durchschnittlichen Wissensstand eines
Psychotherapeuten
zu diesem Thema?

Du ungeduldiger Geselle! :wink:
Ich musste meine ausführliche Antwort an Dich (siehe oben) unterbrechen, weil ich eine neue Patientin eine geschlagene Stunde lang erstanamnestisch untersucht bzw. ihr zugehört habe.
Zufrieden?
Gruß,
Branden

Du ungeduldiger Geselle! :wink:
Ich musste meine ausführliche Antwort an Dich (siehe oben)
unterbrechen, weil ich eine neue Patientin eine geschlagene
Stunde lang erstanamnestisch untersucht bzw. ihr zugehört
habe.
Zufrieden?

Ja, danke. :smile:

Gruss, Tychi

Hi Tychi,
ein für alle gültiges Rezept gibt es sicher nicht.
Deine Antwort an Branden, es sei doch seine Aufgabe, Menschen glücklicher zu machen, finde ich nicht richtig, er kann nur dazu beitragen, sie „in die Spur“ zu bringen, damit sie sich selbst „glücklicher“ machen.

Nach meiner Erfahrung sind ein paar wesentliche Voraussetzungen:
Eine intakte Kindheit, Zufriedenheit, mehr „sein“ als „haben“ wollen - eigentlich genügt das schon.

Ich fühle mich am glücklichsten, wenn ich ganz „selbstvergessen“ mit etwas beschäftigt bin, oder wenn ich meinen „inneren Schweinehund“ besiege (Sport). Tatsächlich empfinde ich es auch als „Glück“, bei diesem Schweinewetter nach Hause zu kommen, eine geheizte Wohnung zu haben und mir einen heißen Kaffee machen zu können.
Ob das aber als Rezept taugt?
LG, Lizzzy

Hallo Schiwa

Die Einsicht ist aber der erste Weg Wünsche als solche zu
erkennen und sich dann zu fragen, brauche ich diesen Wunsch um
glücklich sein zu können?

D.h. (rationale Einsicht) + (Zeit, diese wirken zu lassen) =
(emotionale Wunschfreiheit) ?

Ich denke die Grundformel dazu heißt Empathie.
Das Wissen um die Umstände die Menschen so werden lassen wie
sie sind läßt einen nachsichtiger werden im Urteil.
Dazu braucht man nicht unbedingt das Hintergrundwissen der
einzelnen Personen, es reicht zu wissen das sich keiner selbst
zu dem gemacht hat was er ist und das viele auch unter sich
selber leiden :smile:

Sehe ich genauso und obwohl er mir auf die Nerven geht, tut er mir
Leid. Und ich glaube auch, dass er ungluecklich ist und dass er an
sich mehr leidet als ich an ihm. Trotzdem ist es bis zur Liebe noch
ein weiter Weg. :smile:

dazu wäre im Falle deines Nachbarn die Frage nötig, warum ist
er so ein Kotzbrocken :smile:

Na ja, er hatte wohl eine schwere Kindheit, lebt mit rund 40 Jahren
allein, ohne Frau und ohne Kind, hat einen sehr harten Job und ist
schlimmer Alkoholiker. Er ist also frustriert bis zum geht nicht mehr
und muss ganz ohne Erfolge auskommen. Eine richtig arme Sau.
Aber Liebe empfinde ich immer noch nicht. Wie gesagt, bestenfalls
Mitleid.
Auch wenn ich weiss, dass Giftschlangen ihrer Natur nach zubeissen
und nicht anders koennen, kann ich sie trotzdem nicht leiden und mir
waere nicht wohl, haette ich eine in meiner Naehe.

Gruss, Tychi

Hallo Branden,

Was sind eure Gluecksrezepte?

Ich glaube, allgemeine Rezepte (in Büchern o.ä.)bringen da
wenig.

ich glaube, allgemeine Rezepte im Sinne von: „Mach das und das und das, dann …“ bringen nicht nur nichts, sondern sind grundsätzlich falsch.

Auf der anderen Seite ist es unabdingbar, allgemein, in Worten und in Büchern, zu sprechen.

Kleine, manchmal minutenlange Erlebnisse können mich glücklich
machen. […] Ein Biss in eine Tafel Schokolade, dazu
ein Glas Madiran.

das ist schon Prousts Glücksformel: nicht Schokolade und Mad iran, sondern Tee und Mad eleine.

Proust zeigt auch, warum die Glücksrezepte nicht wirken: nach dem zweiten Biss in die Madeleine ist das Glück aus ihr entschwunden, ein dritter, ein vierter Biss, ist wirkungslos …

Das Glück lässt sich also nicht in den Dingen fixieren, dennoch aber zeigt es sich nur in den Dingen: ohne Madeleine, kein Glück.

http://homepage.boku.ac.at/duerr/Zitate%20aus%20Marc…

:Macht Vergnuegen gluecklich?
KANN glücklich machen. Vergnügen macht halt Vergnügen.

Wieder Proust:
„Les plaisir vous retient. Mais on ne trouve le bonheur qu’à faire ce qu’on aime avec les tendances profondes de son âme“
(in „Violante ou la Mondanité“)

Glueck ist das Gefuehl, das man in schoenen Momenten
empfindet.

Jep.

Aber ist es nur das?
Ist es nicht auch ein „Niveau“ auf dem man sich befindet, auf dem es Ausschläge nach oben und unten gibt, das aber dennoch eine Art „Pegelstand“ ist?

Das interessante daran ist, dass sich dieses „Niveau“ jedem Fremdverstehen radikal entzieht; ich kann das Lächeln des anderen als Glück deuten, kann es auf mich, auf mein Niveau übertragen, in meinem Niveau unter „Lächeln“ verorten, aber doch nie wissen, ob sein Niveau nicht weit unter oder über meinem liegt.

Viele Grüße
franz

D.h. (rationale Einsicht) + (Zeit, diese wirken zu lassen) =
(emotionale Wunschfreiheit) ?

es ist sicher nicht Ziel von Glück emotional wunschfrei zu sein
es ist eher Ziel seine Wünsche als Wunsch zu erkennen und diese unabhängig von Glück oder Leid zu bewerten sondern als das was sie sind.

Es wäre sicherlich ein armes Leben emotional Wunschfrei zu sein, doch die emotionalen Wünsche dürfen nicht darüber entscheiden ob ich glücklich bin oder nicht, denn das würde bedeuten das ich ihnen eine Macht gebe die sie nicht haben sollten.

schlimmer Alkoholiker. Er ist also frustriert bis zum geht
nicht mehr
und muss ganz ohne Erfolge auskommen. Eine richtig arme Sau.
Aber Liebe empfinde ich immer noch nicht. Wie gesagt,
bestenfalls
Mitleid.

Mitleid ist etwas anderes als Mitgefühl :smile:
Leidest du mit ihm?

Gruß Schiwa

1 „Gefällt mir“

das Wie ist immer noch unklar
Hallo Schiwa
Ich merke: Hier kann ich noch was lernen. Also danke fuer deine
Antworten.

D.h. (rationale Einsicht) + (Zeit, diese wirken zu lassen) =
(emotionale Wunschfreiheit) ?

es ist sicher nicht Ziel von Glück emotional wunschfrei zu
sein
es ist eher Ziel seine Wünsche als Wunsch zu erkennen und
diese unabhängig von Glück oder Leid zu bewerten sondern als
das was sie sind.

Es wäre sicherlich ein armes Leben emotional Wunschfrei zu
sein, doch die emotionalen Wünsche dürfen nicht darüber
entscheiden ob ich glücklich bin oder nicht, denn das würde
bedeuten das ich ihnen eine Macht gebe die sie nicht haben
sollten.

Diese Differenzierung ist natuerlich wichtig. Ich habe mal gelesen,
dass schwer Depressive keine Wuensche mehr haben (ausser vielleicht
den, zu sterben), d.h. sie sind vollkommen gleichgueltig, voellig
teilnahmslos. Das ist kein anzustrebender Zustand. Wuensche sind ja
unser Motor, unsere Energiequelle.
Aber wenn du schreibst

Wünsche dürfen nicht darüber
entscheiden ob ich glücklich bin oder nicht, denn das würde
bedeuten das ich ihnen eine Macht gebe…

Wie gelingt es mir, einem Wunsch einen Wert zuzuordnen und auch dann
gluecklich zu bleiben, wenn ich ihn mir nicht erfuelle? Ich meine
jetzt nicht den Wunsch, z.B. in den Zoo zu fahren, sondern
intensivere Wuensche, also Begierden? Nehmen wir an, ein Mann von 35
Jahren waere immer noch Jungfrau. Und weil er ein entstelltes Gesicht
hat, wird sich daran wohl auch nichts aendern. Er koennte zu einer
Hure gehen, aber das kommt fuer ihn nicht in Frage, weil er will,
dass sich eine Frau gerne mit ihm einlaesst. Was waere dieser Mensch
froh, wenn er seinen unseligen Wunsch, der staendig an ihm nagt, los
waere. Es gibt so viel Schoenes im Leben. Er koennte doch auch
gluecklich sein, ohne Sex erfahren zu haben. Das kann er sich
einreden so viel er will, seinen Wunsch, seine Begierde juckt das
ueberhaupt nicht. Die Gedanken drehen sich nur um diese eine Sache.
Wie kann er sich aus der Abhaengigkeit von seinem Wunsch loesen und
Gelassenheit erlangen?

schlimmer Alkoholiker. Er ist also frustriert bis zum geht
nicht mehr
und muss ganz ohne Erfolge auskommen. Eine richtig arme Sau.
Aber Liebe empfinde ich immer noch nicht. Wie gesagt,
bestenfalls
Mitleid.

Mitleid ist etwas anderes als Mitgefühl :smile:
Leidest du mit ihm?

Nein. Waere das denn gut? Dann waere ja nicht nur er traurig, sondern
auch ich. Das Unglueck auf der Welt haette sich somit vermehrt.

Gruss, Tychi

Hallo Franz

Was sind eure Gluecksrezepte?

Ich glaube, allgemeine Rezepte (in Büchern o.ä.)bringen da
wenig.

ich glaube, allgemeine Rezepte im Sinne von: „Mach das und das
und das, dann …“ bringen nicht nur nichts, sondern sind
grundsätzlich falsch.

Warum? Vielen haben Buecher schon geholfen. Und auch in einer
Psychotherapie (gerade in der kognitiven VT) werden Perspektivwechsel
und Denkmuster eingeuebt, die zu mehr Glueck und Zufriedenheit
fuehren.

Proust zeigt auch, warum die Glücksrezepte nicht wirken: nach
dem zweiten Biss in die Madeleine ist das Glück aus ihr
entschwunden, ein dritter, ein vierter Biss, ist wirkungslos

Warum ist mit dieser Erfahrung gezeigt, warum Gluecksrezepte nicht
wirken? Lautet die Doktrin z.B. „Lerne dich an den kleinen Dingen zu
erfreuen, denn die grossen bringen nur Ernuechterung“, dann ist das
doch ein guter Rat, der nicht dadurch widerlegt werden kann, dass
Gewoehnung die Kraft der Dinge, Glueck zu spenden, mindert.

:Macht Vergnuegen gluecklich?
KANN glücklich machen. Vergnügen macht halt Vergnügen.

Wieder Proust:
„Les plaisir vous retient. Mais on ne trouve le
bonheur qu’à faire ce qu’on aime avec les tendances
profondes de son âme“

Uebersetzt du das bitte. Franzoesisch habe ich nicht im Programm :smile:.

Glueck ist das Gefuehl, das man in schoenen Momenten
empfindet.

Jep.

Aber ist es nur das?
Ist es nicht auch ein „Niveau“ auf dem man sich befindet, auf
dem es Ausschläge nach oben und unten gibt, das aber dennoch
eine Art „Pegelstand“ ist?

Definitionsfrage. Ich sehe es auch eher so wie du. Die vorige
Definition war aus der „Gluecksformel“.

Das interessante daran ist, dass sich dieses „Niveau“ jedem
Fremdverstehen radikal entzieht; ich kann das Lächeln des
anderen als Glück deuten, kann es auf mich, auf mein Niveau
übertragen, in meinem Niveau unter „Lächeln“ verorten, aber
doch nie wissen, ob sein Niveau nicht weit unter oder über
meinem liegt.

Na gut, aber das ist mit allem so. Ob du das Blau hier auf der
Webseite genauso siehst wie ich, das werden wir nie erfahren, selbst
wenn wir darueber stundenlang diskutierten.

Gruss, Tychi

Proust zeigt auch, warum die Glücksrezepte nicht wirken: nach
dem zweiten Biss in die Madeleine ist das Glück aus ihr
entschwunden, ein dritter, ein vierter Biss, ist wirkungslos

Mensch, Ben, alter Junge, das gefällt mir mal wieder richtig gut!
Gleichwohl es mich an Vampir-Bisse erinnert. :wink:

Das Glück lässt sich also nicht in den Dingen fixieren,
dennoch aber zeigt es sich nur in den Dingen: ohne Madeleine,
kein Glück.

Es ist vielleicht kein Zufall, dass uns beiden der Proust etwas bedeutet. Die wiedergefundene Zeit… Meine großen Glücksgefühle (und oft gleichzeitig Schmerzgefühle) hatte ich beim Wiedersehen von altbekannten Orten und Menschen. Das hatte ich vergessen, zu erwähnen.

Das interessante daran ist, dass sich dieses „Niveau“ jedem
Fremdverstehen radikal entzieht; ich kann das Lächeln des
anderen als Glück deuten, kann es auf mich, auf mein Niveau
übertragen, in meinem Niveau unter „Lächeln“ verorten, aber
doch nie wissen, ob sein Niveau nicht weit unter oder über
meinem liegt.

Wohl wahr. Damit müssen wir leben; ist es doch auch kaum anders vorstellbar.
Es grüßt Dich
Branden

werde später antworten…
und erstmal meinen Wunsch nach Essen erfüllen *g*

Hallo Tychi

Wie gelingt es mir, einem Wunsch einen Wert zuzuordnen und
auch dann
gluecklich zu bleiben, wenn ich ihn mir nicht erfuelle?

Das hast du grade schon selber beantwortet :smile:
Indem du die Entscheidung triffst ihn nicht zu erfüllen.
Ihn nicht zu erfüllen bedeutet nicht zu leiden, sondern ist eine Entscheidung etwas zu tun oder zu lassen ohne das es Einfluss auf meine Gefühle hat.

Nehmen wir an, ein Mann

von 35
Jahren waere immer noch Jungfrau. Und weil er ein entstelltes
Gesicht
hat, wird sich daran wohl auch nichts aendern. Er koennte zu
einer
Hure gehen, aber das kommt fuer ihn nicht in Frage, weil er
will,
dass sich eine Frau gerne mit ihm einlaesst.

Also ist es nicht unbedingt erster Wunsch Sex zu haben sondern geliebt zu werden?
Da gilt es schon genau zu differenzieren WAS genau der Wunsch ist, denn ohne ihn genau zu kennen wird man ihn nicht loslassen können :smile:
lerne deinen „Feind“ kennen und du wirst ihn besiegen

Was waere dieser

Mensch
froh, wenn er seinen unseligen Wunsch, der staendig an ihm
nagt, los
waere. Es gibt so viel Schoenes im Leben. Er koennte doch auch
gluecklich sein, ohne Sex erfahren zu haben. Das kann er sich
einreden so viel er will, seinen Wunsch, seine Begierde juckt
das
ueberhaupt nicht. Die Gedanken drehen sich nur um diese eine
Sache.
Wie kann er sich aus der Abhaengigkeit von seinem Wunsch
loesen und
Gelassenheit erlangen?

wie gesagt den Wunsch genauestens prüfen, welche Inhalte er hat und welche Sehnsucht letztendlich dahinter steht.
Wenn es die Sehnsucht nach Liebe an sich ist wird er sich fragen müssen wie er Liebe erfahren kann ohne sie von körperlichen Begierden abhängig zu machen.
Wenn für ihn Liebe und Sex das gleiche bedeutet wird er es schwer haben seine Begierde loszulassen weil der Wunsch nach Liebe existenziell ist. Hier müßte er lernen zu trennen und die Begierde als das sehen was sie ist: „haben wollen“

Es gibt kein Patentrezept für „wie erlange ich Gelassenheit“
Jeder kann nur seinen eigenen Weg finden wie er sich mit dem Leben arrangiert und wie und womit er glücklich leben kann :smile:

Mitleid ist etwas anderes als Mitgefühl :smile:
Leidest du mit ihm?

Nein. Waere das denn gut? Dann waere ja nicht nur er traurig,
sondern
auch ich. Das Unglueck auf der Welt haette sich somit
vermehrt.

Deswegen die Unterscheidung, du hast Mitgefühl mit ihm aber kein Mitleid, denn Mitleiden verdoppelt das Leid :smile:

Gruß Schiwa

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