Hallo,
Naja, so langsam kommen wir doch der Sache näher.
Die klassische Definition der Wahrscheinlichkeit ist doch
„Anzahl der günstigen Versuchsausgänge geteilt durch Anzahl
der möglichen Versuchsausgänge“. Wenn ich also einen einzelnen
Lauf betrachte kommt da für „rot“ eben 0,5 oder von mir aus
auch 18/38 raus.
stellen wir uns der Einfachheit halber einen Roulettekessel mit nur roten und schwarzen Fächern vor. Dann ist
p(„rot“) = p(„schwarz“) = 1/2 = 0.5
Aber jetzt ist die Frage, was nach 20mal schwarz passiert.
Dann kommt entweder rot und schwarz, und für die Wahrscheinlichkeiten gilt:
p(„rot“) = p(„schwarz“) = 1/2 = 0.5
Und da müsste man doch so herangehen: Man lässt ein Roulette ewig
laufen und protokolliert alle Spielausgänge. Aus diesen Daten
sucht man nun alle Sätze raus, wo 20mal hintereinander schwarz
gezogen wurde. Das ist dann die neue Grundgesamtheit. Und nun
sieht man nach, bei wievielen von diesen Sätzen der
nachfolgende Lauf rot war. Und diese Zahl geteilt durch die
Gesamtzahl der 20mal-schwarz-Sätze ergibt dann die gesuchte
Wahrscheinlichkeit. Und die ist garantiert höher als 0,5.
Hat jemand nen schnellen PC und Lust das mal schnell zu
programmieren und zu simulieren?
Die Ergebnisse von 109 (eine Milliarde) Läufen sind:
499979868 mal "0"
500020132 mal "1"
# 1-Serien (0/1): 125007555 / 125000739
# 2-Serien (0/1): 62505579 / 62510018
# 3-Serien (0/1): 31249409 / 31251662
# 4-Serien (0/1): 15625036 / 15618419
# 5-Serien (0/1): 7812272 / 7810137
# 6-Serien (0/1): 3905991 / 3909070
# 7-Serien (0/1): 1951882 / 1954091
# 8-Serien (0/1): 975570 / 976492
# 9-Serien (0/1): 487951 / 489174
# 10-Serien (0/1): 243303 / 244357
# 11-Serien (0/1): 121694 / 121598
# 12-Serien (0/1): 61026 / 60930
# 13-Serien (0/1): 30478 / 30624
# 14-Serien (0/1): 14974 / 15354
# 15-Serien (0/1): 7748 / 7787
# 16-Serien (0/1): 3838 / 3910
# 17-Serien (0/1): 1920 / 1904
# 18-Serien (0/1): 954 / 947
# 19-Serien (0/1): 480 / 446
# 20-Serien (0/1): 233 / 241
# 21-Serien (0/1): 114 / 107
# 22-Serien (0/1): 63 / 57
# 23-Serien (0/1): 28 / 37
# 24-Serien (0/1): 15 / 12
# 25-Serien (0/1): 9 / 9
# 26-Serien (0/1): 5 / 3
# 27-Serien (0/1): 0 / 0
# 28-Serien (0/1): 0 / 0
# 29-Serien (0/1): 0 / 1
# 30-Serien (0/1): 0 / 1
# 31-Serien (0/1): 0 / 0
# 32-Serien (0/1): 0 / 0
# 33-Serien (0/1): 0 / 0
# 34-Serien (0/1): 0 / 0
# 35-Serien (0/1): 0 / 0
# 36-Serien (0/1): 0 / 0
# 37-Serien (0/1): 0 / 0
# 38-Serien (0/1): 0 / 0
# 39-Serien (0/1): 0 / 0
# 40-Serien (0/1): 0 / 0
Gewichtete Summe zur Kontrolle: 1000000000
00010100000110001110100000110101010010110101101111000010001001100
00011110001010100101011101101001001100000011101111100100011010101
11010010001010111001101110101110100101010011100010011111000001010
11010101000100111111100010000011010010011111110111011100111001111
10000001101001011110010001110100010100101010010111000001001001010
10101111100000101000000011010111011001001101000110001101100110100
01000111010100100000111111100100011001001011111010000011110100010
00011111101010001111101100010110100000110001000011000011000011111
01011010111010110010110110000110011101001010001100111111111000011
11000011110111100000011111010001111001100010111001110110010011100
Dann wollen wir mal auswerten:
20 mal rot (= „1“ in obiger Liste) hintereinander und anschließend schwarz kam genau 241 mal.
20 mal rot hintereinander und anschließend nochmal rot kam genau 107 + 57 + 37 + 12 + 9 + 3 + 1 + 1 = mal, denn diese wurden ja als 21er/22er/23er…-Serien gezählt. Wenn Du das zusammenaddierst, kommt 227 heraus.
Ergebnis also: Während den 109 Läufen kam nach 20 mal rot in 241 Fällen schwarz, in 227 Fällen dagegen nochmal rot.
Dieselbe Rechnung für schwarz ergibt: Während den 109 Läufen kam nach 20 mal schwarz in 233 Fällen rot, in 114 + 63 + 28 + 15 + 9 + 5 = 234 Fällen dagegen nochmal schwarz.
Wenn Du Dir die Liste anguckst siehst Du, dass eine Serie der Länge n + 1 genau halb so häufig vorkommt wie eine Serie der Länge n, und das ist die direkte Folge der Tatsache, dass es auch nach 50 mal schwarz hintereinander für den nächsten Lauf nur wieder „ganz dumm“ Fifty-Fifty für schwarz und rot steht.
Wäre dem nicht so und schwarz würde nach 7 mal rot (was durchschnittlich alle 27 = 128 Würfe vorkommt, also statistisch etwa einmal jeden Tag in einer Spielbank) tatsächlich mit z. B. 70 % Wahrscheinlichkeit fallen, sähe der Spielbetrieb in den Kasinos auch garantiert anders aus: Viele Spieler stünden untätig um die Roulettetische herum, mit den Jetons in ihren Händen, geduldig darauf wartend bis endlich eine 7er-„rot“-Serie komplett ist, um dann alles was sie haben auf „schwarz“ zu setzen, und die Croupiers Mühe haben, die Kontrolle über den hohen Jetonberg zu behalten.
Aber überlegen wir doch mal noch weiter. Es gibt ja schließlich außer schwarz-rot noch die Paare gerade-ungerade und hoch-niedrig (ebenfalls mit 0.5-Wahrscheinlichkeiten). Und wenns mit rot-schwarz funktioniert, muss es auch mit gerade-ungerade klappen, oder etwa nicht? Also achten wir nicht nur auf rot- und schwarz-Serien, sondern zusätzlich auch auf gerade-, ungerade-, hoch-, sowie niedrig-Serien, um beim Erscheinen einer solchen auf die jeweils komplementäre Eigenschaft zu setzen. Dadurch müßten wir unseren Gewinn nochmals steigern können!
Wollen wir uns damit zufrieden geben? Mit lumpigen drei Eigenschaften-Paaren? Nein! Vollends vom Fieber gepackt sehen wir nicht ein, warum wir nicht einfach weitere Eigenschaften-Paare ERFINDEN sollten, wie etwa salzig-sauer", höllisch-himmlisch, wässrig-luftig usw.! Die 23 etwa ist dann beispielsweise gleichzeitig rot, ungerade, hoch, sauer, himmlisch, wässrig, glatt und laut.
Unser Ziel ist, so viele Eigenschaften-Paare zu haben, dass wir praktisch immer irgendeine 7-er Serie komplett haben. Der Umstand, dass es auf dem Roulettetisch kein „mollig“-Feld gibt, stellt dabei kein Problem dar: Wir setzen bei Vorliegen einer „mollig“-Serie einfach je einen Jeton auf alle 18 „Pleins“ der „dünnen“ Zahlen (welche das sind, müssen wir der „mollig/dünn“-Spalte unserer umfangreichen Tabelle entnehmen, solange bis wir es auswendig wissen). Ist es dagegen eine „warm“-Serie, setzen wir je einen Jeton auf alle 18 Pleins der „kalten“ Zahlen!
Nun haben wir uns unseren Traum erfüllt, und es passiert tatsächlich sehr oft, dass eine 7er-Serie irgendeiner Eigenschaft komplett ist. Aber das ist nur die eine Hälfte der Wahrheit, und die andere macht uns unglücklich. Denn dummerweise sind genauso oft beim Vorliegen einer 7er-Serie gleichzeitig 5er- und 6er-Serien anderer Eigenschaften komplett! Das ist ein Problem, denn wie wir feststellen, können wir unsere schöne Strategie „bei Serie auf die Komplementäreigenschaft setzen“ nur ganz selten für alle Eigenschaften simultan erfüllen. Das wiederum ist nur verständlich bei unseren vielen erfundenen Paaren. Was bleibt zu tun? Es gibt leider keine Lösung.
Hast Du jetzt immer noch Zweifel an
p(„rot“) = p(„schwarz“) = 1/2 = 0.5
völlig unabhängig davon, wieviel mal vorher schwarz oder rot in Folge kamen?
Mit freundlichem Gruß
Martin
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PS: Du wirst in einer Spielbank Zeuge dieser Folge (r = rot, S = schwarz):
SrrrrrrrSrrrrrrrSrrrrrrr
Auf was setzt Du? r oder S?