Hallo Peter,
Ich brauche wirklich nur die Minimalversion, mein Vertrag ist
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dazu schenke ich mir den Kommentar. Das wird Dir der Notar erzählen, wenn Du die rechtgültigen Beurkundungen für eine GmbH-Gründung haben willst. Auch Notare stellen ihre Rechnung nach einer Gebührenordnung. Du kannst mit Deiner Methode keinen Cent sparen.
Frage: darf die GmbH dem GF die ersten X Monate gar nichts
zahlen, wenn dieser Einverstanden ist?
Es herrscht Vertragsfreiheit. Auch eine Vergütung Null geht. Was aber nicht geht, ist der private Griff in die Kasse, weil endlich Geld da ist. Nächsten Monat dann wieder keine Entnahme oder eine Entnahme in ganz anderer Höhe - das gibt Ärger mit dem FA. Der GF ist Angestellter und hat seine private Kasse penibel vom Geld der GmbH zu trennen.
das sehe ich nicht ganz so - der Geschäftsführer sollte zwar…
Peter, Du mußt schon zur Kenntnis nehmen, daß es piepegal ist, was Du womöglich anders siehst. Du bist vor dem Gesetz einfach für bestimmte Dinge verantwortlich und zwar unbeschränkt und persönlich! Die Verantwortung für die betriebswirtschaftliche Seite ist in letzter Konsequenz nicht delegierbar. Am allerwenigsten an den Steuerberater. Das ist ein Betriebsfremder, der für ein einziges Unternehmen die Verantwortung trägt, nämlich für sein eigenes. Vom GF einer GmbH wird vorausgesetzt, daß er als Vollkaufmann die betriebswirtschaftlichen Dinge ohne Einschränkung bis ins Detail kennt. Du kannst zwar die Anmeldung von Abgaben delegieren, verantwortlich gegenüber der öffentlichen Kasse bleibst Du persönlich. Verantworten kann man eine beliebige Sache grundsätzlich nur, wenn man sachkundig ist. Es reicht nicht, jemanden zu kennen, der sachkundig ist, wenn er denn mal Zeit hat. Ohne Sachkunde wenigstens in der Buchführung bis zur Bilanz, also Zustandekommen aller betriebswirtschaftlichen Zahlen, gehst Du unter, fährt jeder hergelaufenene Mittelschüler am Banktresen Schlitten mit Dir.
Ob Dein Steuerberater ein engagierter Mensch ist, kann ich nicht beurteilen. Du darfst ihm das Leben aber auch nicht unnötig schwer machen. Der Mann wirft Perlen vor die Säue, wenn Du nicht einmal das einschlägige Vokabular beherrschst, wenn Du nicht verstehst, was er sagt, wenn Du Zusammenhänge qua fehlender kaufmännischer Vorbildung nicht erkennst. Du kannst nicht erwarten, daß sich der Steuerberater Tag für Tag auf Deine Schreibtischkante setzt, um dauernd haarsträubenden Unsinn zu verhindern. Mit einiger Wahrscheinlichkeit erkennt der Mann schon an den Positionen auf Deinen Tankquittungen, ob eine Beratung über Feinheiten auf fruchtbaren Boden fallen könnte.
Eine Kapitalgesellschaft erfordert einen vollen kaufmännischen Betrieb. Der Leiter dieses kaufmännischen Betriebes hat Kaufmann zu sein. Wenn Du das anders siehst, liegst Du schlicht falsch. Mit anderen Worten: Du MUSST Dich um elementares kaufmännisches Wissen kümmern. Deshalb mein schon gebrachter Rat mit dem Buchführungskursus. Ohne dieses Wissen ist die Gestaltung betrieblicher Zahlen - auch steuerlich relevanter Dinge - unmöglich. Daneben lernt man in solchem Kursus auch einiges Vokabular, um Steuerfritzen überhaupt verstehen zu können.
ich habe da, ehrlich gesagt, keine Bedenken (die Bank ist im
Grundbuch von meinem Haus eingetragen, und sie hat mir
angeboten, bei der GmbH-Gründung Kredite bereitzustellen etc.)
Sag’ bitte, Peter, hast Du Dir die GmbH-Gründung wirklich genau überlegt? Gewiß, das Leben ist bunt, ich kenne keine Hintergründe, aber was Du hier erzählst, läßt meine Fußnägel kräuseln. Das hört sich alles nach einer denkbar unvernünftigen Konstellation an. Gehst Du mit Milliardenumsätzen um, baust Hochhäuser, modernisierst die transsibierische Eisenbahn o. ä.? An welcher Stelle brauchst Du die Haftungsbeschränkung einer GmbH, wenn Du Dein ganzes Wohl und Wehe privat und beruflich an eine Bank hängst? Deine Haftungsbeschränkung, zumindest gegenüber dem (fast immer) größten Gläubiger - der Bank - kannst Du in Sauer kochen. Du hast also eine Gesellschaft, für die Du mit dem Dach über dem Kopf haftest. Wozu dann noch der ganze Aufwand mit Gründung, Gründungskosten, Bilanzpflichtigkeit? Warum läßt Du es nicht bei der GbR, für die Du genau so haftest, aber mit weniger Aufwand?
Schluß mit lustig, keine lockeren Sprüche mehr: Ich empfehle Dir dringlich, private Immobilie und Geschäft zu trennen. Dafür kann eine GmbH das geeignete Mittel sein. Aber nur dann, wenn wirklich ein Kaufmann agiert, der selbst weiß, was er da treibt. Wichtigste Voraussetzung: Das Stammkapital muß voll eingezahlt sein! Mit jedem Euro, der am Stammkapital fehlt, hängst Du privat drin, nötigenfalls mit Deiner Hütte. Sodann ist wichtig, daß die GmbH kaufmännisch sauberst geführt wird, Bücher auf dem Laufenden, jederzeit ein kompletter Finanzstatus mit Forderungen und Verbindlichkeiten am PC abrufbar. Hausfinanzierung und Geschäft sind unbedingt zu trennen, schon beides bei einer Bank halte ich aus leidvoller Erfahrung vieler Selbständiger für unzweckmäßig. Du kannst mit jedem Lieferanten reden, wenn es einmal klemmt. Mit einer Bank, die im Grundbuch steht, kannst Du wenige Monate reden. Dann hörst Du aus der Ecke Töne, die Dir überhaupt nicht mehr gefallen werden.
Ich kenne nicht einmal den Geschäftsgegenstand. Manches ist auch freiberuflich möglich. Falls ja, steht die Möglichkeit einer GmbH nicht mehr offen. Dann muß man andere Methoden wählen, um das Dach über dem Kopf (auch als wesentlicher Bestandteil der Altersvorsorge) von der beruflichen Tätigkeit zu trennen. Da gibts diverse Möglichkeiten, aber bevor ich mich in solchen Dingen verliere, müßte ich mehr von den Gegebenheiten wissen.
Mit mangelhaften kaufmännischen Kenntnissen wirst Du regelmäßig einen reichlich 4stelligen Betrag zum Steuerberater tragen, ohne dessen Möglichkeiten wirklich jemals nutzen zu können. Er ist für Dich nämlich mit Handwerk beschäftigt. Um Beratung auch nur zu verstehen, fehlt Dir der Hintergrund. Du bekommst zudem keine brauchbare Organisation auf die Füße. Wer alle Ein- und Ausgangsrechnungen zum Steuerberater trägt, muß letztlich alles doppelt buchen oder Kopien ablegen - oder wie willst Du je zeitnah einen Überblick über Forderungen und Verbindlichkeiten haben, wenn die Unterlagen im Büro des Steuerberaters schmoren? Kalkulationsgrundlagen, Kostenanalyse, wo bleibt überhaupt das Geld - all das brauchst Du selbst am eigenen Schreibtisch. In einem fremden Büro nützt Dir das ganze Zeuchs rein nichts.
Bei mir ist die Situation etwas anders, wirklich…
Nein, Peter, die Situation ist bei Dir nicht anders. Sie ist vielmehr ganz genau so wie bei vielen anderen, die erst nach katastrophaler Bauchlandung begreifen, daß ihnen elementares kaufmännisches Wissen fehlte. Lasse Dir das Wort Steuerberater auf der Zunge zergehen. Er ist ein Berater in Steuersachen, er ist aber kein brauchbarer Ersatz für den Kaufmann im Betrieb.
Überlege noch einmal, was Dich bewog, aus der GbR eine GmbH zu machen. Überdenke noch einmal unabhängig von der Rechtsform die Finanzierungsmöglichkeiten. Erstelle einen Finanzierungsplan. Dieser muß laufend fortgeschrieben werden. Die Buchführung auf dem eigenen PC ist dafür die Basis. Die aktuellen Zahlen hat man dabei stets und automatisch. Mit der Sachkenntnis über das Geschäft, dem Verlauf der letzten Quartale und den aktuellen Zahlen ist jeweils eine recht zuverlässige Prognose für die nächsten Zeiträume möglich. Das ist eine spannende Angelegenheit, die sogar Spaß machen kann. Kein Kaufmann käme auf die absonderliche Idee, solche wesentlichen Werkzeuge an irgend jemanden zu geben, der vom Geschäft keine Ahnung hat. Ein Steuerberater hat von Deinem Geschäft keine Ahnung. Wie kann man nur glauben, existieren zu können, wenn die wesentlichen Steuerungsmöglichkeiten in den Händen eines Menschen liegen, der nur etwas von Abgaben versteht?
Dein Finanzierungsmodell mit der engen Vermischung von Haus und Geschäft sowie Deine Einstellung zu kaufmännischen Obliegenheiten sind eine akut existenzgefährdende Kombination.
Gruß
Wolfgang