GmbH nach englischem Recht

Kann das bitte einmal jemand näher erklären?
In einer Kleinstadt in Deutschland hat vor einem halben Jahr eine kleine Autowerkstatt mit zwei Angestellten neu eröffnet. Durch einen Blick ins Handelsregister erfuhr ich, daß sich die Werkstatt als eine GMBH nach englischen Recht (Private Company Limidet By Shares)bezeichnet, mit einem Stammkapital von 100.00 GBP und einem Hauptsitz in Birmingham. Nun kenne ich den Werkstattbesitzer und weiß, daß der nie und nimmer einen Hauptsitz in Birmingham hat. Mit welchen Tricks wird hier gearbeitet? Warum so ein geringes Stammkapital?

Peter Ludwig

Hallo!

Warum so ein geringes :Stammkapital?

Vermutlich hörte der Werkstattinhaber irgendwann mit halbem Ohr etwas von beschränkter Haftung, ohne die geringste Ahnung zu haben, was sich dahinter verbirgt. Dann kam jemand und schwatzte ihm eine britische Ltd. auf, erzählte auch wieder die Story von der beschränkten Haftung und kassierte einen 4stelligen Betrag. Und jetzt glaubt der Werkstattinhaber an seine Narrenfreiheit und daran, bei seinem Tun nur für 100 britische Pfund zu haften…

Inzwischen wird der Werkstattbetreiber vermutlich bemerkt haben, daß ihn Lieferanten nur gegen Bares oder Vorkasse beliefern. Vermutlich hat der Werkstattinhaber keinen blassen Schimmer vom Wesen einer Kapitalgesellschaft und vermutlich wird er aufgrund dieser Unkenntnis irgendwann seine helle Freude mit dem Finanzamt bekommen.

Irgendwann wird der Werkstattinhaber mitbekommen, daß seine Kapitalgesellschaft mit allem haftet, was da ist und daß darüber hinaus der Geschäftsführer für viele Dinge notfalls mit seinem letzten Hemd und mit seinem Dach über dem Kopf persönlich haftet. Und dann dämmert es dem Werkstattinhaber, daß seine Idee mit der Ltd eine nutzlose, teure und mit hohem Verwaltungsaufwand verbundene Schnapsidee war.

Im übrigen stellt sich die Frage, weshalb der Werkstattinhaber kein Einzelunternehmen gründete. Das ist eine hoch angesehene Rechtsform, bestens passend für die meisten Kleinbetriebe, dazu unkompliziert und preiswert in der Gründung. Es kann Gründe für eine Kapitalgesellschaft geben. Wählt man dann eine GmbH mit z. B. nur 25 T€ (billiger wird man kaum an eine Werkstattausstattung kommen), geht dabei kein Geld für irgendwelche Strohmänner einfach flöten. Das aber ist bei der angeblich so preiswerten Ltd. der Fall.
Hinzu kommt, daß Ltds in den meisten Fällen von Leuten gegründet werden, die von kaufmännischem Geschäftsbetrieb keine Ahnung haben und für ihr Tun nicht einstehen mögen. Ein entsprechender Ruf eilt Ltds hierzulande voraus. Das spürt der Inhaber spätestens, wenn mal irgend jemand Geld von ihm zu bekommen hat. Jeder Gläubiger, einschließlich der Sozialkassen, wird solchen Vögeln sofort auf die Pelle rücken.

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,

hab ich mir doch gleich gedacht, daß an der Sache was faul ist.
Wie es aussieht, genügt es in England eine Briefkastenfirma als Haupsitz zu haben, um so eine dubiose GmbH zu gründen.

Peter Ludwig

hi,

da ist nix faul, und das hat auch nix mit briefkastenfirma zu tun - rechtlich ist das alles o.k. - aber wolfgang hat mit seinen ausführungen schon recht - ich halte von der ltd. auch nicht viel und noch weniger von der modernen wegelagerei der dubiosen vermittler dieser sache - in wenigen einzelfällen, kann es aber sinn machen eine rechtsform der ltd zu wählen - sicher aber nicht bei den geläufigen handwerksbetrieben, sondern eher bei risikobehafteten branchen…

gruß inder

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