Goethe, Wagner,

Hallo,

vielleicht gehört das ins Brett „Kultur“ … aber hier gibt’s sicher auch Wissende.

„Goethe oder Wagner - die Deutschen müssen sich für einen entscheiden. Beide zusammen - das geht nicht.“

So oder so ähnlich soll mal einer das gesagt haben.
Stimmt das?
Was hat er genau damit gemeint?

Danke, Stucki

Könnte von jemand stammen, vielleicht einem Ausländer, der der Meinung war, Hitlers Wahn hätte irgendwas mit Wagner zu tun.

Wagners Visionen waren vom Faschismus sicherlich weit entfernt.

gruß
rolf

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Hallo !

Vielleicht, weil Wagner ein Antisemit war und Goethe scheinbar nicht!

Nur - vor 1900 waren sie fast alle bekennende Antisemiten, unsere Dichter und Denker. Selbst die Juden manchmal ein bißchen!

mfgConrad

Ich könnte mir vorstellen, dass mit Wagner die Verehrung des, sagen wir mal, „germanisch-heldischen Tatmenschen“ gemeint ist. Wohingegen bei Goethe die Hauptfiguren dann doch eher zum Intellektuell-Nachdenklichen neigen.

Vielleicht in etwa der Konflikt, den die „Neue Rechte“ der 1920er zwischen der „französischen“ Zivilisation und der „deutschen“ Kultur ausmachte.

„Goethe oder Wagner - die Deutschen müssen sich für einen
entscheiden. Beide zusammen - das geht nicht.“

Hallo Stucki,
die Herkunft dieses Spruchs würde ich im Nietzscheanischen Dunstkreis verorten. Ich schätze, es wird da auf den Topos des Apollinischen und Dionysischen rekurriert.

Ich persönlich halte diese Aussage für gehobenen Stuss.

Freundliche Grüße,
Ralf

Hallo stucki

„Goethe oder Wagner - die Deutschen müssen sich für einen
entscheiden. Beide zusammen - das geht nicht.“

Was gemeint ist, springt sofort ins Auge:

Goethe ist Europäer oder gar Weltbürger, aber
kein Deutscher, zumindest kümmert es ihn nicht
sonderlich.

Wagner ist Jubeldeutscher, teilt sehr simple
Feindbilder mit seinen Jüngern, deren Verehrung
er geniesst und vor denen er eine Superman-Show
abzieht.

Goethe steht in der griechischen Tradition und
ist durch und durch Aufklärer. Beinahe antireligiös.

Wagner entwickelt eine Art Mystik-Konglomerat als
Religionsersatz auf der Bühne und exhibitioniert
sich (oder seine Protagonisten in seinen Werken)
im Anschluss als Träger des christlichen Pathos.

Was hat er genau damit gemeint?

Das müsste uns derjenige schon selber sagen. Aus
dem „Nietzsche-Dunst“ wird es eher nicht stammen,
da dort Wagner keine Option darstellt.

Mein Senf

Grüße

CMБ

Danke an Euch und: Hab’s wiedergefunden …
… in einem Aufsatz über „Felix Mendelssohn Bartholdy oder eine Geschichte kulturellen Antisemitismus im Deutschland des 19. und 20. Jahrhunderts“.

Ich zitiere:
Dem Buch „Musik im III. Reich“ ist denn auch wahrhaft symbolträchtig jene Metapher Thomas Manns aus dem Jahre 1911 vorangestellt:
„Die Deutschen sollte man vor die Entscheidung stellen: Goethe oder Wagner. Beides zusammen geht nicht. Aber ich fürchte, sie würden Wagner sagen“.

Von Thomas Mann also stammt es.

Gruß, Stucki