Hallo Raimund.
ist es nicht absolut gegen den mosaischen Glauben, wenn in der
Mythologie positiv vom Golem gesprochen wird?
Positiv? Mh, alle Erzählungen über Golems z. B. aus Prag sind eigentlich nicht sehr positiv und gerade dort richtet er ja auch viel Schaden an und wird dann wieder aus diesem Grund vernichtet.
Ein Wesen zu erschaffen (mit der Buchstabenmystik, was ich ja
auch als Verstoß gegen diesen Glauben ansehe), ihn zu beleben
(also G´tt ins Handwerk pfuschen)und dann auch noch als
hilfreiches Wesen zu beschreiben.
Hier besteht erst einmal kein Widerspruch. Die Idee wir Menschen würden G’tt hier ins Handwerk pfuschen ist mir völlig unbekannt, auch wenn sie hierzulande in öffentlichen Diskussion gerade auch um Gentechnik oft auftaucht. Im Judentum ist es so, dass wir Menschen sehr wohl auch in die Schöpfung eingreifen sollen und sie vervollständigen sollen, als Partner von G’tt. Probleme gibt es erst dann, wenn wir uns hierbei überhöhen oder vergessen, dass alles, auch diese Schöpfungen, von Ihm kommen.
Doch wenn Bilder zu schaffen schon eine Sünde ist, dann muss
es doch eine extreme Steigerung sein, einen Golem (=formlose
Masse)zu formen und auch noch mit Zauberei (Buchstabenmystik)
zum Leben zu erwecken.
Bilder zu schaffen, ist im Judentum kein Problem, erst wenn daraus Gegenstände der Anbetung werden. Und den Golem hat, zumindest in den Geschichten, welche ich kenne, keiner angebetet.
Spielt hier nicht auch etwas das „goldene Kalb“ mit rein? Es
war ja nicht nur die Sünde, dass die Flüchtlige so etwas
angebetet, sondern dass sie ein Bild geschaffen haben, oder?
Ja, was war die Sünde beim „goldenen Kalb“? Hierzu gibt es im Judentum verschiedene Ansichten, welche aber selten in die Richtung gehen, welche ich als Deutung aus dem Christentum kenne. So wird das goldene Kalb im Judentum oft nicht als Götzendienst angesehen, sondern als Mittler zwischen dem Menschen und G’tt und hierin lag/liegt das Problem.
Schalom,
Eli