Golem

hallo,
ist es nicht absolut gegen den mosaischen Glauben, wenn in der Mythologie positiv vom Golem gesprochen wird?
Ein Wesen zu erschaffen (mit der Buchstabenmystik, was ich ja auch als Verstoß gegen diesen Glauben ansehe), ihn zu beleben (also G´tt ins Handwerk pfuschen)und dann auch noch als hilfreiches Wesen zu beschreiben.
Gut, ich kenne nicht die ganze Golemgeschichte.
Doch wenn Bilder zu schaffen schon eine Sünde ist, dann muss es doch eine extreme Steigerung sein, einen Golem (=formlose Masse)zu formen und auch noch mit Zauberei (Buchstabenmystik) zum Leben zu erwecken.

Spielt hier nicht auch etwas das „goldene Kalb“ mit rein? Es war ja nicht nur die Sünde, dass die Flüchtlige so etwas angebetet, sondern dass sie ein Bild geschaffen haben, oder?
Grüße
Raimund

Hi Raimund

eine etwas ausführlicherere Zusammenfassung der Geschichte der Entstehung des Golem-Mythos findest du hier

http://www.humboldtgesellschaft.de/inhalt.php?name=g…

Gruß

Metapher

Hallo Raimund.

ist es nicht absolut gegen den mosaischen Glauben, wenn in der
Mythologie positiv vom Golem gesprochen wird?

Positiv? Mh, alle Erzählungen über Golems z. B. aus Prag sind eigentlich nicht sehr positiv und gerade dort richtet er ja auch viel Schaden an und wird dann wieder aus diesem Grund vernichtet.

Ein Wesen zu erschaffen (mit der Buchstabenmystik, was ich ja
auch als Verstoß gegen diesen Glauben ansehe), ihn zu beleben
(also G´tt ins Handwerk pfuschen)und dann auch noch als
hilfreiches Wesen zu beschreiben.

Hier besteht erst einmal kein Widerspruch. Die Idee wir Menschen würden G’tt hier ins Handwerk pfuschen ist mir völlig unbekannt, auch wenn sie hierzulande in öffentlichen Diskussion gerade auch um Gentechnik oft auftaucht. Im Judentum ist es so, dass wir Menschen sehr wohl auch in die Schöpfung eingreifen sollen und sie vervollständigen sollen, als Partner von G’tt. Probleme gibt es erst dann, wenn wir uns hierbei überhöhen oder vergessen, dass alles, auch diese Schöpfungen, von Ihm kommen.

Doch wenn Bilder zu schaffen schon eine Sünde ist, dann muss
es doch eine extreme Steigerung sein, einen Golem (=formlose
Masse)zu formen und auch noch mit Zauberei (Buchstabenmystik)
zum Leben zu erwecken.

Bilder zu schaffen, ist im Judentum kein Problem, erst wenn daraus Gegenstände der Anbetung werden. Und den Golem hat, zumindest in den Geschichten, welche ich kenne, keiner angebetet.

Spielt hier nicht auch etwas das „goldene Kalb“ mit rein? Es
war ja nicht nur die Sünde, dass die Flüchtlige so etwas
angebetet, sondern dass sie ein Bild geschaffen haben, oder?

Ja, was war die Sünde beim „goldenen Kalb“? Hierzu gibt es im Judentum verschiedene Ansichten, welche aber selten in die Richtung gehen, welche ich als Deutung aus dem Christentum kenne. So wird das goldene Kalb im Judentum oft nicht als Götzendienst angesehen, sondern als Mittler zwischen dem Menschen und G’tt und hierin lag/liegt das Problem.

Schalom,
Eli

Hallo Raimund.

ist es nicht absolut gegen den mosaischen Glauben, wenn in der
Mythologie positiv vom Golem gesprochen wird?

Positiv? Mh, alle Erzählungen über Golems z. B. aus Prag sind
eigentlich nicht sehr positiv und gerade dort richtet er ja
auch viel Schaden an und wird dann wieder aus diesem Grund
vernichtet.

unter positiv verstehe ich, dass es nicht ein Ungeheuer ist, sondern den menschen hilft, zwar stumofsinnig, doch helfend.

Ein Wesen zu erschaffen (mit der Buchstabenmystik, was ich ja
auch als Verstoß gegen diesen Glauben ansehe), ihn zu beleben
(also G´tt ins Handwerk pfuschen)und dann auch noch als
hilfreiches Wesen zu beschreiben.

Hier besteht erst einmal kein Widerspruch. Die Idee wir
Menschen würden G’tt hier ins Handwerk pfuschen ist mir völlig
unbekannt, auch wenn sie hierzulande in öffentlichen
Diskussion gerade auch um Gentechnik oft auftaucht.

im Christentum ist Magie (und Zahlenmystik ist ein Teil der Magie)eine verbotene Handlung.

Doch wenn Bilder zu schaffen schon eine Sünde ist, dann muss
es doch eine extreme Steigerung sein, einen Golem (=formlose
Masse)zu formen und auch noch mit Zauberei (Buchstabenmystik)
zum Leben zu erwecken.

Bilder zu schaffen, ist im Judentum kein Problem, erst wenn
daraus Gegenstände der Anbetung werden. Und den Golem hat,
zumindest in den Geschichten, welche ich kenne, keiner
angebetet.

Ok, das zum Unterschied von Bilder zur Freude und Bilder zum Anbeten.

Spielt hier nicht auch etwas das „goldene Kalb“ mit rein? Es
war ja nicht nur die Sünde, dass die Flüchtlige so etwas
angebetet, sondern dass sie ein Bild geschaffen haben, oder?

Ja, was war die Sünde beim „goldenen Kalb“? Hierzu gibt es im
Judentum verschiedene Ansichten, welche aber selten in die
Richtung gehen, welche ich als Deutung aus dem Christentum
kenne. So wird das goldene Kalb im Judentum oft nicht als
Götzendienst angesehen, sondern als Mittler zwischen dem
Menschen und G’tt und hierin lag/liegt das Problem.

Da habe ich mal eine Abhandlung gelesen. Ich weiß allerdings nicht mehr wo. Könnte es sigmund freud gewesen sein? Dort wird erwähnt, dass G´tt nicht´nur deswegen zornig war, weil sie sich von ihm abwandten und das Kalb anbeteten, sondern weil sie ein ein Bild geschaffen haben.
Grüße
Raimund

Hallo metapher,
Danke, …arg lang, aber gut.

Grüße
Raimund

Hallo Raimund.

im Christentum ist Magie (und Zahlenmystik ist ein Teil der
Magie)eine verbotene Handlung.

In Judentum ist Zauberei auch verboten, aber dazu müsste man die Frage genauer klären, was mit Zauberei gemeint ist und was nicht mehr darunter fällt. Zahlenmystik zum Beispiel ist keine Zauberei, da es keine Macht besitzt sondern erstmalig nur die Dinge auf eine andere Weise erleuchten und erklären soll.

Offen bleibt jetzt nur, ob die Schaffung eines Golems nun Zauberei ist oder nicht. Davon abgesehen, dass ich noch nie dabei war, ist es aber aus den Erzählungen die ich kenne so, dass immer haSchem den Golem zu einem Wesen macht. Die Zauberei besteht hier nur aus innigen Gebeten von Zaddikim (Heiligen).

Da habe ich mal eine Abhandlung gelesen. Ich weiß allerdings
nicht mehr wo. Könnte es sigmund freud gewesen sein? Dort wird
erwähnt, dass G´tt nicht´nur deswegen zornig war, weil sie
sich von ihm abwandten und das Kalb anbeteten, sondern weil
sie ein ein Bild geschaffen haben.

Woher soll ich jetzt wissen, was du gelesen hast? *g* Von Sigmund Freud habe ich nicht genug gelesen, um deine Frage beantworten zu können. Vielleicht jemand anders?

Schalom,
Eli