Gott sprach

Lieber Harald,
Möchte mal gern wissen, wie man die Stimme Gottes hört, ohne dass man paranoid veranlagt ist. Können denn Menschen ohne Schizophrenie ab und zu eine solche Stimme hören? Ist sie eher männlich, weiblich oder was? Natürlich weiss ich, dass Du darüber nicht’s wissen kannst - aber Deine Meinung würde mich interessieren!
Mit Gruss: Hardy

Hallo Hardy

Möchte mal gern wissen, wie man die Stimme Gottes hört, ohne
dass man paranoid veranlagt ist. Können denn Menschen ohne
Schizophrenie ab und zu eine solche Stimme hören? Ist sie eher
männlich, weiblich oder was? Natürlich weiss ich, dass Du
darüber nicht’s wissen kannst - aber Deine Meinung würde mich
interessieren!

Eine gute Frage, die aber nicht nur Harald angeht. Sehr viele Christen können berichten, wie Gott zu ihnen gesprochen hat.

Allerdings darf man die Aussage nicht ganz so wörtlich nehmen, wie Du das oben angedeutet hast. Die Aussage „Gott sprach…“ ist - auch in der Bibel - zu übersetzen mit „Gott hat mir das und das klar gemacht…“

Wie das passiert ist so unterschiedlich wie die Menschen, die das erleben. Es kann eine plötzliche Klarheit sein, es kann ein Traum sein, es kann ein Gespräch mit anderen sein oder es kann - in seltenen Fällen - auch sein, dass man eine Stimme zu hören meint.

Ich persönlich habe am ehesten das Phänomen der plötzlichen Klarheit und Sicherheit im „Gespräch“ mit Gott erlebt, kann Dir also über die Klang der Stimme keine Auskunft geben.

Aber mit Schizophrenie hat das alles nichts zu tun, Schizophrenie ist ein klar definiertes Krankheitsbild, über das Du im Psychologiebrett Näheres erfahren kannst.

Gruss
Thomas

Hallo.

Eine gute Frage, die aber nicht nur Harald angeht. Sehr viele
Christen können berichten, wie Gott zu ihnen gesprochen hat.

Eigentlich kann die ganze Welt das berichten, weil G’tt sich am Sinai an alle Seelen gewandt hat. Und da hat er auch wirklich gesprochen und das dann auch noch gleichzeitig in allen Sprachen.

Allerdings darf man die Aussage nicht ganz so wörtlich nehmen,
wie Du das oben angedeutet hast. Die Aussage „Gott sprach…“
ist - auch in der Bibel - zu übersetzen mit „Gott hat mir das
und das klar gemacht…“

Machst Du es dir jetzt hier nicht zu einfach? So gibt es im Tanach verschiedene Redewendungen und je nach dem ist dort eindeutig von Sprechen die Rede und wird so auch im Judentum verstanden (s.o.). Ausserdem muss deine Interpretation dir ja auch G’tt erst einmal klar machen, weil der Text das nicht hergibt. Bezogen auf unseren Alltag als Nichtpropheten würde ich dir allerdings zustimmen, dass diese G’tteserfahrung nichts mehr mit „G’tt sprach“ zu tun hat.

Schalom,
Eli

Hallo Hardy,

nur ein kleines-feines Beispiel: Mein Sohn sagt des Öfteren, dass er dies und das gerade nicht tun kann, weil sein Gehirn mit ihm spricht. Zugegeben: Eine sehr kindliche Umschreibung der Stimme, die wohl jeder von uns spätestens im Erwachsenenalter verlernt hat zu hören…

Ist das Gott? Bin ich nun gar schizophren? Oder paranoid???

Die Antwort muss sich jeder Mensch alleine geben. Auf jeden Fall kann es wohl nicht schaden, mehr in sich hineinzuhören, Dinge, Geschehnisse zu durchdenken.

Welchen Namen das „Ergebnis“ dann bekommt, ist - denke ich - sekundär. Hauptsache, es hilft!

Viele Grüße
Jana

Hallo Eli

Machst Du es dir jetzt hier nicht zu einfach? So gibt es im
Tanach verschiedene Redewendungen und je nach dem ist dort
eindeutig von Sprechen die Rede und wird so auch im Judentum
verstanden (s.o.). Ausserdem muss deine Interpretation dir ja
auch G’tt erst einmal klar machen, weil der Text das nicht
hergibt. Bezogen auf unseren Alltag als Nichtpropheten würde
ich dir allerdings zustimmen, dass diese G’tteserfahrung
nichts mehr mit „G’tt sprach“ zu tun hat.

Ich spreche tatsächlich aus meiner Erfahrung bzw. dem, was ich in der Gemeinde so mitbekomme.

Was die Bibel angeht, so gibt es einige Texte, in der ganz klar hervorgeht, dass hören wie gesprochenes Wort gemeint ist - ich denke hier an einen Text aus dem alten Testament, wo einer der Propheten als junger Mensch - glaube ich - immer nach nebenan läuft und seinen Meister fragt, ob er ihn gerufen hat.

Aber ansonsten geht das aus dem Textzusammenhang in der Regel nicht klar hervor. Dein Hinweis auf die sprachliche Wurzel bedeutet im wesentlichen, dass diejenigen, die die Texte aufgeschrieben haben, die Ereignisse als gehörtes Wort verstanden haben, aber das muss ja nicht unbedingt so gewesen sein. Eigentlich wichtig ist die Botschaft, die vermittelt wurde.

Gruss
Thomas

Hallo Hardy,

nur ein kleines-feines Beispiel: Mein Sohn sagt des Öfteren,
dass er dies und das gerade nicht tun kann, weil sein
Gehirn mit ihm spricht
. Zugegeben: Eine sehr kindliche
Umschreibung der Stimme, die wohl jeder von uns spätestens im
Erwachsenenalter verlernt hat zu hören…

Das ist die Stimme des eigenen Gewissens.

Ist das Gott? Bin ich nun gar schizophren? Oder paranoid???

Nein, das ist keine Schizophrenie, sondern das (gute!) Gewissen.

Die Antwort muss sich jeder Mensch alleine geben. Auf jeden
Fall kann es wohl nicht schaden, mehr in sich hineinzuhören,
Dinge, Geschehnisse zu durchdenken.

Das ist definitiv richtig.

Welchen Namen das „Ergebnis“ dann bekommt, ist - denke ich -
sekundär. Hauptsache, es hilft!

Da bin ich anderer Meinung:

Gott ist eine unabhängige Person außerhalb von uns, die es schon vor uns gab und auch nach uns geben wird - Gott ist ewig und sein Wille ist unwandelbar.

Unser Gewissen wurde uns mit unserer Geburt von Gott auf diesen Lebensweg mitgegeben:

Römer 2,14-15 sagt: „Auch wenn die anderen Völker das Gesetz Gottes nicht haben [so wie die Juden], gibt es unter ihnen doch Menschen, die aus natürlichem Empfinden heraus tun, was das Gesetz verlangt. Ohne das Gesetz zu kennen, tragen sie es also in sich selbst. Ihr Verhalten beweist, dass ihnen die Forderungen des Gesetzes ins Herz geschrieben sind, und das zeigt sich auch an der Stimme ihres Gewissens und an den Gedanken, die sich gegenseitig anklagen oder auch verteidigen.“

Dieses Gewissen ist bereits von Gott geschult, d. h. es kann ohne Bildung und ohne Hinweis auf Gott oder irgend eine Ethik bereits zwischen Gut und Böse unterscheiden (das merkt man oft bei Kindern)!

Da Gott uns aber als freiheitliche Menschen geschaffen hat, hat er uns die Möglichkeit gelassen, dieses Gewissen selber zu beeinflussen. Und es ist so wie Du sagst: Viele Erwachsene hören entweder nicht mehr auf ihr Gewissen oder sie haben es bereits umgepolt oder totgetrampelt! Das ist tatsächlich (leider) möglich.

Man muss also sehr genau unterscheiden zwischen dem (unveränderlichen) Reden Gottes und dem (sehr beeinflussbaren) menschlichen Gewissen.

Herzliche Grüße

Alex.

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*einmisch*

Dein Hinweis auf die sprachliche Wurzel
bedeutet im wesentlichen, dass diejenigen, die die Texte
aufgeschrieben haben, die Ereignisse als gehörtes Wort
verstanden haben, aber das muss ja nicht unbedingt so gewesen
sein.

auf dieser grundlage keonnten wir die ganze religion gleich in die tonne kippen. wenn keiner mehr sicher ist, ob das auch so gewesen ist wie es da steht, ehm, woran glaubt man dann nochmal? da steht sprechen, so wie jeder spricht. naja ich kann mir nicht im entferntesten vorstellen wie sich das anfuehlt, vielleicht so wie das borg-kollektiv, aber wenns da steht, entweder ich glaubs oder eben nicht. :smile:

gruss lehitroat.

Hallo Hardy

Lieber Harald,

Thomas hat das schon ganz gut beantwortet, da brauch ich also nichts mehr hinzufügen.

Natürlich weiss ich, dass Du
darüber nicht’s wissen kannst - aber Deine Meinung würde mich
interessieren!

Wenn Du schon weisst, dass ich nichts wissen kann, warum fragst Du?

Meine Meinung dazu ist, dass die vielfältige Möglichkeit Gottes, mit uns Menschen zu sprechen, sehr gut in der Bibel beschrieben wird.
Sollte Dich wirklich meine persönliche Erfahrung interessieren, dann mail mir einfach.

Gruss Harald

Hallo lehi

auf dieser grundlage keonnten wir die ganze religion gleich in
die tonne kippen. wenn keiner mehr sicher ist, ob das auch so
gewesen ist wie es da steht, ehm, woran glaubt man dann
nochmal? da steht sprechen, so wie jeder spricht. naja ich
kann mir nicht im entferntesten vorstellen wie sich das
anfuehlt, vielleicht so wie das borg-kollektiv, aber wenns da
steht, entweder ich glaubs oder eben nicht. :smile:

Das sehe ich ganz anders, denn ich habe ja nicht davon gesprochen, dass alles Unsinn ist, sondern davon, dass nicht wesentliche Details anders gewesen sein könnten als es sich die Schreiber vorgestellt haben.

Dahinter steckt natürlich eine bestimmte Vorstellung. Gott ist real, so real wie Du und ich. Und wenn Gott redet, dann kommt es - wie in jedem zwischenmenschlichen Gespräch auch - nicht nur darauf an, was er sagt, sondern auch, was verstanden wird.

Mit anderen Worten: Gott steuert diejenigen, die die Bibeltexte geschrieben haben, nicht fern, sondern das, was Gott sagt, wird von diesen Schreibern im Licht ihrer kulturellen, sozialen und persönlichen Erfahrung verstanden.

Damit ist kein Text in der Bibel erfunden, aber in jedem Text ist immer auch zu fragen, was ist die reale Botschaft, die wir für uns übernehmen müssen, und was sind zeitlich bedingte Aussagen, die wir in unseren zeitlichen Kontext übertragen müssen.

Zugegeben: Ein schwieriger und oft nicht eindeutiger Prozess. Aber wir Christen haben wenigstens den heiligen Geist als Hilfe, nicht wahr :wink:)

Gruss
Thomas

Hallo Hardy!

Kann die richtige Antwort auf Deine Frage nicht nur ein Mensch geben, der selbst in sich die Stimme Gottes vernimmt? Ich denke ja. Deshalb möchte ich Dich auf den Mystiker Tennhard hinweisen. Er hat die Stimme Gottes in sich vernommen und sogar ein Buch darüber geschrieben

Hier einige Zeilen aus dem Buch:

Johannes Tennhardt (geb. 1661) ist einer unter den protestantischen Mystikern, die für das lebendige Wirken des heiligen Geistes im Menschen Zeugnis geben. Als großer Verehrer Taulers, Ruysbroecks und der mittelalterlichen Mystiker er-kannte er schon früh den Wert des inneren Gebetes, das er wie alle Mystiker als ein Reden des Herzens mit Gott empfand und das er auch gewissenhaft pflegte. Die geheimnisvolle Berührung, die im Gebet zwischen Gott und Mensch stattfindet, durfte er schließlich in einzigartiger Weise an sich erfahren. Ab seinem 43. Lebensjahr sprach der Herr fast täglich durch die innere Stimme zu ihm. Aus dieser lebendigen Gotteserfahrung heraus schrieb Tennhardt seine Kurze Unterweisung vom inneren Worte Gottes«, damit noch in vielen der ewige Morgenstern Jesus Christus aufgehen möge zur Ehre Gottes und der Seele ewiger Freude«. Er wählte dazu, wie dies früher öfters geschah, die lehrhafte Form des Zwiegesprächs zwischen jünger und Meister.

Das Buch von J. Tennhard heißt: „Vom inneren Wort“

Gruß Helmut

Aber wir Christen haben wenigstens den heiligen Geist als
Hilfe, nicht wahr :wink:)

und woher weisst du, dass dein heiliger geist nicht auch „im lichte der zeit“ mit dir redet? ausserdem ist mir nicht klar, was bei dem einfachen satz „ER SAGTE“ im lichte der zeit sein soll…

lehitraot.

Hallo Lehi

Aber wir Christen haben wenigstens den heiligen Geist als
Hilfe, nicht wahr :wink:)

und woher weisst du, dass dein heiliger geist nicht auch „im
lichte der zeit“ mit dir redet?

Aber ich meine doch, dass - auch heute - wir Gottes Wort im Lichte unserer Zeit hören, wir sind nicht besser oder schlechter als unsere Vorväter.
Mir ist auch klar, dass ich dabei viele Dinge womöglich falsch sehe (vielleicht auch das Sprechen Gottes in unsere Zeit), aber genauso wie Gott Erbarmen mit unseren Vorfahren hatte und sie gemäß ihrer Taten beurteilte und nicht gemäß der Dinge, die sie nicht wissen konnte, genauso hat Gott auch mit uns erbarmen.

ausserdem ist mir nicht klar,
was bei dem einfachen satz „ER SAGTE“ im lichte der zeit sein
soll…

Ganz einfach: Es ist heutzutage allgemein bekannt, dass man durch viele Wege kommunizieren kann, nicht nur durch gesprochene Worte. Manchmal sind diese anderen Wege sogar deutlicher als reine Worte.

Gruss
Thomas