Er tat, als wäre (sei) er dankbar.
Wie heißt es richtig?
Max
Er tat, als wäre (sei) er dankbar.
Wie heißt es richtig?
Max
Er tat, als wäre (sei) er dankbar.
Wie heißt es richtig?
Beides ist möglich, siehe http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Wort/Ver…
„Das Verb steht im Konjunktiv II (auch mit würde), seltener im Konjunktiv I. Noch seltener (praktisch nie bei als mit Verb an erster Stelle) kommt der Indikativ vor“.
und
http://books.google.de/books?id=sZGwuIt2FEMC&lpg=PA2… (486.2)
Gruß
Kreszenz
Hallo Kreszenz,
Er tat, als wäre (sei) er dankbar.
Wie heißt es richtig?
Beides ist möglich, siehe http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Wort/Ver…
Dem muss ich widersprechen. Es handelt sich um verschiedene Aussagen:
a) „Er tat, als sei er dankbar.“
Bedeutet: Es mag sein, dass er es tatsächlich ist, doch ich glaube es (eher) nicht.
Oder: Ich kann über die Wahrheit seiner Behauptung keine Aussage treffen.
In beiden Fällen liegt kein Irrealis vor.
b) „Er tat, als wäre er dankbar.“
Bedeutet: Es steht für mich und alle von mir vermuteten Adressaten fest, dass er nicht dankbar ist.
Um einen Irrealis handelt es sich nur im Beispiel b).
Die Aussagen auf der Zielseite deines Links irritieren mich um so mehr, als ich canoo natürlich kenne und (bisher?) auch sehr schätzte. Doch was dort zum Thema angegeben wird ist einfach unhaltbar; Unsinn, um es deutlich zu sagen.
Von den 4 bei canoo angegebenen Beispielen für „seltene“ Verwendungen des K.1 sind 1, 2 und 4 sprachlich schlicht falsch, und Beispiel 3 trifft gar eine logisch unsinnige Aussage: „Er sieht aus, als ob er die ganze Nacht nicht geschlafen habe.“ Eine solche Aussage ist gar nicht möglich (Perspektivenkonflikt)!!
Oder Beispiel 2: „Ich fühlte mich, als ob die Sonne nur für mich scheine“. Deutlicher kann man den Irrealis nicht ausdrücken, aber bitte mit „[…] schiene“.
Mich deucht, mich habe ein Pferd getreten.
Ist denn auf gar niemanden mehr Verlass?
Augenzwinkernd
Boris
Hallo Boris,
a) „Er tat, als sei er dankbar.“
Bedeutet: Es mag sein, dass er es tatsächlich ist, doch ich
glaube es (eher) nicht.
Oder: Ich kann über die Wahrheit seiner Behauptung keine
Aussage treffen.
In beiden Fällen liegt kein Irrealis vor.
Kann ich so nicht nachvollziehen. Wer nämlich so tut, als wäre/sei er irgendetwas, ist es nicht. Das steckt in der Semantik der Konstruktion so tun als (ob) schon drin. Man kann nicht so tun, als sei man dankbar, betrunken, schwerhörig, neureich o.ä. und es dann tatsächlich sein.
Aus diesem Grunde schon gibt es semantisch gesehen keinen Unterschied zwischen sei und wäre. Ein Irrealis liegt natürlich vor, aber nur im subordinierten Satz (also die Aussage, dass er dankbar sei/wäre).
Gruß,
Hallo André,
a) „Er tat, als sei er dankbar.“
Bedeutet: Es mag sein, dass er es tatsächlich ist, doch ich glaube es (eher) nicht.
Oder: Ich kann über die Wahrheit seiner Behauptung keine Aussage treffen.
In beiden Fällen liegt kein Irrealis vor.
Kann ich so nicht nachvollziehen.
Wer nämlich so tut, als wäre/sei er irgendetwas, ist es nicht.
Aber André, da ist niemand, der so tut, als sei er etwas!
Der springende Punkt ist doch, dass hier eben NICHT Person A so tut, als sei sie etwas! Das wird lediglich behauptet!
Die obige Äußerung muss vielmehr zwangsläufig von einer anderen Person B ausgesprochen sein, die damit die von A unabhängige Behauptung aufstellt, dass diese sich so und so verhalte. Damit liegt KEIN Irrealis vor, da B über die Empfindungslage von A gar keine sichere Aussage treffen kann, sondern lediglich einer historischen Einschätzung Ausdruck gibt. Ich würde den vorliegenden Modus z.B. als ‚Referentialis‘ bezeichnen.
Das steckt in der Semantik der Konstruktion ‚so tun als (ob)‘ schon drin. Man kann nicht so tun, als sei man dankbar, betrunken, schwerhörig, neureich o.ä. und es dann tatsächlich sein.
In diesen Beispielen ist die irreale Affizierung nur aus der Perspektive dessen beurteilbar, der so tut, als ob. Die Äußerung wird aber nicht von diesem getroffen. Also kann der Aussagemodus des Irrealis hier gar nicht zutreffen.
Der Regelfall sollte indes schon anders liegen, und da treffe ich mich tw mit dir:
„Er als kleiner Knirps tat so, als ob er Schwarzenegger wäre.“
„Er kann pfeifen, als ob er ein Vogel wäre.“ „Sie gibt Geld aus, als ob sie reich wäre.“
Klare Fälle von Irrealis, und hier ist ‚sei‘ nicht möglich, da sinnlos.
Der grammatisch zweifelsfrei richtige Satz: „Er tat so, als ob er krank wäre“ impliziert nun mal die eindeutige und sichere Aussage, dass er es de facto, oder nach meiner sicheren und aufrichtigen Überzeugung, nicht ist. Analoges kann ich vom obigen Beispiel unter a) nicht behaupten.
Durch den Konjunktiv I kann kein Hinweis darauf gegeben werden, ob eine Aussage wahr oder unwahr ist. Dies ist nur durch den K.II möglich. So zumindest die (vor)herrschende Auffassung der hehren Sprachdirigenten.
Und damit kein Missverständnis bezüglich meines Engagements entsteht:
„Er tat, als wäre er dankbar“ ist zwar grammatisch richtig, inhaltlich aber nicht möglich.
„Er tat, als sei er dankbar.“ ist zwar grammatisch falsch, inhaltlich aber möglich, z.B. durch meine Kreszenz angebotene Interpretation, die die Wahl dieser Form als eine Art Abhängigkeitsmodus (im Ggstz zum Aussagemodus) auch plausibel erscheinen lassen könnte. Ich möchte diesen Satz (den unter a), mit „sei“) also, wider die (vor)herrschende Meinung der Grammatiker - außer deiner, die I und II gleichsetzt - gelten lassen. Aber die Diskussion um Grammatik als wesentliche Struktur oder als aposteriorische Beschreibung zur Ordnung von Vergangenem führt hier sicherlich zu weit.
Grüße
Boris
PS + absolut offtopic: Sehe gerade die dt Übersetzung einer Rezension von Stephen King: „Der Furcht einflößendste Autor Amerikas“. - Das kann bei Bemühungen um Rechtschreibreform herauskommen!!! Welch ein Frust, jetzt nach einer „Regel“ suchen zu müssen, die mir „furchteinflößendste“ erlaubt. Gräßlich!
Tschüs