Grammatikalische Geschlechter?

Hallo,

warum plagen sich so viele Sprachen mit grammatikalischen
Geschlechtern und muessen fuer jedes Ding zwischen 2 oder 3
Geschlechtern waehlen (d: der Mond, sp: la luna, frz: la lune), wohingegen z.B. Englisch mit einem Neutrum auskommt?

Gibt es eine geschichtliche Erklaerung fuer die Wahl des Geschlechts fuer „Kernsubstantive“ (Natur, Alltagsgegenstaende, …) einer Sprache oder ist die Wahl immer reiner Zufall?

Hallo,

warum plagen sich so viele Sprachen mit grammatikalischen
Geschlechtern und muessen fuer jedes Ding zwischen 2 oder 3
Geschlechtern waehlen (d: der Mond, sp: la luna, frz: la
lune), wohingegen z.B. Englisch mit einem Neutrum auskommt?

Englisch kommt keineswegs mit dem Neutrum aus - siehe „he“, „she“ und „it“. Nur der bestimmte Artikel ist immer gleich, nicht aber das grammatische Geschlecht.

Gruß
Bernhard

Hallo Bernhard,

warum plagen sich so viele Sprachen mit grammatikalischen
Geschlechtern und muessen fuer jedes Ding zwischen 2 oder 3
Geschlechtern waehlen (d: der Mond, sp: la luna, frz: la
lune), wohingegen z.B. Englisch mit einem Neutrum auskommt?

Englisch kommt keineswegs mit dem Neutrum aus - siehe „he“,
„she“ und „it“. Nur der bestimmte Artikel ist immer gleich,
nicht aber das grammatische Geschlecht.

Da hast Du wohl recht, daher anders gefragt:

Wieso erfinden viele Sprachen kuenstliche Geschlechter
fuer Dinge die kein natuerliches Geschlecht haben?

Englisch zeigt (trotz seiner Einfluesse aus dem Deutschen
und Franzoesischen) das es auch einfacher geht und verwendet
strikt das Neutrum:

the door -> it is closed
die Tuer -> sie ist geschlossen!

Mfg,

-Andreas.

Englisch zeigt (trotz seiner Einfluesse aus dem Deutschen

und Franzoesischen) das es auch einfacher geht und verwendet
strikt das Neutrum:

the door -> it is closed
die Tuer -> sie ist geschlossen!

schwäbisch: das Türle ist zu… :smile:))

Englisch kommt keineswegs mit dem Neutrum aus - siehe „he“,
„she“ und „it“. Nur der bestimmte Artikel ist immer gleich,
nicht aber das grammatische Geschlecht.

Da hast Du wohl recht, daher anders gefragt:

Wieso erfinden viele Sprachen kuenstliche Geschlechter
fuer Dinge die kein natuerliches Geschlecht haben?

Englisch zeigt (trotz seiner Einfluesse aus dem Deutschen
und Franzoesischen) das es auch einfacher geht und verwendet
strikt das Neutrum:

the door -> it is closed
die Tuer -> sie ist geschlossen!

Mfg,

-Andreas.

Da gehört ein richtiger Sprachwissenschaftler her. Schon das Lateinische kennt drei Geschlechter (dafür keinen bestimmten Artikel). Aber woher das schon kam, weiß ich auch nicht.
Porta (die Tür) ist weiblich.

Drei Geschlechter kennt auch das Griechische (allerdings mit bestimmten Artikeln). Thyro (altgr. die Tür) dürfte jedoch sächlich sein (altgriechisch hab’ ich nicht gelernt).

Das Französische kennt gar kein Neutrum, das Italienische auch nicht, obwohl sich beide vom Lateinischen ableiten.

Die Entwicklung ging wohl kreuz und quer und offenbar durchaus nicht konsequent.

Beste Grüße
Bernhard

Da gehört ein richtiger Sprachwissenschaftler her. Schon das
Lateinische kennt drei Geschlechter (dafür keinen bestimmten
Artikel). Aber woher das schon kam, weiß ich auch nicht.
Porta (die Tür) ist weiblich.

Drei Geschlechter kennt auch das Griechische (allerdings mit
bestimmten Artikeln). Thyro (altgr. die Tür) dürfte jedoch
sächlich sein (altgriechisch hab’ ich nicht gelernt).

Wahrscheinlich hatte schon das Proto-Indoeuropäische die drei (oder mehr?) Geschlechter und hat die dann weiter übertragen.

Das Französische kennt gar kein Neutrum, das Italienische auch
nicht, obwohl sich beide vom Lateinischen ableiten.

Hier ist das Neutrum (in der Regel) im Maskulinum aufgegangen.

Auf der anderen Seite sind z.B. im Dänischen Maskulinum und Femininum zusammengeschmolzen zu einem „gemeinsamen“ Geschlecht.

Die Entwicklung ging wohl kreuz und quer und offenbar durchaus
nicht konsequent.

Das iss wohl wahr…

Auch Grüße, Kubi

Hi,

Wahrscheinlich hatte schon das Proto-Indoeuropäische die drei
(oder mehr?) Geschlechter und hat die dann weiter übertragen.

Nun, hatte dann das Englische in weiser Voraussicht sofort
die „kuenstlichen“ m/f Geschlechter seiner indogermanischen
Vorfahren durch das Neutrum ersetzt oder gibt es im
Altenglischen noch Spuren davon?

Auf der anderen Seite sind z.B. im Dänischen Maskulinum und
Femininum zusammengeschmolzen zu einem „gemeinsamen“
Geschlecht.

Wie sieht es mit nicht-indogermanischen Sprachen aus,
was ist z.B. „der Mond“ auf chinesisch, Neutrum?

Gruesse,

-Andreas.

Hallo,

Nun, hatte dann das Englische in weiser Voraussicht sofort
die „kuenstlichen“ m/f Geschlechter seiner indogermanischen
Vorfahren durch das Neutrum ersetzt oder gibt es im
Altenglischen noch Spuren davon?

In der Geschichte der germanischen Sprachen kenne ich mich so gut nicht aus, aber wenn man bedenkt, daß z.B. der Mond im heutigen Englisch immer noch manchmal als „she“ bezeichnet wird, genauso wie bekannte Schiffe, denke ich mal, das sind Überreste aus früheren Geschlechtern, die durch die große Ausbreitung des Englischen im Laufe der Zeit verschwunden sind.

Wie sieht es mit nicht-indogermanischen Sprachen aus,
was ist z.B. „der Mond“ auf chinesisch, Neutrum?

Nichts. Chinesisch kennt wie viele andere Sprachen (Japanisch und Thailändisch z.B.) überhaupt kein grammatisches Geschlecht, und auch keine Artikel.

In der Geschichte der germanischen Sprachen kenne ich mich so
gut nicht aus, aber wenn man bedenkt, daß z.B. der Mond im
heutigen Englisch immer noch manchmal als „she“ bezeichnet
wird, genauso wie bekannte Schiffe, denke ich mal, das sind
Überreste aus früheren Geschlechtern, die durch die große
Ausbreitung des Englischen im Laufe der Zeit verschwunden
sind.

„Der“ Mond ist in fast allen westeuropäischen Sprachen weiblich, das kommt von der Mondgöttin, während „die“ Sonne nach dem Sonnengott männlich ist. Hier ist das Deutsche die Ausnahme …

Beste Grüße
Bernhard

Hallo zusammen,

habe ein gutes Buch gefunden „Bodmer: Die Sprachen der Welt“.
Auf Seite 202 ff. findet sich eine Theorie zum Ursprung des
grammatischen Geschlechts in indogermanischen Sprachen.

In dieser ist das grammatische Geschlecht ein Ueberbleibsel
eines Suffixsystems, das der Klassifizierung diente,
aehnlich dem Praefixsystem der Bantusprachen. Diese
besitzen etwa 20 Klassen (menschlich, weiblich, maennlich, hoelzern, …) und stellen diesen Klassenbegriff
vor jedes Adjektiv, Zahlwort und Pronomen.

Z.B. „weiblich-diese Frauen sehen hoelzern-grosse Baeume“

Die Klassifizierung funktioniert aber nur auf sehr fruehen
Entwicklungsstufen, da diese „Schubladen“ neue Woerter
schnell nicht mehr fassen koennen.

Weiter schreibt der Autor, dass es im Altenglischen genau wie
im Deutschen 3 Genusklassen gab, die nichts mit dem natuerlichen Geschlecht zu tun hatten und dann fallengelassen wurden.

Schade, dass nur Englisch so reformfreudig war …

Mfg,

Andreas.