Grammatikalische Grauzone?

Ich habe schon desöftern in Büchern eine gewisse Anordnung von Satzzeichen gelesen, und zwar:
?,
und
?!

Das Erste kam z.B. bei so einem Satz vor:
Aber sollte ich wirklich ans Telefon gehen?, fragte ich mich.

Der Erzähler spricht die Frage ja nicht aus, also wären Gänsefüßchen fehl am Platz. Aber kann man das Problem wie oben gezeigt lösen? Wenn nein, was macht man sonst in dem Fall, dass der Erzähler sich etwas nur in seinem Kopf denkt, aber man trotzdem ein „fragte ich mich“ o.Ä. dahinter schreiben will?

Mein Freund behauptet, sowas geht auf keinen Fall, da ein Fragezeichen ja ein abschließendes Satzzeichen ist und man dahinter nicht noch ein Komma schreiben kann, geschweige denn klein weiter schreiben. Aber ich habe es jetzt schon öfters gelesen, vor allem in Jugendbüchern.

Außerdem behauptet er, man darf nicht ein Fragezeichen und Ausrufezeichen hintereinander schreiben, um deutlicher zum Ausdruck zu bringen, dass der Erzähler etwas richtig SCHREIT.
Wäre das denn grammatikalisch korrekt?

Und darf man ein Wort nur in Großbuchstaben schreiben, um zu zeigen, dass der Erzähler dieses Wort deutlich betont?

Danke schonmal im Voraus ^^

Ich habe schon desöftern in Büchern eine gewisse Anordnung
von Satzzeichen gelesen, und zwar:

?,

und

?!

Das Erste kam z.B. bei so einem Satz vor:

Aber sollte ich wirklich ans Telefon gehen?, fragte ich mich.

Der Erzähler spricht die Frage ja nicht aus, also wären
Gänsefüßchen fehl am Platz. Aber kann man das Problem wie oben
gezeigt lösen? Wenn nein, was macht man sonst in dem Fall,
dass der Erzähler sich etwas nur in seinem Kopf denkt, aber
man trotzdem ein „fragte ich mich“ o.Ä. dahinter schreiben
will?
Bei den fehlenden Gänsefüßchen liegt der Fehler. Es wird in aller Regel nicht nur der gesprochene Satz, sondern auch der gedachte Satz in Gänsefüßchen gesetzt und dann bestehen keine Bedenken mehr vor dem fragte ich mich ein Komma zu setzen.

Mein Freund behauptet, sowas geht auf keinen Fall, da ein
Fragezeichen ja ein abschließendes Satzzeichen ist und man
dahinter nicht noch ein Komma schreiben kann, geschweige denn
klein weiter schreiben. Aber ich habe es jetzt schon öfters
gelesen, vor allem in Jugendbüchern.

Außerdem behauptet er, man darf nicht ein Fragezeichen und
Ausrufezeichen hintereinander schreiben, um deutlicher zum
Ausdruck zu bringen, dass der Erzähler etwas richtig SCHREIT.
Da hat er recht. Entweder Fragezeichen oder Ausrufezeichen, beides geht nicht!
Wäre das denn grammatikalisch korrekt?

Und darf man ein Wort nur in Großbuchstaben schreiben, um zu
zeigen, dass der Erzähler dieses Wort deutlich betont?
Neion, das darf man nicht. Um etwas hervorzuheben oder zu betonen, dazu ist die Kursivschrift da!

freundliche Grüße
G. Rudolf - Lektor -

Danke schonmal im Voraus ^^

Erstmal von vornherein: Ich bin kein studierter Germanist, nur hobbymäßig in der deutschen Sprache zu Hause, darum kann ich dir auf diese Frage nicht 100%ig garantiert richtige Antworten geben. :wink:

[…] trotzdem ein „fragte ich mich“ o.Ä. dahinter schreiben will?

Also guter Stil ist es ganz sicher nicht, und meines Wissens auch nicht erlaubt. Eine Alternative zu den doppelten Gänsefüßchen wären evt. die einfachen, auch wenn es die Sache optisch nicht besser macht.

Außerdem behauptet er, man darf nicht ein Fragezeichen und Ausrufezeichen hintereinander schreiben, um deutlicher zum Ausdruck zu bringen, dass der Erzähler etwas richtig SCHREIT.
Wäre das denn grammatikalisch korrekt?

Diese Art von Ausdruck hat sich vor allem über Comics und Cartoons in die deutsche Sprache eingeschlichen. Ob es dazu offizielle Regelungen gibt, kann ich nicht sagen, aber als eine bekräftigte (oder rhetorische) Frage, wird es dir niemand als Fehler ankreiden.

Und darf man ein Wort nur in Großbuchstaben schreiben, um zu zeigen, dass der Erzähler dieses Wort deutlich betont?

Rein orthographisch darf man ein Wort, das nicht speziell ein Akronym oder eine Abkürzung ist, gar nicht in Großbuchstaben schreiben. ^^
Liegt also auch im Auge des Betrachters.

Hallo,

Ihr Freund hat Recht.
In einem „korrekten“ Text ist diese Kombination von ?, nicht zulässig.
Wir haben es hier mit „indirekter Rede“ zu tun.
In der indirekten Rede wird „direkte Rede“ (das ist ein wörtliches Zitat) in einen Satz eingebettet.

Beispiel für DIREKTE REDE :
Susi fragte: „Soll ich ans Telefon gehen?“

Merkmal: Das Zitat befindet sich in Anführungszeichen, und der Satzmodus ist mit einem Fragezeichen, Ausrufungszeichen oder mit einem Punkt gekennzeichnet.

Beispiel für INDIREKTE REDE :
Susi fragte, ob sie ans Telefon gehen solle.

Merkmale:

  • Einbettung des Fragesatzes in einen Hauptsatz,
  • Umformung des Fragesatzes in einen Nebensatz mit Verb an der letzten Stelle.
  • Satzzeichen ist ein Punkt
  • Umformung der Person (von „ich“ zu „sie“)
  • Umformung vom Indikativ in Konjunktiv 1 (von „soll“ zu „solle“.

Nicht immer sind bei der Umformung in die INDIREKTE REDE alle Merkmale zu benutzen. Aber das neutrale Satzzeichen (Punkt) ist üblich und richtig, zumindest in „seriösen Publikationen“.

Wollten Sie es wirklich sooooo genau wissen?

Schönen Gruß von JKM

Ich würde Redezeichen setzen, denn man kann durchaus gedankliche „Gespräche“ führen.
Wenn ich im Text etwas besonders hervorheben möchte gibt es auch andere Möglichkeiten z.B. unterstreichen.
:

Hallo,

bei dem ersten Beispiel kenn ich das nur aus der wörtlichen Rede mit nachstehendem Begleitsatz. Müsste aber nach korrekter Zeichensetzung so aussehen:

„Aber sollte ich wirklich ans Telefon gehen?“, fragte ich mich.
Wobei ich in Literatur (Romanen) auch schon deine Schreibweise gesehen habe.

Zum zweiten kenn ich das auch, um einem Satz mehr Ausdruck zu verleihen, wobei ich aber deiner Meinung bin, dass es grammatisch nicht korrekt ist.

Zum letzten Beispiel kenne ich das mit den Großbuchstaben nicht. Um einem Wort mehr Bedeutung zu verleihen, würd ich es eher unterstreichen, fett oder kursiv drucken. Aber die Großbuchstaben sind mir fremd.

Die Antwort ist jetzt zwar nicht wissenschaftlich fundiert, aber ich hoffe, ich konnte dir trotzdem ein wenig weiterhelfen.

LG

Lieber Verzweifelter,
hier kommt die Antwort:

Aber sollte ich wirklich ans Telefon gehen?, fragte :ich mich.

Die Antwort steht im Duden, Regel K8-K12.

Außerdem behauptet er, man darf nicht ein :Fragezeichen und Ausrufezeichen hintereinander :schreiben, um deutlicher zum Ausdruck zu bringen, :dass der Erzähler etwas richtig SCHREIT.

Das Schreien ist hier nicht der Punkt sondern die Tatsache, dass der Satz Frage und Ausruf zugleich ist wie in „Was fällt dir ein?!“

Und darf man ein Wort nur in Großbuchstaben schreiben, um zu
zeigen, dass der Erzähler dieses Wort deutlich betont?

Solche Dinge sind nicht Teil der amtlichen Rechtschreibung, werden zwar häufig benutzt, aber im Großen und Ganzen eher abgelehnt (Duden Rechtschreibung, 25. Aufl., S. 56)

Grüße,
Susanne Leidner.

Hallo Verzweifelt94,

leider kann ich keine wissenschaftlich fundierte Antwort geben, aber es gibt Hinweise beim Duden. Richtig ist grundsätzlich der Hinweis, dass ein Fragezeichen und ein Ausrufezeichen ein Satzende anzeigen.

Sollte es sich um direkte Rede handeln, wird der Fragesatz in „“ gesetzt, wie z.B. hier genauer erläutert: http://www.mediensprache.net/networx/networx-30.pdf (5.2.20), dann kann auch ein Komma nach dem Fragezeichen (dem aber noch ein " folgt) stehen und es wird demnach natürlich klein weiter geschrieben, also z. B.: „Warum machst Du das?“, fragte ich ihn. Nicht korrekt wäre: Warum er das wohl macht?, fragte ich mich. Hier muss das Fragezeichen entfernt werden.

Zur Frage bzgl. „Ausrufezeichen nach Fragezeichen erlaubt oder nicht“ sagt der Duden:

Laut Rechtschreib-Duden, 23. Auflage (pp. 29; 36): „Gelegentlich werden ein Fragezeichen und ein Ausrufezeichen gesetzt, um einen Fragesatz gleichzeitig als Ausrufesatz zu kennzeichnen.“

Vielleicht konnte ich ein bisschen Licht reinbringen.

Schönen Gruß
Nadja

Also, soviel ich weiß (aber ich weiß nicht alles!), ist das Fragezeichen wirklich ein abschließendes Satzzeichen. Evtl, gibt es die Möglichkeit, wie in meiner obigen Klammer ein Satzzeichen innerhalb dieser Klammer zu setzen und danach nach einem Komma weiter zu schreiben. Meiner Meinung nach müsste Ihr Satz so lauten:
„Aber sollte ich wirklich ans Telefon gehen, fragte ich mich?“
Muss aber ehrlich gestehen: Ganz sicher bin ich mir dabei nicht!
Gruß,
Jochen Hausen

Es muss heißen: „Aber sollte ich wirklich ans Telefon gehen?“, fragte ich mich.

Und zwar handelt es sich um eine sogenannte direkte Rede, egal ob es laut ausgesprochen wird oder nur gedacht. Siehe dazu K7 im Duden. Und unter K9 wird gesagt, dass es sich mit dem Frage-, Anführungszeichen und Komma genau so verhält wie im obigen Beispielsatz. Ohne Anführungszeichen wäre der Satz falsch. Übrigens ist nach Duden K10 auch der folgende Satz richtig: Gefällt dir der Roman „Quo vadis?“?

Zum „?!“ ist zu sagen: „Gelegentlich werden ein Fragezeichen und ein Ausrufezeichen gesetzt, um einen Fragesatz gleichzeitig als Ausrufesatz zu kennzeichnen.“ (Duden, K19). Also richtig.

Zu SCHREIT meint der Duden in der Einleitung zur Groß- und Kleinschreibung vor K67: „Im Wortinnern erscheinen Großbuchstaben in der Regel nur bei Abkürzungen, in Zusammensetzungen mit Bindestrich und bei durchgehender Großschreibung.“ Demgemäß wäre SCHREIT nicht richtig, kann als stilistisches Mittel ähnlich der Kursivschrift aber sozusagen wohl geduldet werden.

hallo „verzweifelt“,
nicht verzweifeln !

?,
?!

ja, so etwas gibt es… es sind oft bestimmte Satz-Konventionen, die Verlage für richtig erachten.

Aber sollte ich wirklich ans Telefon gehen?, fragte ich mich.

Der Duden ist nur sehr beschränkt gültig für die Schreibweise von Satzzeichen in literarischen oder gar experimentellen Texten zuständig und gültig. Das muss man sich immer wieder klar machen.
Es gibt viele Autoren, die da ganz bewusst sehr frei damit umgehen.
Entscheidend ist immer: Welche Regeln wende ich an? Wenn ich welche anwende, dann nach Möglichkeit einheitlich.
Und jeder Autor muss sich genau überlegen, was „zu viel“ oder „zu wenig“ oder ausreichend ist.

Mein Freund behauptet, sowas geht auf keinen Fall, da ein
Fragezeichen ja ein abschließendes Satzzeichen ist und man
dahinter nicht noch ein Komma schreiben kann, geschweige denn
klein weiter schreiben. Aber ich habe es jetzt schon öfters
gelesen, vor allem in Jugendbüchern.

Im Prinzip stimmt das - aber wie gesagt: Die Regelungen des Duden u. ähnlicher Werke deckt sozusagen 90% des Schriftverkehrs ab, aber eben auch nicht mehr.

Außerdem behauptet er, man darf nicht ein Fragezeichen und
Ausrufezeichen hintereinander schreiben, um deutlicher zum
Ausdruck zu bringen, dass der Erzähler etwas richtig SCHREIT.

Das ist wirklich eher ungünstig. Besser ist es, wenn aus dem Zusammenhang des Geschriebenen deutlich wird, dass eine Figur jetzt etwas „schreit“.
Dies deutlich zu machen, hängt natürlich vom schriftstellerischen Können des Autors ab.

Und darf man ein Wort nur in Großbuchstaben schreiben, um zu
zeigen, dass der Erzähler dieses Wort deutlich betont?

Das ist eine sehr „grobe“ Methode. Wird auch häufig gemacht, aber ich finde es schon eher unglücklich.

Also: Mut zum Neuen, aber mit Gefühl und Bedacht…
Mit Gruß vom See,
Uwe Peschka

Nach der neuen deutschen Rechtschreibung gilt:

§ 89 Mit Anführungszeichen schließt man etwas wörtlich Wiedergegebenes ein.
Dies betrifft
1)wörtlich wiedergegebene Äußerungen (direkte Rede)
-“Immer muss ich arbeiten!”, seufzte sie.
-“Kommst du morgen?”, fragte er.
-“Du siehst”, sagte die Mutter, “recht gut aus.”
-“Ich komme morgen”, versicherte sie.
-Er sagte: „Das ist mir neu.“
-Sie fragte ungläubig: „Du hörst das heute zum ersten Mal?“
-Sie sagte: „Ich komme gleich wieder”, und ging hinaus.
-„Hilfe!“, schrie sie.
-„Wie spät ist es?“, fragte die Passantin
!!! Sie sagte, sie komme gleich wieder, und ging hinaus. (indirekte Rede)
2)wörtlich wiedergegebene Textstellen (Zitate)
§ 90 Satzzeichen, die zum wörtlich Wiedergegebenen gehören, setzt man vor das abschließenden Anführungszeichen; Satzzeichen, die zum Begleitsatz gehören, setzt man nach dem abschließenden Anführungszeichen.
§ 91 Sowohl der angeführte Satz als auch der Begleitsatz behalten ihr Ausrufe- oder Fragezeichen.
§ 92 Beim angeführten Satz læsst man den Schlusspunkt weg, wenn er am Anfang oder im Inneren des Ganzsatzes steht.
Nun zu dem Satz:
Aber sollte ich wirklich ans Telefon gehen?, fragte ich mich.

Lesen wir noch einmal:
§ 89 Mit Anführungszeichen schließt man etwas wörtlich Wiedergegebenes ein.
Der Begriff “wörtlich Wiedergegebenes” soll als “alles, was man geschrieben, gesagt oder gedacht und somit wiedergegeben hat” betrachten. Und so sollte man den Satzteil “Aber sollte ich wirklich ans Telefon gehen?” mit Anführungszeichen schreiben, dann ein Komma setzen und den den Satz weiter schreiben.
Ich würde also schreiben:
“Aber sollte ich wirklich ans Telefon gehen?”, fragte ich mich.
Wenn ich aber den Satz ohne Anführungszeichen gelesen hætte… Das würde mich nicht so sehr stören, weil da kein Missverstehen zu denken ist. Man könnte sogar ohne Fragezeichen schreiben…Denn danach kommt das Verb “fragen”.
Das sind alles stilistische Sachen. Und in den Jugendbüchern kann man solche und andere Schreibungen sehen.
Ich bin immer noch dafür, dass wir an die Regeln auch in der Literatur halten sollen. Vielleicht kommt eine Zeit, wo alle Menschen sich neigen, so einfach schreiben und sprechen, da werden neue Regeln eingeführt. Der Einfluss des Englischen ist so stark, dass in den neuen Büchern, in den Zeitungen, sogar in den Kreuzwortrætseln immer mehr englische Denkweise und Sprachnormnen vorgeführt werden.
Und wenn wir etwas in der Schrift betonen wollen, da schreiben wir sie fett, mit einer anderen Schriftform, usw. Ein Wort groß schreiben…Das finde ich zwar nicht falsch aber nicht so gut, nicht schön. Denn man kann nicht wissen, ob es aus Versehen so geschrieben worden ist oder ob es Tippfehler ist oder aber ob man es mir der Absicht für Betonung groß geschrieben hat.
Nurittin YILDIRAN