Grammatikalische Regel gesucht - Regionenbewohner

Hallo liebe Wissenden,

ich bin auf der Suche nach einer Regel, wie die Bewohner von Regionen bezeichnet werden.

Mir sind zwei Gruppen hauptsächlich gegenwärtig:

Schweiz - Schweizer
Elsass - Elsässer
Thüringen - Thüringer
Österreich - Österreicher
etc.

also, die die ein „-er“ angehängt bekommen.

Und dann gibt es da noch die, die eben KEIN „-er“ erhalten:

Böhmen - Böhm(e)
Franken - Frank(e)
Hessen - Hess(e)
Schwaben - Schwab(e)
Westfalen - Westphal(e)
Polen - Pole (-> Polak)
Dänemark - Däne
Friesland - Fries(e)
Ungarn - Ungar
Tschechien - Tschech(e)
Britannien - Brite
Frankreich - Franzos(e) -> aber siehe oben: Österreich - Österreicher

somit ist ein Ausgang des Regionennamens auf „-en“ (Schwaben etc.) für „erhalten KEIN -er am Namensende“ sicher nur die halbe Wahrheit. In Analogie zu „Spanien“, „Lothringen“ oder „Thüringen“ würde man ja obendrein eher „SchwabER“, „WestphalER“ etc. erwarten.

Habt Ihr eine Erklärung für „die andere Hälfte der Wahrheit“? Insbesondere interessieren mich einsilbige Regionennamen. Jemand von der schwäbischen/fränkischen Alb wird (meines Wissens) „Albler“ genannt. Und ganz eindeutig ist es bei der Pfalz: Das ist ein Pfälzer. Aber ist einer aus der Rhön ein „Rhöner“ oder eher ein „Rhöne“? Einer aus dem Harz ein „Harzer“ oder ein „Harz(e)“ (Oder in Analogie zum Elsass vielleicht ein „Härz(e)“? Einer aus dem Knüll-Gebiet/Hessen ein „Knüller“ (*grins ob dieser Doppel-Bedeutung!*) oder eher ein „Knüll(e)“. Die Region für die sich diese Frage stellt ist ähnlich kurz, ich habe sie aber bewußt nicht genannt, um Euch nicht zu beeinflussen. Denn ich glaube, dass man zu leicht in Versuchung geführt wird zu sagen „-er“ sei die Lösung. Daher suche ich nach einer allgemeingültigen Regel. Ich habe schon in etlichen Werken geblättert, aber nichts gefunden. Ich muss auch zugeben, dass ich ziemlich ratlos davor stehe und gar nicht so recht weiß, wie ich am geschicktesten suchen könnte (nach welchen Stichworten, in welcher Art von NSW etc.) Aber ohne die richtige Suchstrategie wird man wohl auch kaum was Brauchbares finden…

Wie Ihr richtig vermutet, geht es wieder einmal um die Bedeutung von einem Familiennamen.

Wenn Ihr mir helfen könntet, wäre das toll.

P.S.: ich hoffe, dass ich im Laufe von 2010 wieder mehr (Frei-)Zeit habe, damit ich mich auch wieder aktiv hier am wer-weiss-was beteiligen kann.

Herzlichen Dank Euch allen im Voraus für Eure Antworten

viele Grüße

Alexander

Hallo, Alexander,

eine feste Regel gibt es nicht. Dazu ein Zitat:

„Lässt man die Bezeichnungen aus schriftlichen und mündlichen Quellen für die Bewohner Badens Revue passieren, so findet man eine stattliche Anzahl von Varianten. Neben der heute dominierenden Bezeichnung Badener finden sich: Badner, Bademer, Badische, Badnische, Badenische, Bademische und Badénser. Um die letztgenannte Bezeichnung bricht immer wieder Streit aus, obwohl sie seit Jahrhunderten eingeführt ist und auch in Wörterbüchern der deutschen Gegenwartssprache als gleichberechtigt neben Badener genannt wird.“
http://omnibus.uni-freiburg.de/~post/badener-badense…

Hier findest Du ein paar Möglichkeiten für Ableitungen:
http://www.canoo.net/services/WordformationRules/Der…
(dort gibt es noch weitere Verlinkungen)

Aber ist einer aus der Rhön ein „Rhöner“ oder eher ein „Rhöne“?
Einer aus dem Harz ein „Harzer“ oder ein „Harz(e)“

Harz -> Harzer weiß ich zufällig
Ansonsten musst Du einfach ausprobieren und wirst finden, dass jemand aus der Röhn ein Rhöner ist:
http://www.google.de/search?as_q=Rh%C3%B6n+Rh%C3%B6n…

Eine weitere Suchmöglichkeit ist, dass Du auf die Tourismusseite der betreffenden Region gehst, wenn es sie gibt. Dort wird man bisweilen auch fündig.

Grüße
Pit

Guten Tag!
Ich kan dir nur teilweise weiterhelfen: Der „Hesse“, „Franke“, „Westfale“, „Baier/Bayer“ ist eben zunächst kein Bewohner einer Region, sondern ein Stammesangehöriger, vereinfacht gesacht. Diese Ausdrücke unterliegen der N-Beugung, d.h. sie haben auch in der Einzahl außer im 1. Fall die Endung -n (des Baiern, dem
Hessen usw.) und in der Mehrzahl sowieso durchgehend. Diese Mehrzahl wiederum wird heute sächlich und in der Einzahl, aber ohne Artikel, für ein Land, eine Gegend, ein Gebiet verwendet.
Warum es nun „Polen“ oder „Ungarn“ heißt, aber „Tschechien“ (auch, wenn auch nicht mehr so gern gesehen, „Tschechei“) older „Serbien“ (nicht: „Serben“), das sind eben die vielen Ungereimtheiten der Sprache.
Gruß
Sepp

Hallo Alexander,

ja, wer von der Schwäbischen Alb kommt, ist ein Älbler, oder einfach „Vondralbra“ (Von der Alb herunter).

Der Bewohner des Harz ist ein Harzer. Dürfte so synonym gebraucht werden wie beim Harzer Käse oder beim Harzer Roller (Kanarienvogel).

Bei den Namen ohner -er handelt es sich wohl meist um alte Stammesnamen und das Wohngebiet bekam den Namen des Stammes.
Bayern, Schwaben, Hessen, Sachsen, Franken, Westfalen, Angeln.

Keine Regel ohne Ausnahme, denn der Thüring"er" passt hier nicht ins Bild.
Auch der Friese wohnt nicht in Friesen, sondern in Friesland.

Ich glaube nicht, dass es hier eine allgemeingültige Regelung gibt, sondern dass die Form der Endung auch viel mit dem Dialekt zu tun hat, den die ansässige Bevölkerung verwendet.

Ich habe tatsächlich auch schon vernommen, wie Leute die Begriffe „Irländisch“ oder „Engländisch“ verwendeten, ohne auf die Idee zu kommen, da sei was falsch.

Gruß
Lawrence

eala frya frisia
Moin Lawrence,

Auch der Friese wohnt nicht in Friesen, sondern in Friesland.

Das haben die Friesen der Umbenennung ihres Wohngebiets zu verdanken.
Die Gegend hier oben hieß in der Römerzeit „frisia“, Enwohner waren die „frisii“.
So ergibt Deine Ableitung doch einen Sinn.

Tschüss
Pit

Liebe wer-weiss-was-Gemeinde,

herzlichen Dank an Euch alle. Es ist sehr schön, wieder von Euch allen zu lesen.

Ich hoffe, ich habe bald wieder mehr Zeit, dann will ich wieder aktiver hier mit"mischen".

Zum konkreten Fall: Ich habe durch Euch gelernt, dass es zwar keine klare und einheitliche Regel für ein fehlendes -er am Namensende bei Personen mit Regionennamen gibt, dass es aber eine auffällige Häufung ohne das „-er“ bei Stammesnamen gibt. Diese Erkenntnis ist zwar hilfreich, wenngleich die Ursache meiner Frage sich eben (leider, leider) NICHT auf einen alten Stammesnamen zurückführen lässt, sondern ganz eindeutig auf eine geographische Region (die sich da „Nördlinger RIES“ nennt).

Was ich jetzt durch Euch gelernt habe, ist, dass die größte Wahrscheinlichkeit somit ist, dass er ein „Rieser“ genannt wird. Ich suche aber nach einer Unterstützung für meine These „aus dem Ries“ beim Familiennamen „Riß“. Insbesondere, wenn man sich die Namensverteilung auf verwandt.de ansieht. http://www.verwandt.de/karten/absolut/ri%25C3%259F.html
Gut, jetzt kann man wieder in die Sprachgeschichte eintauchen und fragen: Warum heißt das Ries eben „Ries“? Aber vor allem auch weil ich zur Zeit wenig Zeit habe, möchte ich diesbezüglich keine Diskussion beginnen, weil ohnehin alle Erklärungen letztlich nur spekulativ sind.

Aufgrund der Landschaftsform(en) habe ich eine Erklärung für die (drei) Namensnester Nördlingen, Ravensburg und Schwandorf gefunden und hätte halt gerne auch eine (grammatikalische) Unterstützung mittels einer Regel erfahren. Aber die Regel spricht eher gegen meine Erklärung, denn sonst müsste die Familie ja „Rieser“ und nicht „Riß“ heißen. Ja, ja, dass ß oft ein Zeichen für Stimmhaftigkeit in früherer Zeit war, habe ich auch hier über die wer-weiss-was-Gemeinde vor längerer Zeit gelernt, und das würde ja auch wieder zum gedehnt gesprochenen „Ries“ passen, welches man obendrein früher öfter mit „z“ geschrieben hat. Aber die Endung fehlt halt am Familiennamen…

Nochmals vielen Dank an Euch alle und ein schönes Wochenende wünscht

Alexander