wie schon der Betreff erkennen lässt, hab ich ein Problem mit zwei lateinischen Sätzen (nicht sehr kompliziert, ist auch Latein 8. Klasse, aber bei mir hakt es an diesen Stellen trotzdem):
Thermistocles Graeciam amans urbem reliquit.
Übersetzung:
Thermistocles verließ die Stadt, obwohl er Griechenland liebte.
Problem: Kann ich hier grammatikalisch sicher bestimmen, welcher der beiden Orte „verlassen“ und welcher „geliebt“ wird?
Inhaltlich würde ich stark zu obiger Übersetzung tendieren, und auch die Satzstellung – Graeciam steht vor dem PPA – weist ja in diese Richtung, zumindest wenn man von Schulbuchlatein ausgeht…
Pugnabimus opportuno Graecis loco in angusto mari.
Übersetzung:
Wir werden mit den Griechen an einer günstigen Stelle im engen Meer kämpfen.
Erste Frage hierzu: Stimmt der Zusammenhang im Satz, vor allem natürlich die vielen o-Formen ( opportuno, loco, angusto – sind das wirklich alles Ablative?)?
Zweite Frage: „Graecis“ ist ja meines Wissens Dativ oder Ablativ Plural… Sieht jemand noch eine andere Möglichkeit, wie es an dieser Stelle übersetzt werden könnte? Im Textzusammenhang ist die Übersetzung so nämlich nicht sehr sinnvoll…
Hallo, Anni,
Na Experte will ich mich nicht grade nennen
Thermistocles Graeciam amans urbem reliquit.
Übersetzung:
Thermistocles verließ die Stadt, obwohl er Griechenland
liebte.
Kann genauso gut heißen „… weil er … liebte“
Problem: Kann ich hier grammatikalisch sicher bestimmen,
welcher der beiden Orte „verlassen“ und welcher „geliebt“
wird?
Was steht den beieinander? doch wohl „Graeciam amans“ und „urbem reliquit“.
Pugnabimus opportuno Graecis loco in angusto mari.
Übersetzung:
Wir werden mit den Griechen an einer günstigen Stelle im engen
Meer kämpfen.
Da bin ich mit Deiner Übersetzung nicht so recht einverstanden.
Ich würde das so lesen: „Wir werden an einem für die Griechen günstigen Ort in der Meerenge kämpfen.“
Übersetzung:
Thermistocles verließ die Stadt, obwohl er Griechenland
liebte.
Problem: Kann ich hier grammatikalisch sicher bestimmen,
welcher der beiden Orte „verlassen“ und welcher „geliebt“
wird?
Ob es „obwohl“ oder „weil“ (wie von Eckhard vorgeschlagen) heißt, lässt sich ohne Textzusammenhang nicht sagen. Grammatisch lässt es sich nicht zweifelsfrei sagen, welcher Akkusativ wohin gehört. Das muss man an der Wortstellung festmachen, wie Eckhard schon richtig andeutete. Meistens stehen Objekte vor der Verbform, also ist Graeciam wahrscheinlich Objekt zu amans und urbem zu reliquit. Man muss berücksichtigen, dass Latein vor 2000 Jahren normale Umgangssprache war und von gewöhnlichen Bauern verstanden werden musste. Und welcher Bauer würde den obigen Satz verstehen, wenn Graeciam zu reliquit gehörig gemeint sein sollte? Siehste…
Inhaltlich würde ich stark zu obiger Übersetzung tendieren,
und auch die Satzstellung – Graeciam steht vor dem PPA –
weist ja in diese Richtung, zumindest wenn man von
Schulbuchlatein ausgeht…
was i.d.R. gutes Latein sein sollte. Meiner Erfahrung zufolge schreibt Cäsar gutes Schulbuchlatein
Pugnabimus opportuno Graecis loco in angusto mari.
Übersetzung:
Wir werden mit den Griechen an einer günstigen Stelle im engen
Meer kämpfen.
Erste Frage hierzu: Stimmt der Zusammenhang im Satz, vor allem
natürlich die vielen o-Formen ( opportuno, loco, angusto –
sind das wirklich alles Ablative?)?
Ja, das sind Ablative.
Zweite Frage: „Graecis“ ist ja meines Wissens Dativ oder
Ablativ Plural… Sieht jemand noch eine andere Möglichkeit, wie
es an dieser Stelle übersetzt werden könnte? Im
Textzusammenhang ist die Übersetzung so nämlich nicht sehr
sinnvoll…
Das hat Eckhard schon gesagt. Auch hier ist die Wortstellung entscheidend. „Graecis“ steht zwischen opportuno und loco, also wird es damit vermutlich zusammengehören. opportuno loco heißt ja an einem günstigen Ort. Welcher Bauer würde erwarten, dass in diese Wortgruppe reingestellt die Angabe, mit wem man kämpft, kommt? Siehste…
Merke: Die Wortstellung im Lateinischen ist zwar frei, aber nicht beliebig.
Vielen Dank euch beiden!
Den zweiten Satz auf diese Weise zu übersetzen, darauf wäre ich selbst glaube ich nicht gekommen. Da war ich wohl zu sehr auf meine erste Idee mit dem „mit“ fixiert… Aber umso besser, jetzt ergibt der Inhalt wenigstens einen Sinn.
Dann lässt sich aus der Wortstellung im Satz wohl doch mehr ableiten, als ich immer dachte, gut zu wissen!
Eckard hat vollkommen recht: Graecis ist Dativ nach idoneus, das regelmäßig den Dativ nimmt (geeignet für wen? ). „Mit den Griechen kämpfen“ kann man nur mit cum: pugnabimus cum Graecis.