Beim Chatten werden ja oft verkürzte Verben gebraucht, so wie zum Beispiel *lach*. Ähnliches kenne ich sonst noch aus Comics und gelegentlich hört man das auch im gesprochenen (gern in Verbindung mit „voll … !“) Ich weiß, das ist bestimmt kein gutes Schriftdeutsch. Trotzdem würde mich interessieren, ob es für diese Verbform einen Namen gibt.
infin
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Da es sich um einen verkürzten Infinitiv handelt, wäre ich für Infin.
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So viel ich weiß, gibt es keinen eigenen Ausdruck dafür. Aber ich habe mich nie als Expertin eingetragen…
Livia
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Ist kein infin
)
Neeeeee!
Eigentlich ist das doch kein verkürzter Infinitiv, sondern einfach der Wortstamm des Verbs. Allenfalls würde ich es noch als verkürzte Version der 3.Person Singular sehen: „er lacht“ -> *lach*
Abgesehen davon heißt es natürlich Grammatikalische Neuschöpfung und nicht grammatische N. Au weh, Fehler in der Überschrift sind peinlich!
Also, Andreas,
du hast Recht, dass es kein „Infin“ ist, sondern in der Tat der Wortstamm, den man findet, wenn man vom Infinitiv die Endung „-en“ wegstreicht.
*lach*(en), *grins*(en), *schmoll*(en), *prust*(en)
Abgesehen davon heißt es natürlich „Grammatikalische Neuschöpfung“ und nicht „grammatische N“. Au weh, Fehler in der Überschrift sind peinlich!
Auch die Überschrift: Grammatische Neuschöpfung" ist korrekt.
Zu dieser Unterscheidung habe ich, vor Jahr und Tag, einen kleinen Text verfasst:
_Also, liebe Leute,
heutzutage wird in der Tat von fast niemandem, auch nicht vom Duden, dem Schlamperbuch, ein Unterschied mehr gemacht zwischen „grammatisch“ und „grammatikalisch“.
Siehe dazu:
gram|ma|tisch (Sprachw.): 1. die Grammatik betreffend, zur Grammatik gehörend: die -e Struktur einer Sprache; ein -er Fehler; -es Geschlecht (Genus); -er Wechsel (Wechsel von stimmhaften u. stimmlosen Reibelauten im Germanischen, je nach der Stelle des Akzents in der indogermanischen Grundsprache); g. einwandfrei, richtig schreiben. 2. der Grammatik gemäß, den Regeln der Grammatik entsprechend, danach korrekt gebildet: die Äußerung ist nicht g.
gram|ma|ti|ka|lisch [lat. grammaticalis] (Sprachw.):
grammatisch (1): -e Fehler; g. korrekt schreiben, sprechen.
© Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001
Noch deutlicher findet sich das in einem Fremdwörterbuch:
grammatikalisch = die Grammatik betreffend, zur Grammatik gehörend;
grammatisch = grammatikalisch.
Aus der Lexikon-CD-Rom: InfoThek 99
gram|ma|ti|ka|lisch : a) die Grammatik betreffend; vgl. grammatisch (a); b) sprachkundlich.
gram|ma|tisch : a) die Grammatik betreffend; vgl. grammatikalisch; b) der Grammatik gemäß; sprachrichtig; nicht ungrammatisch.
© Fremdwörter-Duden
So der Befund in den Wörterbüchern. Ich glaube nicht, hier noch einmal die Klage über den schludrigen Umgang mit der Sprache in unseren Tagen erheben zu müssen.
Dennoch hatte ich schon immer den Eindruck, dass man sehr wohl einen Unterschied in der Bedeutung und Verwendung machen könnte und auch sollte.
Ich selber spreche von einem „grammatischen Fehler“ und von „grammatischen Regeln“, aber von einer „grammatikalischen Analyse eines Textes oder eines grammatischen Fehlers“.
An zwei parallelen Wortpaaren will ich versuchen, den Unterschied zu verdeutlichen:
physisch – physikalisch
und
musisch und musikalisch.
Ich erspare mir die griechischen Buchstaben und beginne.
Im Griechischen gibt es die physis = Natur, natürliche Beschaffenheit, Körperlichkeit; ein physischer Schmerz ist auch heute noch ein körperlicher Schmerz. Zum Nomen physis gibt es das Adjektiv physike = die Physis, Natur, Körperlichkeit betreffend. Die substantivierte Physik = die Wissenschaft von der Natur etc.
Von dem Wort für die Wissenschaft bildete man dann später das Adjektiv „physikalisch“ mit der Bedeutung = die Wissenschaft von der Natur betreffend. Es gibt also physikalische Gesetzesmäßigkeiten, aber ein physikalischer Schmerz ist Nonsens.
Ebenso:
Es gibt die Muse (Mousa, ich versuche hier den griechischen Buchstabenstand zu zeigen), das ist einmal der Singular der Göttinnen der Kunst, dann aber auch: Gesang, Musik, Poesie, ja Kunst und Wissenschaft überhaupt: davon das Adjektiv musisch (mousaios in griechischen Lettern), das für jemanden gebraucht wird, der sich künstlerisch betätigt, mit Kunst zu tun hat. Auch hierzu gibt es die Weiterbildung musike = die Künste betreffend. Als Hauptwort ist Musik zunächst die Lehre oder Wissenschaft von der Kunst, wird aber später auf die akustische Kunst verengt. So hat also das Adjektiv „musikalisch“ zuerst die Bedeutung = die Lehre von der Kunst betreffend“; später bezeichnet es jemanden, der gut in Sachen Musik ist.
Am zweiten Beispiel kann man nun auch schon sehen, dass auch hier durch die sprachgeschichtliche Entwicklung eine saubere Begriffsscheidung fast nicht mehr möglich ist.
Bei „grammatisch“ und „grammatikalisch“ hat die Entwicklung eine klare Scheidung inzwischen wohl unmöglich gemacht. Nichtsdestotrotz wäre sie bei einer Rückbesinnung auf die Herkunft möglich, aber es dürfte sehr schwer sein, in einer schludrigen Zeit wie der unseren dies wieder zu etablieren.
Ich versuche es dennoch:
„Grammatisch“ sind die Sprachregeln, der richtige Gebrauch der Regeln in einem Text, wenn der Dativ dort auftaucht, wo er es muss, sind auch die Fehler, wenn gegen die Regeln verstoßen wird.
„Grammatikalisch“ meint die mit Hilfe der Wissenschaft der Grammatik vollzogenen Analysen, die Erwägungen und Erklärungen des Warum und Woher von grammatischen Regeln.
Im Bewusstsein, einmal mehr ein einsamer Rufer in der Wüste zu sein._
Gruß Fritz