[ot] Über die ‚‚Erziehung von Druckkunden‘‘
Bei uns im Verlag gehen solche Dokumente mit
eingebundenen Grafiken postwendend mit dem Vermerk „Nicht
druckfähig“ zurück.
Hallo,
diesen Satz möchte ich noch kommentieren. Ein Vorstufenunternehmen (oder Druckerei), das nicht nur mit Agentur-, sondern auch mit Industriekunden zusammenarbeitet, bekommt täglich Office-Dokumente mit importierten Bild- und Graphikdateien.
Je nach persönlicher Beziehung zwischen Druckerei und Kunden ist es natürlich in einigen Fällen möglich, den Kunden zu „erziehen“. Abgesehen von guten persönlichen Beziehungen zwischen Auftraggeber und -nehmer setzt dies voraus, dass sich der Kunde für seine eigene Arbeit, die technischen Gegebenheiten in Vorstufe und Druck, die Optimierung von Produktionsprozessen und damit die beste Qualität des fertigen Produkts interessiert! - Diese Hoffnung darf man in vielen Fällen jedoch getrost begraben. Die vielverbreitete Kundensicht ist, dass diese Leistungen allein vom Dienstleister zu erbringen sind. Dass sich die Qualität der gelieferten Vorlagen auf das gedruckte Ergebnis auswirken könnte, wird gerne ignoriert. Die „Repro“ wird’s schon richten.
Worauf ich hinaus will: Würden wir alle Industriekunden mit „Sekretärinnensoftware“ mit dem lapidaren Hinweis „Nicht druckfähig“ wieder nach Hause schicken, könnte ein Drittel der hier beschäftigten Mitarbeiter gleich mitgehen. Der beabsichtigte Lerneffekt beim Kunden träte wohl in den wenigstens Fällen ein, weil dieser sein Geraffel ganz einfach zur Konkurrenz trägt! Die Auswahl ist groß genug, irgendeiner macht es immer!
Anstatt dem Kunden den Office-Kram sofort um die Ohren zu hauen, nutzen wir eine Alternative: Word-, Excel- und Powerpoint-Dokumente werden in ein PDF-Workflow-System geladen, dort zu PDF/X-3 konvertiert, das Ergebnis im Acrobat kontrolliert und dann geprooft. Nach diesem Proof können wir entscheiden, ob sich an den Bildern - abhängig vom Motiv - noch was retten lässt und vor allem kann der Kunde dann sehr schön entscheiden, ob er das Ergebnis übehaupt noch in gedruckter Form sehen möchte!
Diese Vorgehensweise, die bis auf das Kopieren der gelieferten Daten automatisiert ist und keinen hohen Zeitaufwand erfordert, scheint mir deutlich schlauer zu sein, als vielen Kunden die Tür vor der Nase zuzuschlagen. Wir freuen uns jedenfalls über jeden, der das bei der Konkurrenz erlebt hat.
Ein letztes: Was „druckfähig“, besser „druckreif“ ist, entscheidet schon lange nicht mehr die Druckerei, sondern der Auftraggeber nach seinen individuellen Qualitätsanforderungen. Das mag aus fachmännischer Sicht bedauernswert sein und tut oft weh. Wenn der Kunde jedoch über die reprotechnische Qualität seiner Vorlagen und über mögliche Alternativen informiert wurde, und wenn er den Proof abgesegnet hat - dann gibt es nur noch idealistische Gründe, ihm seinen Wunsch nach einer gedruckten Auflage zu verweigern.
Gruß,
Andreas