Grauer star

Liebe/-r Experte/-in,

ich habe eine Frage: Meine Mutter hat seit einiger Zeit den grauen Star. Dazu muss man sagen, dass sie von Kindheit an ohnehin nur noch auf einem Auge sehen kann.
Die jetzige Beeinträchtigung auf dem anderen Auge bemerkt sie nicht so, der Augenarzt riet aber zu einer Operation.
Meine Mutter möchte dieses gerne noch herausschieben, weil sie - zumal sie nur noch ein sehendes Auge hat - Angst vor möglichen Komplikationen hat.
Kann eine aufschiebende Operation irgendwelche Nachteile (bis auf natürlich die schlechtere Sehkraft), insbesondere irgendwelche irreparablen Schäden mit sich tragen?
Viele Grüße,
Alexis

Hallo,

ich bin selbst „betroffene“ und keine Ärztin, deswegen kann ich keinen qualifizierten medizinischen Rat geben.
Aber ich würde sagen: wenn keine andere Augenkrankheit außer dem Grauen Star vorliegt, ist die einzige Konsequenz einer aufgeschobenen OP, dass der Star noch schlechter wird.
Ein Grauer Star kann auch nicht ohne OP besser werden, ein Eingriff ist die einzige Heilungsmöglichkeit.

Da ich die OP selbst erlebt habe, würde ich jedem zuraten sie durchzuführen. Das wiedergewonnene Sehvermögen erhöht die Lebensqualität ungemein. Auch wenn die OP sicher in vielerlei Hinsicht belastend (und beängstigend) ist, ist das Ergebnis in den allermeisten Fällen doch sehr zufriedenstellend - und ich weiß, wie frustrierend Grauer Star sein kann, wenn er sich nach und nach verschlimmert.

Melde Dich Ruhig, wenn Du noch weitere Fragen hast.
Viele Grüße
Lina

Also:
Das Aufschieben an sich ist meines Wissens nicht gefährlich.
Um das Risiko einer Folgeerkrankung (z. B. AMD) nach der Staroperation zu mindern, sind 2 Regeln zu beachten:
* Einige Tage vor bis einige Wochen nach der OP hohe Dosen Vitamin C einnehmen (Grund: Das Auge braucht eine relativ hohe Vit.-C-Konzentration und hat die Fähigkeit, sich diese aus der „normalen“ Vit.-C-Konz. im Blut herzustellen. Diese Fähigkeit leidet bei der Star-OP und baut sich erst im Laufe einiger Wochen wieder auf.)
* Direkt nach der OP das operierte Auge dauerhaft vor zu intensivem Licht schützen, insbesondere vor dem Blauanteil des Lichtes. D. h. bei Sonnenschein Sonnenbrille mit „suvasol“- oder „solsecur“-Filter, ansonsten gelbe oder orange Kantenfilter (je nach Helligkeit). Am Besten lässt man keine klare sondern eine geeignet (gelb) getönte Linse einsetzten. (Grund: Die natürliche Linse eines gesunden 50jährigen lässt weniger Licht, besonders weniger Blauanteil durch als die in Deutschland heute noch üblichen klaren Kunstlinsen. Das Auge kann auf diesen nicht gewohnten Lichtstress (Blaustress) mit dem Ausbruch einer latenten AMD reagieren).
Weitere Hinweise auf:
http://www-organik.chemie.uni-wuerzburg.de/huenig
Gruß -
M. Hünig

Meine Mutter hat seit einiger Zeit den
grauen Star.
Kann eine aufschiebende Operation irgendwelche Nachteile (bis
auf natürlich die schlechtere Sehkraft), insbesondere
irgendwelche irreparablen Schäden mit sich tragen?
Viele Grüße,
Alexis

Liebe Alexis,
es ist verständlich, dass Ihre Mutter mit einem sehschwachen Auge Angst vor der Op hat, es ist ja praktische eine Operation am funktionell einzigen Auge.
Der Op-Zeitpunkt ist dann richtig gewählt, wenn die nachlassende Sehschärfe den Patienten deutlich beeinträchtigt und der sich täglich darüber ärgern muss. Wenn Ihre Mutter aus Angst vor Komplikationen mit der Op wartet, wird die Situation ja nicht besser und sie schiebt das Problem nur vor sich her. Außerdem wird die Staroperation mit zunehmendem Grauen Star ganz allmählich schwieriger, weil eine durch getrübte Linse schwieriger zu entfernen ist als eine weniger trübe. Es spricht also einiges dafür, die Op nicht allzu lange hinaus zu schieben. Wenn die Beratung durch Ihren Augenarzt sie nicht überzeugt, wäre eine 2. Meinung durch einen weiteren Augenarzt zu überlegen. Ihre Mutter sollte sich da operieren lassen, wo Sie sich gut aufgehoben und gut betreut fühlt, dann wird sie auch weniger Angst haben. Im Übrigen ist die Staroperation heute ein risikoarmer Routineeingriff. Dazu wünsche ich Ihrer Mutter alles Gute und ein richtig gutes Ergebnis.
Ihr Dr. E.