Greift hier die Theorie des Modelllernens?

Hallo, für meinen Unterricht habe ich ein Fallbeispiel konstruiert, an dem das Operante Konditionieren und das Lernen am Modell verdeutlicht werden soll:

Ein Sportlehrer (Trainer, Vater o.ä.) will Grundschulkindern die „Rolle vorwärts“ (den Purzelbaum) „beibringen“; hierzu macht er ihn einige Male selbst vor, erklärt die Bewegungen sprachlich und deutet einzelne Bewegungsabläufe mit seinem Körper zur Verdeutlichung an. Danach gibt er jedem Kind einzeln Hilfestellung, weist auf richtige und falsche Bewegungen hin und zeigt ggf. auch wieder selbst einzelne Elemente oder die ganze Übung.

Meine Frage: Kann man in diesem Fall, bei dieser Art des Lernens fachlich korrekt von „Lernen am Modell“ sprechen? Sicher schauen sich die Kinder die Bewegungen ihres Modells an, speichern die Informationen, wiederholen sie kognitiv und aktional (erproben die „Rolle vorwärts“ praktisch) und gewinnen durch eigenen Erfolg, durch Lob/Verstärker usw. Motivation zum Weitermachen/Wiederholen.

Oder greifen hier andere Lernformen/theorien?
Schönen Gruß
BB

Hallo Bob,

dieses Beispiel kannst Du meiner Meinung nach verwenden. Und zwar aus zwei Gründen: Einerseits kannst Du an diesem Beispiel das Prinzip des Modellernens verständlich machen, andererseits kannst Du gleichzeitig auf die Grenzen dieses Ansatzes hinweisen. Denn: Bei der Erklärung des Erlernens von Purzelbäumen und anderen motorischen Abläufen stößt man an die Grenze dessen, was man mit Modellernen erklären kann. Kognitiv kann man erfassen, was man machen muß, wenn man einen Purzelbaum machen oder ein Rad schlagen will. Aber eine genaue gedankliche Vorstellung eines Purzelbaumes zu haben, heißt nicht, einen Purzelbaum machen zu können! Dazu muß man die motorischen Fertigkeiten haben bzw. lernen. Und wie das geht, sagt die Theorie des Modellernens nicht. Das liegt nicht nur meiner Meinung nach daran, daß motorische Abläufe anders gespeichert sind (nämlich im impliziten Gedächtnis) als die gedanklich-sprachliche Beschreibung solcher Abläufe, die im expliziten Gedächtnis gespeichert wird - sofern man solche Beschreibungen zur Verfügung hat. Häufig kann man nämlich gar nicht richtig beschreiben, wie man komplexere motorische Abläufe durchführt.

Gruß,

Oliver Walter

PS: Natürlich könnte man bei dem Beispiel auch sagen: Das klappt nur, weil die Kinder Erfolg haben, wenn sie selbst Purzelbäume schlagen. Das würde Dir jedenfalls B. F. Skinner geantwortet haben.