Die Griechische Landnahme ist als Besiedelung Kleinasiens gedacht.
Damals gehörte Ilyrien zum Persischen Großreich. Wurden nun die
Griechen eigentlich Perser oder blieben sie Griechen? Und war das Land
damals unbewohnt oder wurde die Urbevölkerung verdrängt?
Mit Gruß, Alexander
Die Griechische Landnahme ist als Besiedelung Kleinasiens
gedacht.
Damals gehörte Ilyrien zum Persischen Großreich. Wurden nun
die
Griechen eigentlich Perser oder blieben sie Griechen? Und war
das Land
damals unbewohnt oder wurde die Urbevölkerung verdrängt?
Hallo Alexander,
also da ist ja so einiges durcheinandergeraten … Also, Illyrien ist, mal so grob gesagt, die Ostküste des adriatischen Meeres. Das hat nie zum persischen Reich gehört. Vermutlich meinst Du damit verschiedene Landschaften Kleinasien, und zwar (von Norden nach Süden) Phrygien, Lydien. Karien und Lykien.
Die sog. griechische Landnahme ist im wesentlichen in das ‚Dunkle Zeitalter‘ zu verlegen, dessen Ereignisse (wie die Bezeichnung schon andeutet) fast nur durch Mythen und relativ spärlich durch archäologische Funde belegt sind. Eingeleitet wurde dieser Zeitraum von ca. 300 Jahren durch eine Welle von Zerstörungen im gesamten Mittelmeerraum, die zwischen 1250 und 1150 v.d.Z. stattfanden und offenbar im Zusammenhang mit einer Art Völkerwanderung standen. Hierzu gehört der Zusammenbruch der kretischen und der mykenischen Kultur, der Untergang des Hethiterreiches um 1200, der Angriff der ‚Seevölker‘ auf Ägypten, die Landnahme der Philkister in Palästina usw. Im 8. vorchristlichen Jahrhundert setzt im ägäischen Raum wieder eine einigermassen nennenswerte materielle Kultur ein, so dass sich aus der Quellenlage ein erkennbares Bild darbietet. Da war die sog. griechische Landnahme abgeschlossen.
Das war also um 900 v.d.Z. … Die Perser tauchen erstmals in einem assyrischen Bericht aus der Zeit Salmanassars III. in der Geschichte auf - 835 v.d.Z. Da ist von Medien (Mada) und Persien (Parsua) in der Gegend des Urmia-Sees die Rede. Das ist in der Gegend des heutigen Täbriz, ziemlich weit weg von Kleinasien. Das persische Großreich entstand erst 550 v.d.Z. mit der Eroberung Mediens durch Kyros II., dem Sieg über die Lyder unter König Kroisos (546) und der Eroberung Babyloniens (539). Auf den Fall Lydiens folgte auch die Unterwerfung der griechischen Poleis in Westkleinasien. Ionien (außer Milet) war bereits vorher durch Kroisos unterworfen worden, wobei jedoch die Autonomie der griechischen Städte erhalten blieb - die Städte waren jedoch zur Heeresfolge verpflichtet. Kriegerische Auseinandersetzungen hatte es mit Lydien schon unter den lydischen Königen Gyges (680-652, Eroberung Kolophons) und Alyattes (605-560, um 575 Zerstörung Smyrnas) gegeben.
Das lydische Reich hatte erst unter Gyges einige Bedeutung erlangt, der zwar große Teile Westanatoliens unterwerfen konnte, an den griechischen Städten jedoch scheiterte. Er fiel im Abwehrkampf gegen die Kimmerier, die auch das um 800 v.d.Z. entstandene phrygische Reich zerstörten, das mit den Griechen im wesentlichen friedliche Beziehungen pflegte. Anders als das phrygische Reich konnte das lydische durch Gyges’ Sohn Ardys wiederhergetsellt werden, der auch den Kampf gegen die Griechen wieder aufnahm (Fall Prienes). Alyattes schuf dann das lydische Großreich, das sein Sohn Kroisos in einem Präventivkrieg, den er im Bündnis mit Babylonien, Ägypten und Sparta (und mit den von ihm unterworfenen kleinasiatischen Griechen) gegen Persien führte, verlor.
Die Perser übernahmen im Umgang mit den kleinasiatischen Griechen im allgemeinen die Politik des Kroisos. Sie beließen den Poleis ihre innere Autonomie und verlangten Heeresfolge. Allerdings hatte in den innenpolitischen Auseinandersetzungen der einzelnen Poleis (eine typisch griechische Leidenschaft) nun im Zweifelsfall der persische Satrap in Sardes das letzte Wort. Und gegeneinader durften die Städte auch keine Kriege mehr führen, was die Griechen fast noch mehr erboste …
Freundliche Grüße,
Ralf