Liebe Experten,
Ich gebe zu, dass ich mir manchmal im ARD und im ZDF diese schlechten Filme anschaue (Pilcher, Eine Liebe in Schweden, Der Alpenhof und wie sie auch heissen). Es geht meist um eine Kombination aus Liebesgeschichte, Heimatverbundenheit (ob nun Bayern oder Cornwall) und die Bewaeltigung geschaeftlicher Schwierigkeiten (Rettung des Familienunternehmens o.ae.). Ihr wisst also, was ich meine. Nun zum eigentlichen Thema: mir ist aufgefallen, dass in diesen Filmen staendig und bei jeder Gelegenheit zum Glas gegriffen wird. Es passiert was Schlimmes: schnell einen Schnaps zur Beruhigung! Es muss was gefeiert werden: flugs den Cognac eingeschenkt! Ruhige Stunden: geniesst man am besten mit einem Glas Rotwein!
Ich halte das fuer bedenklich. Rauchen ist zwar out, aber was das Saufen angeht sitzt man bei den oeffentlich-rechtlichen Sendern in der ersten Reihe. Wie sieht es da mit dem Jugendschutz aus? Haben die Oeffentlich-rechtlichen nicht eine besondere Verantwortung? Ist es ihnen erlaubt, zu familienfreundlichen Zeiten Sendungen auszustrahlen, in denen praktisch jede Lebenslage mit Alkoholkonsum verbunden wird?
Tja, so isset halt…
Salute Christoph35,
mir ist
aufgefallen, dass in diesen Filmen staendig und bei jeder
Gelegenheit zum Glas gegriffen wird. Es passiert was
Schlimmes: schnell einen Schnaps zur Beruhigung! Es muss was
gefeiert werden: flugs den Cognac eingeschenkt! Ruhige
Stunden: geniesst man am besten mit einem Glas Rotwein!
Ich halte das fuer bedenklich. Rauchen ist zwar out, aber was
das Saufen angeht sitzt man bei den oeffentlich-rechtlichen
Sendern in der ersten Reihe. Wie sieht es da mit dem
Jugendschutz aus? Haben die Oeffentlich-rechtlichen nicht eine
besondere Verantwortung? Ist es ihnen erlaubt, zu
familienfreundlichen Zeiten Sendungen auszustrahlen, in denen
praktisch jede Lebenslage mit Alkoholkonsum verbunden wird?
Hmm, ich halte nicht viel davon, der vermeintlichen Vorbildfunktion des Fernsehens durch solcherlei Maßnahmen eine Bedeutung zu verleihen, die konsequenterweise eine kontinuierliche Prüfung aller TV-Inhalte nach sich ziehen müßte. Anders gesagt: Es entstünde dem beeinflußbaren Teil der Minderjährigen ein irritierender Eindruck, wenn in einigen Sendungen dieses ausgefeilte Leitbild erstrebenswerter Lebensweise präsentiert wird, während in den unvermeidbaren Sendungen älterer, fremder oder schlicht emanzipierter Provenienz dieser pädagogische Faktor fehlt. Ich kann mir schon denken, welche Sendung dann echter, unverkrampfter, realtitätsnäher und letztlich cooler wirkt.
Wenn ich daran denke, daß Lucky Luke seine o-förmige Unterlippe mittlerweile einem Grashalm anstelle der früheren Zigarette verdankt, fallen mir auch gleich die Höschenmaler ein (z. B. Daniele da Volterra), denen ihre prüde Kultur wichtiger war, als die unversehrtheit famoser Kunstwerke. Als jüngeres Beispiel fällt mir dann auch das Cover von Nirvanas Album Nevermind ein, auf dem der nur beiläufig sichtbare Penis eines Säuglings dem Plattenverlag zu der fixen Idee verhalf, man müsse das Volk vor solchem Anblick schützen, um der Pädophilie nicht Vorschub zu leisten. Und das in einem Land, in dem politische Reden den Begriff „Freiheit“ aufs äußerste strapazieren. Tja, warum wohl!?
Ich denke, man sollte eher ein soziales Umfeld (und das TV zähle ich jetzt mal nicht dazu) schaffen und vorleben, in dem thematisiert, nicht partiell ausgegrenzt wird, in dem argumentiert, nicht stigmatisiert wird und in dem solche Überlegungen, wie Du sie hier anregst, debattiert und nicht als Instant-Schlußfolgerung hintenrum vorbereitet und serviert werden. Kurz: Sapere aude!
Grüßken
-R o b.
Mal ganz ehrlich: Welcher Jugendliche guckt sich diese Filme an? Ich sage das ohne abschätzig klingen zu wollen, aber es ist doch so. Ich kenne keinen Jugendlichen, der sich solche Filme anguckt.
Vielen Dank! Sehr überzeugend!