Grimmsche Gesetz - Lautverschiebung

Kann mir einer vielleicht sagen, wie diese „Lautverschiebung(en)“ Allgemeingut im Volk werden konnte
und wie viele Wörter durch sie betroffen waren, - wenige/viele - wenn das überhaupt relevant ist?

Aus „foot“ wird Fuß…
Water -> Wasser, Dag -> Tag und geven -> geben.

Und warum ist im Folgenden die Lautverschiebung drin, obwohl sie von Luther aus dem Jahre 1545 ist (oder hat jmd. falsch kopiert)?

Joh. 4,13-14
Jhesus antwortet / vnd sprach zu jr / Wer dis wasser trincket / Den wird wider dürsten.
oder
Psalm 119, 105
DEin Wort ist meines fusses Leuchte

Es interessiert mich wirklich brennend, weil ich mir das einfach nicht vorstellen kann, dass das Volk so etwas einfach übernimmt.
Vielleicht gibt es ja eine ganz simpele Erklärung dafür, z.B. eine Reform, die den Schülern das vermittelte.
Nur dann ergibt sich das Problem;
„Neudeutsch“ in der Schule und „Altdeutsch“ zu Hause?

Vielleicht kann jmd. das ganz kurz erklären und erläutern?

Ich danke für und freue mich auf die Antworten!

Hallo,

Kann mir einer vielleicht sagen, wie diese
„Lautverschiebung(en)“ Allgemeingut im Volk werden konnte
und wie viele Wörter durch sie betroffen waren, - wenige/viele

  • wenn das überhaupt relevant ist?

kann es sein, dass Du den Begriff „Grimmsches Gesetz“ falsch interpretierst?

Es handelt sich dabei nicht um ein von Grimm aufgestelltes Regelwerk, nach dem irgendwelche Laute zu verschieben seien, sondern um eine systematische Beschreibung der 1. (germanischen) Lautverschiebung - die zwischen 1.200 und 1.000 v. Chr. einsetzte und zwischen 500 und 300 v. Chr. abgeschlossen war.

http://www.weikopf.de/index.php?article_id=85
http://projekte.linse.uni-due.de/kuntermund_loewenma…

Und warum ist im Folgenden die Lautverschiebung drin, obwohl
sie von Luther aus dem Jahre 1545 ist (oder
hat jmd. falsch kopiert)?

Weil die Lautverschiebung da längst abgeschlossen war, s. o.

Es interessiert mich wirklich brennend, weil ich mir das
einfach nicht vorstellen kann, dass das Volk so etwas einfach
übernimmt.

Es lief umgekehrt: Grimm untersuchte und beschrieb, wie sich die Sprache des „Volks“ verändert hatte.

Gruß
Kreszenz

Danke, für die schnelle Antwort! Mir kam das schon gleich komisch vor.

Aber wer ist dann für die „Lautverschiebung“ verantwortlich? Die Zeit und die „stille Post“ der Sprache bis heute?

okay, ich habe mir die Links mal soweit durchgelesen;

„Über die Ursachen für diesen Lautwechsel ist nichts bekannt. Man weiß nur, daß die erste Lautverschiebung vor dem Kontakt mit den Römern abgeschlossen sein mußte, denn lateinische Lehnwörter haben diese Entwicklung nicht mitgemacht.“

aber vllt gibt es ja Vermutungen?

Hallo Konrad!

Aus „foot“ wird Fuß…
Water -> Wasser, Dag -> Tag und geven -> geben.

Was Kreszentia geschrieben hat, ist soweit richtig, allerdings würde ich deine Beispiele zur Zweiten Lautverschiebung zählen - die gab’s nämlich auch noch.

http://de.wikipedia.org/wiki/Zweite_Lautverschiebung

Und warum ist im Folgenden die Lautverschiebung drin, obwohl
sie von Luther aus dem Jahre 1545 ist (oder
hat jmd. falsch kopiert)?

Auch die Zweite Lautverschiebung war vor Luther abgeschlossen.

Steht übrigens alles auch in den beiden Wikipediartikeln drin, wenn Du aufmerksam liest.

lg,
Max

Moin,
Lautwandel passiert eben so. Wenn Menschen sprechen, klingt’s mal so, mal so, manche Varianten bleiben einmalige ‚Sprech"fehler"‘, andere breiten sich aus… Wenn es Sprachwandel nicht gäbe, würden wir alle (zumindest die Sprecher einer Sprachfamilie wie z.B. der indogermanischen) noch eine einzige Sprache sprechen…
Soviel zumindest mal ganz banal ausgedrückt.
Hör Dich mal auf der Straße oder in Bus und Bahn um, wer da alle Wörter so ausspricht, wie sie ‚hochdeutsch‘ lauten würden. Die wenigsten Deutschen sagen z.B. ‚fünf‘ mit tatsächlichem ‚n‘ und ‚f‘. Meist klingt da eher nach ‚fümf‘ oder ‚fümpf‘.
Warum sich Laute ändern, hat häufig was damit zu tun, wo sie im Mund bzw. Rachen gebildet werden. Aufeinanderfolgende Laute lassen sich einfacher sprechen, wenn sie an derselben Stelle gebildet werden (das nennt sich dann ‚homorgan‘), so z.B. in obigem Bsp. ‚m‘ und ‚f‘ statt ‚n‘ und ‚f‘, die nicht homorgan gebildet werden…

Bitte jetzt keine Kritik wegen recht vereinfachter Erklärung. Ich wollte’s wirklich ganz banal in Worte fassen und hier keinen seitenlangen linguistischen Vortrag halten :wink: - Kann ich auf Wunsch aber als e-mail machen :wink:

Lg

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Hallo Konrad,

falls dich Lautentwicklung generell interessiert, dann schau dir mal die Entwicklung lateinischer Laute/Lautgruppen in den romanischen Sprachen an, und zwar aus folgendem Grund:
„Die romanischen Sprachen sind zudem über 2.500 Jahre hinweg praktisch durchgehend durch umfangreiche schriftliche Zeugnisse belegt, also ungleich besser als jede andere Sprache auf der Welt. Sie eignen sich daher hervorragend, um die Gesetzmäßigkeiten zu erforschen, nach denen die Entwicklung von Sprachen erfolgt.“
http://www.weikopf.de/index.php?article_id=26

Da gibt es wunderschöne Gesetzmäßigkeiten, nur zwei Beispiele:
Latein: Vokal+ct+Vokal; octo (8)
frz: huit; spa: ocho; ita: otto; por: oito
Latein: Vokal+li+Vokal; filia (Tochter)
frz: fille; spa: hija; ita: figlia; por: filha

Diese Erscheinungen, und noch ein paar andere mehr, gibt es bei einer großen Zahl von Wörtern. In vielen Fällen kann man mit ziemlicher Treffsicherheit ableiten, wie ein lateinisches Wort in einer romanischen Sprache aussieht. Umgekehrt geht das natürlich auch - das kann richtig spannend sein!

Und ganz nebenbei: im Spanischen ist das lateinische „f“ zu einem „h“ geworden; man führt das darauf zurück, dass die „Urbevölkerung“ kein „f“ kannte und sich mit einem deutlich gesprochenen „h“ behalf. Heute wird das „h“ noch geschrieben, aber nicht mehr ausgesprochen.

Falls Du mehr wissen willst: in dem Link oben geht es weiter.

Grüße
Pit