Ahoi.
Meine Frage ist, wo sich jedes Jahr verläßlich diese „Grippewelle“ immer entwickelt und weshalb??
Das kann überall passieren.
Grippeviren haben eine hohe Mutationsrate, und sobald sich irgendwo ein Mutant entwickelt, gegen den der menschliche Körper aus den „Erfahrungen“ der letzten Jahre kein funktionierenden Antikörper hat, bricht sie aus.
Wenn sie dann noch hochinfektiös ist (wie schnell kann man sich anstecken), dann wird aus der Welle eine Epidemie. Und je nach Schwere/Folgen der Erkrankung kann es auch eine Seuche werden.
Liegt es nur am Winter mit den kalten Minusgraden?
Nein, der macht den Viren die Sache nur einfacher, weil sich dann mehr Menschen in engen (beheizten) Räumen aufhalten, was die Ansteckungsgefahr erhöht. Beispielsweise weil viele Radfahrer doch lieber den Bus benutzen.
Ich kann mich nicht erinnern (oder nicht mehr), daß man vor 25 oder 30 Jahren jedes Jahr vor einer Grippewelle gewarnd wurde.
Das dürfte auch daran liegen, das sich durch Heilmethoden bei anderen Krankheiten der Fokus verschiebt.
Ein blödes Beispiel, aber mir fällt grade nichts besseres ein:
Denk dir eine Kleinstadt mit drei großen Kreuzungen. An der ersten gibt es 10 Unfälle im Jahr, an der zweiten 50 und an der dritten 200 Unfälle pro Jahr. Natürlich finden alle, das die dritte Kreuzung unheimlich gefährlich ist, und das man dringend was tun müsste. Also baut man eine Ampel und ist eine kurze Zeit über den Erfolg glücklich.
Aber früher oder später fangen die Leute an zu maulen, das an der zweiten Kreuzung unheimlich viel Unfälle passieren und dort Handlungsbedarf besteht - obwohl die Unfallzahlen genauso hoch liegen, wie früher - nur das man früher von der schlimmeren Kreuzung abgelenkt wurde.
In meinem Bereich (Lebensmittel) sehe ich eine ähnliche Entwicklung. Durch verschärfte Hygiene, Auflagen und strengere Gesetze spielen Lebensmittelvergiftungen durch Salmonellen mittlerweile kaum noch eine Rolle. Und daher sind jetzt die Listerien in den Mittelpunkt gerückt, obwohl die heute keinen Deut gefährlicher sind als früher. Und sobald wir die im Griff haben (geschätzt: noch zwei bis drei Jahre) wette ich meine linke Socke gegen eine Flasche Champagner, das der Camphylobacter, den jetzt noch kaum jemand kennt, in den Mittelpunkt rückt.
Natürlich gab es schon immer Grippe, aber in dieser bedrohlichen Größe glaube ich nicht. Wird überreagiert?
Ich denke nicht.
Grundsätzlich hat jede Grippe-Welle das Zeug zu einer Seuche, die Millionen Menschen töten könnte. siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Spanische_Grippe
Heute würde so eine Epedemie durch die schnellere Verbreitung durch modernen Massenverkehrsmittel um ein vielfaches schlimmere Folgen haben.
Wenn du mal in der Videothek bist, leih dir mal den Film „Contagious“ aus, der ist erschreckend dicht an der Realität dran.
Die Frage ist nicht, ob das passieren kann - die Frage ist, wann es passieren wird.
Dazu kommt eine kaum beachtete „Nebenwirkung“.
Ich hab vor einigen Jahren irgendwo mal einen Artikel gelesen, in dem Forscher der Meinung waren, das bei einer Seuche mit einer Mortalitätsrate von „nur“ 15% die Gefahr des Zusammenbruchs unserer technisch orientierten Zivilisation bestünde. Nur durch die Tatsache, das an einzelnen Schlüsselpositionen Fachleute mit kaum ersetzbaren Spezialwissen wegsterben würden.
Stell dir nur mal vor, das Internet wurde komplett ausfallen. Was das für Folgen für Logistik, also Versorgung mit Lebensmitteln, Strom, Gas und Medikamenten hätte. Und das wird in Zukunft immer enger werden, die sind ja gerade dabei die „Ersatzleitungen“, also das Telefon abzuschaffen, weil immer mehr auf IP-Telefonie, also letztlich auch Internet, umgestellt wird.
Einen vollständigen Zusammenbruch bezweifle ich zwar, aber an den Nachwehen so einer extremen Seuche könnten durchaus mehr Menschen sterben als an der Seuche selber. Und es könnte uns um Jahre, wenn nicht Jahrzehnte zurückwerfen.
Also kein, ich glaub nicht, das da überreagiert wird.
Schönes WE (ohne Grippe)
mabuse