Hallo Taju!
Jetzt würde mich interessieren, wo ich das alles mal nachlesen
könnte. Kannst Du was empfehlen?
Was ich berichte, stammt nicht aus Sekundärlitertur, sondern aus eigener Beobachtung, vor allem der Lektüre der „Klassiker“.
Angefangen bei Grimmelshausen, über Schnabel, Wieland, Lessing, Goethe, Schiller, Hölderlin, Kleist, Jean Paul, Tieck, die Schlegels, Novalis bis zu den Grimms fiel mir immer wieder auf, wie oft sie eben nicht nach Duden schrieben und doch verstanden wurden.
Ich habe stets und brav die Stellen angestrichen, aber nicht notiert, wo sie sich befinden. Ich müsste also den Wieland etc. ganz durchblättern, um mehr Belegstellen zu finden. Nicht nur zu „als/wie“, auch zu andern Dudenregeln finden sich solche Nichtentsprechungen.
Jean Paul hat z. B. eine eigene Regelung der Fugezeichen entwickelt, die logisch und einfach wäre - er sagt nämlich: alle weglassen! - , die aber kaum beachtet wurde.
Die Grimms votierten mit guten Gründen für die Kleinschreibung und man schreibt weiterhin groß.
Die Schweizer warfen das ß raus und die deutsche Sprache ging nicht unter.
Ein Beispiel: Uns wurde in der Schule abgewöhnt „bälder“ zu sagen, es heiße: bald, eher/früher, am ehesten/frühesten.
Nun sagt der gute Valentin (Gretchens Bruder), nachdem Faust ihn abgestochen hat:
„Ich sterbe! das ist bald gesagt
Und bälder noch getan.“
Ja, was geb ich da auf die Lehren meiner Lehrer?
Oder die Sache mit dem Hilfverb bei „stehen, liegen, sitzen“. Wir haben uns erst kürzlich hier darüber ausgetauscht. Wie kann ein Sprachregulierer sich erdreisten, zu sagen, die Leute südlich des Mains benutzen fälschlicherweise „sein“ statt „haben“?
Wenn ich aber wieder mal auf was stoße, tue ich es hier kund.
Grüße Fritz