Wenn man prüfen will, ob Deutsch leichter querzulesen ist als
Englisch, vergleicht man sinnvollerweise englische Texte mit
deutschen - und wählt als Rezipienten jeweils Muttersprachler.
wer will denn prüfen, ob deutsch oder englisch leichter zu
lesen ist?
Sie meinen, wie ‚Lesbarkeit‘ operationalisiert werden kann? Nun, im zitierten Fall war das wohl als ‚Lesegeschwindigkeit‘. Gibt sicher auch andere Möglichkeiten.
hier geht es doch um die frage, ob ein und der selbe text mit
lauter kleinbuchstaben oder mit der üblichen
groß/kleinschreibung leichter zu lesen ist.
Nein - Ihr Einwand bezog sich auf meine Vermutung, Deutsch sei leichter querzulesen als Englisch.
verzeih, aber dazu
sind deine vorschläge komplett ungeeignet.
Klar kann man auch ein- und derselben Gruppe Texte mit und
ohne Majuskeln vorlegen - dann muss man allerdings
Gewohnheitseffekte in Betracht ziehen.
natürlich muß man das. aber wenn jeweils die schreibweise
„gewinnt“, an die man sich gewöhnt hat (also auf deutsch alle
nomen und substantivierte adjektiva usw., in anderen sprachen
nur namen und satzanfänge groß), dann sagt das aus: man liest
das am schnellsten, woran man sich gewöhnt hat…
Richtig.
um zu zeigen, daß die im deutschen übliche
groß/kleinschreibung die lesegeschwindigkeit erhöht, müßte sie
also selbst gegen gewohnheitseffekte ankommen… und zwar auch
in anderen sprachen. vielleicht tut sie das, das weiß ich
nicht - ich glaube nur nicht, daß das je wirklich gut
untersucht worden ist (ich habe die von die angegebene quelle
gesehen, habe aber leider keinen zugriff auf das zitierte
buch).
Die Psycholinguistik ist ein so umfangreiches Forschungsgebiet, da wäre es verwunderlich, wenn ausgerechnet diese Frage noch nie untersucht worden wäre. Schauen Sie, schon der erste Link, den ich ergoogelt habe, fördert dies hier zutage:
„Es ist deshalb wichtig zu klären, ob die Großschreibung den Lesevorgang tatsächlich erleichtert. Es könnte ja auch sein, dass es nur die Macht der Gewohnheit ist, die uns zu dieser Annahme gelangen lässt. Im Hinblick auf diese Fragestellung erlangen einige experimentelle Studien besondere Bedeutung, die eben dieses zu überprüfen versuchten, vgl. u.a. Bock, Hagenschneider & Schweer (1989) sowie Gfroerer, Günther & Bock (1989). Um den Faktor der „Gewohnheit“ auszuschließen, waren die wichtigsten Versuchspersonen nicht Deutsche, sondern deutschkundige Niederländer, die zwar aufgrund ihrer Sprachkenntnisse auch die deutsche Schreibung kennen, aber Lesen im Niederländischen gelernt haben; hier werden nur Satzanfänge und Eigennamen großgeschrieben.
Die Untersuchungen brachten überraschende Ergebnisse: Auch für die niederländischen Versuchspersonen stellten die Regeln der deutschen Großschreibung eine Hilfestellung dar, die den Leseprozess beschleunigten. Sie konnten Texte in ihrer eigenen Muttersprache (!) mit den fremden satzinternen Großbuchstaben ohne Verständnisprobleme schneller lesen als solche mit der ihnen vertrauten gemäßigten Kleinschreibung. Detailanalysen der Augenbewegungsmuster ließen den Schluss zu, dass in der Tat der Orientierungscharakter der Großbuchstaben dafür verantwortlich war (Gfroerer et al. 1989).“
Ist übrigens überhaupt ein interessanter Text, der vieles tangiert, was wir besprochen haben (ab Seite 44).
http://www.uni-koeln.de/ew-fak/Deutsch/projekte/koeb…
Viele Störfaktoren kann man durch eine geeignete
Probandenauswahl von vorneherein kontrollieren.
die störfaktoren und die auswahl an probanden gehen aber
irgendwie an der tatsache vorbei, daß es sich bei der
fragestellung um etwas handelt, was für alle menschen relevant
sein sollte… nicht nur für eine bestimmte gruppe…
Für Experimente, in denen die Wirkung einer bestimmten Variablen überprüft werden soll, braucht man nicht repräsentative, sondern vergleichbare Stichproben.
Ansonsten lassen sich allgemeine Sätze sowieso nur
widerlegen, und nicht etwa beweisen.
sätze wie "Studien zur Lesbarkeitsforschung haben ergeben,
daß eine gemischte Verwendung von Groß- und Kleinbuchstaben,
wie es im Deutschen üblich ist, die Lesegeschwindigkeit um 13
% erhöht "?
Nein, allgemeine Sätze im wissenschaftstheoretischen Sinn.
Doch, natürlich - aber diese wesentliche Orientierungshilfe
fällt in solchen Sprachen eben weg.
demnach müßten deutsche die schnelleseweltmeister sein… gibt
es sowas?
Keine Ahnung.
Ich weiß nicht, wie das bei Ihnen so ist, aber was mich
betrifft: Ich lese deutlich mehr, als ich schreibe - und ich
vermute, das trifft auf die Mehrzahl aller Menschen zu.
Insofern halte ich es für sinnvoll, wenn eine Schriftsprache
fürs Lesen optimiert ist, und nicht etwa fürs Schreiben.
ich lese auch mehr, als ich schreibe - und ich bin auch froh,
daß die meisten dinge, die ich lese, fürs lesen optimiert
sind. in medien aber, in denen mein schreibaufwand aller
erwartung nach höher ist, als der leseaufwand der anderen
(e-mails, foreneinträge, chat usw.), bin ich so frei, es
andersrum zu handhaben.
Von mir aus gerne. Es ging ja hier mehr um die grundsätzliche Frage, ob Majuskeln überflüssiger Ballast sind oder nicht.
Im Übrigen stört es mich nicht, wenn Sie auf Majuskeln
verzichten - es geht ja nur um kurze Einträge in einem Forum.
Bei einem langen, komplizierten Fachartikel hätte ich da eher
ein Problem.
natürlich, daher würde ich einen langen und komplizierten
fachartikel auch nie auf diese art verfassen. da folge ich
selbstverständlich den regeln der amtlichen rechtschreibung
(übrigens denen der alten).
Na also.
Gruss, Messalina