Groß- und Kleinschreibung

Guten Tag,

in anderen germanischen Sprachen gab es ebenfalls die Großschreibung von Nomen, die dann im Zuge von Reformen aufgegeben wurde - z.B.
„Im Norwegischen wurde 1869 die gemäßigte Kleinschreibung eingeführt. Dänemark folgte mit der Rechtschreibreform von 1948.“
http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fschreibung#D.C… (eine „seriösere“ Quelle braucht es dazu nicht).

Bevor ich nun meine Zeit mit vielleicht ergebnislosem Gegoogle verbringe - vielleicht weiß ja jemand von Euch die Antwort auf meine Fragen „aus der la mäng“:

  1. Wurde in D von offizieller Seite jemals in Betracht gezogen, eine [gemäßigte] Kleinschreibung einzuführen?
  2. Falls ja: aus welchen Gründen wurde sie nicht eingeführt / wo kann ich offizielle Pro und Contra-Argumente nachlesen?
    Und bitte versteht mich richtig: ich will hier keine Diskussion über das Thema anzetteln sondern suche lediglich einige Quellen dazu.

Danke und Tschüss
Pit

Guten Tag, Pit,

da dir wiki genügt, so schau doch dort!

=> http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Rechtschreibung

  1. Wurde in D von offizieller Seite jemals in Betracht gezogen, eine [gemäßigte] Kleinschreibung einzuführen?

Natürlich!

Auszüge aus der angegebenen Seite:

_In den folgenden Jahrzehnten wurde die Deutsche Rechtschreibung de facto von der Redaktion des „Duden“ weiterentwickelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Tradition in Leipzig und in Mannheim doppelt fortgeführt (Ost- und West-Duden). In Westdeutschland griffen zu Beginn der 1950er Jahre einige Verlage das faktische Dudenmonopol an, indem sie Wörterbücher mit abweichenden Schreibweisen herausbrachten. Daraufhin erklärten die Kultusminister der westdeutschen Bundesländer den Duden per Beschluss vom November 1955 in allen orthographischen Zweifelsfällen für verbindlich.

Die Dudenredaktion ging einerseits konservativ vor, indem sie es als ihre primäre Aufgabe betrachtete, im Wörterbuch den vorherrschenden Sprachgebrauch zu dokumentieren. Andererseits entwickelte sie im Regelwerk zur Klärung immer neuer Zweifelsfälle immer feinere Verästelungen.

Die fachwissenschaftliche Debatte politisierte sich im Gefolge der 1968er-Bewegung: Eine normierte Rechtschreibung wurde als repressiv und als Mittel der sozialen Selektion kritisiert. Reformvorschläge bemühten sich nun nicht mehr nur um die Klärung von Zweifelsfällen, sondern wollten die deutsche Rechtschreibung grundlegend vereinfachen und dadurch insbesondere das Schreibenlernen vereinfachen.

Vielen Vorschlägen gemeinsam war die Forderung nach „gemäßigter Kleinschreibung“: Die generelle Großschreibung von Substantiven sollte abgeschafft, die von Eigennamen dagegen beibehalten werden. Eine solche Reform hatte nach dem Zweiten Weltkrieg Dänemark durchgeführt._

  1. Falls ja: aus welchen Gründen wurde sie nicht eingeführt / wo kann ich offizielle Pro und Contra-Argumente nachlesen?

_Allerdings ergab eine viel beachtete Untersuchung in den Niederlanden, dass eine dem Deutschen entsprechende Groß- und Kleinschreibung einen großen Einfluss auf die Lesegeschwindigkeit hat. Die Probanden waren mit einer solchen Groß- und Kleinschreibung in der Lage, Texte in ihrer Muttersprache sehr viel schneller zu lesen als in gemäßigter Kleinschreibung. (Darstellung und Literaturhinweise in der Grammatik das Wort/der satz.) Als Reaktion wurde in verschiedenen europäischen Ländern, darunter Großbritannien, darüber diskutiert, eine dem Deutschen entsprechende Groß- und Kleinschreibung einzuführen. Die Diskussionen verliefen jedoch ausnahmslos im Sande.

In der Zeit der deutschen Teilung nach 1949 war die Wahrung der sprachlichen Einheit ein Motiv zur Unterlassung neuerlicher Reformversuche. Im Gefolge der Entspannungspolitik der sozialliberalen Koalition konnte sich jedoch ab 1980 der Internationale Arbeitskreis für Orthographie zusammenfinden, dem Fachleute aus beiden deutschen Staaten sowie Österreich und der Schweiz angehörten. Bald nach der deutschen Wiedervereinigung kam es dann zu der Rechtschreibreform von 1996. Anders als beispielsweise in Frankreich mit der Académie française gab es im deutschen Sprachraum keine aus Tradition zur Sprachbeobachtung und -regelung berufene Instanz. Eine entsprechende Einrichtung wurde nach anhaltender Kritik an der Reform von 1996 mit dem Rat für deutsche Rechtschreibung erst 2004 geschaffen, deren erste Aufgabe, zunächst die strittigsten Bereiche der bestehenden Neuregelung der Rechtschreibung zu überarbeiten, im Februar 2006 abgeschlossen wurde._

Einzelheiten erfährst du sicher bei der Dudenredaktion in Mannheim.

Gruß Fritz

Hallo Fritz,

da dir wiki genügt, so schau doch dort!

Da hast Du mich falsch verstanden, oder ich habe mich falsch ausgedrückt: ich meinte, dass wiki lediglich als Beleg für die ehemalige Großschreibung in anderen Sprachen seriös genug ist. Für die Antwort auf meine Fragen genügt mir der wiki-Artikel nicht.

Trotzdem ein paar Bemerkungen:

Daraufhin erklärten die Kultusminister der westdeutschen
Bundesländer den Duden per Beschluss vom November 1955
in allen orthographischen Zweifelsfällen für verbindlich.

Oh ja, unsere Kultus-Köche!

Als Reaktion wurde in
verschiedenen europäischen Ländern, darunter Großbritannien,
darüber diskutiert, eine dem Deutschen entsprechende Groß- und
Kleinschreibung einzuführen. Die Diskussionen verliefen jedoch
ausnahmslos im Sande.

Warum wohl?

Anders als beispielsweise in Frankreich mit der Académie
française gab es im deutschen Sprachraum keine aus Tradition
zur Sprachbeobachtung und -regelung berufene Instanz. Eine
entsprechende Einrichtung wurde nach anhaltender Kritik an der
Reform von 1996 mit dem Rat für deutsche Rechtschreibung erst
2004 geschaffen

Das muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen und die Feinheiten in den unterschiedlichen Bezeichnungen herausschmecken:
Rat für deutsche Rechtschreibung - Académie Française

Einzelheiten erfährst du sicher bei der Dudenredaktion in
Mannheim.

Ja, falls niemand hier eine Quelle im Internet kennt werde ich dort nachfragen

Grüße
Pit

Hallo, Pit!

Ja, falls niemand hier eine Quelle im Internet kennt werde ich dort nachfragen

Da könnte was drin stehen, allerdings kostet der ganze Text was.
http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/11916.html

Scheue dich aber nicht, gleich bei den Dudenleuten anzufragen. Ich habe bisher stets rasche und aussagekräftige Antworten auf meine Anfragen erhalten.

Grüße
Fritz

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