Hi Du,
Ich wollte nur auf folgendes
hinweisen: Die Gleichung: „Wer ‚England‘ statt
‚Großbritannien‘ sagt, ist blöd.“ (überspitzt gesagt) ist so
nicht haltbar.
Überspitzt gesagt würde ich das auch eher so formulieren: „Wer ‚England‘ statt ‚Großbritannien‘ sagt und es besser weiß, ist blöd.“
Das Problem das ich hab, wenn so viele immer nur von England reden ist eigentlich echt nur, dass die meisten durchaus wissen, dass England nicht GB ist… die sind nur zu gedankenträge um in ihrem eigenen Sprachgebrauch die Konsequenz zu ziehen.
Allerdings ist das Vorhandensein eines schottischen
Regionalparlaments eher ein Argument für
‚England‘ als Sammelbegriff als dagegen. Warum? England (als
Teil Großbritanniens) hat meines Wissens nach wie vor kein
eigenes Parlament. Damit ist das Parlament, welches für ganz
Großbritannien zuständig ist, gleichzeitig das „englische“
Parlament.
*g* da hast Du allerdings nicht ganz Unrecht. Die Ironie an der Sache ist, dass viele Engländer überhaupt nicht glücklich darüber sind. Die hätten ganz gerne ihre eigene Devolution, weil sie meinen es geht nicht, dass schottische MPs über rein Englische Angelegenheiten mitbestimmen dürfen, Englische MPs in rein schottischen Angelegenheiten aber nix mehr zu melden haben.
Für mich bleibt das Hauptargument aber eigentlich das, dass die Schotten selbst sich nicht als Engländer fühlen, eine eigene Kultur und ein eigenes Nationalempfinden haben. Und angesichts des langen Weges und auch des Kampfes darum diese Kultur zu erhalten sollte diese Unterscheidung respektiert werden. Dass es für die Schotten so eine große Rolle spielt ob sie nun Schotten, ‚Engländer‘ oder Briten sind, hängt sicher auch mit der Britischen Geschichte zusammen. Tatsache ist, es spielt eine Rolle, es ist ihnen nicht egal.
Zwei Besispiele dazu: Als ich in Schottland war, da hatten die im Lehrerzimmer ein Bild vom Language Department hängen, in dem außer einem Mann nur Frauen gearbeitet haben. Über das Bild von dem Lehrer hatten sie ein kleines Schildchen gehängt auf dem stand geschrieben „der Führer“. Schluck. Natürlich fanden die das eher lustig und sind nicht auf den Gedanken gekommen, dass das für einen Deutschen tief unter die Gürtellinie geht.
Ich hab das angesprochen (nachdem ich einige Monate mehr schlecht als recht damit gelebt hab), und das Schild ist entfernt worden. Man hat Verständnis gezeigt und war ein bisschen betroffen. Und das habe ich auch erwartet: ernst genommen zu werden. Ich gehe auch davon aus (bzw. hoffe es sehr), dass die das Schild nicht wieder aufgehängt haben sobald ich weg war.
Das ist natürlich ein sehr krasses Beispiel und ganz so schlimm liegen die englisch-schottischen Beziehungen natürlich nicht. Und um ein Beispiel vom anderen Ende zu nennen: die haben auch nie kapiert, dass der Schwarzwald nicht in ‚Bavaria‘ liegt und ich fand’s eher lustig.
Worauf ich aber hinaus will ist, dass wenn es diesen Leuten so eine Herzenssache ist, dann will ich das respektieren, sowie ich in meiner Kultur und meiner nationalen Identität respektiert werden möchte.
Missverständnisse aus echter Unwissenheit heraus… geschenkt. Aber Missverständnisse aus Bequemlichkeit im Umdenken find ich doof.
Verstehst Du was ich sagen will? Es geht meiner Meinung also nicht nur um ‚political correctness‘, um darauf zurück zu kommen, sonder schlicht um ‚correctness‘ - Respekt.
Jede Diskussion lebt davon, dass es verschiedene Meinungen
gibt. Deine hat mich besonders gefreut.
Ha, hat mich auch gefreut Dir meine Empörung um die Ohren zu hauen 
Herzliche Grüße
… Kati (?) 