Hallo Ludwig,
Ein Liter Milch kostet für die öffentlich Bediensteten genau
so viel wie für einen AN, der in der freien Wirtschaft
arbeitet.
Warum soll Jemand freiwillig Lohnverzicht leisten und dazu
noch eine längere Arbeitszeit akzeptieren?
Es mag zwar zur lieb gewordenen Gewohnheit geworden sein, aber ein Naturgesetz ist es gewiß nicht, daß Einkommen permanent steigen oder auch nur auf konstantem Niveau bleiben müssen. Warum soll es nicht möglich sein - provokativ gefragt - sogar über sinkende Einkommen zu verhandeln?
Wir haben Jahrzehnte des volkswirtschaftlichen WAchstums hinter uns, Jahrzehnte mit Produktivitätszuwachs. Immerwährendes Wachstum kann es aus vielerlei Gründen nicht geben und selbst dann, wenn jemand daran dennoch glaubt, muß er zur Kenntnis nehmen, daß zumindest einige Bereiche der Volkswirtschaft von Nullwachstum gekennzeichnet sind. Unbestritten weisen die öffentlichen Kassen ein über Kredite zu finanzierendes Defizit auf. Das ist zwar nicht neu, aber in der Vergangenheit konnte man die Belastung für die Zukunft stets mit der Wachstumshoffnung rechtfertigen. Das ist wenigstens im Moment und für die absehbare Zukunft vorbei. Jeder Euro zusätzlicher Schulden engt unseren Handlungsspielraum dauerhaft ein. Neue Schulden sind nicht mehr vertretbar, weil niemand weiß, wovon auch nur die Zinsen (von Tilgung spricht keiner) bezahlt werden sollen.
Die öffentlichen Kassen sind leer?
Warum kann sich dann ein Herr Teufel (Brötchengeber) eine
Umfrage über ein Meinungsinstitut leisten, das zigtausend DM
(Euro) kostet, nur um sein Image in der Bevölkerung
abzufragen?
Niemand bezweifelt, daß viel Geld ineffektiv oder unsinnig ausgegeben wird. Vollständig vermeiden läßt sich das gewiß nie. Hier aber muß man sich dringend Größenordnungen vor Augen führen. Es geht nicht um ein paar tausend Euro, auch nicht um ein paar Millionen. Es geht um Milliarden, um Zahlen mit 9 Nullen! Wenn auch nur eine einzige Milliarde Steuern in die Kassen sollen, müssen dafür 160.000 Lohnsteuerzahler jeden Monat 500 Euro Lohnsteuern abführen. Das ist 'ne einfache Taschenrechneraufgabe. Kannst Du gerne nachvollziehen, dann wird nämlich deutlich, was gehen kann und was nicht. Das ist eine mittlere Großstadt, die wir zusätzlich an Beschäftigten in der Wirtschaft benötigen, die dann für nichts weiter Steuern zahlen, als eben Zehntelprozentchen Gehaltserhöhung für die öffentlich Bediensteten zu finanzieren. Hast Du auch nur den Schatten einer Ahnung, wo das herkommen soll? Bitteschön, ich auch nicht. Keiner im Land hat die Vorstellung. Außer ein paar Gewerkschaftern, die allen Ernstes fordern, dafür Steuern zu erhöhen oder neu einzuführen.
Und noch etwas darf nicht unerwähnt bleiben: Der ö. D. erledigt z. T. für das Gemeinwesen unverzichtbare Aufgaben. Zu einem ganz beträchtlichen Teil aber ist der ö. D. ein Synomym für ineffizientes, oft genug vollständig überflüssiges Schlafmützentum. Nur zu gerne werden die Männer von der Müllentsorgung bemüht, wenn es darum geht, der Öffentlichkeit den hart arbeitenden öffentlichen Dienst vorzuführen. Niemand spricht darüber, daß immer noch Amtsstuben auf allen Ebenen mindestens 30$ überbesetzt sind. Aber das führt jetzt vielleicht etwas vom Thema weg. Die konkrete Frage lautet: Woher soll das Geld für erhöhte Personalausgaben im öffentlichen Dienst kommen, wenn die Kosten schon jetzt teilweise aus Krediten finanziert werden und es für Zins und Tilgung nicht die Spur einer Idee gibt?
Wir müssen uns dringend und umgehend daran gewöhnen, keinen Cent mehr auszugeben, als eingenommen wird. Es gibt so unendlich viele Wünsche, förderungswürdige Anliegen und nachvollziehbare Forderungen. Es gibt aber auch Sachzwänge und es ist wenig hilfreich, diese schlicht zu ignorieren. Wenn die Kasse leer ist (leer heißt, da ist nichts drin), dann kann man nichts ausgeben. Das geht Dir doch als Privatmensch nicht anders. Du kannst dann zur Bank laufen und um Kredit nachsuchen. Die Bank fragt Dich aber nach Deiner realistischen Vorstellung über die Rückzahlung. Wenn Du dann zum Besten gibst, daß Du Geld brauchst, aber keine Ahnung hast, wie Du je Zins und Tilgung leisten kannst, gibt es kein Geld. Das darfst Du mir wirklich unbesehen glauben.
In genau dieser Situation sind die öffentlichen Kassen.
Gruß
Wolfgang