Große Antiglobalisierungsdemo am 26.12.in Nürnberg

Hallo Politikinteressierte,

am zweiten Weihnachtsfeiertag, am 26.12.02 findet in Nürnberg eine große, partei- und gruppenunabhängige
Anti-Globalisierungsdemonstration statt.

Treffpunkt ist der Platz vor der Lorenzkirche (für Auswertige ganz leicht zu finden) um 15 Uhr.

Alle Bürger, die gegen die Ausbeutung der Weltbevölkerung seitens der Großkonzerne sind und dies zeigen möchten sind herzlich eingeladen.

Ich möchte noch kurz darauf hinweisen, dass wir Globalisierungsgegner keine kommunistischen Randalierer sind, sondern einfach Menschen die sich für einen sozialen Kapitalismus mit teilweiser Eingrenzung der Marktfreiheit einsetzen möchten.

Alles weiter erfahrt ihr auf der Seite www.no-to-globalization.int.tf oder wenn ihr eine e-Mail an [email protected] sendet.

Gruß

Desperado

Ankündigung jetzt im Wochenrhythmus?
Unabhngig von meiner Einschätzung zu der Sache: Das hatten wir erst am 11.12. und zwar in Finanz- und Wirtschaftspolitik.

Irgendwie finde ich, reicht das.

C.

Alle Bürger, die gegen die Ausbeutung der Weltbevölkerung
seitens der Großkonzerne sind…

Hallo,

fühlst Du Dich von einem Großkonzern ausgebeutet? Was ist das überhaupt - ein Großkonzern? Was verstehst Du unter Globalisierung?

Es ist zwar unbestritten, daß es Unternehmen gibt, die mit Billigung der örtlichen staatlichen Stellen Ausbeutung an der Natur und an Menschen betreiben. Das aber ist eher ein uraltes Problem von Korruption, Gier und unkritischer Dummheit von Verbrauchern.

Ansonsten aber mag ich die Schlagworte nicht. Komm lieber rüber mit „Butter bei die Fische“. Nenne Roß und Reiter und konkrete Beispiele. Was gefällt denn nicht? Freier Welthandel, freie Informationsaustausch? Zum Glück geht es immer mehr in diese Richtung.

Als ich mich vor 20 Jahren selbständig machte, mußte ich 5stellige Beträge für Messeteilnahmen bezahlen. Es war für ein kleines Unternehmen schwierig, außerhalb der heimischen Region Kundenkontakte aufzubauen. Heute erreichen mich in meiner Minifirma über das Internet Anfragen aus Hongkong und USA. Die Chancengleichheit zwischen weltweit agierenden Platzhirschen und kleinen Unternehmen war hinsichtlich des Kundenkontakts noch nie so gut wie heute.

Produktion und Handel werden weltweit zunehmend arbeitsteilig. Gegenseitig aufeinander angewiesen zu sein, ist eine wirksame Methode der Friedenssicherung. Keine Volkswirtschaft funktioniert heute ohne empfindliche Einbußen vollkommen autark. Wir brauchen deshalb geradezu die Globalisierung des Warenverkehrs und der Dienstleistungen. Damit werden allerdings auch die schützenden Käseglocken aus Handelshemmnissen und Schutzzöllen löcherig. Wer danach schreit, trauert seiner Bequemlichkeit nach und ist zu faul, sich dem Wettbewerb zu stellen. Willst Du für Faulheit und Bequemlichkeit demonstrieren?

Wortwahl und vermutlich auch Zielsetzung Deines Postings erinnern mich an eigene Studententage. Vor 25 Jahren gehörte es für einige Studis dazu (Sozialpädagogen mit ihrem irrsinnigen Streß standen dabei immer an vorderster Front), einmal pro Semester gegen den Leistungsdruck zu demonstrieren :smile:.

Gruß
Wolfgang

Die Bedeutung der Globalisierung für die Menschen

Hallo Wolfgang,

es geht mir um die soziale Ungerechtigkeit, welche die „Globalisierung“ mit sich bringt. Natürlich verteufle ich diese nicht in jedem Bereich, sondern nur in denen, welche sich negativ für die Mehrzahl der Menschen auswirken.

Du hast selbst ein gutes Beispiel gegeben: Firmen aus den USA und anderen Regionen erreichen Dein Unternehmen.

Die Konsequenz daraus ist, das dieses Unternehmen immer größer wird und somit seine Produkte bzw. Dienstleistungen immer günstiger anbieten kann und sukzessive die Konkurrenz vom Markt verdrängt - die Konsequenz daraus ist eine nahezu bis komplette monopolstellung in diesem Marktsegment eines einzigen Unternehmens, welches dies ausnutzen kann, indem sich die Geschäftsbedingungen immer weiter zu Lasten des Kunden verschlechtern können.

Aus Deiner eigenen Sicht scheint Dir die Globalisierung Vorteile zu bringen, wenn Du aber die Situation aus der Perspektive der gesamten Bevölkerung betrachtest, wirst Du Dich schnell meiner Meinung anschließen und am 2. Weihnachtsfeiertag nach Nürnberg fahren um gegen die Globalisierung zu demonstrieren.

Gruß

Desperado

Aus Deiner eigenen Sicht scheint Dir die Globalisierung
Vorteile zu bringen, wenn Du aber die Situation aus der
Perspektive der gesamten Bevölkerung betrachtest, wirst Du
Dich schnell meiner Meinung anschließen…

Hallo,

vom Schüler und Studenten, über Arbeiter und Angestellte, bis zum Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes, ja bis zum Rentner, leben alle von der Wirtschaft unseres Landes. Diese Wirtschaft lebt von der Produktion. Daran hängen ungezählte Dienstleistungen. Was auch immer produziert wird, werden dafür Rohstoffe, Halbzeuge und Zulieferungen aller Art benötigt. Rohstoffe muß dieses Land praktisch komplett importieren. Das ist der erste Punkt, an dem für uns der freie Handel überlebenswichtig ist. Unsere hergestellten Güter können wir im Inland nicht annähernd absetzen. Auch dabei ist dieses Land auf den freien Handel angewiesen.

Wenn ich mir ansehe, woher die in meinen paar Dingen verbauten Teile kommen, sind wohl alle Industriestaaten der Erde vertreten. Nicht nur für mich mit meiner Minibude sind freier Waren- und Informationsverkehr ein Vorteil, es gilt für jeden einzelnen Bürger - auch für Dich. Man muß sich die Augen schon mit viel Ideologie zugekleistert haben, um das nicht zu sehen.

Sieh Dich in Deiner Wohnung um und schmeiß alles raus, was nicht aus heimischer Produktion stammt. Vom Radio, über das Fax bis zum PC ist dann alles weg. Womöglich auch das Auto vor der Tür. Sodann schmeiße alles raus, was aus dem Ausland stammende Rohstoffe enthält. Außer je einer Tüte Salz und Zucker ist Deine Küche dann leer. Den Spanplattenmöbeln fehlt die Beschichtung und ansonsten stehst Du in einer gähnend leeren Wohnung. Unsere Wirtschaft könnte so gut wie nichts mehr produzieren und das Wenige wäre nicht mehr absetzbar. Wir leben von der Globalisierung der Wirtschaft.

Die Schimpferei konzentriert sich regelmäßig auf „Großkonzerne“. Auch dabei wird verkannt, daß unsere Volkswirtschaft die unterschiedlichen Größen - eben die bunte Mischung - der Wirtschaftseinheiten zum Überleben braucht. Kühlschränke oder Autos lassen sich nicht in der 3-Mann-Firma produzieren, jedenfalls nicht, solange ein bestimmter Qualitätsstandard gehalten und das Produkt irgend bezahlbar bleiben soll. Umgekehrt hat auch der größte Energiekonzern, der multinationale Automobil- oder Lokomotivhersteller ohne die Zuarbeit vieler kleiner Firmen keine Existenzgrundlage. Daß bei Dir der Strom aus der Steckdose kommt und dafür so relativ wenige Kraftwerke erforderlich sind, hängt an ganz wenigen winzigen Ingenieurbüros, die Messungen realisieren, die der große Moloch nicht alleine auf die Füße bekommt. Daß die Zündanlagen im Spitzenmodell eines bayerischen Autobauers so sicher funktionieren, liegt nicht am Hirnschmalz von Angestellten des Bergvolk-Herstellers, das liegt an einem hochspezialisierten Kleinbetrieb. Der Kleinbetrieb wiederum kann sich ohne den Riesen auch nur gehackt legen. Es ist ein Zusammenspiel, bei dem alle Betriebsgrößen mit ihren spezifischen Fähigkeiten gebraucht werden.

Das Zusammenspiel mit den gegenseitigen Abhängigkeiten haben wir in gleicher Weise auf nationaler und internationaler Ebene. Letzteres ist die Globalisierung. Es ist töricht, das ändern zu wollen.

Gruß
Wolfgang

Moin Wolfgang,

das Hauptproblem der Globalisierung ist ja gar nicht das, gegen das du anschreibst. Das Hauptproblem - wenigstens aus meiner Sicht, aber ich glaube nicht nur aus meiner - ist die zu geringe demokratische Fundierung.

Vor allem der IWF gibt in den Entwicklungsländer Kreditprogramme vor, die als Diktate empfunden werden. Die Gesellschaft darf sich nicht in die von ihr gewünschte Richtung entwickeln. Und oft sind auch die Diktate nicht wirklich positiv für die Gesellschaft sondern nur für die Banken der Industrieländer.

Unser Problem ist vor allem die WTO. Was da verhandelt wird, weiss niemand. Aber wenn es verabschiedet wird, ist es praktisch internationales Recht. Selbst die UNO kann die WTO nicht kontrollieren. Und internationale Umweltrechte werden von der WTO allenfalls in Ausnahmefällen akzeptiert.

Was Du schreibst, hat mit dem Globalisierungsproblem nur begrenzt zu tun. Internationale Konkurrenz gab es schon immer. Sicher sie hat, vor allem aufgrund Computer und Verkehr, zugenommen. Aber das ist nicht das Thema.

Das Problem ist, dass das Kapital frei und nicht zu kontrollieren ist. Am Beispiel der Spekulationssteuer wird deutlich, wie schwer es ist, hierauf überhaupt noch Steuern zu erheben. Dabei kann es nicht sinnvoll sein, wenn nur noch auf Arbeitstätigkeit und Konsum Steuern erhoben werden. Dann sinkt natürlich die Nachfrage nach Arbeit und Konsum, weil sie teurer werden. Und das Kapital fliegt über den Globus.

Schau dir mal am Beispiel Südostasienkrise an, wie schnell dort das Kapital aus den Ländern verschwunden ist. Oder auch in Deutschland. Die Inflation hat sich in Südostasien z.B. in kürzester Zeit verzehnfacht (aus dem Kopf, kann nicht nachsehen, kann ich aber bei Nachfrage tun). Wie soll da der Staat noch eine vernünftige Wirtschaftspolitik machen?

Das nur ein paar Bemerkungen dazu.

Ciao

Ralf

Politikversagen
Hallo Ralf,

Vor allem der IWF gibt in den Entwicklungsländer
Kreditprogramme vor, die als Diktate empfunden werden.

früher hat man sinnlos in die armen Länder Geld gesteckt. Wo ist das Geld geblieben? Im Staatskonsum bzw. im Konsum der Staats"lenker". Nun stehen diese Länder nicht besser da als vorher, haben aber Riesenschulden beim IWF. Nun vergibt der IWF die Kredite nur noch mit Auflagen bzgl. Verwendungszweck der Gelder und Vorgaben bzgl. einer gewissen Wirtschafts- und Finanzpolitik. Jede Bank gibt ihrem Kreditnehmer vor, wofür die Gelder zu verwenden sind, um einerseits sich und ihr Geld zu schützen, aber auch um andererseits den Kreditnehmer vor sich selbst zu schützen.

Wir werden morgen einen Kredit in zweistelliger Millionenhöhe auszahlen. Der Kunde liefert eine größere Maschine in ein nicht näher zu bezeichnendes Land des Nahen Ostens. Fakturiert wird in USD-Dollar. Gezahlt wird seitens des Abnehmer erst in ca. 1 Jahr. Der Kunde wollte das Geschäft ohne Währungsabsicherung abschließen. Um ihn vor sich selber zu schützen, haben wir zur Auflage gemacht, die Zahlungsströme mit Devisentermingeschäften gegen Wechselschwankungen abzusichern.

Der IWF macht es nicht anders, wenn auch andere Vorschriften gemacht werden. Letztlich dienen diese dem gleichen Zweck.

Die
Gesellschaft darf sich nicht in die von ihr gewünschte
Richtung entwickeln. Und oft sind auch die Diktate nicht
wirklich positiv für die Gesellschaft sondern nur für die
Banken der Industrieländer.

Die gewünschte Richtung ist nicht zwangsläufig die richtige. Da mag man streiten, was die richtige Richtung ist. Ganz sicher falsch ist es aber, das Geld sinnlos zu verballern. Dies wird durch die Auflagen zu verhindern gesucht. Ob es klappt bzw. kontrolliert werden kann, ist eine ganz andere Sache.

Niemand kann gezwungen werden, jemandem Geld zu leihen. Daß der IWF Geld verleiht, ist kein Teil des Problems, sondern der Lösung. Wenn der IWF gar nichts täte bzw. ihn nicht gäbe, würde das genauso kritisiert. Daß man einfach mal einen zweistelligen Mrd.-Betrag in ein Faß ohne Boden wirft und hofft, daß das Geld schon richtig verwendet wird, kann niemand erwarten. Wenn Geld in einem bestimmten Land verwendet werden würde, gäbe es auch keine Finanzkrise in diesem Land.

Unser Problem ist vor allem die WTO. Was da verhandelt wird,
weiss niemand. Aber wenn es verabschiedet wird, ist es
praktisch internationales Recht. Selbst die UNO kann die WTO
nicht kontrollieren. Und internationale Umweltrechte werden
von der WTO allenfalls in Ausnahmefällen akzeptiert.

Ich bin der Ansicht, daß man Umweltprobleme solange ingnorieren kann, wenn es objektiv um das Überleben eines Landes geht. Niemand ist gezwungen, Mitglied der WTO zu sein. Wenn man es als armes Land ist, at man davon nur Vorteile. Stichwort „Meistbegünstigungsklausel“.

Das Problem ist, dass das Kapital frei und nicht zu
kontrollieren ist. Am Beispiel der Spekulationssteuer wird
deutlich, wie schwer es ist, hierauf überhaupt noch Steuern zu
erheben. Dabei kann es nicht sinnvoll sein, wenn nur noch auf
Arbeitstätigkeit und Konsum Steuern erhoben werden. Dann sinkt
natürlich die Nachfrage nach Arbeit und Konsum, weil sie
teurer werden. Und das Kapital fliegt über den Globus.

Das Problem ist, daß manche versuchen, das Kapital in bestimmte Richungen zu zwingen und nicht umgekehrt. Kapital geht dahin, wo es die beste Verzinsung erreicht. Riesige Beträge sind nach Südamerika gewandert, weil dort die gute Renditen drohten. Wenn diese Renditen von unfähigen Politikern bedroht werden, reist das Kapital wieder ab. Das ist nicht das Problem, sondern die unfähigen Politiker und da sind wir wieder bei den Vorschriften des IWF.

Schau dir mal am Beispiel Südostasienkrise an, wie schnell
dort das Kapital aus den Ländern verschwunden ist.

Die Frage ist doch, woher die Südostasienkrise kam. Die resultierte aus Fehlern der Politik. Die Konsumgüterindustrie wurde in steuerbegünstigte Gewerbeparks gelockt. Nach und nach stiegen natürgemäß die Löhne, die Produktion der minderwertigen Massenware warf aber nicht genug Deckungsbeiträge ab, um die höheren Löhne abzudecken. In der Übergangsphase war versäumt worden, über entsprechende Ausbildung und weitere Förderungen dafür zu sorgen, daß sich auch hochwertige Industrie ansiedelte.

Soviel dazu.

Gruß
Christian

Hallo,

ich verstehe nicht, warum Du gerade als „kleiner Mann“ gegen die Globalisierung demonstrieren willst. Die einzigen, die wirklich vor einer Globalisierung Angst haben – und daher auch alles dafür tun, dass es gerade NICHT zu einer solchen kommt – sind die von Dir genannten „Großkonzerne“.

Das fängt bei „Region Codes“ gegen den freien Handel mit DVDs an und hört bei GATT/WTO noch lange nicht auf.

Ich kann es jedenfalls kaum abwarten, bis endlich fairer, freier, uneingeschränkter, weltweiter Handel möglich ist. Dann herrschen endlich gleiche Bedingungen für alle. Insbesondere auch die Entwicklungsländer sollten davon profitieren. Warum sollten diese uns denn immer nur mit billigen Kaffebohnen beliefern, warum nicht gleich mit „veredeltem Spitzenkaffee mit Verwöhnaroma“ im Vakupack?

Her mit der Globalisierung!

Gruß

Fritze

Globalisierungsdemo tägl.at home!: Kill your Idols

Hi Fritze!

Endlich mal ein origineller Text!
Und gut zu wissen, daß ich nicht al-
lein bin, in meiner Sehnsucht nach
Wette und Bewerb…
Have a Drrink on ya!

x-m/s

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Moin Christian,

früher hat man sinnlos in die armen Länder Geld gesteckt. Wo
ist das Geld geblieben? Im Staatskonsum bzw. im Konsum der
Staats"lenker". Nun stehen diese Länder nicht besser da als
vorher, haben aber Riesenschulden beim IWF. Nun vergibt der
IWF die Kredite nur noch mit Auflagen bzgl. Verwendungszweck
der Gelder und Vorgaben bzgl. einer gewissen Wirtschafts- und
Finanzpolitik. Jede Bank gibt ihrem Kreditnehmer vor, wofür
die Gelder zu verwenden sind, um einerseits sich und ihr Geld
zu schützen, aber auch um andererseits den Kreditnehmer vor
sich selbst zu schützen.

Dass das IWF Auflagen macht, ist ja nicht zu kritisieren. Es kommt aber auf die Art der Auflagen an. Während der Südostasienkrise z.B., als die Arbeitslosigkeit massiv anstieg und die Konjunktur zusammenbrach, erklärte Stanley Fischer, der IWF-Direktor, dass der IWF doch nur einen ausgeglichenen Haushalt erwarte. Was soll das mitten in einer tiefen Rezession? Das Aussenhandelsdefizit sollte im Abschwung nicht nur verringert werden sondern es sollte sogar ein Aussenhandelsüberschuss aufgebaut werden.

Dies ist richtig, wenn es darum geht, hauptsächlich die Gläubigerbanken zu befriedigen. Und das ist das Problem: dem IWF geht es bei seinen Auflagen weniger um das Land sondern viel mehr um die westlichen Gläubigerbanken. Und das ist der Fehler.

Die
Gesellschaft darf sich nicht in die von ihr gewünschte
Richtung entwickeln. Und oft sind auch die Diktate nicht
wirklich positiv für die Gesellschaft sondern nur für die
Banken der Industrieländer.

Die gewünschte Richtung ist nicht zwangsläufig die richtige.
Da mag man streiten, was die richtige Richtung ist. Ganz
sicher falsch ist es aber, das Geld sinnlos zu verballern.
Dies wird durch die Auflagen zu verhindern gesucht. Ob es
klappt bzw. kontrolliert werden kann, ist eine ganz andere
Sache.

Nein, bei den Auflagen geht es weniger um die Verhinderung des sinnlosen Verballerns. Wobei man natürlich streiten kann, wie man „sinnloses Verballern“ definiert. Ist Sozialhilfe z.B. sinnloses Verballern. Denn oft empfiehlt der IWF die Kürzung des Sozialetats.

Niemand kann gezwungen werden, jemandem Geld zu leihen.

Und genauso kann der IWF eigentlich nicht gezwungen werden, die Feuerwehr für die westlichen Banken zu spielen. Der IWF tut dies freiwillig.

Unser Problem ist vor allem die WTO. Was da verhandelt wird,
weiss niemand. Aber wenn es verabschiedet wird, ist es
praktisch internationales Recht. Selbst die UNO kann die WTO
nicht kontrollieren. Und internationale Umweltrechte werden
von der WTO allenfalls in Ausnahmefällen akzeptiert.

Ich bin der Ansicht, daß man Umweltprobleme solange
ingnorieren kann, wenn es objektiv um das Überleben eines
Landes geht.

Ok, holzen wir den Amazonas ab. Ums Überleben Brasilien geht es dabei ja nicht.

Niemand ist gezwungen, Mitglied der WTO zu sein.
Wenn man es als armes Land ist, at man davon nur Vorteile.
Stichwort „Meistbegünstigungsklausel“.

Werden wir doch konkret. In Cochambra, Bolivien, wurde auf Druck der Weltbank das Wasser privatisiert. Sofort stieg der Wasserpreis massiv an (auf ungefähr ein Drittel des Durchschnittslohnes). Das Sammeln von Regenwasser wurde für illegal erklärt. Die US-Firma wusste ja: Wasser braucht jeder.

Und: wen ein Staat einmal einen Schritt in Richtung Liberalisierung gegangen ist, darf er nicht mehr zurück.

Das Problem ist, daß manche versuchen, das Kapital in
bestimmte Richungen zu zwingen und nicht umgekehrt.

Was ja auch richtig ist.

Kapital
geht dahin, wo es die beste Verzinsung erreicht.

Dagegen ist im Prinzip nichts einzuwenden. Es ist aber sehr wohl etwas dagegen einzuwenden, wenn für Kapital aufgrund seiner Flexibilität keine Steuern mehr bezahlt werden. Dann wird halt nur noch Steuern für Sachen bezahlt, die weniger flexibel sind: vor allem Arbeit.

Riesige
Beträge sind nach Südamerika gewandert, weil dort die gute
Renditen drohten. Wenn diese Renditen von unfähigen Politikern
bedroht werden, reist das Kapital wieder ab. Das ist nicht das
Problem, sondern die unfähigen Politiker und da sind wir
wieder bei den Vorschriften des IWF.

Es ist die Frage, was als unfähig kritisiert wird. Wenn sich Politiker gegen einen massiven Anstieg des Wasserpreises aussprechen, kann dies als Eingriff in die unternehmerische Freiheit diffarmiert werden.

Wie hat Percy Barnevik, der Präsident der Asea-Brown-Bovery-Gruppe, eine der mächtigsten Konzerngruppen der Welt Globalisierung definiert?
„Ich definiere Globalisierung als die Freiheit unserer Firmengruppe, zu investieren, wo und wann sie wil, zu produzieren, was sie will, zu kaufen und zu verkaufen, wo sie will,…“

Bis hierhin keine Kritik von mir.

„… und alle Einschränkungen durch Arbeitsgesetze und andere gesellschaftliche Regulierungen so gering wie möglich zu halten.“

Das ist schlicht eine Kampfansage der Wirtschaft an die Gesellschaft. Und zwar an jede Gesellschaft.

Ciao

Ralf

Schau dir mal am Beispiel Südostasienkrise an, wie schnell
dort das Kapital aus den Ländern verschwunden ist.

Die Frage ist doch, woher die Südostasienkrise kam. Die
resultierte aus Fehlern der Politik. Die Konsumgüterindustrie
wurde in steuerbegünstigte Gewerbeparks gelockt. Nach und nach
stiegen natürgemäß die Löhne, die Produktion der
minderwertigen Massenware warf aber nicht genug
Deckungsbeiträge ab, um die höheren Löhne abzudecken. In der
Übergangsphase war versäumt worden, über entsprechende
Ausbildung und weitere Förderungen dafür zu sorgen, daß sich
auch hochwertige Industrie ansiedelte.

Soviel dazu.

Gruß
Christian

Moin Fritz,

ich verstehe nicht, warum Du gerade als „kleiner Mann“ gegen
die Globalisierung demonstrieren willst. Die einzigen, die
wirklich vor einer Globalisierung Angst haben – und daher
auch alles dafür tun, dass es gerade NICHT zu einer solchen
kommt – sind die von Dir genannten „Großkonzerne“.

Das fängt bei „Region Codes“ gegen den freien Handel mit DVDs
an und hört bei GATT/WTO noch lange nicht auf.

Dann sag mir mal, wo Großkonzerne gegen die Politik von GATT/WTO agieren. DVDs sind ein schlechtes Beispiel. Denn deren „freien Handel“, ich denke mal du meinst die Raubkopien, sollen ja mit Hilfe von TRIPS gerade eingeschränkt werden (was ich in diesem Fall aber auch korrekt finde).

Ich kann es jedenfalls kaum abwarten, bis endlich fairer,
freier, uneingeschränkter, weltweiter Handel möglich ist. Dann
herrschen endlich gleiche Bedingungen für alle. Insbesondere
auch die Entwicklungsländer sollten davon profitieren.

Wie denn? Stell es dir doch mal platisch vor: A hat 10 Dollar und B hat 10.000 Dollar. Beide sollen jetzt frei handeln. Die Startvorteile von B sind jedoch immens.

Warum
sollten diese uns denn immer nur mit billigen Kaffebohnen
beliefern, warum nicht gleich mit „veredeltem Spitzenkaffee
mit Verwöhnaroma“ im Vakupack?

Jau, klingt simpel. Man sollte noch mal einen gewissen Adam Smith lesen. Der schrieb schon vor 200 Jahren zum Freihandel bei einem unterentwickelten Land bzw. Branche:
Ein Importverbot unterfordert die einheimische Industrie. Sie strengt sich nicht an. Freihandel überfordert die einheimische Industrie, sie kommt nicht hoch. Ein adäquater Schutzzoll vermag dagegen die einheimische Industrie so anzuregen, daß sie mit den Ausländern gleichzuziehen vermag.

Genauso haben es auch die südostasiatischen Länder gehalten, bevor sie in den Weltmarkt eingestiegen sind. Die afrikanischen Staaten dürfen dies jedoch nicht.

Ciao

Ralf

Auf nach Hameln!

Die Konsequenz daraus ist, das dieses Unternehmen immer größer
wird und somit seine Produkte bzw. Dienstleistungen immer
günstiger anbieten kann und sukzessive die Konkurrenz vom
Markt verdrängt - die Konsequenz daraus ist eine nahezu bis
komplette monopolstellung in diesem Marktsegment eines
einzigen Unternehmens, welches dies ausnutzen kann, indem sich
die Geschäftsbedingungen immer weiter zu Lasten des Kunden
verschlechtern können.

Und wieso kann dann nicht ein weiteres kleines Unternehmen die gleiche Entwicklung durchmachen, wie es Wolfgangs Unternehmen anscheinend in den nächsten Jahren erleben wird?

Ich habe irgendwie das Gefühl, daß Du Wolfgangs Artikel nicht richtig gelesen hast. Dort hat er doch auch den Hintergrund der Existenzberechtigung der kleinen Unternehmen dargestellt.

Ich finde es in der Tat hochinteressant, daß sich gerade „Arbeitslose und Arbeitsunwillige“ für jemanden engagieren, der darum nicht gebeten hat. Jedenfalls vermisse ich auf derartigen Demonatrationen immer noch diejenigen, die unter der Globalisierung so furchtbar zu leiden haben.

Zum Beispiel die Bananenbauern aus Lateinamerika, die unter der hirnrissigen EU-Bananenverordnung zu leiden hatten, die aber später von der WTO gekippt wurde.

Das erinnert mich irgendwie an die Schülerstreiks Ende der 80er in NRW, als gegen die sog. Abi d eform demonstriert wurde. Die von mir seinerzeit befragten Schüler hatten samt und sonders nicht den geringsten Plan, worum es bei der Änderung ging. Sie hatten nur aufgeschnappt, was ihnen irgendwelche Juso- und Schülervertreter sagten: Damit wird das Schülerleben viel, viel schlimmer.

Genauso indoktriniert und uninformiert läuft ein Großteil der Antiglobalisierungstruppen hiner ihren Führern her, die wiederum ebenfalls zum größten Teil von der Materie genauso wenig Ahnung haben wie ein Maulwurf vom Raketenbau.

Gruß
Christian

Hallo Politikinteressierte,

Arfarfarf!

Hallo Werteinteressierte!

Wie blöd muss man eigentlich sein, einfach so unreflektiert gegen die „Globalisierung“ zu demonstrieren?

Etwas differenziertere Infos zu Euren Zielen wären hier schon interessant…

Grüße,
Mathias

Moin Christian,

Jedenfalls vermisse ich auf
derartigen Demonatrationen immer noch diejenigen, die unter
der Globalisierung so furchtbar zu leiden haben.

Zum Beispiel die Bananenbauern aus Lateinamerika, die unter
der hirnrissigen EU-Bananenverordnung zu leiden hatten, die
aber später von der WTO gekippt wurde.

Diese Bananenbauern demonstrieren ja auch (ok, Bananenbauern genau, weiss ich nicht. Aber viele Bauern in den Entwicklungsländern. Dürften auch ein paar Bananenbauern dabei sein). Allerdings natürlich in Lateinamerika (oder Afrika) und nicht in Deutschland.

Ciao

Ralf

wird sich zeigen
Hi,

Diese Bananenbauern demonstrieren ja auch (ok, Bananenbauern
genau, weiss ich nicht. Aber viele Bauern in den
Entwicklungsländern. Dürften auch ein paar Bananenbauern dabei
sein). Allerdings natürlich in Lateinamerika (oder Afrika) und
nicht in Deutschland.

kannst Du mir vielleicht auch erklären, warum die demonstrieren? Ich will es nicht unbedingt für jeden einzelnen wissen, aber so im Großen und Ganzen interessiert es mich schon.

Gruß
Christian

Moin Christian,

kannst Du mir vielleicht auch erklären, warum die
demonstrieren?

Nun, zum Teil habe ich es ja schon erklärt (Diktat der IWF, die keine Rücksicht auf den Staat nimmt, um den es geht). Zum Teil hast du es schon erklärt (an sich freier Welthandel, aber die EU schottet ihren Agrarmarkt ab. Und die WTO unternimmt in diesem Fall nichts - oder nur sehr wenig - dagegen). Ein anderes Beispiel im GATS (Wasserrechte) habe ich auch schon erläutert. Desweiteren ist TRIPS zu erwähnen, wo jahrtausendealte Anbaumethoden patentiert werden. Könnten theoretisch zwar auch die Bauern selbst, aber die Anmeldung von Patenten kostet. Ein Großkonzern kann sich diese Anfangsinvestition leisten, einfache Bauern nicht.

Ciao

Ralf

Hi,

vertreten. Nicht nur für mich mit meiner Minibude sind freier
Waren- und Informationsverkehr ein Vorteil, es gilt für jeden
einzelnen Bürger - auch für Dich.

Das ist einer der am häufigsten verwechselten Punkte: Globalisierung inst nicht gleich freier Handel. Globalisierungsgegner bekämpfen auch nicht letzteren, sondern erstere.

Globalisiserung bedeutet vor allem, Handel auf Grundlage überall gültiger Grundsätze und Gesetzen zu betreiben. Diese werden aber nicht gleichberechtigt ausgehandelt; da werfen die Industrienationen durchaus ihr ungleich höheres Gewicht auf die Waage.
(Ein wichtiger Punkt sind Patente; da gab es tatsächlich einen US-Konzern, der die Eintragung eines Patents in Indien beantragte, das auch auf die traditionelle, jahrtausendalte Reissorte abdeckte).

Und freier Handel bedeutet in diesem Zusammenhang doch auch nur Auslieferung der kleineren, unterentwickelten Produzenten der Marktmacht der Großen. Dem Verbraucher mag es tatsächlich egal sein, ob er sein Radio vom einheimischen Produzenten oder vom multinational operierenden Konzern bezieht; die Interessen der Beschäftigten wird aber ein Multi schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht berücksichtigen.

Gruß

J.

Hallo José,

…Ein wichtiger Punkt sind Patente; da gab es tatsächlich :einen US-Konzern, der die Eintragung eines Patents in Indien
beantragte, das auch auf die traditionelle, jahrtausendalte
Reissorte abdeckte).

Das muß eine Zeitungsente sein. Wichtigste Voraussetzung für die Patentfähigkeit eines Produkts ist nämlich, daß das Produkt neu ist. Es darf nicht veröffentlicht und nicht längst bekannter Stand der Technik sein.

Und freier Handel bedeutet in diesem Zusammenhang doch auch
nur Auslieferung der kleineren, unterentwickelten Produzenten
der Marktmacht der Großen. Dem Verbraucher mag es tatsächlich
egal sein, ob er sein Radio vom einheimischen Produzenten oder
vom multinational operierenden Konzern bezieht; die Interessen
der Beschäftigten wird aber ein Multi schon aus
wirtschaftlichen Gründen nicht berücksichtigen.

Ein gemessen an den Markterfordernissen, am Produkt und am Qualitätsstandard unterentwickelter Produzent hat nirgends eine Chance, weder in Indien noch in Deutschland. Geschäfte macht keiner aus Mitleid, das gilt überall. Jeder Produzent muß sich so lange nach der Decke strecken, bis er den Standard besitzt, daß jemand für seine Ware zu zahlen bereit ist.

Daß kleine Produzenten gegenüber großen Herstellern im Nachteil sind, will ich im Einzelfall nicht ausschließen, es gilt aber keinesfalls generell. Vielmehr sind Benachteiligungen i. d. R. das Ergebnis ungeeigneter Produkt- und Geschäftspolitik. Wenn ein Kleinbetrieb eine Produktion aufzieht, die er nicht finanzieren kann, ist das z. B. so ein Fehler. Dann schielt jemand auf den für ihn ungeeigneten Markt. Du brachtest das Beispiel Radios. Du kannst in jedem Kaufhaus ein Uhrenradio für 20 Euro kaufen. Das ist dann billigst produzierte Massenware. Wenn der Kleinproduzent in diesen Markt einbrechen will, indem er das Uhrenradio statt für 20 Euro für 15 Euro anbietet, ist er schlicht ein geschäftsuntüchtiger Idiot. Er muß Investitionen tätigen, große Serien vorfinanzieren, wird viel Umsatz, aber keinen Gewinn erzielen. Der intelligente kleine Hersteller wird einen Radiowecker in bester Qualität für den 20-fachen Preis in kleiner Stückzahl anbieten. Die Stückzahl ist so bescheiden, daß sie für das Großunternehmen uninteressant ist. Der kleine Hersteller wird daran aber bestens verdienen. Diesem Beispiel liegt ein konkretes Produkt zugrunde (Bose Wave Radio ist ein Radiowecker, kostet den 20-fachen Preis von Wettbewerbsprodukten und verkauft sich blendend). In jeder Branche gibt es diese Beispiele, die mit großem, dauerhaftem Erfolg durchgezogen werden, zumeist auch noch völlig unbeeindruckt von Konjunktureinbrüchen und Modeerscheinungen. Dahinter stehen regelmäßig mittelständische Produzenten, die sich der Schwächen, aber auch der Stärken ihres kleinen Unternehmens bewußt sind.

Wenn der kleine Produzent auf die Idee käme, Volkswagen Konkurrenz zu machen, indem in Handarbeit Einzelstücke billiger und besser gebaut werden sollen, versteht der Produzent nichts von seinem Geschäft. Er sucht die Konfrontation im besetzten Segment. Das Scheitern ist dann keine Globalisierungsfolge und hat auch nichts mit der Benachteiligung kleiner Unternehmen zu tun, sondern ist ganz einfach Dummheit. Ganz gleich, ob es die Ein-Mann-Veranstaltung ist oder ein Konzern mit hunderttausend Leuten, der Erfolg hängt entscheidend davon ab, daß für die jeweilige Unternehmensgröße im geeigneten Marktsegment mit dem wettbewerbsfähigen Produkt agiert wird. Ist das der Fall, dann immer her mit der Globalisierung. Die Großen können den Kleinen nicht anhaben. Sie agieren entweder in unterschiedlichen Segmenten oder sie ergänzen sich.

Wenn jetzt der Bergbauer aus einem Land mit korrupter Verwaltung, fehlender Infrastruktur und marodierenden Banden herhalten muß, um das ungerechte Wirtschaftssystem zu belegen, so ist das wirklich eine andere Baustelle. Auch die Neigung vieler Staaten, jeden Groschen in die Armee zu stecken oder alles zu tun, daß Investoren einen großen Bogen machen, hat wie viele weitere Mißstände nichts mit einem allgemein ungerechten Wirtschaftssystem zu tun.

Möglicherweise übersehe ich nicht die gesamte Problematik. Vielleicht hast Du mir etwas voraus. Nur versuche bitte nicht, mir zu erzählen, in Europa hätte irgend ein Bürger ernst zu nehmende Nachteile von europaweit und/oder weltweit freiem Handel.

Gruß
Wolfgang

Moin Wolfgang,

…Ein wichtiger Punkt sind Patente; da gab es tatsächlich :einen US-Konzern, der die Eintragung eines Patents in Indien
beantragte, das auch auf die traditionelle, jahrtausendalte
Reissorte abdeckte).

Das muß eine Zeitungsente sein. Wichtigste Voraussetzung für
die Patentfähigkeit eines Produkts ist nämlich, daß das
Produkt neu ist. Es darf nicht veröffentlicht und nicht längst
bekannter Stand der Technik sein.

Nein, ist Fakt. Es gab damals vehemente, teilweise gewalttätige Demonstrationen gegen Monsanto in Indien.

Möglicherweise übersehe ich nicht die gesamte Problematik.
Vielleicht hast Du mir etwas voraus. Nur versuche bitte nicht,
mir zu erzählen, in Europa hätte irgend ein Bürger ernst zu
nehmende Nachteile von europaweit und/oder weltweit freiem
Handel.

Jepp, auch das ist Fakt. Siehe hormonelle Rindfleisch aus den USA. Europa sagt: „Wir wollen Fleisch ohne Hormone.“ USA sagen: „Vorgeschobene Gründe. Protektionismus.“ WTO sagt: „Gesundheitsaspekt interessiert nicht.“ Soll bei der Gentechnik nun ähnlich laufen und bald gibt es kein Gemüse mehr ohne Gentechnik.

Das ist es halt: wenn nur noch der freie Markt und keine anderen Aspekte zählen, dann kann Deutschland oder Europa nicht mehr Gesetze in Richtung Umweltschutz oder Gesundheit erlassen, wenn irgendjemand erklärt, dass dadurch der freie Markt behindert wird.

Ciao

Ralf

Moin Ralf,

Dann sag mir mal, wo Großkonzerne gegen die Politik von
GATT/WTO agieren.

Das tun sie ja nicht. Das ist ja das schlimme. Sie bestimmen die Politik von GATT/WTO.

DVDs sind ein schlechtes Beispiel. Denn
deren „freien Handel“, ich denke mal du meinst die Raubkopien,
sollen ja mit Hilfe von TRIPS gerade eingeschränkt werden (was
ich in diesem Fall aber auch korrekt finde).

Nein. Ich rede nicht von Raubkopien, sondern von ganz normal im Handel (z.B. in den USA) erhältlichen DVDs. Die ganz toll globalisierte Industrie hat nämlich die Welt in Regionen unterteilt und die DVDs sowie deren Abspielgeräte völlig unnötigerweise mit sog. „Region Codes“ versehen. Diese machen es unmöglich, eine DVD aus den USA in Europa abzuspielen oder umgekehrt. Mit der Folge, dass ich als Verbraucher nicht auf Versionen mit Original-Sprache und/oder besserer Ausstattung zurückgreifen kann. Von dem Preiswettbewerb mal ganz zu schweigen. Ich finde die DVD ist daher ein ideales Beispiel dafür, wie sich die Industrie vor einer wirklichen Globalisierung fürchtet. Wenn man dann als Verbraucher zur Selbsthilfe greift und den Region Code umgeht, bewegt man sich ganz schnell am Rande der Legalität. Wie gesagt, es hat rein gar nichts mit Raubkopien zu tun!

Also: Klamotten in Indien in Kinderarbeit zusammennähen lassen, ok. Aber bitteschön keine freie Preisfindung bei Konsumartikeln! Wo kämen wir da hin!

Adam Smith ist nun schon eine weile tot. Damals war es auch noch nicht billiger, Tomaten von den Kanarischen Inseln einfliegen zu lassen, als sie zu Hause im Garten anzubauen.

Gruß

Fritze