Hallo!
Ich berichte hier als Sandwichkind:
Ich war 8, meine Schwetser 11, als mein Bruder geboren wurde (ungeplant, wir konnten unsere Meinung also vorher nicht äußern). Anfangs war es sehr niedlich, aber irgendwie kam ich dann nicht mehr damit klar. Zum einen fühlte ich mich immer benachteiligt, weil meine große Schwester alles zuerst tun durfte: Allein ins Ferienlager fahren, sich mit Freunden treffen, eher für die Schule lernen usw. Mein Bruder war das Nesthäkchen und der Stammhalter. Ich hatte immer das Gefühl, er darf einfach alles.
Besonders schlimm wurde es dann, weil wir eine belastende Zeit erlebten (familiäre Krankheiten, Hausbau, Arbeitslosigkeit etc.). Meine Eltern standen unter Strom, meine Schwester war auf dem Gym und brauchte Zeit zum Lernen, also musste ich immer zum Kiga, die Nachmittage zu Hause auf den kleinen aufpassen und so weiter. Dazu kam, dass ich ein sehr emotionales und leicht aus der Ruhe zu bringendes Kind (und vor allem Pubertierender) war - ich will nicht sagen, ich hätte es gehasst, aber ich hatte zu dieser Zeit meinen kleinen Bruder echt nicht so sehr gern. Wohl doch die Eifersucht.
Aber als er dann selbst in die Schule kam, seine eigenen Freunde hatte, ich auch aufs Gym ging und dann auch abends öfter wegging, hat sich das alles entspannt.
Jetzt sind meine Schwester und ich schon längere Zeit ausgezogen und haben ein super Verhältnis zu unserem „Kleinen“ (der mittlerweile 14 und einiges größer ist als wir). Außenstehende sagen, er werde aufgezogen wie ein Einzelkind, was ich auch meinen Eltern nicht verdenken kann, schließlich sind wir anderen weit weg von zu Hause. Allerdings kommt er uns in den Ferien besuchen, ruft uns an, fragt um Rat, freut sich, wenn wir da sind. Ich glaube, er ist ganz zufrieden mit der Situation ;o)
Was er mir vielleicht genützt hat ist, dass meine Eltern nie auf die Idee gekommen sind, sich an mich zu klammern, als es daran ging, dass auch ich direkt nach der Schule ausziehe. Ich hoffe für meinen Kleinen, dass auch er diesen Stress, wie ihn viele Jüngste erleben, nicht erleben muss. Aber vielleicht kommt ja doch noch einmal unverhofft Nachwuchs? Denn ich glaube, der Gedanke, dass kein Kind mehr im Haus rumrennt, gefällt meinen Eltern gar nicht. Oder warum fragen die uns ständig, wann sie denn endlich Großeltern werden!?! *ggg*
So, das waren meine Ausführungen. Ich denke heute, dass mich meine Eltern nicht wirklich benachteiligt haben. Ich denke, dass ich ein sehr verantwortungsvoller Mensch dadurch geworden bin und mir Sachen wie Pünktlichkeit und Organisationsfähigkeit wesentlich näher gebracht wurden. Aber wenn ich jetzt mit Abstand von einigen Jahren darüber nachdenke, tut mir fast mein Brüderchen leid, wie er manchmal unter mir leiden musste. Ich glaube, ich muss mich mal entschuldigen…
Grüße und viel Glück!