Wie einst → hier in diesem Brett schon einmal dargestellt, ranken sich um das Boudoir (= der private Raum der Hausherrin), sein Interieur und seine Requisien auch allerlei etymologische bzw. rhetorische Kunststücke. Insbesondere eben die regelrechte Kaskade von Metonymien - genauer: Synekdochen - um das besagte kleine Tüchlein, la toilette. Das sind übrigens alles keine etymologischen „Ableitungen“ (wie im „Petit Robert“-Zitat von @Aprilfisch) , sondern Beispiele für eines der ältesten rhetorischen Stilmittel: Das Tüchlein Synekdoche für den Tisch. Dann der Tisch für den Raum. Dann Raum plus Tisch für die Angelegenheiten der Lady darin und daran: Schmuck, Requisiten, Makeup, Parfum (l’eau de toilette), das Ankleiden selbst (faire sa toilette). Dann der Raum für die exquisite Form der Kleidung als solcher. Dann die Kleidung für das gesellschaftliche Ritual z.B. in Oper und Theater: „la grande toilette“.
Zu den Synekdochen und Metonymien aus dem Boudoir trugen nicht nur französische Traditionen bei: engl. „closet“ ist der Kleiderschrank im Boudoir. In diesem Fall darüberhinaus nicht als Metonymie verwendet, sondern als Periphrase für das „Klo“. Denn auch der dazugehörige „Stuhl“ befand sich oft im Boudoir. Der „vanity table“ ist der Toilettentisch, zu dem unverzichtbar, sogar als Hauptbestandteil, der „vanity mirror“ gehört, der Toilettenspiegel. Beides wesentliches dramturgisches Mittel in der frühen Filmhistorie (auch dazu mehr im o.g. Link).
