Hallo, Gerald,
das folgende habe ich im Lauf der Zeit zu diesem Thema gesammelt und gespeichert. Es ist etwas lang, aber du kannst querlesen.
Gruß Fritz
_ Großschreibung
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Die historische Entwicklung der Großschreibung im Deutschen
Autor: Claudia Gilbers
Fachbereich: Germanistik - Linguistik
Kategorie: Hauptseminararbeit (Hausarbeit)
Institut: Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft
Hochschule: Universität Bielefeld
Abgabedatum: WS 2000/2001
Seitenzahl: 31
Note: 1
Größe: 171 KB
Archivnummer: V11916
Es folgt ein kleiner Ausschnitt des gesamten Textes.
Universität Bielefeld
Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft
Seminar: Rechtschreibung erforschen (230276)
WS 2000/ 2001
Die historische Entwicklung
der Großschreibung im Deutschen
- Von den Anfängen bis zur II. Orthographischen Konferenz von 1901 -
von
Claudia Gilbers
Inhaltsverzeichnis:
I. Einleitung 3
II. Zur Entwicklung der Großbuchstaben in der Schriftgeschichte 4
III. Die Herausbildung und allmähliche Ausweitung der Großschreibung im Deutschen 6
a) Die Großschreibung am Anfang von Texten, Absätzen, Strophen und Sätzen 7
b) Die Großschreibung im Satzinneren 8
IV. Die Entwicklung der Großschreibung von etwa 1500 bis 1700: Die ersten grammatischen Regelwerke 11
a) Der „schryfftspiegel“ (1527) …11
b) Kolroß (1530) …12
c) Sattler (1607) …13
d) Gueintz (1641) …14
e) Ergebnisse 15
V. Die Entwicklung der Großschreibung seit etwa 1700: Durchsetzung der generellen Substantivgroßschreibung bei Freyer, Gottsched und Adelung 17
a) Freyer (1722) 18
b) Gottsched (1748) 19
c) Adelung (1788) 20
d) Ergebnisse 22
VI. Kritik und Reformbestrebungen an den vorherrschenden Großschreibungsregeln im 19. Jahrhundert: Jacob Grimm und die „historische Schule“ 23
VII. Die weitere Entwicklung der Großschreibung bis zur ersten amtlichen Regelung auf der II. Orthographischen Konferenz von 1901 …25
VIII. Ausblick und Schlussbetrachtung 27
IX. Literatur 29
a) Quellen 29
b) Sekundärliteratur 30
I. Einleitung
Seit der dänischen Rechtschreibreform von 1948 und der damit verbundenen Einführung der gemäßigten Kleinschreibung im Dänischen ist das Deutsche heute die einzige Sprache, in deren Schriftbild große Anfangsbuchstaben in einem so großen Umfang vorhanden sind. Denn im Gegensatz zu anderen Sprachen werden im Deutschen nicht nur Satzanfänge, Eigennamen, Respekt- und Höflichkeitsbekundungen großgeschrieben, sondern auch alle Wörter, die unter der Wortart Substantiv verstanden werden können, also auch Substantivierungen anderer Wortarten. Wohl auch deshalb gehört der Regelapparat zur Groß- und Kleinschreibung zu den problematischsten Bereichen der deutschen Rechtschreibung. Das Erlernen und Vermitteln des umfangreichen Regelsystems mit seinen zahlreichen Einzelrichtlinien zum Festlegen möglichst vieler Grenz- und Problemfälle hat sich längst als sehr schwierig erwiesen und es erscheint deshalb nahezu unmöglich, alle Regeln zur Groß- und Kleinschreibung einwandfrei zu beherrschen.
Diese Schwierigkeiten lassen sich vor allem aus der historischen Entwicklung der Großschreibung heraus erklären. In dieser Arbeit sollen deshalb die wichtigsten Entwicklungslinien der Großschreibung im Deutschen aufgezeigt werden. Zur Einführung in das Thema soll zuerst in Kapitel II ein kurzer Überblick über die Entwicklung der Großbuchstaben in der Schriftgeschichte gegeben werden. Das anschließende Kapitel III, das die Herausbildung und allmähliche Ausweitung der Großschreibung im Deutschen behandelt, ist unterteilt in einen Abschnitt zur Großschreibung am Anfang von Texten, Absätzen, Strophen und Sätzen und einen Abschnitt zur Großschreibung im Satzinneren, um diese beiden unterschiedlichen Anwendungsbereiche der Großschreibung und ihre Entwicklung vorzustellen. Die folgenden zwei Kapitel IV und V werden sich mit der zunehmenden Grammatikalisierung und den zahlreichen Normierungsversuchen des Schreibgebrauchs von etwa 1500 bis 1800 beschäftigen. Dazu sollen die Aussagen einiger wichtiger Grammatiker zur Großschreibung zitiert und diskutiert, sowie die Auswirkungen ihrer Werke auf den Schreibgebrauch vorgestellt werden. Dass die generelle Substantivgroßschreibung, die sich bereits im Schreibgebrauch des 18. Jahrhunderts weitgehend durchgesetzt hatte, keineswegs unumstritten war, zeigt die in Kapitel VI beschriebene Kritik von Jacob Grimm, als ein Beispiel für die Reformbestrebungen an den bestehenden Großschreibungsregeln im 19. Jahrhundert. Anschließend soll in Kapitel VII die weitere Entwicklung der Großschreibung bis zur ersten amtlichen Regelung des Schreibgebrauchs auf der II. Orthographischen Konferenz von 1901 erläutert werden.
Die Großschreibung im Satzinneren wird dabei in allen Kapiteln stärker im Mittelpunkt stehen als die Großschreibung am Anfang von Texten, Absätzen, Strophen und Sätzen, da sie wesentlich komplizierter und problematischer, sowie bis heute ein ständiger Angriffspunkt für Kritik und Reformbestrebungen ist.
II. Zur Entwicklung der Großbuchstaben in der Schriftgeschichte
Eine Untersuchung der Entwicklung der Großschreibung im Deutschen muss bereits in der römischen Antike beginnen, denn die lateinische Schrift bestimmte die Schriftgeschichte in Europa, und damit auch im deutschsprachigen Raum, aufgrund der Weltmachtstellung der Römer in der Antike maßgebend.
Die lateinische Schrift war ursprünglich eine Großbuchstabenschrift oder zumindest „wurde eine einregistrige Schrift verwendet, die aus heutiger Sicht ausschließlich aus Großbuchstaben bestand (Majuskelschrift)“1. Die Großbuchstaben eigneten sich jedoch nicht für das schnelle Schreiben im täglichen Gebrauch und deshalb entwickelte sich auf Basis der Großbuchstaben eine Kursivschrift, die sich etwa im 4. bis 5. Jahrhundert nach Christus „allmählich in eine Kleinbuchstabenschrift mit Ober- und Unterlängen (Minuskelschrift) verwandelt(e)“2.
Mit dem Zerfall des römischen Reiches endete vorerst auch die Einheitlichkeit der Schrift und in den unterschiedlichen neu entstandenen Reichen und Kulturen entwickelten sich etwa bis zum 9. Jahrhundert „Schriften mit eigenem Charakter, die sogenannten Nationalschriften“3. Besondere Bedeutung unter den Nationalschriften erlangte die am Hof Karls des Großen entstandene karolingische Minuskel, die sich auf Grund der mächtigen Stellung Karls und seines Reiches in Europa ab etwa 800 rasch zu verbreiten begann und „die zum Ende des 1. Jahrtausends zur vorherrschenden Schriftform in vielen europäischen Sprachen“4 wurde. Obwohl die karolingische Minuskel eigentlich eine reine Kleinbuchstaben war, verwendeten ihre Benutzer in zunehmendem Maße Großbuchstaben, um Textstellen besonders hervorzuheben.
1 Petra Ewald und Dieter Nerius, Die Groß- und Kleinschreibung im Deutschen, Leipzig 1988, S. 11.
2 Werner König, dtv-Atlas Deutsche Sprache, 12. Auflage, München 1998, S. 33.
3 dtv-Atlas Deutsche Sprache, S. 33.
4 Ewald/ Nerius, S. 12.
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Großschreibung
Eine Entwicklung von inhaltlichen zu formalen Gesichtspunkten ist auch bei der Großschreibung zu konstatieren Die Großbuchstaben dienten im Deutschen ursprünglich nur als Mittel, die äußere Form des geschriebenen Textes zu gestalten, z. B. am Text- oder Satzanfang (Überschriften, Initialen). Später dienten sie als Mittel zur Hervorhebung von Eigennamen (seit dem 13.Jh,) und besonders wichtigen Wörtern (Nomina sacra Gott usw., Amtsbezeichnungen Kaiser, König, Kollektivbegriffe Welt, Mensch, Christus),
Im Barock beginnt eine wahre Majuskel-Schwemme und es gibt dort kaum einen Druck, in dem z. B. das Wort Gott nicht in Großbuchstaben gesetzt ist. Vielleicht mag die gegenüber der Antiqua schwerer lesbare Frakturschrift, die vom Spätmittelalter an allgemein vorherrschte, dazu beigetragen haben, dass die Großbuchstaben als Lesehilfe gern angenommen wurden.
Doch schon in Luthers Bibelübersetzung ist folgende Unterscheidung, die dem Wesen des Barockzeitalters entgegenkommt und deshalb Schule macht, zu belegen: HERR in Großbuchstaben bedeutet ‚Gott‘ (Vater), herr in kleinen Typen bezeichnet den Menschen, während Jesus Christus, der eine göttliche und eine menschliche Natur besitzt, als HErr gedruckt wird. In der Aufklärung, die dem Substantiv als »Hauptwort« große Bedeutung zumisst, wird dann mit GOTTSCHEDS GrundlegungGroßschreibung
Die Großschreibung hat sich allmählich entwickelt. Im 13. Jh. sind die ersten großgeschriebenen Wörter im Satzinneren aufgetaucht, damals waren es Wörter wie „Gott“, „Jerusalem“, „Kaiser“, „König“ und dergleichen - also sozusagen alles, wovor man besondere Ehrfurcht hatte. Dieses „Ehrfurchts“-Prinzip dehnte sich dann erst langsam, im 16. und 17. Jh schneller aus - erst wurden Personen und Pronomen großgeschrieben, und im Laufe der Zeit wurde es immer mehr. Einige Regeln aus Grammatiken, was großzuschreiben sei:
Schryfftspiegel (1527): Land, Stadt, Fürsten, Eigennamen
KOLROSS (1530): Dörfer, Schlösser, Länder, Städte, Männer, Frauen, Eigennamen
FABRITIUS (1532): Wie KOLROSS + Gewichte, Münzen
SATTLER (1607): Wie KOLROSS + Künste, Ämter, Sekten, Völker
GUEINTZ (1641): Wie SATTLER + Festtage, Tiere, Lasten, Tugenden
Perfertischer MuusenSchlüssel (1645): Wie GUEINTZ + Bücher, Wochentage_
Gruß Fritz