gründe die zur reformation führten

hallo
ich schreibe gerade eine disposition zum thema:„Europa vor der Reformation- ein streifzug durch die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kirchlichen verhältnisse die herrschten und zur reformation führten.“
die wesentlichen Gründe mögen folgende sein:
politisch:

  • bischöfe werden vom Papst gewählt, keine regionale anbindung der bischöfe und oft adelige abstammung der bischöfe
  • die bischöfe sind mehr weltliche führer als geistliche führer, cfr. die tatsache, dass viele bischöfe eine eigene truppe hatten
  • vereinigung von geistlichen und politischen ämtern in der person des bischofs
  • der geistliche stand war nicht mehr das, was man unter einem geistlichen stand versteht

wirtschaftlich:

  • unzumutbare abgaben, ablass brauchtum
  • es herrschte eine zustarke vereinigung des staates mit der kirche, entgegen des heutigen kirche-staat getrennt

sozial:

  • durchdringung jeglichen lebensaspektes durch die institution der kirche, also auch bildung, familienwesen, krankheiten,…
  • zuspitzung und polarisierung der haltungen gegenüber der kirche, auch unter dem einfluss der humanisten zu verstehen, bildete den wunsch nach auftrennung zwischen weltlichen und geistlichen sachen
  • unterbindung individueller regungen einzelner menschen, deren innere entfaltung doch weiter vorangetrieben wird
  • zunehmend ablehnende haltung gegenüber dem reinen symbolismus der kirche, im vergleich zu den detailtreuen und auf merkmale und authentizität bedachten werken der antike, cfr. bilder und skulpturen, cfr. bedürfnis nach neuer übereinkunft der kirche mit der welt

danke für postings und meinungen

hallo

Guten Morgen,

Ganz toll hast du es zusammengefasst. Ich bin in diesem Thema nicht so bewandert. Was ich weiss, oder meine zu wissen, ist, dass Luther sich am Anfang mit der Übersetzung der Bibel befasst hat. Es git doch zwei Bibelübersetzungen: aus dem Hebräischen (wenn mich nicht alles taäuscht) ins Griechische (heißt, glaube ich Septuaginta) und aus dem Grichischen ins Lateinische (wahrscheinlich Sektata oder so was Ähnliches). Nun, war der Gedanke vom Martin Luther, dass

  1. Latein für die breite Masse schwer zugänglich war und man eine zusätzliche Übersetzung in die jeweilige Sprache braucht
  2. Die vielfachen Übersetzungen: aus dem Hebräischen ins Griechische, aus dem Griechischen ins Latein, aus Latein in sonst noch was - zwangsläufig zur Entfernung vom Original führt. Je mehr wird weiter übersetzt, desto weniger bleibt vom eigentlichen Sinn erhalten.

Man sollte nicht vergessen, dass Luther eigentlich ein bibel-und kirchentreuer Mensch war und wollte nur dem Volk zum Glauben verhelfen. Also hat er die Bibel auf eigenes Risiko nochmals übersetzt (aus dem Griechischen direkt, ohne Latein als Zwischenstufe) und damit für Skandal gesorgt, wie es so oft der Fall ist. Diese Lutherische Bibel-Übersetzung stand am Anfang der Reformation und des Protestantismus.
So habe ich es in Erinnerung, wobei ich mich natürlich irren kann.
Der Vortrag war als Tip für eventuelle Reserchen gemeint.

Ansonsten ist dein Thema echt klasse.

hallo zurück,

auch ich kann dir keine tiefer fundierten Aussagen bieten, vielleicht aber einige weitere Aspekte/Anregungen, die du aufnehmen kannst:

  • unzumutbare abgaben, ablass brauchtum

der Ablasshandel war ja einer der Anlässe für Luthers Aufbegehren.

  • es herrschte eine zustarke vereinigung des staates mit der
    kirche, entgegen des heutigen kirche-staat getrennt

Letzteres kam bekanntlich erst in der französischen Revolution, hatte zu Luthers Zeiten wohl eher wenige Leute sehr bedrückt.

Nietzsche, der die Kirche bekanntlich nicht sehr mochte, sagte: „Die Borgia-Päpste - das wäre es gewesen! Und dann kommt da dieser Mönch!“
Er meinte, dass die Borgia-Päpste vielleicht das Ende der Kirche bedeutet hätten, und dann kommt da so ein armer Mönch und rettet sie davor.
Allgemein war es damals sehr üblich, sich am Papsttum zu reiben, war die Zeit einfach reif, dagegen aufzubegehren: Zwingli, Hus, Calvin u.a.

Gruß, Stucki

Hallo,

deine Liste ist auch aus meiner Sicht schon sehr weit gediehen. Vielleicht hilft es dir noch weiter, wenn du die einzelnen Aspekte nicht nur einzeln siehst, sondern z. B. soziale und kirchlich-theologische Aspekte miteinander verknüpfst. Also: die Ablaßpraxis (die in der Tat entscheidendes Movens für Luthers Vorgehen war) richtete verheerende Schäden an, sie war nichts anderes als eine Rückführung ethischer und seelsorgerischer Probleme auf Geldmacherei.
Die Leute folgten Luther, weil er ein Grundproblem der Gesellschaft ansprach.

Entscheidend ist, dass damals gerade ein historisches Zeitfenster offen war: der Buchstabendruck war erfunden, die Zensur aber noch nicht. Nur so konnte der Protest gegen die Papstkirche, der ja in den vorherigen Jahrhunderten nicht weniger stark war als bei der Reformation selbst, auch wirksam werden. Die ganze Sache hat also auch einen technischen oder medialen Aspekt.

Viele Grüße,
Juliane

hallo
ich schreibe gerade eine disposition zum thema:„Europa vor der
Reformation- ein streifzug durch die politischen,
wirtschaftlichen, sozialen und kirchlichen verhältnisse, die
herrschten und zur reformation führten.“
die wesentlichen Gründe mögen folgende sein:
politisch:

  • bischöfe werden vom Papst gewählt, keine regionale anbindung
    der bischöfe und oft adelige abstammung der bischöfe
  • die bischöfe sind mehr weltliche führer als geistliche
    führer, cfr. die tatsache, dass viele bischöfe eine eigene
    truppe hatten
  • vereinigung von geistlichen und politischen ämtern in der
    person des bischofs
  • der geistliche stand war nicht mehr das, was man unter einem
    geistlichen stand versteht

wirtschaftlich:

  • unzumutbare abgaben, ablass brauchtum
  • es herrschte eine zustarke vereinigung des staates mit der
    kirche, entgegen des heutigen kirche-staat getrennt

sozial:

  • durchdringung jeglichen lebensaspektes durch die institution
    der kirche, also auch bildung, familienwesen, krankheiten,…
  • zuspitzung und polarisierung der haltungen gegenüber der
    kirche, auch unter dem einfluss der humanisten zu verstehen,
    bildete den wunsch nach auftrennung zwischen weltlichen und
    geistlichen sachen
  • unterbindung individueller regungen einzelner menschen,
    deren innere entfaltung doch weiter vorangetrieben wird
  • zunehmend ablehnende haltung gegenüber dem reinen
    symbolismus der kirche, im vergleich zu den detailtreuen und
    auf merkmale und authentizität bedachten werken der antike,
    cfr. bilder und skulpturen, cfr. bedürfnis nach neuer
    übereinkunft der kirche mit der welt

danke für postings und meinungen

Hallo Jarolep,

Was ich weiss, oder meine zu wissen, ist,

dass Luther sich am Anfang mit der Übersetzung der Bibel
befasst hat.

[…]

Also hat er die Bibel auf eigenes Risiko
nochmals übersetzt (aus dem Griechischen direkt, ohne Latein
als Zwischenstufe) und damit für Skandal gesorgt, wie es so
oft der Fall ist. Diese Lutherische Bibel-Übersetzung stand am
Anfang der Reformation und des Protestantismus.

Kleine Korrektur: Luther hat seine Kritik an der Kirche angebracht (z.B. die ThesenL 1517), dann schrieb er „An den christlichen Adel deutscher Nation“, „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“ und „Von der Freiheit eines Christenmenschen“, in denen er Grundgedanken zur Reformation niederlegte. 1521 vor dem Reichstags in Worms wird Luther geaechtet und er wird vor den Folgen dieses Banns auf die Wartburg gerettet. Dort sass er incognito als Junker Joerg und hatte nicht viel zu tun - er verbrachte seine Zeit mit der Uebersetzung der Bibel.

Insofern steht die Bibeluebersetzung nicht am Anfang der Reformation.

Gruesse, Elke