Gruende fuer Homophobie

Hallo,

welche Gruende haben Menschen homosexuelle Mitmenschen abzulehnen?

Die bekannten Theorien gehen davon aus dass die Ablehnung einer Minderheit (Outgroup) das eigene Gruppenzugehoerigkeitgefuehl staerkt, einige gehen auch davon aus dass Homophobe ihre eigenen homosexuellen Phantasien damit ueberspielen wollen.

Was aber ist mit der evolutionaeren Perspektive:

Weil sich homosexuelle Kinder nicht fortpflanzen gibt es aus evolutionaerer Sicht Sinn dass Eltern ihren Kindern die Ablehnung von nicht fortpflanzungsfaehigen Sexualverhalten (also Homosexualitaet, Masturbation und unnormale sexuelle Handlungen) vorleben so dass das evtl. homosexuelle Kind seine Beduerfnisse nicht auslebt sondern heterosexuelles Verhalten zeigt.

Eine andere Theorie geht davon aus dass Homosexualitaet (bei Tieren) gehaeuft auftritt wenn Ressourcen knapp sind so dass die Spezies sich nicht weiter vermehrt und somit mit den knappen Nahrungsangebot ueberleben kann. In diesem Falle waere die Homosexualitaet also ein Signal dass die Eltern bzw. die Gemeinschaft ein Problem hat. Da negative Botschaften allgemein nicht gerne gehoert werden koennte dies m.E. auch die negative Einstellung einiger Menschen gegenueber Homosexualitaet erklaeren.

Was denkt ihr? Wie schluessig sind meine Erklaerungsversuche dieses gesellschaftlichen Phaenomens?

Welche Erklaerungen gibt es noch?

Gruss und Dank

Desperado

Hi

Was heißt hier denn „was aber“? Die pseudoevolutionären Erklärungsversuche sind doch mit die ältesten.

Und: Siehst du in Deutschland irgendwo Ressourcenknappheit? Wo kommen dann die Homosexuellen her?

Abgesehen davon wäre es, wenn wir vom Mann als evolutionär-triebgesteuertes Wesen ausgehen, für diesen doch viel günstiger wenn seine Gruppenkameraden homosexuelles Verhalten an den Tag legen, weil er dann zum Zug kommt und seine Gene bei mehr Frauen verteilen kann.

Für den Nachwuchs ist das unrelevant, man erlernt homosexuelles Verhalten ja nicht, sondern ist es halt. Und jeder heterosexuelle oder bisexuelle wird auch irgendwann man mit einer Frau schlafen, so vorhanden und Gelegenheit gegeben, egal ob es homosexuelle Kontakte gab/gibt oder nicht. Dabei ist er genauso zeugungsfähig wie der Homosexuelle WENN dieser das Bedürfnis hätte mit Frauen zu schlafen.

Und was ist mit den Frauen? Was haben die von der Ablehnung von Homosexuellen?
Eigentlich nichts, da der evolutionär-triebgesteuerte Homosexuelle gesellschaftlich verträglicher wäre oder sich gar nicht für sie interessieren würde. Die evolutionär-triebgesteuerte Homosexuelle würde sie vielleicht bedrängen, dem muss sie aber nicht nachgeben.

Was hat die homosexuelle Frau davon in diesem System?
Auch nix. Sie vermehrt sich nicht, ist aber ohnehin nicht auf die Streuung der Gene angewiesen und für ihren Körper ist es auch gesunder nicht schwanger in einer zugigen Höhle zu sitzen und bei der Geburt drauf zu gehen.

Das pseuoevolutionäre System versagt als Erklärung also an allen Ecken.

Homosexualität muss nicht erklärt werden, sie ist halt einfach da und es ist noch nie eine Gattung ausgestorben, weil es homosexuelle Exemplare gab.
Höchstens sexuelle Unlust. Guck dir die Pandas an, da gibt es keinerlei Studien über homosexuelles Verhalten, aber zu blöd zum Vermehren sind sie trotzdem.

Für mich bleibt aber das mangelnde Aussterben von Arten aufgrund von homosexuellen Exemplaren das beste Argument warum Homosexualität nichts mit Evolution zu tun hat.
Sie kann vorteilhaft sein (in Rudeln z.B. oder bei Vögeln als bessere oder bei Überschuss zusätzliche Eltern) sie kann für -einzelne- Exemplare negativ sein, wenn sie mit ihren Genen nicht weiterkommen. Aber für die Art ist sie vollkommen irrelevant.

lg
Kate

Hallo Desperado

Was denkt ihr? Wie schluessig sind meine Erklaerungsversuche
dieses gesellschaftlichen Phaenomens?

Seit Teddy Adorno wissen wir ja, daß immer da, wo die Zeiten schlechter werden, politisch und wirtschaftlich, verhärten sich auch die Menschen untereinander und gegeneinander. Man gibt den gesellschaftlichen Druck einfach auf seinen Nächsten weiter, und am Schluß bleiben die übrigen,d ie ihn nicht mehr weitergeben können.
Deshalb können wir heute nicht mehr wie weiland in den Sixties andere, pathologische >Formen der Sexualität akzeptieren wie eben die Homosexualität (wir sind uns sicher einig, daß Homosexulität nicht diskriminiert werden darf. Das heißt aber noch lange nicht, dass man es pauschal als gesund ansehen muss) und noch viel mehr die Pädophilen, auf die heute eine ungeheure Hatz veranstaltet wird, obowohl bei weitem nicht jeder Pädophile gleich ein Kinderschänder ist. Ich denke da immer an den wunderbaren Lewis Carroll, der „Alice in Wonderland“ schrieb und sich mit 10jährigen Mädchen zum Tee traf.
Gruß,
Medizinmann

Hallo Medizinmann

Deshalb können wir heute nicht mehr wie weiland in den Sixties
andere, pathologische >Formen der Sexualität akzeptieren wie
eben die Homosexualität

Verstehe ich nicht, die Begründung. Kannst du das nochmal aufschlüsseln? Danke…

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Hallo Igeline

Deshalb können wir heute nicht mehr wie weiland in den Sixties
andere, pathologische >Formen der Sexualität akzeptieren wie
eben die Homosexualität

Verstehe ich nicht, die Begründung. Kannst du das nochmal
aufschlüsseln? Danke…

Du hast mich nicht vollständig zitiert. Der Satz bezog sich eigentlich sogar mehr auf die Pädophilie, die heute völlig tabu ist und in den Sechzigern und vor allem in den Siebzigern telweise richtiggehend chic war. Das ist sicherlich das andere Extrem gewesen.
Gruß, Medizinmann

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Hallo Desperado

welche Gruende haben Menschen homosexuelle Mitmenschen
abzulehnen?

Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, ich werde von manchen Menschen abgelehnt, weil ich unnormal bin, Abartigkeit wurde mir auch schon vorgeworfen. Für streng Religiöse bin ich eine gotttlose Sünderin, um nur ein paar Gründe zu nennen.

Die bekannten Theorien gehen davon aus dass die Ablehnung
einer Minderheit (Outgroup) das eigene
Gruppenzugehoerigkeitgefuehl staerkt, einige gehen auch davon
aus dass Homophobe ihre eigenen homosexuellen Phantasien damit
ueberspielen wollen.

Das konnte ich bis jetzt nicht feststellen.

Was aber ist mit der evolutionaeren Perspektive:

Homosexualität ist Evolution. Eine sexuelle Weiterentwicklung.

Weil sich homosexuelle Kinder nicht fortpflanzen gibt es aus
evolutionaerer Sicht Sinn dass Eltern ihren Kindern die
Ablehnung von nicht fortpflanzungsfaehigen Sexualverhalten
(also Homosexualitaet, Masturbation und unnormale sexuelle
Handlungen) vorleben so dass das evtl. homosexuelle Kind seine
Beduerfnisse nicht auslebt sondern heterosexuelles Verhalten
zeigt.

Homo-, oder Heterosexuell ist, oder wird man nicht durch ein Vorleben der Eltern, man ist es.

Eine andere Theorie geht davon aus dass Homosexualitaet (bei
Tieren) gehaeuft auftritt wenn Ressourcen knapp sind so dass
die Spezies sich nicht weiter vermehrt und somit mit den
knappen Nahrungsangebot ueberleben kann. In diesem Falle waere
die Homosexualitaet also ein Signal dass die Eltern bzw. die
Gemeinschaft ein Problem hat. Da negative Botschaften
allgemein nicht gerne gehoert werden koennte dies m.E. auch
die negative Einstellung einiger Menschen gegenueber
Homosexualitaet erklaeren.

Homosexuelle hat es immer gegeben, nur heute nicht mehr unter einem Deckmäntelchen, also halte ich diese Theorie doch für unwahrscheinlich.

Was denkt ihr? Wie schluessig sind meine Erklaerungsversuche
dieses gesellschaftlichen Phaenomens?

Unschlüssig.

Welche Erklaerungen gibt es noch?

Die Menschheit lehnt alles ab, was nicht in ihr Weltbild passt. Der Mann hat einen Stecker und die Frau das dazu passende Loch. Fügt man beides zusammen dient es zur Fortpflanzung…das ist „normal“.
Alles andere ist „unnormal“, passt nicht ins Weltbild und wird halt von vielen Menschen abgelehnt und sogar als abartig bezeichnet.

Warum es Homosexualität überhaupt gibt, wird sich wohl nicht erklären lassen.

Gruss
pue

Hallo auch,

Die bekannten Theorien gehen davon aus dass die Ablehnung
einer Minderheit (Outgroup) das eigene
Gruppenzugehoerigkeitgefuehl staerkt, einige gehen auch davon
aus dass Homophobe ihre eigenen homosexuellen Phantasien damit
ueberspielen wollen.

Meistens ist es eher eine generell verkorkste Einstellung zu Sex überhaupt. Homosexuelle befinden sich quasi per definitiom außerhalb der festgefahrenen monogam-treuen-Liebe-Familie-Ehe-in-den-Tod-Norm. Menschen, die sexuelle verklemmt sind, empfinden Homosexuelle als Bedrohung ihrer eigenen kleinen Welt, in der niemand zu viel Spaß haben darf. „Wenn ich keinen Spaß haben darf, dann andere auch nicht.“ Das steckt dahinter.

Weil sich homosexuelle Kinder nicht fortpflanzen

Homosesuelle sind nicht kastriert, und längst nicht jeder Heterosexuelle pflanzt sich fort. In diesem Satz steckt die Homophobie, die du anzuprangern glaubst.

Grüße Bellawa.

Hallo!

Was aber ist mit der evolutionaeren Perspektive:

Evolutionär kann man fast alles begründen, einschließlich des Gegenteils. Oder wie eine Freundin in einer Seminararbeit mal schrieb: Man kann sich immer die passende Steinzeit zu seiner Theorie erfinden. Gerade unter Laien ist es beliebt, mit eher rudimentären Kenntnissen der menschlichen Stammesgeschichte alles mögliche begründen zu wollen.

Weil sich homosexuelle Kinder nicht fortpflanzen

In einer größeren Horde oder Familie ist es aber auch nicht notwendig und auch nicht unbedintgt üblich, daß sich jedes Individdum selbst fortplanzt. Auch bei manchen rudelbildenen Tierarten findest Du „unverheiratete“ Onkels und Tanten, die sich mit den Eltern um die Brutpflege und die Aufzucht der Jungen kümmern und auf diese Weise ihre Gene weitergeben - die ja auch die Gene ihrer Geschwister und des ganzen Ruidels sind. Das gilt insbesonders dort, wo sich im Rudel nur die Alphatierechen fortplanzen - da kommt manches Rudelmitglied sein Leben lang nicht zum Zug. Homosexualität könnte also sogar ein evolutionärer Vorteil sein: Wenn sich einzelbe Mitglieder um die Aufzucht der Jungen kümmern, ohne sich selbst fortzupflanzen, stärkt das die Gruppe insgesamt. :smile:

Was denkt ihr? Wie schluessig sind meine Erklaerungsversuche
dieses gesellschaftlichen Phaenomens?

Auf einer Skala von 1 bis 10: -5. Sorry.

„Gesellschaftliches Phänomen“ trifft es aber sehr gut: Es gab in der Menschheitsgeschichte immer wieder Kulturen, in denen Homosexualität akeptiert war - durchus auch bei sogenannten Naturvölkern. Es handelt sich mE also um ein kulturelles Phänomen, kein evolutionäres oder gar in den Genen angelegtes.

Welche Erklaerungen gibt es noch?

Speziell die westliche, durch die griechischen und germanischen Götter beeinflusste Kultur ist geprägt durch die Gegenüberstellung von „Wir hier“ und „Ihr da“, vom ewigen Kampf zwischen Gut und Böse. Das begünstigt die Bildung von Ingroups und Outgroups, und dazu kann nahezu jede Andersartigkeit herhalten.

Gruß,
Max

Hallo,

welche Gruende haben Menschen homosexuelle Mitmenschen
abzulehnen?

eigene, verdrängte homophile Tendenzen.

MfG,

ujk