Hallo Ihr …
Etwas weiter unten habe ich „angedroht“, dass ein Freund und ich eine Kneipe in nächster Zukunft aufmachen wollen.
Nun haben wir uns überlegt, dass wir ja, im Falle eines Fehlschlagens unseres Vorhabens, auf keinen Fall mit unserem Privatvermögen (von Vermögen kann im Grunde gar keine Rede sein *g*) haften wollen. Aus diesem Grund wollen wir eine GmbH gründen.
Wer kann mir sagen, wie ich das anzustellen und worauf ich zu achten habe und ob es im Internet Seiten mit Tips bzw. Erfahrungsberichten gibt ?
Ist wichtig für uns …
Danke
Michael
Hi Michael,
keine schlechte Idee - zumindest auf den ersten Blick. Aber dann . . .
M. E. ist es ein Irrglaube, dass man Geld (von Banken udgl.) für eine GmbH eher bekäme, sofern nicht private Sicherheiten gegeben sind. Was Ihr wollt, nämlich die Haftung minimieren/ausschließen, wissen die doch auch. Und wenn Ihr schon nicht „haftet“ (i. S. v.: an Eurer Vorhaben glaubt), warum sollten Aussenstehende es tun? Dazu kommt noch, dass die Gründung/Führung einer GmbH „aufwendiger“ bzw. bürokratischer ist.
Wenn bei Euch im Haftungssinne sowieso nichts zu holen ist, scheint die Gründung einer Gesellschaft zur Haftungsminimierung ohnehin überflüssig!?
Hallo Michael,
Ihr werdet von der Bank kein Geld bekommen, ausser Ihr haftet für den Kredit mit Sicherheiten oder Bürgschaften (die meiner Meinung nach unseriös sind).
Wenn dann alles den Bach runtergeht, sind Eure Sicherheiten auch weg. Einzigster Vorteil: Wenn die Sicherheiten weg sind (und somit Euer Vermögen), dann habt Ihr keine weiteren Schulden (im Gegensatz zur Einzelunternehmung oder GbR, OHG und ähnlichen Konstellationen). Tipp: Vor der Existenzgründung das Privatvermögen der Freundin, Eltern, Großeltern oder ähnlichen überschreiben, wenn’s dann schiefgeht, kann die Bank nicht an dieses Geld ran (ist aber schon auffällig, wenn’s erst kurz vor der Existenzgründung passiert).
Die beste Methode, eine Pleite zu verhindern, ist eine intensive Vorbereitung der Existenzgründung. Dazu zählen vor allem eine realistische (!) Schätzung des Umsatzes, eine Auflistung aller (!) Kosten und natürlich ein Polster für das erste halbe Jahr (denn da gibt’s noch keinen Gewinn, von dem man leben kann).
Ideal ist es, wenn vorerst nur einer die Kneipe macht und der andere noch „normal“ arbeiten geht => Krankenversicherung usw. läuft auf den Ehepartner weiter => Kostenminimierung.
Oder aber: erstmal 4 Wochen arbeitslos melden, dann Existenz gründen, am Anfang nicht mehr als 310 DM mtl. Gewinn machen (sonstigen Gewinn als Rücklage deklarieren), geht max. 1 Jahr, danach Übergangsgeld beantragen (das Arbeitsamt unterstützt einen mit 6 Monaten Arbeitslosengeld, auch wenn man mehr Gewinn macht als 310 DM mtl.), anschließend ist man dann auf sich alleine gestellt.
Ach ja: alle Angaben natürlich ohne Gewähr !!!
Grüsse
Sven
Hallo Michael,
Du willst etwas unternehmen, aber Du willst für Dein Tun und Lassen nicht einstehen. Wenn Du hinter Deiner eigenen Geschäftsidee nicht stehst, wer bitte soll es? Mit der Einstellung bekommst Du nirgends auch nur eine müde Mark Kredit und den brauchst Du offenkundig, denn Vermögen hast Du ja selbst nicht, wie Du schreibst.
Woher soll denn das Stammkapital einer GmbH kommen- mindestens 50.000 DM?
Aha, Du hast gehört, das braucht man nicht, es reicht zunächst auch die Hälfte und dafür tun es auch ein oder zwei alte Autos?
Dazu sei gesagt, daß solche Sachgründungen absehbar an die Wand fahren, wenn nicht sofort Gewinne mindestens in Höhe der Abschreibungen realisiert werden. Wenn sich eine so vermögenslos gewordene GmbH auch nur ein Faß Bier kommen läßt und nicht zahlen kann, ist das Betrug und dafür haftest Du immer. In die Vermögenslosigkeit oder sogar Überschuldung glitscht so eine Sachgründung von alleine, ganz ohne Dein Zutun, nur durch Abschreibungen. Der Staatsanwalt wird Dir dann buchstabieren, wie man Konkursverschleppung schreibt.
Als Geschäftsführer einer GmbH bist Du Vollkaufmann. Eine einfache Einnahme-Überschußrechnung reicht nicht, Du bist bilanzpflichtig.
Kurz und knapp: Die Sache mit der Haftung ist für ein kleines Gewerbe welcher Art auch immer ein Ammenmärchen. Wenn Du jährlich 7stellige Beträge bewegst, gewaltige Lieferantenrechnungen und Außenstände hast (ich meine nicht die Strichliste auf dem Bierdeckelrand), dann kann eine GmbH trotz der z. Z. noch deftigen Besteuerung sinnvoll sein. Für die Gründung einer Kneipe ist das aber ein blödsinniger Weg.
Nur ein Beispiel, auf welchen Aufwand Du Dich einläßt, von dem Du absolut nichts hast: Du meldest ein Gewerbe als Einzelunternehmung oder zusammen mit einem Kumpel als GbR an. Das kostet ein paar Zehnmarkscheine-fertig. Wenn Du nun das gleiche Gewerbe als GmbH anmeldest, kostet es die gleichen Gebühren beim Gewerbeamt, aber es kommen noch ein paar hundert Märker für das Registergericht und ein reichlicher Tausender für den Notar hinzu.
Und so geht es lustig weiter, aber ihr habt’s ja!
Gruß
Wolfgang
Als Inhaber der Deinert Gmbh kann ich diesem Dialog nur Recht geben.
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