Hallo Markus,
habe ein wenig in Deiner HP geschnüffelt und auch einem Interview gelauscht. Nun denn:
Der Hinweis auf billigere Bestattungsformen ist interessant,
also Urnen oder billigere Särge.
Nicht nur, die Leiche kann auch die Region verlassen oder zwecks billigerer Einäscherung einen Umweg über den Osten der Republik machen etc. (So sehen wenigstens einige Wessis frisch einbalsamiert noch den Osten
)
Auf der anderen Seite heißt
es ja immer, daß die Generationen soooo viel vererben. Mir ist
da der Hintergrund nicht klar.
Da fehlen eben die Zahlen. Wenn weiterhin Nobelkarossen verkauft werden, sagt das nichts über die Größe des Marktsegments aus. In dem Umfang, wie Reich zunimmt, nimmt auch Arm zu. Wie in Amerika kriegen wir eine Polarisierung, die Mitte schrumpft.
Vielleicht eine
Aldi-Mentalität, die da durchschlägt - Gutes gibt es auch zum
günstigen Preis?
Kann sein, aber je kleiner der Ort (eben die Provinz), desto weniger will man sich lumpen lassen, weil man sich eben kennt. In den Städten schlägt dann durch die Anonymität die Billigmentalität krasser durch.
Mir sind Bestatter vor allem aufgefallen durch schlechte
Werbung bzw. die konzertierte Werbung, die die hier mal
machten, war gegen einen vermeintlichen nicht billigen
„Billigbestatter“. Wobei keiner der Bestatter im Ansatz so
gute Werbung macht wie der „Billigbestatter“.
Das liegt an den mafiösen Strukturen in dem Gewerbe. Ein Bestatter ist ursprünglich mal Schreiner und Einsarger gewesen und bekam seine Aufträge nicht nur von Privat, sondern eben auch vom Bürgermeister (Bürgeramt), z.B. bei Sozialfällen oder durch Sterbefälle von Singles ohne Verwandtschaft. So ergaben sich die Fäden zur „Politik“, und da geht es nun mal „etwas geschmiert“ zu. Damit er keine Konkurrenz (wie in anderen Branchen normal) kriegt, muss er eben seine Auftraggeber so gut bedienen, dass sie ihn exclusiv unterstützen (und ein Newcomer keine Chance hat). Am Bestatter hängt in logischer Kette der Pfarrer samt Krankenhaus (Hospiz), der Friedhofsgärtner (auch die Sargträger) und letztlich auch die Steinmetze dran. Die sind dann der krönende Abschluss, was die Preise betrifft; aber dort ist noch etwas Konkurrenz möglich, weil sich die Leute selbst entscheiden können, zu welchem Steinmetz sie gehen, ansonsten gibt auch hier der Bestatter Empfehlungen ab. Und unter einander kennen sich alle Beteiligten bestens, gehen zum gleichen Stammtisch, den gleichen Kegel- oder Schützenverein usw. Eine Hand wäscht eben die andere.
Es ist eigentlich ein gutes Zeichen, wenn ein Markt sich
ändert und z.B. Einkaufspreise runtergehen (z.B. Särge und
Mamor aus dem Ausland). Das heißt aber auch, daß sich mehr
ändern muß.
Dank Internet könnte sich theoretisch einiges ändern, wenn da nicht gewisse Vorschriften und Genehmigungen nötig wären. Und die erteilt wieder das Bürgermeisteramt durch die Friedhofssatzung.
So wie ich Bestatter seit Jahrzehnten als
potenzieller Kunde wahrnehme, hat sich da nichts geändert.
Warum auch (s.o.)? Klappt doch Alles bestens, so lange die Leute Geld haben. Nur wird das Geld eben knapper, das Sterbegeld gibt es nicht mehr (stattdessen Versicherungen: eine neue Einnahmequelle für Bestatter) und die Leute müssen sparen, da wird auch an der Pietät gespart (keine Musik, kein Requiem, weniger Blumengebinde auf dem Sarg, der auch nicht mehr aus Eiche sein muss etc.).
Ich
hatte hier mal einen kleinen Artikel zu Hallenbauern
geschrieben, auch da harpert es an der Werbung:
http://www.hallomarkus.de/article.php/Werbung-fuer-B…
Na, die Eigenwerbung ist ja gelungen 
Das kann man ganz ähnlich für fast alle Branchen so sehen, die
als Grundlage ein Handwerk haben und für sich selbst Werbung
machen, also z.B. kein Franchising. Billigbestatter scheinen
die einzigen zu sein, die sich gezielt um Werbung kümmern.
Die versuchen ja auch, über das Internet etwas zu makeln, weil sie letztlich wieder mit den örtlichen Bestattern arbeiten (da reisen also keine mobilen Bestatter durch die Republik).
Schau Dir mal zum Spaß dieses Machwerk an, dann wirst Du die verkrusteten Strukturen erkennen:
http://www.neuss-erfttal.de/Politik/Bestattungsgeset…
Dennoch, für Werbefutzis eine möglicherweise interessante Bastion, die es zu knacken gilt.
Gruß
®ichard