Gründung jüd.Gemeinden

Servus,

Ich habe neulich festgestellet, dass die jüd. Gemeinde einer Stadt (SW) sich ja erst ab 1850 ,gebildet” hat, also doch relativ spät. Ist das in allen dt. Städten so in der Zeit gewesen oder bildet ,mein” Schweinfurt dabei eine Ausnahme? Wie und in welchem Zeitraum haben sich in anderen dt. Städten die jüd. Gemeinden gegründet?

Vielen Dank schon mal

Felix

Wieder die Hälfte vergessen *Grummel*

Wie ist es denn mit dem prozentualen Anteil der Juden in Deutschland / in dt. Städte gewesen, gemessen an der Gesamtbevölkerung? Bei der Stadt, mit der ich mich z.Zt. beschäftige, waren 1928 1,2% der Bewohner Juden,; 1933 0,9%. Ist das viel,´wenig oder normal? - also, für mich ist das viel, oder wie seht ihr dass….

Felix

Moin, moin Felix,

das Alter jüdischer Gemeinden in Deutschland ist durchaus unterschiedlich. Es ist klar, daß die Gründung von Gemeinden unmittelbar mit der Rechtsstellung der Juden zu tun hatte.
In manchen Städten oder Dörfern war die Zahl der Juden begrenzt. Waren weniger als zehn jüdische Männer dort, konnte keine Gemeinde gegründet werden, denn für einen Gottesdienst müssen zehn Männer versammelt sein.
Dies nur als Beispiel.

Sehr alte jüdische Gemeinden gibt (oder gab) es zum Exempel in Speyer, Worms, Heidelberg.

Nach der sehr unsicheren Lage der Juden im MA und der frühen Neuzeit begann in der Aufklärung eine langsame Besserung: Endedes 18. Jhdts traten Lessing, Mendelsohn und Dohm für die Juden ein; 1782 wurde in Österreich ein Toleranzedikt erlassen, dem einige deutsche Länder bald folgten.
Unter Napoleon und seinem Bruder Jerome (in Westfalen) verbesserte sich ihre Lage noch einmal; danach freilich wurden viele Verbesserungen wieder kassiert.
In Preußen brachte erst das „Gesetz über die Verhältnisse der Juden“ 1847 und die Verfassung von 1850 den Juden die Gleichberechtigung. Im Deutschen Reich sorgte dann ein Reichsgesetz (Der Brockhaus gibt als Datum dafür den 3. 7. 1869 an; aber da existierte das Reich ja noch gar nicht) für die Gleichberechtigung.

In Soest (da, wo ich lebe) gab es im MA eine reihe von Juden; später - das galt bis 1807 - wurde ihre Zahl auf zwei Familien beschränkt, also 15 bis 20 Menschen.

Über das Alter der einzelnen jüdischen Gemeinden wirst Du im Netz oder in der Stadtbibliothek reiche Angaben finden.

Gruß - Rolf

Pardon, ich vergaß noch diese beiden Adressen:

http://www.juden.de/

http://www.hagalil.com

Gruß - Rolf

Hallo Felix,

Wie ist es denn mit dem prozentualen Anteil der Juden in
Deutschland /

sehr unterschiedlich

in dt. Städte gewesen, gemessen an der
Gesamtbevölkerung?

1933 gab es eine Volkszählung im Deutschen Reich. Es gab 500 000 Juden - das waren 0,9 % Bevölkerungsanteil. Die größte jüdische Gemeinde war Berlin mit 172 000 Mitgliedern.

Bei der Stadt, mit der ich mich z.Zt.
beschäftige, waren 1928 1,2% der Bewohner Juden,; 1933 0,9%.

Das würde also dem Bevölkerungsanteil im Deutschen Reich entsprechen.

Ist das viel,´wenig oder normal? - also, für mich ist das
viel, oder wie seht ihr dass….

Ist wohl eine Wahrnehmungssache, ob man das als viel oder wenig sieht.

Es gab durchaus Landgemeinden, in denen der jüdische Bevölkerungsanteil zwischen 1/3 und der Hälfte lag.

Viele Grüße

Iris

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Hallo Felix,

Im Mittelalter gab es in Europa recht viele jüdische Gemeinden, ein grosser Teil dieser Gemeinden ist jedoch gegen Ende des Mittelalters Pogromen zum Opfer gefallen, die Überlebenden flohen (zB nach Osteuropa), das war in Schweinfurt nicht anders: http://www.alemannia-judaica.de/schweinfurt_friedhof….

Danach wurde Juden oft Wohnen in einer Gegend verboten und erst zu beginn der Aufklärung wurde ihnen wieder ein Wohnrecht gestattet (nicht aber der Erwerb von Grundbesitz).

Erst wenn genügend Juden das Wohnrecht erhalten haben, kann überhaupt eine Gemeinde gegründet werden (Gebetsräume oft in einem Wohnhaus) und auch der Bau einer Synagoge war vom Wohlwollen der jeweiligen Stadtväter abhängig.

Es dauerte letztlich bis ins 19. jahrhundert bis Juden (in Deutschland vorübergehend)gesetzlich den Christen gleichgestellt waren.

Das bedeutet, das es in Deutschland ganz wenige Orte mit sehr alten Gemeinden gibt und der grösste Teil der jüdischen Gemeinden erst in der frühen Neuzeit, oft zum zweiten mal, gegründet wurden.

Viele Grüsse
Sama

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