Hi Klaus!
Die Reisebürobranche wird zu den ersten Branchen gehören, die
durch das Internet arbeitslos werden. Wenn ich mir das WEB so
ansehe, dann überschlagen sich - fast - alle, die die
billigsten Reisen zu den schönsten Regionen der Welt anbieten.
Das „normale“ Reisebüro wird deshalb über kurz oder lang
aussterben.
Irgendwie erinnert mich das an einen Berufsberater vom
Arbeitsamt, dem ich vor Jahren mal in die Hände gefallen bin.
Hatte genau die gleiche Argumentation (auch wenn er damals
nicht vom Internet sprach, sondern von der Konjunktur
allgemein). Die Touristikbranche ist bis heute eine der ganz
wenigen, die Jahr für Jahr Zuwächse verzeichnen.
Schön, daß Du mich mit dem Arbeitsamtberater vergleichst. Aber so schlecht ist die - vermutlich abfällig gemeint - Meinung des Arbeitsamtes doch nicht. Wenn man in bestimmten Branchen eine größere Anzahl von Arbeitslosen hat, dann reicht es 1 + 1 zusammenzuzählen und zu dem Ergebnis zu kommen: Vorsicht, das ist eine Branche mit hohem Arbeitslosenpotential!
Über dieses Problem „Internet macht Branchen kaputt“ könnte
man sich tagelang streiten. Jede Branche, die auf
Informationsdienstleistung beruht, wäre dann betroffen.
diese allg. Aussage ist schlicht falsch!
Interessant ist doch, daß gerade Bereiche wie CallCenter, die
nun wirklich „internetgefährdet“ wären, wie Pilze aus dem
Boden schießen. Buch- und Zeitungsverlage müßten wie die
Fliegen sterben, weil jeder seine Lektüre aus dem Internet
zieht.
Hast schon mal versucht ein ebook zu lesen. Da blättere ich lieber in meinem gedruckten Asterix oder dem Lehrbuch der Chirurgie aus dem Jahre 1888.
Wer braucht noch die Verkäuferin bei Karstadt oder
Kaufhof, wenn ich die Ware online begutachten und bestellen
kann.
Den Unterschied zwischen „Plastik-Seide“ und Originalseide muß man fühlen. Das geht elektronisch noch nicht.
Selbst die Lottoannahmestelle von nebenan dürfte es
nicht mehr geben, geht ja auch alles übers Internet.
Wird aber vermutlich so alles nicht passieren. Abgesehen
davon, daß das Internet zunehmend mit einem schlechten Image
zu kämpfen hat (Internet = Porno; Internet = Rechtsradikale;
Internet = Geldvernichtungsmaschine) stellt sich der
Bevölkerung in Deutschland ein neues Problem: die ungeheure
Informationsflut. Die Anzahl an Informationsquellen hat seit
Etablierung des Internets drastisch zugenommen. Immer wieder
heißt es, daß man schneller und umfangreicher informiert sein
muß, um im Leben zu bestehen (Internet, Wap, SMS etc.). Doch
wer ist in der Lage, Informationen selektiv wahrzunehmen?
Trend ist, einfach den Kopf zuzumachen. Die Leute streichen ob
der Informationsflut einfach die Segel und ziehen sich „Big
Brother“ rein. Im Allensbach-Bericht vom April 2000 haben sich
erschreckende Tendenzen gezeigt. 1989 glaubten allen Ernstes
11% der Bevölkerung daran, daß sich die Sonne um die Erde
dreht. Weitere 7% sind sich nicht sicher. Zehn Jahre später
sind diese beiden Gruppen in Summe auf 25% angestiegen (wobei
Deutschlands Osten besser wegkommt als der Westen - also nicht
auf die Vereinigung von 1990 schieben). Sogar 40% der
Befragten sind der festen Überzeugung, daß der Verzehr einer
genveränderten Tomate das eigene menschliche Genom verändert.
Beim letzten Punkt wäre ich an Deiner Stelle nicht so sicher, daß dies nicht im weitesten Sinne passieren kann. Da sind sich nämlich die Forscher nicht mal einig! Seit sehr langer Zeit habe ich einen Überblick über die naturwissenschaftlichen Meinungen. Auch wenn ich selbst nicht daran glaube, aber es gibt immer wieder Alternativmeinungen. Übrigens, die Welt ist tatsächlich eine Scheibe. Zumindestens wenn ich mir so das CD-Angebot mit Landkarten ansehe.
Übrigens, es gibt nur eine Branche, die tatsächlich Geld im Internet, im großen Stil, verdient. Alles andere ist Augenwischerei! Die Pornobranche. Von deren Methoden kann man eigentlich nur lernen (so hat auch erst vor Kurzem der Spiegel geschrieben).
Ich möchte damit nicht sagen, daß das Internet eine
Fehlkonstruktion ist, ganz im Gegenteil. Nur verhalten sich
Menschen offenbar anders, als es erwartet wird. Und um den
Bogen zurück zum Reisebüro bzw. zur Dienstleistung zu
schlagen: Wenn die Leute sich - aus welchen Gründen auch immer
- der Informationsflut und Kommunikationsmöglichkeiten
verweigern, werden Dienstleister noch wichtiger.
Es ist richtig, daß Dienstleister auch heute noch Geld mit ihren Wissen verdienen können. Doch, wie ich schon schrieb und mir auch andere bestätigten, nur mit Spezialkenntnissen kommt man durch. Wenn ich mir überlege, leider habe ich die Notiz nicht mehr in meinem Archiv, daß sogar der Reisebüroverband seine Zunft kritisch einstufte! Kritisch heißt, eine große Menge der üblichen Reisebüros bleibt auf der Strecke! Damit bin ich wieder beim Arbeitsamt gelandet. Damit aber auch bei meiner ersten Meinung, die auch etwas mit meinem Nebenjob zu tun hat: Kurse für Existenzgründer leiten.
Just My 2 Cents…
Grüße
Siegfried