Grüne Äpfel

Hallo Gemeinde,
heute tauchte bei uns ein sprachliches Problem auf:

Heißt es: „Der Bauer glaubt, alle grünen Äpfel geerntet zu haben.“ oder „… alle grüne Äpfel…“

Ohne „alle“ hieße es doch (hoffentlich) unstittig: „Der Bauer glaubt, grüne Äpfel geerntet zu haben.“ und noch unstrittiger „Der Bauer hat sieben grüne Äpfel geerntet.“

Wir sind doch hier in allen drei Fällen im Akkusativ. Wen oder was hat er geerntet?

grüne Äpfel/alle grüne Äpfel/alle grünen Äpfel/alle grüne, aber keine roten Äpfel/alle grüne, aber keine rote Äpfel/sieben grüne Äpfel.

Die Verwirrung ist groß. Liegt es vielleicht an regionalen Spracheigenheiten (Süddeutschland)?

Vielen Dank
Ralf

huhu! :wink:

sollte die frage nicht eher lauten:

sind alle grünen äpfel grün? ein granny smith ist grün, aber auch nicht grün, wenn er reif ist; und: wie sieht man grünen äpfeln an ob sie grün sind oder nicht? diese dualität ist doch sehr befremdend!

trotzdem erntet der bauer alle grünen äpfel, auch wenn diese nicht grün sind. :smile:

bye

l.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo, Ralf,

„alle“ ist ein unbestimmter Zahlartikel, der eine eigene Form des nach ihm kommenden Adjektivs erfordert.

Es verlangt im Plural, das die nach ihm kommenden Adjektive so dekliniert werden, als ob ein „die“ (Plural) da stünde.

alle grünen Äpfel
die grünen Äpfel

alle dummen Hunde
die dummen Hunde

allen jungen Menschen
den jungen Menschen

von allen guten Geistern verlassen
von den guten Geistern verlassen.

Näheres findest du in allen guten Grammatiken.

Gruß Fritz

trotzdem erntet der bauer alle grünen äpfel, auch wenn diese
nicht grün sind. :smile:

Auch dann, wenn sie ihm nicht grün sind? :wink:

=^…^=

trotzdem erntet der bauer alle grünen äpfel, auch wenn diese
nicht grün sind. :smile:

Hallo, Kamikatze,
das Adjektiv „grün“ wird im Zusammenhang mit Obst häufig auch im Sinne von „unreif“ verwendet. Insofern kann auch ein roter Apfel durchaus noch grün sein und auch dieses Satz ist in diesem Sinn richtig „Ein grüner Apfel, der nicht mehr grün ist, mag zwar grün aussehen, aber er ist reif“

Gruß
Eckard

1 „Gefällt mir“

das Adjektiv „grün“ wird im Zusammenhang mit Obst häufig auch
im Sinne von „unreif“ verwendet.

Daher auch die Geschichte:

„Sind das Brombeeren?“
„Ja!“
„Warum sind sie dann rot?“
„Weil sie noch grün sind.“

2 „Gefällt mir“

solch grüne /solche grünen Äpfel
Hallo Fritz,

ich habe meinen Schülern immer die Faustregel beigebracht: Nach einer unbestimmten Anzahl verhält es sich wie nach unbestimmtem Artikel oder ohne Artikel, nach einer bestimmten Anzahl wie nach dem bestimmten Artikel. Einzige Ausnahme sind Adjektive auf Konsonant + „ch“ wie „manch“, „solch“, „welch“.

„Alle“, „sämtliche“, „beide“, „jede(r/s)“ bezeichnen bestimmte Anzahlen, weil es keine Ausnahme gibt.

„viele“, „wenige“, „einige“ und „mehrere“ bezeichnen unbestimmte Anzahlen, weil es auch einen unbestimmten anderen, komplementären Teil gibt.

Adjektive auf Konsonant + „ch“ wie „manch“, „solch“, „welch“ verhalten sich, wenn sie selbst flektiert sind, also die Endung des bestimmten Artikels haben, als wären sie der bestimmte Artikel selbst. Ohne Endung verhalten sie sich nicht so, also fehlt dort der Artikel und die Flexion eines folgenden Adjektivs ist entsprechend.

Gruß Gernot

Es grünt so grün
Hallo Eckard,

das Adjektiv „grün“ wird im Zusammenhang mit Obst häufig auch
im Sinne von „unreif“ verwendet. Insofern kann auch ein roter
Apfel durchaus noch grün sein und auch dieses Satz ist in
diesem Sinn richtig „Ein grüner Apfel, der nicht mehr grün
ist, mag zwar grün aussehen, aber er ist reif“

Das ist mir durchaus bewusst, bin ich hier doch nachgerade umzingelt von Obstgehölzen aller Art.

Doch es mag doch sein, dass die Äpfel dem Bauern nicht grün sind, zumal er sie doch pflücken will… :wink:)

http://www.farbenundleben.de/kultur/redewendungen_gr…

Grüne Grüsse

=^…^=
Katze

Doch noch…
Doch es ist das eine oder andere ‚doch‘ hineingeraten… :wink:)

=^…^=

Hallo, Gernot,

irgendwo in meinem Fundus habe ich eine Datei mit dem Titel „Sonderformen der Adjektivdeklination“.

Es geht dabei um unbestimmte Zahlwörter, die manchmal wie Artikel wirken.

andere, mehrere, manche, etliche, sämtliche, einige, viele, folgende, beide, alle, etc.

Und ich habe wohl hundert Übungssätze dazu.

Eine Auswahl:

  1. Ich wünsche Ihnen alles Gut___ . Das ist nichts Besonder______ .
  2. So etwas Angenehm___ erlebt man nicht alle Tage.
  3. Beide nass___ Schuhe habe ich auf die Heizung gestellt.
  4. Die viel___ , unterschiedlich___ Fragen kann man nicht beantworten.
  5. Drei schön___ Mädchen schauten über den Zaun.
  6. Allen schön___ Fraun ist nicht zu traun.
  7. Alle lustig___ Kinder sind heute eingeladen.
  8. Kein anständig___ Mensch würde so etwas tun.
  9. Solch groß___ Glück hat man nicht alle Tage.
  10. Viel___ jung___ Leute waren auf der Party.
  11. Das Schiff verließ den Hafen bei wenig günstig___ Wind.
  12. Manch___ alter Freund verlässt einen in der größt___ Not.
  13. Einem geschenkt___ Gaul schaut man nicht ins Maul.
  14. Jeder gut___ Mensch muß sich täglich bewähren.

Ich guck mal, ob ich sie hier unterbringen kann.

Aber das kann dauern.

Gruß Fritz

1 „Gefällt mir“

The Rain in Spain (OT)
Hallo Katze,

…stays mainly on the plain!

Bie dem Thema kann ich nicht widerstehen:

http://de.wikipedia.org/wiki/My_Fair_Lady#Zum_St.C3…

Gruß Gernot

Hallo Fritz,

Also prüfen wir doch mal die Fausregel, soweit die Beispiel jetzt schon reichen:

  1. Ich wünsche Ihnen alles Gut___ . Das ist nichts
    Besonder______ .

Alles (bestimte Anzahl, Adjektivflexion wie nach bestimmten Artikel
Nichts gibt es etwas Unbestimmteres? :wink:

  1. So etwas Angenehm___ erlebt man nicht alle Tage.

Etwas hat mit Anzahl eigentlich nichts zu tun, aber der Artikel fehlt eindeutig.

  1. Beide nass___ Schuhe habe ich auf die Heizung gestellt.

Beide (bestimmte Anzahl, alle von zwei vorher Genannten)

  1. Die viel___ , unterschiedlich___ Fragen kann man nicht
    beantworten.

Der bestimmte Artikel ist vorhanden, also handelt es sich um eine bestimmte Menge.

  1. Drei schön___ Mädchen schauten über den Zaun.

Kein Artikel vorhanden, also handelt es sich in Verbindung mit einem Zahlwort um eine unbestimmmte Anzahl.

  1. Allen schön___ Fraun ist nicht zu traun.

Allen , die schön sind und zwar ausnahmslos, also bestimmte Menge.

Stößt dir der Sexismus und Rassismus in solchen Beispielsätzen eigentlich auch so auf wie mir? Bei den Grammatikern töten die Vertreter männlichen Geschlechts immer einander, während diejenigen des weiblichen einfach nur schön sind bzw. gern für Beispielsätze mit Verben wie „lieben“ im Passiv genommen werden. (Ich habe ja in den Achtzigern mit Schulz/Sundermeyer angefangen. Da fand sich der Beispielsatz: „1953 starben viele Neger in Afrika an Diphtherie!“)

  1. Alle lustig___ Kinder sind heute eingeladen.

dto. Man weiß ja, wie Kinder so sind, allerdings frage ich mich deshalb, warum hier nicht einfach nur „die“ steht. Gibt es allen Ernstes „unlustige Kinder“?

  1. Kein anständig___ Mensch würde so etwas tun.

Negativer Artikel verhält sich wie unbestimmter Artikel.

  1. Solch groß___ Glück hat man nicht alle Tage.

Keine Endung bei solch , also verhält es sich auch nicht wie ein Artikel und es ist auch kein wirklicher solcher vorhanden.

  1. Viel___ jung___ Leute waren auf der Party.

Viel ist hier selbst ein Attribut, also bedarf es einer Endung, da es sich um eine unbestimmte Anzahl handelt, muss es heißen junge

  1. Das Schiff verließ den Hafen bei wenig günstig___ Wind.

Wenig bezieht sich hier nicht als Attribut auf Wind, also auch nicht auf dessen Intensität oder Anzahl, sondern als endungsloses Adverb auf das Attribut günstig, das mangels Artikels die Endung des bestimmten Artikels abbekommt.

  1. Manch___ alter Freund verlässt einen in der größt___ Not.

Manch bezeichnet eine unbestimmte Anzahl. Da der nachfolgende Artikel die Endung des bestimmten Artikels trägt, passt nach der Ausnahmeregel hier nur die endungslose Form des Adkjektivs manch

  1. Einem geschenkt___ Gaul schaut man nicht ins Maul.

Normale Adjektivdeklination nach unbestimmtem Artikel.

  1. Jeder gut___ Mensch muß sich täglich bewähren.

Jeder ist eine bestimmte Anzahl, da es behauptetermaßen keine Ausnahmen unter den guten Menschen gibt.

Gruß Gernot

Hallo, Gernot.

Stößt dir der Sexismus und Rassismus in solchen Beispielsätzen eigentlich auch so auf wie mir? Bei den Grammatikern töten die Vertreter männlichen Geschlechts immer einander, während diejenigen des weiblichen einfach nur schön sind bzw. gern für Beispielsätze mit Verben wie „lieben“ im Passiv genommen werden. (Ich habe ja in den Achtzigern mit Schulz/Sundermeyer angefangen. Da fand sich der Beispielsatz: „1953 starben viele Neger in Afrika an Diphtherie!“)

Ich habe irgendwo einen Roman, den eine feministische Linguistin - Pusch oder Trömmel-Plötz - aus Beispielsätzen aus Lerngrammatiken zusammen gefügt hat.
Spaßig zu lesen.

Die meisten Sätze habe ich selber gemacht, natürlich nach Vorbildern aus Schlagern z. B. oder Büchern, sogar aus Grammartiken.

Und manche sind ein wenig provokativ, weil die ausländischen Schüler daran Anstoß nehmen, nachfragen, ihre Meinung dazu sagen; und so kommt auch während des öden Regelpaukens leicht ein Gespräch auf, das dann sinnvoller ist als die Grammatikübung allein.

Gruß Fritz

Ich guck mal, ob ich sie hier unterbringen kann.

Ich habs versucht, aber die Formatierung lässt eine sinnvolle Abbildung hier im Brett nicht zu.

Gruß Fritz

1 „Gefällt mir“

Ehene oder doppelte DaF-Strategien
Hallo Fritz,

Ich habe irgendwo einen Roman, den eine feministische
Linguistin - Pusch oder Trömmel-Plötz - aus Beispielsätzen aus
Lerngrammatiken zusammen gefügt hat.
Spaßig zu lesen.

Wahrscheinlich meinst du Luise Pusch und das Kapitel: „Sie sah zu ihm auf wie zu einem Gott“ Das DUDEN-Bedeutungswörterbuch als Trivialroman in ihrem ersten Erfolgswerk „Das Deutsche als Männersprache“.

Die meisten Sätze habe ich selber gemacht, natürlich nach
Vorbildern aus Schlagern z. B. oder Büchern, sogar aus
Grammartiken.

Und manche sind ein wenig provokativ, weil die ausländischen
Schüler daran Anstoß nehmen, nachfragen, ihre Meinung dazu
sagen; und so kommt auch während des öden Regelpaukens leicht
ein Gespräch auf, das dann sinnvoller ist als die
Grammatikübung allein.

Unsere Lehransätze liegen da nicht weit auseimnander, wenn überhaupt!

Dennoch: Grammatiklehrwerke, wie „Die Schöne ist angekommen“ ISBN:978-3-12-675318-0 Buch anschauen, die daraus von vornherein eine Methode Machen, indem sie sich in gleichem Maße als Unterhaltungslektüre verstehen wollen, habe ich nie als brauchbar empfunden. Das ist dann nicht Fisch, nicht Fleisch (oder auch nichts Halbes und nichts Ganzes).

Ich kann mich aber z.B. selbst an einen Aussiedlerkurs mit Russlanddeutschen (Grundstufe1) erinneren, den ich in den Achtzigern des letzten Jahrhunderts unterrrichtete und in den -zur Schönung der Arbeitslosenstatistik- die bereits perfekt muttersprachlichen Dialekt sprechende 59-jährige Oma mennonitischen Glaubens genauso gesteckt wurde wie ihre kein Wort Deutsch sprechende, atheistisch erzogene russische Schwiegerenkeltochter.

Da hatten wir z.B.: einmal eine Unterrichtseinheit zum Thema Wortschatz (Einrichtungsgegenstände). Es entspann sich darin eine längere Diskusssion, ob es Doppel- oder Ehe bett heiße. Ob im Verlaufe derselben Diskussion auch die praktischen Vorzüge " französischer Betten" diskutiert wurden, weiß ich leider nicht mehr. :wink:

Jedenfalls bin ich mir sicher, dass sich die erwähnten Varianten von „Bett“ als Vokabeln so unauslöschlich in die Gehirne aller Kursteilnehmer eingebrannt haben.

Gruß Gernot

2 „Gefällt mir“