lese gerade Fritz Riemann mit besagtem Buchtitel
und bin fast durch damit.
Jetzt suche ich nach weiteren Büchern, die sich mit dem
Thema der 4 Angsttypen beschäftigen.
Oder mit ähnlicher Thematik.
Mein Ziel ist es, mir ein besseres Beurteilungsvermögen über
Personen anzueignen, da ich als Führungskraft tätig bin.
(Ich weiß, das braucht Zeit, momentan kann ich auch nur mich
selbst zuordnen )
Hallo Lena
Der RIEMANN war in den 60er und 70er Jahren ein konkurrenzloser Bestseller, ohne Frage.
Spätestens seit den 90er Jahren las man (zumindest in professionellen Kreisen) dann eher die weiterführenden Bücher von KARL KÖNIG zu dieem Thema.
Ich hab jetzt gerade keinen Titel auf der Zunge, aber a) sind die alle gut und b) hab ich mindestens einen in meiner Literatur-Site (geh auf meine website www.schmidt-branden.de und klick dann rechts auf Literatur).
KÖNIG hat die vier Grundtypen eben zeitgemäß auf sechs oder so erweitert. In den 60er Jahren hat man ja sich ja mit den sogenannten frühen Störungen und den daraus resultierenden Persönlichkeitstypen, als da sind: narzisstische, schizoide usw., noch nicht so intensiv befasst.
Gruß,
Branden
Mein Ziel ist es, mir ein besseres Beurteilungsvermögen über
Personen anzueignen, da ich als Führungskraft tätig bin.
Wenn das so ist, dann traegst du Verantwortung fuer Menschen. Was du
liest und dir an „Wissen“ aneignest, wird praktisch relevant.
Und da moechte ich Bedenken aeussern:
Riemanns Buch liest sich fluessig und alles ist plausibel.
ABER: Was plausibel ist, muss noch lange nicht wahr sein.
Riemanns Buch ist eher Belletristik als Empirie, und ich wuerde nur
letzterer trauen. Klar fliessen auch in „Grundformen der Angst“
Beobachtungen, also Empirie, ein, jedoch werden diese in ein
ideologisches Korsett geschnuert, das von Willkuer nur so strotzt.
Riemann war nicht nur der Psychoanalyse, sondern auch der Astrologie
sehr zugetan. Und das merkt man:
Es gab in der Menschheitsgeschichte viele Versuche Menschen zu
kategorisieren. Die Einteilung des Hippokrates’ Sanguiniker,
Melancholiker, Phlegmatiker und Choleriker ist z.B. ziemliche
bekannt. Die Astrologie haelt sicher auch einiges in dieser Richtung
bereit. Dann gibt es noch das Enneagramm oder in der modernen
Psychologie das Modell der Big Five.
Riemmanns Sortierung ist nur eine unter vielen und dabei wohl noch
nicht einmal die beste.
Seine Aussagen sind so zutreffend wie ein besseres Horroskop:
Man fuehlt sich recht gut beschrieben, ist verbluefft ueber die
Treffsicherheit - und doch liegt die „Wahrheit“ hauptsaechlich im
Willen und in der Faehigkeit des Menschen, Muster zu erkennen bzw. zu
konstruieren (Verbale Beschreibung und Wahrnehmung werden
uebereinandergelegt und was nicht passt wird uebersehen oder passend
gemacht).
Ich bekomme ehrlich gesagt einen Schreck, wenn die Fuehrungskraft
mich in Riemanns Schema pressen will - und schon das Lesen dieses
durchaus interessanten Buches setzt ihr eine Riemann-Brille auf,
die dann noch dafuer sorgt, dass sich Riemanns Aussagen immer wieder
„bestaetigen“.
Aber Fuerhrungskraefte sind auch nur Menschen. Es ist nur manchmal
bloed, dass sie etwas zu sagen haben.
Wie Tychi und Branden schon erwähnt haben, ist Riemanns Persönlichkeitstheorie nicht zu empfehlen.
Stattdessen empfehle ich dir, dich an den Big Five zu orientieren. Das Anwendungsorientierte Buch „Führen mit dem Big-Five-Persönlichkeitsmodell“ ist vermutlich genau das, was du suchst. Hier der Amazon-Link: http://www.amazon.de/gp/product/359337076X/028-20987…
Es gibt kein Buch, in dem die Wahrheit steht und das man nur zu lesen
braeuchte und dann waere alles klar.
Ich sage auch nicht, dass „Grundformen der Angst“ schlecht sei. Es
ist aber eben nur ein Mosaiksteinchen im grossen Bild vom
Menschen. Meine Warnung richtet sich gegen eine naive Einstellung a
la „Jetzt habe ich das Buch gelesen und deshalb kann ich jetzt
Menschen viel besser beurteilen und viel kluegere Entscheidungen
treffen.“
Wenn man das Wesen des Menschen verstehen will (unter der
Voraussetzung, das es ein solches ueberhaupt gibt), dann muss man
jahrelang sensibel und aufmerksam durch die Welt gehen, viele Buecher
lesen (Vielseitigkeit) und sich um Ordnung in der Informationfuelle
bemuehen. Nach und nach kristallisiert sich dann ein realistisches
Bild heraus.
Menschenkenntnis lernt man nur zum kleineren Teil aus Buechern (und
kaum aus einem einzigen allein). Hauptsaechlich ist Menschenkenntnis
ein Ergebnis aus wachem und interessiertem Umgang mit Menschen, bei
gleichzeitiger Offenheit gegenueber immer neuen Wandelungen des
Bildes, das man vorlaeufig hat.
Gruss, Tychi
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