Hallo Nico,
Emotionen sind eine Art von bewußter Wahrnehmung des physiologischen Zustandes (z. B. Herzschlag, Blutdruck, Zustand des vegetativen Nervensystems), die Information über diesen Zustand wird aus dem Körper über Nervenbahnen zum Gehirn geleitet, bis zur Großhirnrinde, und dort wird sie bewußt wahrgenommen, so wie Sinneswahrnehmungen (Sehen, Hören usw.) auch. Es handelt sich also sozusagen um einen „sechsten Sinn“ für die Wahrnehmung des eigenen physiologischen Zustandes.
Allerdings findet natürlich auch eine umgekehrte Beeinflussung des Körperzustandes vom Gehirn her statt: über Hypothalamus/Hypophyse und die nachgeschalteten Hormondrüsen z. B. Nebennieren (Adrenalin usw.).
Nun kannst Du Dir das Zustandekommen der Emotionen so vorstellen: Du nimmst mit Deinen Sinnen eine Situation war (siehst z. B. eine anziehende Frau), diese Information gelangt in Dein Gehirn und wird dort verarbeitet, das Gehirn beeinflußt dann Deinen physiologischen Zustand (Herz schlägt schneller…), die Signale über den veränderten physiologischen Zustand gelangen wiederum ins Gehirn und in die Großhirnrinde, wo sie das bewußte Erleben als Emotion verursachen.
Dies ist der Inhalt der James-Lange’schen Theorie der Emotionen, sie wurde bereits vor etwa 100 Jahren aufgestellt. Diese Theorie wurde inzwischen zwar erweitert und verfeinert, im Prinzip wird sie auch heute noch vertreten.
Angeblich sollen Menschen mit Querschnittslähmung ein in seiner Intensität vermindertes Gefühls-Erleben haben, wobei die Verminderung des Gefühls-Erlebens von der Höhe der Durchtrennung des Rückenmarks abhängt (weiß ich nicht persönlich). Dies käme dadurch zustande, daß u. a. auch die Nervenbahnen, die die Signale über den Körperzustand ins Gehirn leiten sollen, in einem Ausmaß funktionslos sind, das von der Höhe der Rückenmarksverletzung abhängt.
Allerdings, das Rätsel der subjektiven bewußten Empfindung von Gefühlen (wie auch von Sinneseindrücken, Erinnerungen, Gedanken… - was man so mit dem Begriff „Seele“ belegt hat) ist vollkommen ungelöst (bin mir da ziemlich sicher).
Weiteres erfährst Du in Büchern über Neurophysiologie, gut sind auch die Bücher von Antonio R. Damasio.
Grüße
I.