Grundsätzlich: Emotionen

Hallöchen zusammen!

So, mal komplett unabhängig von meinem Post etwas weiter unten möchte ich mal die Frage in den Raum stellen, was Emotionen sind.

Hier sagt man, es seien einfache Hormonausschüttungen, Reaktionen des limbischen Systems, Instinkte - was aber lässt sich einen dann „gut“ oder „schlecht“ fühlen? Was ist den „Sinn“ für Gefühle? Ist es eine rein körperliche Reaktion - wenn sie mit diversen chemischen Mitteln, etwa Betablockern, in gewisser Hinsicht beeinflusst werden kann?
Dort sagt man, es sei etwas Unzugängliches, das man nicht genau greifen, geschweige denn beschreiben kann, man ordnet es in die „Seele“ ein, die einen übernatürlichen Charakter hat und der Ursprung vieler Glaubensrichtungen ist. Weil es so schwer greif- und eigentlich nur umreißbar ist, hat es in vieler Menschen Augen einen göttlichen Charakter.

Ist es möglich, dazu etwas definitives zu sagen? Ich bitte sowohl um persönliche Meinungen als auch um kurze, objektive Abhandlungen.

Bin gespannt auf die Beiträge. :smile:

Hallo Nico,

Emotionen sind eine Art von bewußter Wahrnehmung des physiologischen Zustandes (z. B. Herzschlag, Blutdruck, Zustand des vegetativen Nervensystems), die Information über diesen Zustand wird aus dem Körper über Nervenbahnen zum Gehirn geleitet, bis zur Großhirnrinde, und dort wird sie bewußt wahrgenommen, so wie Sinneswahrnehmungen (Sehen, Hören usw.) auch. Es handelt sich also sozusagen um einen „sechsten Sinn“ für die Wahrnehmung des eigenen physiologischen Zustandes.

Allerdings findet natürlich auch eine umgekehrte Beeinflussung des Körperzustandes vom Gehirn her statt: über Hypothalamus/Hypophyse und die nachgeschalteten Hormondrüsen z. B. Nebennieren (Adrenalin usw.).

Nun kannst Du Dir das Zustandekommen der Emotionen so vorstellen: Du nimmst mit Deinen Sinnen eine Situation war (siehst z. B. eine anziehende Frau), diese Information gelangt in Dein Gehirn und wird dort verarbeitet, das Gehirn beeinflußt dann Deinen physiologischen Zustand (Herz schlägt schneller…), die Signale über den veränderten physiologischen Zustand gelangen wiederum ins Gehirn und in die Großhirnrinde, wo sie das bewußte Erleben als Emotion verursachen.

Dies ist der Inhalt der James-Lange’schen Theorie der Emotionen, sie wurde bereits vor etwa 100 Jahren aufgestellt. Diese Theorie wurde inzwischen zwar erweitert und verfeinert, im Prinzip wird sie auch heute noch vertreten.

Angeblich sollen Menschen mit Querschnittslähmung ein in seiner Intensität vermindertes Gefühls-Erleben haben, wobei die Verminderung des Gefühls-Erlebens von der Höhe der Durchtrennung des Rückenmarks abhängt (weiß ich nicht persönlich). Dies käme dadurch zustande, daß u. a. auch die Nervenbahnen, die die Signale über den Körperzustand ins Gehirn leiten sollen, in einem Ausmaß funktionslos sind, das von der Höhe der Rückenmarksverletzung abhängt.

Allerdings, das Rätsel der subjektiven bewußten Empfindung von Gefühlen (wie auch von Sinneseindrücken, Erinnerungen, Gedanken… - was man so mit dem Begriff „Seele“ belegt hat) ist vollkommen ungelöst (bin mir da ziemlich sicher).

Weiteres erfährst Du in Büchern über Neurophysiologie, gut sind auch die Bücher von Antonio R. Damasio.

Grüße

I.

Naja, so ganz stimmt das hier aber nicht…
Also zunnächst ist es erstmal so, dsass es keine zufriedenstellende Definition von Emotionen gibt. Es gibt nur Arbeitsdefinitionen. Aber es soll ja das Ergebnis der Forschung sein, eine Definition zu finden. Man muss unterscheiden, in jeder Theorie der Emotionen haben diese eine andere Funktion, daher kann man dies nicht so genau sagen. Die James-Lang-Theorie kann man sagen ist so ziemlich falsch (ich bin traurig, weil ich weine). Dies wurde schon desöfteren geschrieben. Eingeweide sind relativ unempfindliche Organe. Viszerale Ändeungen dauern zu lange (z. T. bis zu 2 Sekunden, Emotionen passieren schneller)

Die Studie, die angesprochen wurde mit den Querschnittsgelähmten (Hohmann, 1966) ist sehr umstritten. Es gibt methodische Fehler. Das Hauptproblem war, dass die Querschnittsgelähmten in der Studie eh schon eine resignierte Haltung eingenommen haben). Bei aktiven Querschnittsgelähmten gibt es sogar mehr Emotoinen (bzw. emotionale Erregbarkeit) 8bermond et all, 1991, Cognition and Emotion).
heutzutage geht man eher davon aus, dass eine peripher physiologische Erregung nicht notwendig ist. Dies wurde auch mit der Studie von Erdmann 1986 gezeigt, der mit Beta-Blockern die physiologische Erregung unterdrückte, aber nicht die Emotionen veränderte oder reduzierte.
MfG
Tim

Derzeitiger Wissensstand?
Hallo Tim,

die Informationen, die ich in mein Posting genommen habe, habe ich im wesentlichen aus dem Buch von Eric Kandel, Neurowissenschaften (1995) ISBN 9-783860-253915 Buch anschauen.
Während ich dort nochmals lese, finde ich dort:
„…In den letzten Jahren ist emotionales Verhalten zunehmend als das Ergebnis der Interaktion von peripheren und zentralen Faktoren betrachtet worden…“ und „Die James-Lange-Schachter-Damasio-Theorie interpretiert das Erleben von Emotion im Kern als eine Geschichte, die das Gehirn ‚ausheckt‘, um die Reaktionen des Körpers zu erklären. (somatische Marker-Hypothese)“.
Deshalb kam ich zur Auffassung, die James-Lange-Theorie sei ergänzt worden, und nicht, sie sei widerlegt und Wissensstand sei nun etwas grundsätzlich anderes.
Da mich dieses Thema sehr interessiert, meine Frage an Dich, kannst Du mir kurz in groben Zügen mitteilen, was ist derzeitiger Stand, bzw. wo kann ich darüber nachlesen?

Grüße,

I.

Hallo Nico,

es existieren viele Theorien zu dem, was Emotionen sind und wovon sie abhängen, wobei die Schwerpunkte auf unterschiedlichen Aspekten liegen. Eine frühe Theorie ist z.B. die schon genannte James-Lange-Theorie. Ich möchte hier aber keinen Überblick über die gängigen Emotionstheorien geben, sondern kurz einiges dazu sagen, was heute in der Psychologie unter Emotion verstanden wird.

Emotion wird im allgemeinen nicht (mehr) mit Gefühl gleichgesetzt. Emotion wird vielmehr umschrieben als

  • Gefühl plus

  • physiologische Erregung plus

  • motorischer Ausdruck (Mimik, Gestik, Stimmlage).

Diese Komponenten bilden die sogenannte Reaktionstriade der Emotion.

Das Gefühl stellt die subjektive Komponente innerhalb der Reaktionstriade dar. Diese Komponente ist der direkten Beobachtung nur durch die Person zugänglich, die das Gefühl selbst hat. Sie ist nicht von anderen Personen direkt erfaßbar. Die physiologische Komponente umfaßt die Vorgänge im Nervensystem (sowohl ZNS als auch ANS) und die vegetativ-physiologischen Reaktionen (z.B. Blutkreislauf, Atmung, Hormonsystem, Transpiration). Der motorische Ausdruck ist wichtig für die Kommunikation von Emotionen.

Die sogenannten primären Emotionen wie Freude, Trauer, Furcht, Wut, Überraschung und Ekel sind anscheinend angeborene Verhaltensmuster, die interkulturell sehr ähnlich ablaufen, allerdings oft durch kulturelle Regeln überformt sind. Primäre Emotionen treten in Folge bestimmter Reize (Verstärker und Strafreize) auf und halten nur wenige Sekunden an. Dagegen stellen Stimmungen Tendenzen dar, über eine längere Zeit mit bestimmten Emotionen auf Reize zu reagieren. Sie stehen in engerem Zusammenhang mit Gedanken als mit motorischen und physiologischen Reaktionen.

Zur Frage nach dem Sinn von Emotionen gibt es ebenfalls eine Reihe von Annahmen. Ich möchte hier den Standpunkt von Charles Darwin anführen. Darwin schrieb der Emotion zwei Funktionen zu:

Emotion stelle einen adaptiven Vorgang dar, der eine angemessene Verhaltensantwort auf einen Reiz wahrscheinlicher mache. Emotion sei aber auch ein Mittel zur sozialen Kommunikation, um dem Interaktionspartner zu signalisieren, in welchem Zustand man sich selbst befindet und wie man wahrscheinlich reagieren wird.

Gruß,

Oliver Walter

was Emotionen
sind.

die frage gehört in philosophie. dort wirst du eher antworten kriegen, die du wahrscheinlich erwartest.

Hier sagt man, es seien einfache Hormonausschüttungen,
Reaktionen des limbischen Systems, Instinkte

Dort sagt man, es sei etwas Unzugängliches, das man nicht
genau greifen, geschweige denn beschreiben kann, man ordnet es
in die „Seele“ ein, die einen übernatürlichen Charakter hat
und der Ursprung vieler Glaubensrichtungen ist.

ganz einfach: es ist BEIDES! die psychologie und physiologie beschreibt die außenansicht (verhalten, chemische ereignisse im körper), aber für uns selbst sind emtionen eben emotionen, empfindungen, die man nicht beschreiben kann, sondern nur in der innenansicht empfinden, deshalb „empfindung“ :smile: das ganze KANN natürlich auch teil einer seele sein, sogar einer göttlichen - das ist geschmackssache. die verschiedenen sichtweisen schließen sich nicht aus. anderes beispiel: ein beethovenklavierkonzert besteht bei genauerem hinsehen aus schwingungen verschiedener frequenz, amplituden usw. aber für uns ist es immer noch musik, die uns gefällt oder nicht, die etwas aussagt oder nicht, die schön oder häßlich ist usw.

gruß
datafox