Grundstückgrenze über Jahre falsch

Hallo,

ich habe da, wie ich finde, einen recht interessanten, hypothetischen „Fall“.

Nehmen wir an vor 25 Jahre hat jemand Bäume auf einem 2500m² großen Grundstück gepflanzt. (Außerorts, umgeben von Wiesen). Über all die Jahre wäre durch die regelmässige Pflege ein ansehnliches Tannenwäldchen entstanden.

Da die Pflege eines Waldes recht arbeitsintensiv ist und diese aus Altersgründen nicht mehr durchgeführt werden könnte, soll der Wald nun verkauft werden. Da hierzu die entsprechenden Unterlagen nicht vorhanden wären, würde ein Flurplan angefordert werden.

Und nun käme das große Erwachen: Von den 2500m² würden nur 1000m² der Familie gehören, die anderen 1500m² würden auf dem Gebiet des angrenzenden Nachbarn stehen.

Dieser hätte selbst einen Zaun gezogen um die Gebiete abzugrenzen. Auch hätte er niemals gesagt das hier Bäume auf seinem Gebiet gepflanzt wurden, ganz einfach weil er es ebenfalls nicht gewusst hätte.
Das ganze kommt also erst heraus, als der Wald verkauft werden soll und der Flurplan angefordert wird.

Nun meine Frage zu solch einem Fall: Die Bäume wären als Wertanlage gepflanzt worden. Der Wald wäre all die Jahre regelmässig gepflegt und auch immer wieder junge Bäume nachgepflanzt worden. Es würden nie Bäume aus diesem Wald verkauft worden sein, all die Jahre wäre also nur investiert worden.

Würde nun tatsächlich einfach so 1500 m² Wald in dem Besitz des anderen übergehen bzw. wäre schon immer sein Besitz gewesen?
(Aktuell wäre es so geregelt worden, auch um Streit zu vermeiden).
Wenn das tatsächlich so wäre, was wäre dann wenn auf der Flächeveine Ferienhütte bzw. irgendetwas anderes, materiell Wertvolles stehen würde? Hätte der Erbauer/Bewirtschafter daran keine Rechte?

Grüße
Garlahne

Zusatzfrage
Hallo Garlahne,

Würde nun tatsächlich einfach so 1500 m² Wald in dem Besitz
des anderen übergehen bzw. wäre schon immer sein Besitz
gewesen?
(Aktuell wäre es so geregelt worden, auch um Streit zu
vermeiden).
Wenn das tatsächlich so wäre, was wäre dann wenn auf der
Fläche eine Ferienhütte bzw. irgendetwas anderes, materiell
Wertvolles stehen würde? Hätte der Erbauer/Bewirtschafter
daran keine Rechte?

Interessante Fragen.
Ich hätte noch eine:
Könnte der Besitzer der 1500 qm Wald auch nach 25 Jahren noch vom Baumpflanzer verlangen das Grundstück wieder in seinen Urzustand zurückzuversetzen (also Bäume fällen, Wurzeln entfernen, einebnen, etc.)?

Grüße von
Tinchen

Hi,

Nun meine Frage zu solch einem Fall: Die Bäume wären als

Wertanlage gepflanzt worden. Der Wald wäre all die Jahre
regelmässig gepflegt und auch immer wieder junge Bäume
nachgepflanzt worden. Es würden nie Bäume aus diesem Wald
verkauft worden sein, all die Jahre wäre also nur investiert
worden.

vermutlich kommt es auf die örtlichen Gegebenheiten an. In unserer Gegend kostet der m² Wald ca. 2,50 €, der m² Wiese um die 5,00 € und Acker ca. 5,00 - 8,00 €. Somit wäre das Grundstück jetzt weniger Wert, als bei einer anderen Nutzung.

Würde nun tatsächlich einfach so 1500 m² Wald in dem Besitz
des anderen übergehen bzw. wäre schon immer sein Besitz
gewesen?

Im Besitz des Bepflanzers ja, im Eigentum nein. Eigentümer ist derjenige, der im Grundbuch eingetragen ist. Wenn durch die Bepflanzung keine Wertsteigerung eingetreten ist, dann nicht.

(Aktuell wäre es so geregelt worden, auch um Streit zu
vermeiden).
Wenn das tatsächlich so wäre, was wäre dann wenn auf der
Flächeveine Ferienhütte bzw. irgendetwas anderes, materiell
Wertvolles stehen würde? Hätte der Erbauer/Bewirtschafter
daran keine Rechte?

Nein, hätte er nicht. Allerdings könnte es sein, daß die Wertsteigerung durch die baulichen Maßnahmen ausgleichspflichtig wäre.

Gruß
Tina

Hallo,

In unserer Gegend kostet der m² Wald ca. 2,50 €,

WaldForst wird imo immer mit Grund plus Baumbestand bewertet. Es geht ja nicht an, daß ein eben frisch gerodeter und neu bepflanzter Fichtenforst genauso viel wert ist, wie ein schlagreifer Forst mit altem Edelholz.

Cu Rene

Hallo,

In unserer Gegend kostet der m² Wald ca. 2,50 €,

WaldForst wird imo immer mit Grund plus Baumbestand bewertet.
Es geht ja nicht an, daß ein eben frisch gerodeter und neu
bepflanzter Fichtenforst genauso viel wert ist, wie ein
schlagreifer Forst mit altem Edelholz.

Hi,

das ist richtig. In den 2,50 € ist der Baumbestand enthalten, lt. Gutachten des Straßenverkehrsamtes.

Da wir erst kürzlich wegen einer Straßenverbreiterung Wald getauscht haben, kenne ich den aktuellen Preis hier vor Ort.

Gruß
Tina

Hallo Tinchen,

hehe, das entfernen der Wurzeln dürfte etwas schwierig sein, gegen das Fällen (und verkaufen) hätte der Baumpfanzer sicherlich nichts einzuwenden - war ja ursprünglich dafür gedacht. Allerdings sind die Bäume auf den 1500m² immer noch nicht ganz ausgewachsen.

Aber ja, ich verstehe natürlich die Anspielung in deiner Frage…

Hallo,

das ist richtig. In den 2,50 € ist der Baumbestand enthalten,
lt. Gutachten des Straßenverkehrsamtes.

Da wir erst kürzlich wegen einer Straßenverbreiterung Wald
getauscht haben, kenne ich den aktuellen Preis hier vor Ort.

Das mag sein. Aber Du schreibst „vor Ort“. Woanders mag es anders sein. Bei mir „vor Ort“ wird so ungefähr 2 Euro für bestes Ackerland gezahlt. Wald unter einem Euro plus dem Aufwuchs, Grünland dazwischen.

Da nicht bekannt ist, wo sich das Grundstück befindet, rate ich sich beim örtlichen Forstamt zu den Preisen für Wald zu erkundigen.

Gruß
Jörg Zabel

Hallo,

Allerdings könnte es sein, daß die
Wertsteigerung durch die baulichen Maßnahmen
ausgleichspflichtig wäre.

Sofern eine Wertsteigerung da ist. Erstmal wäre der Zeitwert anzusetzen. Sollte es sich um einen Schwarzbau handeln, könnte es Probleme geben …

Gruß
Jörg Zabel

PS: Auwiea, der Thread hat Haken und Ösen …

Hallo,

Nehmen wir an vor 25 Jahre hat jemand Bäume auf einem 2500m²
großen Grundstück gepflanzt. (Außerorts, umgeben von Wiesen).
Über all die Jahre wäre durch die regelmässige Pflege ein
ansehnliches Tannenwäldchen entstanden.

Eine Aufforstungsgenehmigung hatte diese Person?

Und nun käme das große Erwachen: Von den 2500m² würden nur
1000m² der Familie gehören, die anderen 1500m² würden auf dem
Gebiet des angrenzenden Nachbarn stehen.

Dieser hätte selbst einen Zaun gezogen um die Gebiete
abzugrenzen. Auch hätte er niemals gesagt das hier Bäume auf
seinem Gebiet gepflanzt wurden, ganz einfach weil er es
ebenfalls nicht gewusst hätte.
Das ganze kommt also erst heraus, als der Wald verkauft werden
soll und der Flurplan angefordert wird.

Erstmal: dumm gelaufen. Wer hat die Abweichung zwischen Örtlichkeit und Karte festgestellt? Wie sachkundig ist diese Person? Hat irgendwer Grenzmarken gesehen?

Nun meine Frage zu solch einem Fall: Die Bäume wären als
Wertanlage gepflanzt worden. Der Wald wäre all die Jahre
regelmässig gepflegt und auch immer wieder junge Bäume
nachgepflanzt worden. Es würden nie Bäume aus diesem Wald
verkauft worden sein, all die Jahre wäre also nur investiert
worden.

Zu dieser „regelmääsigen Pflege“ würde ich gerne die Meinung eines Forstwirtes hören. Wurde der Bestand wirklich nie ausgelichtet? Sind es wirklich Tannen oder Fichten?
Aber egal, es soll ja sowieso verkauft werden. Und eine Einigung über den Preis gibt es sicher auch.

Würde nun tatsächlich einfach so 1500 m² Wald in dem Besitz
des anderen übergehen bzw. wäre schon immer sein Besitz
gewesen?
(Aktuell wäre es so geregelt worden, auch um Streit zu
vermeiden).

Ja.

Ohne eine rechtliche Bewertung der Sache:
Ich frage mich, wer will was haben?
Der Käufer die gesamte Waldfläche.
Der Verkäufer möchte seinen Grundbesitz los werden. Was ist eigentlich mit dem „Rest“ seines Grundstücks? Grünland?
Was will der Nachbar? Wie wird dessen Fläche bewirtschaftet?

Kann man sich an einen Tisch setzen und reden?

Gruß
Jörg Zabel

Hi,

das ist richtig. In den 2,50 € ist der Baumbestand enthalten,
lt. Gutachten des Straßenverkehrsamtes.

Da wir erst kürzlich wegen einer Straßenverbreiterung Wald
getauscht haben, kenne ich den aktuellen Preis hier vor Ort.

Das mag sein. Aber Du schreibst „vor Ort“. Woanders mag es
anders sein. Bei mir „vor Ort“ wird so ungefähr 2 Euro für
bestes Ackerland gezahlt. Wald unter einem Euro plus dem
Aufwuchs, Grünland dazwischen.

darum schrieb ich ja im ersten Post, daß es vermutlich auf die örtlichen Gegebenheiten ankommt.

Da nicht bekannt ist, wo sich das Grundstück befindet, rate
ich sich beim örtlichen Forstamt zu den Preisen für Wald zu
erkundigen.

Evtl. hilft auch der örtliche Bauernverband oder die Gemeinde weiter.

Gruß
Tina

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Hallo,

ich glaube die Diskussion läuft in eine etwas falsche Richtung.
Der Nachbar hatte überhaupt nichts dagegen, vielmehr war er erfreut auf den Irrtum hingewiesen worden zu sein und plözlich 1500m² Wald oder von mir aus auch Forst mehr zu besitzen bzw. von seinem Besitz zu wissen. Auf seinem Grundstück ist ebenfals Wald, so dass er jetzt einen wesentlich größeren Wald hat.

Es geht auch nicht um die Preise von Wald/Ackerland (das Grundstück befindet sich an einem Hang, der wohl anderstweitig nur schwer nutzbar wäre).

Von interesse ist schlichtweg die Frage, ob derjenige, welcher die Bäume gepflanzt und den Wald über 25 Jahre bewirtschaftet hat, nun ein Recht darauf hat auch am Ertrag zu partizipieren oder nicht.

Das mit dem Ferienhaus hatte ich nur geschrieben, da Tannen materiell ja nicht besonders wertvoll sind. Nehmen wir alternativ an, es sei eine sehr wertvolle Baumart (mit erheblichen Koten verbunden) gepflanzt worden.
Hat nun der Investor daran keinerlei Rechte?

Gruß
Gharlane

Es geht auch nicht um die Preise von Wald/Ackerland (das

Grundstück befindet sich an einem Hang, der wohl anderstweitig
nur schwer nutzbar wäre).

Hi,

doch geht es, es geht doch darum ob durch die Aufforstung ein Mehrwert geschaffen wurde oder nicht.

Von interesse ist schlichtweg die Frage, ob derjenige, welcher
die Bäume gepflanzt und den Wald über 25 Jahre bewirtschaftet
hat, nun ein Recht darauf hat auch am Ertrag zu partizipieren
oder nicht.

Du meinst Bäume fällen und verkaufen? Nein, nicht ohne Zustimmung des Eigentümers. Nur wenn das Grundstück durch die Aufforstung eine Wertsteigerung erlangt hätte (deswegen der Vergleich Ackerland etc.) könnte er evtl. diesen Mehrwert ersetzt bekommen.

Im deutschen Recht zählt immer das Grundstück, es wird in erster Linie das Grundstück gekauft und nicht das Haus. Das Haus ist das, was den Mehrwert zum reinen Grundstückspreis ausmacht.

Das mit dem Ferienhaus hatte ich nur geschrieben, da Tannen
materiell ja nicht besonders wertvoll sind. Nehmen wir
alternativ an, es sei eine sehr wertvolle Baumart (mit
erheblichen Koten verbunden) gepflanzt worden.
Hat nun der Investor daran keinerlei Rechte?

Wie schon geschrieben, wenn das Grundstück durch die Aufforstung mehr Wert ist, kann man evtl. einen Ausgleich verlangen. Ist es aber weniger wert geweorden oder der Wert gleich geblieben, dann nicht.

Gruß
Tina

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