Gruppentherapie abbrechen

Hallo ihr!

Ich habe jetzt etliche Jahre Einzeltherapie (Psychoanalytische) hinter mir. Mein Therapeut wollte schon seit längerer Zeit, dass ich bei ihm in eine Gruppe hineinkomme, wogegen ich mich erst monatelang gesträubt hatte. Dann bin ich hingegangen und fand es erst ganz okay.

Jetzt war ich dreimal da und muss sagen, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass mir diese Gespräche etwas bringen. Letzten Dienstag konnte ich gefühlsmäßig nicht hingehen, bin also einfach weggeblieben.

Heute ist wieder Dienstag und der Gedanke an die Gruppe kotzt mich echt an.

Im Prinzip steht für mich also fest, dass ich das abbrechen will. Ich will auch keine Einzeltherapie mehr.
Ich habe bisher nichts für die Gruppenthera unterschrieben. Ich habe aber das Formular dazu gelesen, in dem steht, dass, wenn jemand ausfällt, er die Kosten für die Stunden in Höhe von 15 € selbst bezahlen muss. Und er nur mit einer Frist von 6 Gruppensitzungen kündigen kann.

Inwiefern gilt das nun für mich?
Muss ich bezahlen? Oder kann ich mich darauf berufen, dass ich nichts unterschrieben habe?
Sollte ich mich mit meiner Krankenkasse in Verbindung setzen, dass ich die Therapie gar nicht mehr machen will? Sie haben mir erst vor kurzem weitere 80 Stunden genehmigt. Da war allerdings von Einzeltherapie die Rede.

Ich hoffe, ihr könnt mir helfen und alles nachvollziehen, was ich geschrieben habe!

Danke im Voraus!

Gruß,

Danielle

Hallo Danielle
Ich biete auch seit vielen Jahren neben meinen Einzeltherapien Gruppenbehandlungen an und habe die Erfahrung gemacht, dass ein Großteil der Leute ganz am Anfang, also in den ersten zwei bis drei Monaten abbricht. Die Leute, die den Anfang, dieses Fremdheitsgefühl („Die sind irgendwie anders alch ich“)überstehen, bleiben dann oft jahrelang in der Gruppe und haben wirklich was davon. Es ist wie mit dem Gitarre-Spielen. Wenn man dieses schlimme Finger-zu-Akkorden-verbiegen endlich drauf hat, dann machts es Freude und bringt was. Der Anfang ist nervig.
Gruppentherapien bringen in the long run meistens sehr viel. Leider wird Gruppentherapie meistens unterschätzt.
Das mit den 4-6 Wochen vorher Bescheid sagen, ist durchaus üblich. Natürlich kann Dich niemand zwingen, wochenlang immer 15,- Euro rauszutun. Es ist so ein bißchen wie bei „Spielschulden sind Ehrenschulden“. Die Kassenärztliche Vereinigung oder die Ärztekammer anzurufen bringt da wenig. Entweder zahlst Du oder eben nicht oder -noch besser- Du gibst Dir selber die Chance, es noch länger zu probieren.
Gruss, Branden

Hallo Danielle,

ich würde meine Bedenken zuerst in der Gruppe diskutieren, wenn das nicht fruchtet, mit dem Therapeuten.

Seh’s positiv: Es gibt im Leben immer Situationen, denen man sich nicht gerne stellt. Man kann davor weglaufen oder sich denen stellen. Man kann darüber hinaus Einfluß üben, daß es nicht so weiter läuft, wie es einen „ankotzt“.

Du hast nun in der Gruppe die Möglichkeit, völlig frei von Risiken Dein Konfliktverhalten zu schulen. Du kannst Deine Meinung sagen, bekommst (vermutlich kritisches) Feedback, kannst trainieren, trotzdem bei Deiner Meinung zu bleiben. Und vielleicht bietet sich sogar die Möglichkeit, daß Du etwas aus Dir heraus veränderst. Vorteil: Du hast nichts zu verlieren (außer dem finanziellen Beitrag).

Wenn Du das Gefühl hast, nicht erforlgreich zu sein, könntest Du in der Gruppe besprechen, ob sie es für besser halten, daß Du der Gruppe fernbleibst oder wie sie damit umgehen würden. Auch hier kannst Du trainieren, beharrlich deinen Standpunkt zu vertreten.

Bereite Dich immer intensiv vor, schreibe Dir Argumente auf, überlege Dir außerhalb der Sitzungen mögliche Szenarien und wie Du darauf reagieren könntest. Kritik, mit der Du nicht umgehen kannst, vertagst Du auf die nächste Stunde. Und dann mache Dir auch wirklich Gedanken darüber. Am Besten in der Sitzung alles, was Dich betrifft, freut und stört, mitpinnen.

Wenn danach die Gruppe oder Du beschließt, daß Du nicht mehr teilnimmst, würde ich dem Therapeuten anbieten, daß Du das Ergebnis und weiteres Vorgehen mit ihm besprichst. Du findest es komisch, dem Therapeuten etwas anzubieten? Ich finde, daß er entscheiden soll, ob er an Deinen Erfahrungen mit der Gruppe teilhaben will. Wenn er das nicht möchte kannst Du Dich genauso an eine Selbsthilfegruppe wenden.

HTH.

Gruß, AndyM